Kochwäsche

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flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
nee,

so was ist mir noch nicht passiert. aber du hast das alles sooo schön geschildert, das kommt natürlich in meine sammlung.
ganz lieb grüßt
 

Balu

Mitglied
Bin ich froh, dass ich ich gartenbauarbeiter und kein bauarbeiter bin. weil ... bei denen wird kein feinripp, sondern naturleinen verwendet mit indandren, weil wenn so ein
stoff dreckig ist, kann man ihn dann drehn.

hmmmm, dass mit den braunen muckis, na ja, die silikonwelle
wird wohl hoffentlich auch uns männer bald erreichen.

knackige schweissgeperlte grüße
Balu
 

arle

Mitglied
Ich habe nichts gegen Bauarbeiter. Ehrlich. Bauarbeiter sind rechtschaffene Leute, die täglich dafür sorgen, dass wir ein Dach überm Kopf und eine Straße unter den Füßen haben. Bauarbeiter sehen auch meistens sehr lecker aus; besonders im Sommer, wenn ihre braunen, gestählten Muskeln in der Sonne spielen, und ihre schweißnassen Körper.... Aber lassen wir das. Ich habe wirklich nichts gegen Bauarbeiter. Einige meiner besten Freunde sind Bauarbeiter. Ich habe nur etwas gegen das, was ich bei mir „Bauarbeiterhemd“ nenne. Bauarbeiterhemden sehen an Bauarbeitern gut aus. An sonst niemandem.

Wenn ein Bauarbeiterhemd weiß ist und aus Feinripp, dann ist das nicht besonders schön. Wenn es zudem etwas zu groß geworden ist, weil der Träger des Hemdes eben nicht 10 Stunden am Tag einen Presslufthammer bedient, sondern 8 Stunden am Schreibtisch sitzt, ist es schon eine Beleidigung fürs Auge. Quillt aus den labberigen Armausschnitten – besonders im Schulter- und Rückenbereich – ein Wald von schwarzen Haaren, kann man dies getrost als seelische Grausamkeit bezeichnen. Betritt man nach wenigen Stunden unruhigen Schlafs morgens um sieben Uhr die Küche, und am Frühstückstisch sitzt ein Mensch, der kein Bauarbeiter ist, trotzdem ein solches Hemd trägt und dieses zudem nur mit einer Unterhose und Tennissocken kombiniert hat, ist das eindeutig Körperverletzung. In seltenen Fällen kommt es vor, dass das Hemd mit überhaupt keiner Hose kombiniert ist. Dann sollte man sofort die Polizei rufen.

Als ich heute morgen, im Zuge des allgemeinen Großreinemachens, meinen Oberkörper bis zur Taille in die Schmutzwäsche versenkte, sprang mir doch tatsächlich so ein vergessenes Bauarbeiterhemd an die Kehle. Entsetzt starrten wir einander an. Der Feinripp verzog sich zu einem vorwurfsvollen Schmollmund. Das, rief es, ist also deine Auffassung von einem ordentlichen Haushalt?! Mich hier wochenlang unter deinen dreckigen Unterhosen zu begraben! Ich wäre fast erstickt!! Mein Herrchen hatte schon ganz Recht, dich in deinem Saustall sitzen zu lassen, du, du... Schlampe! Den ganzen Tag Pralinen fressen, Nägel lackieren, Sekt saufen und mit deinem fetten, faulen, breiten A.... Mit einem gezielten Handkantenschlag setzte ich dem Gezeter ein Ende.

Aber jetzt stehe ich da, das müffelnde Hemd in den Händen, und überlege, was ich damit tun soll. Einfach aus dem Fenster werfen? Dann steht fünf Minuten später die Nachbarin vor der Tür und bringt es mir zurück. Nach ganz unten in den Mülleimer stopfen und die im Backofen vor sich hin schimmelnden Reste des Nudelauflaufs von letzter Woche großflächig darüber verteilen? Ich könnte es auch in briefmarkengroße Stückchen zerschneiden und jeden einzelnen Fetzen mit einer satanischen Botschaft beschriften. Dann chartere ich mir einen Hubschrauber und lasse sie auf einen ganz bestimmten Stadtteil herunter schneien... Nein. Ich werde ein Huhn schlachten. Ich ziehe das Hemd an – mit nichts darunter – und beschmiere uns beide mit dem noch warmen Blut. Ich entzünde mitten auf dem Marktplatz einen riesigen Scheiterhaufen. Wild und ekstatisch werde ich um das Feuer tanzen. Stundenlang. Bis zur völligen Erschöpfung. Und dann, in einem letzten großen Aufbäumen, reiße ich mir das Hemd vom Leib und übergebe es unter dem Gejohle der Zuschauer den hungrigen Flammen, in denen es jämmerlich verschmurgelt! Jawohl! So mach ich’s.

Aber zuerst sollte ich das Bauarbeiterhemd wohl waschen und ordentlich zusammen legen. Vielleicht bekommt es sogar einen Ehrenplatz in meinem Schrank. Jedes Mal, wenn ich die Tür öffne, wird es mich hämisch angrinsen. Naaaaa...., fragt es dann. Naaaaaa....., wirst du dich wohl noch mal mit einem Bauarbeiterhemd tragenden Nicht-Bauarbeiter einlassen? Und jedes Mal, wenn ich die Tür wieder geschlossen habe, werde ich mich bekreuzigen, dreimal auf meinen ungeputzten Fußboden spucken und feierlich schwören: Nein! Nie wieder werde ich das tun!

Das Hemd bleibt hier. Ein Fanal.Ein blütenreines, pfirsichduftendes, kuschelweiches Mahnmal.
 

arle

Mitglied
Graben, mein lieber geperlter Balu, kannst du jedenfalls ausgezeichnet. Schon wieder einen Uralt-Text aus dem Keller geholt und vom Staub der Geschichte oder dem (oftmals gnädigen) Schleier des Vergessens oder so befreit. Und ich stelle wieder einmal fest: Man staunt oft über nix so sehr wie über sich selbst.

Vielen lieben Dank für deinen unerwarteten Kommentar und: Das Innere nach außen zu wenden kann manchmal ganz hilfreich sein.

Die besten Grüße an dich

Silvia
 

MarenS

Mitglied
Iiiieeh, weiße Feinripp an weißen dünnen Extremitäten.
Bei dem bloßen Gedanken daran suche ich im Internet hektisch nach einem Nonnenkloster das mich aufnehmen würde.

Ein sehr schönes Stück Lesegut hast du da ausgegraben Balu.

Grüße von Maren
 



 
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