König Habakan und der Raubritter

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molly

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König Habakan und der Raubritter Teribal Ab 5 Jahren

Im Land, weit hinter den sieben Meeren, lebte König Habakan in seinem weißen Schloss. In einer Herbstnacht lag der König in seinem Bett. Er lauschte dem Wind, der um die Schlossmauer pfiff und ihn langsam in den Schlaf sang. Mitten in der Nacht weckte ihn ein fürchterlicher Schrei. Als er die Augen aufschlug, schwebte sein Schlossgespenst Otto vor dem königlichen Bett. Es rasselte mit seiner Kette und heulte. Der König fuhr mit einem Schrei auf und fauchte: „Du weißt doch, dass ich mich nicht vor dir fürchte!“ Doch dann lachte er, als er das Gespenst anschaute, das mit seinem weißen Hemd auf und ab flatterte, und die schwarze Kette um einen Ärmel gewickelt hatte.
Das Gespenst zischte: „Das Lachen wird dir schon noch vergehen.“ Bei seinem nächtlichen Spazierflug hatte Otto den Räuber Teribal gesehen. Er war mit seinen Reitern unterwegs, um König Habakan das Schloss weg zu nehmen. Das war wirklich eine schlechte Nachricht. Der König stützte seinen Kopf auf die Hände und befahl dem Gespenst sofort mit dem Heulen auf zu hören. „Du nervst mich so sehr, dass ich nicht nachdenken kann. Sei endlich still!“
„Du brauchst mich nicht anzuschreien, geschieht dir ganz recht, wenn der Raubritter dir das Schloss nimmt!“
„Und wo willst du wohnen, wenn ich das Schloss nicht mehr besitze?“
Otto fauchte: „Im Keller natürlich, wie immer!“
„Glaubst du wirklich, der Raubritter würde dich hier hausen lassen? Nein, er würde dich jagen, bis er dich mit deiner Kette im Schlosskeller angebunden hätte. Er könnte dich auch in eine Kiste sperren und den Deckel abschließen. Es gäbe für dich kein nächtlichen Umherschweben mehr.“ Ottos schwarze Augen wurden immer größer. Der König schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. „Nun, Otto, hast du eine Idee, wie wir unser Schloss retten können?“
Otto wischte sich energisch eine Träne aus seinem rechten Auge. „Ich kenne den Reto, er ist ein großer und starker Bauernbursche und geht fast jede Nacht am Schloss vorbei. Ich sehe ihn manchmal auf meinem Rundflug. Vielleicht kann er uns helfen.“
„Gut“, sagte der König, hol ihn schnell her, deine Geisterstunde ist bald zu Ende.“

Reto hatte seine Freundin besucht und war auf dem Heimweg in sein Dorf. Als das Gespenst auf ihn zuflog, wich er zurück. „Bleib fort, komm nicht zu mir“, rief Reto und hielt dabei seine großen Hände vors Gesicht.
„Hab keine Angst“, sagte Otto. „Hör, der Raubritter Teribal ist unterwegs, er will das Schloss besetzen und den König vertreiben. Komm mit, der König braucht deine Hilfe.“
Vor Schreck ließ Reto beinahe seine Laterne fallen. Er hatte gehört, dass der Raubritter Teribal jedes Haus, das ihm im Weg stand, niederbrannte, dass er Dörfer zerstörte und Menschen tötete. Reto dachte an seine Freundin Maude und an seine Eltern. Er musste sie retten, und dem König helfen. Reto rannte hinter Otto her und kurz bevor die Schlossuhr einmal schlug, schwebte Otto in den Keller zu seinem Schlafplatz.
Reto eilte mit langen Schritten ins Schloss, schüttelte seine goldenen langen Locken zurecht und bückte sich, als er das Zimmer des Königs betrat. Der König begrüßte ihn knapp und rief: „Du kommst mir gerade recht, mein Kammerdiener ist krank. Hilf mir beim Anziehen.“
Reto reichte ihm die blauen Socken, half ihm, Hemd, Hosen und Schuhe anzuziehen. Zum Schluss hängte sich der König seinen dunkelblauen Mantel um. Er strich sich die braunen Haare glatt, die ihm bis über die Ohren reichten und setzte sich zum Schluss die Krone auf.
Er sagte: „Wir haben nicht viel Zeit, bald wird der Raubritter eintreffen. Wir brauchen die Hexe Zuckermühl aus dem Zauberwald, sie kennt Zaubertricks. Wagst du es, den Pfad dorthin zu gehen und ihr von dem Räuber zu erzählen? Sage ihr, dass ich ihre Hilfe brauche. Während du unterwegs bist, werde ich hier im Schloss mit meinen beiden Soldaten alle Waffen zusammen suchen.“
„Ich mache mich sofort auf den Weg“, antwortete Reto.
Gesagt, getan, Reto wusste, dass dieser Weg gefährlich war. Die Hexe Zuckermühl war allen hier im Land bekannt und eigentlich wollte niemand ihr begegnen. Erst neulich hatte sie dem Schneider aus dem Dorf eine große Spinne auf den Kopf gesetzt. Aber gefährlich war der Raubritter. Der trieb keinen Schabernack mit den Menschen, er verletzte sie. Reto schüttelte den Kopf, er wollte kämpfen, für seine Freundin, seine Eltern, das Dorf und den König.
Bei den drei großen Tannen am Waldrand blieb er einen Moment stehen, schaute nach rechts und links. Dann holte er tief Luft und betrat den Zauberweg. Gerade, als er zwanzig Schritte getan hatte, stürzte ein Kerl aus dem Gebüsch und schlug Reto mit seiner Keule gegen die Beine. Reto plumpste mit einem Schrei auf den Waldboden sprang aber sofort wieder auf. Der Kerl, der vor ihm stand, schwang schon wieder die Keule in Retos Richtung. Nur mit Mühe gelang es ihm, dem Angreifer die Keule abzunehmen. Schwer keuchend standen beide an einen Baum gelehnt.
Der Kerl hatte einen strubbligen schwarzen Bart. Seine Ohren standen spitz in die Höhe und oben auf dem Kopf hatte er ein kleines Horn.
„Du bist in meinem Reich, hier lebe ich, der Waldtroll! Gib mir sofort die Keule wieder“, befahl er.
Reto sagte: „Ich brauche deine Hilfe, bring mich so schnell wie möglich zur Hexe, dann bekommst du deine Keule wieder.“ Er berichtete dem Troll rasch vom Raubritter Teribal.
Jetzt stampfte der Troll heftig auf den Boden und sagte: „Einer dieser Räuber hat mir mein Honigglas aus der Hand geschossen. Mein süßer Honig ist auf den Boden geflossen.“
Aber warum soll ich dem König helfen? Ich mag ihn nicht!“
Reto antwortete: „Der Zauberwald gehört dem König Habakan. Wenn der Raubritter im Schloss wohnt, wird der dich vertreiben, der mag bestimmt keine Trolle. Wir müssen uns beeilen, Teribal ist schon sehr nahe, wenn einer seiner Räuber das Honigglas abschießen konnte.“
Das sah der Troll ein. Er schnaufte einmal laut und sagte: „Nun gut! Was bekomme ich, wenn ich dir und dem König helfe und dich zur Hexe begleite?“
„Na, deine Keule und einen Topf Honig, den schenkt dir sicher der König.“
„Das ist mir zu wenig, ich will jetzt sofort etwas Süßes!“
Reto kramte aus seiner Jackentasche ein kleines Briefchen. „Das hat mir meine Freundin Maude geschenkt. Hier nimm, ist Zucker drin.“
Zucker war sehr teuer im Land und der Troll hatte noch nie welchen besessen. Vorsichtig nahm er das wertvolle Geschenk entgegen und verstaute es in seiner Hosentasche.
„Nun gut, du hast mich besiegt, also los, der Weg zur Hexe ist weit.“

Der Troll ging voraus und Reto folgte ihm wortlos. So wanderten sie still durch den Wald bis der Troll über eine Wurzel stolperte und unsanft auf dem Boden landete. Er jammerte laut und weigerte sich, weiter zu gehen. Reto nahm den Troll Huckepack und stapfte langsam vorwärts. Er war es gewohnt, schwere Sachen zu schleppen. Doch jetzt kam es ihm vor, als würden zwei große Säcke voll Kartoffeln an seinem Rücken hängen. Ab und zu blieb er stehen, um sich den Schweiß von der Stirne zu wischen. Doch als sie das Hexenhäuschen sahen, sprang der Troll von Retos Rücken und gemeinsam stürmten sie auf das kleine Haus zu.
Vor dem Haus wich der Troll zurück. Auf der Treppe stand ein kugelrunder kleiner Kerl mit riesigen Augen, schiefem Mund und zwei Zähnen und grinste ihn an. War das ein anderer Troll?
Reto sagte: „Das ist nur ein Kürbis, der beißt nicht, die Hexe hat ihm ein Gesicht geschnitzt!“
Er klopfte an die Haustür und nach kurzer Zeit öffnete die Hexe.
Sie hatte ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und mit einer Fledermausschnalle festgesteckt. Im Gesicht der Hexe entdeckte Reto Lachfältchen um die Augen, aber sie hatte keine Warzennase, auch keinen schiefen Zahn. Das einzige Hexenzeichen war ihr kleiner krummer Finger an der linken Hand. „Was wollt ihr denn im Morgengrauen bei mir“, fragte sie und gähnte herzhaft.
Reto verbeugte sich und sagte: „Der König schickt mich, wir brauchen deine Hilfe.“
„Ach, hat er mal wieder Bauchweh?“ fragte die Hexe.
„Nein, wir sind alle in Gefahr!“ Reto berichtete ihr vom Raubritter.
Die Hexe zog nun die Besucher rasch ins Haus und zündete eine große Lampe an.
„Ich kenne den Ritter Teribal, mit dem ist nicht zu spaßen. Was bekomme ich, wenn ich euch helfe?“ wollte sie wissen.
Ich besitze nichts mehr“, sagte Reto. Aber der Troll hat ein Briefchen mit Zucker!“
„Ach was, ich will keinen Zucker, der Troll muss mitkämpft und ich will Gold, viel Gold“, verlangte die Hexe und drückte Reto auf einen Hocker.
„Ich will dein Gold, Reto!“
„Ich bin sehr arm, kann meiner Freundin nicht einmal einen Ring schenken. Aber ich gebe dir die Hälfte meiner Kartoffelernte.“
„Gold, Reto, ich will dein Gold, ich will deine goldenen Locken!“
Reto sprang vom Hocker, schüttelte heftig seine Haare: „Niemals“, rief er.
„Du weißt doch, der Räuber wird dir alles nehmen, deine Freundin, alle Kartoffeln, deine Hütte.“
Reto setzte sich wieder. „Dann nimm, was du brauchst, flüsterte er und seine Stimme klang, als hätte er große Halsschmerzen.
Im Nu fielen Retos Locken auf den Boden. Zum Schluss besaß er viele Stacheln auf dem Kopf. „Ich friere“, bemerkte er. Die Hexe warf ihm kichernd ein Kopftuch zu, doch Reto legte es fort. Auf seiner Stirn zeigte sich eine tiefe Kummerfalte. Ohne Haare würde ihn seine Freundin sicher nicht mehr mögen. Sie mochte seine Locken mehr als seinen breiten Rücken, seine Größe oder die starken Arme.
„Die Locken wachsen wieder“, tröste ihn der Troll.
Die Hexe schenkte Reto eine schwarze Mütze, die er sogleich aufsetzte.
Sie holte den Kürbis mit dem Gesicht und legte ihn Reto in die Arme.
„Lauft los, wir treffen uns beim König, aber dalli“, drängte die Hexe. Sie wartete, bis die beiden im Wald verschwunden waren, danach füllte sie ihren Rucksack mit all den Dinge, die sie für den Kampf mit dem Raubritter brauchen konnten. Sie band ihr schwarzes Kopftuch um, schloss ihr Häuschen zu, schwang sich auf den Besen und brauste über den Köpfen von Troll und Reto hinweg in Richtung Schloss.
*
Raubritter Teribal pfiff und seine Männer gruppierten sich um ihn. Er sagte: „wir sind bald am Ziel. Wenn ihr tüchtig kämpft, können wir schon heute Abend im Schloss wohnen. Schlagt nieder, was euch im Weg steht, brennt Hütten ab. Treibt die Menschen in den Wald. Alle sollen sich vor euch fürchten. Setzt jetzt eure Helme auf.“
Sie sangen noch ihr Raubritterlied.

„Wir sind stark, wir sind mächtig,
wir sind grob und niederträchtig,
nehmen uns was uns gefällt
uns gehört die ganze Welt.“

Dann strecke Teribal die Faust in die Höhe: Auf in den Kampf, der König muss weg!“
Und alle schrien: „Der König muss weg!“

König Habakan mit seinen beiden Soldaten, Reto, Hexe Zuckermühl, das Gespenst und der Troll standen im Burghof hinter der Mauer. Sie waren schwer bewaffnet, der König mit Schwert, Troll mit der Keule, die Hexe mit ihrem geheimnisvollen Rucksack, Reto zeigte seine starken Hände, das Gespenst sein weißes Hemd, die Soldaten hoben die Pfeile hoch. Der Kampf gegen den Räuber konnte beginnen.
Sie hörten den grölenden Gesang der Raubritter und gleich darauf die Hufe der Pferde, der Raubritter und seine Knechte kamen immer näher.
Die Hexe Zuckermühl gab dem König einen Beutel aus ihrem Zauberrucksack. „Du bleibst bei Otto, Deine Soldaten müssen dich beschützen und mit den Pfeilen auf die Räuber schießen. Wenn ich dreimal wie eine Eule rufe, benutzest du den Zauberbeutel und wirfst diesen hoch durch die Luft den Banditen zu. Und wenn ich dreimal wie ein Kuckuck schreie, zeigst du dich, Otto! Hier, nimm auch den Kürbis, den kannst du als Waffe benutzen.“ Sie winkte Reto und den Troll herbei. „Auf, ins Getümmel!“
Vorsichtig und sehr leise schlichen sie den Räubern entgegen. Reto hob immer wieder einmal einen Stein auf und steckte ihn in die Hosentasche. Niemand entdeckte sie.
Dann sahen sie den ersten Reiter. Hexe Zuckermühl schickte ihm einen grellen Blitz entgegen. Das Pferd warf den Räuber ab und rannte schnaubend davon. Noch bevor der Räuber aufstehen konnte, erhielt er vom Troll einen Schlag mit der Keule und blieb liegen. Reto warf eine Handvoll Steine auf den nächsten Reiter und auch dessen Pferd floh.
Die Soldaten des Königs verschossen Pfeil um Pfeil, doch sie hatte schon lange nicht mehr geschossen und deshalb trafen die Pfeile nicht einen Mann.
„Absteigen, alle, sofort!“ befahl Teribal, der als letzter auf einem schwarzen Pferd saß. Die Räuber ließen ihre Pferde stehen und rannten schreiend auf das Schloss zu. Gefährlich nahe gelangten sie zum großen Tor.
Jetzt rief die Hexe dreimal wie eine Eule. König Habakan warf den Beutel den Räubern entgegen, der öffnete sich und eine Flut goldener Locken fiel vom Himmel. Retos locken!
Doch noch ehe sie den Boden berührten, schickte ihnen die Hexe einen Donner entgegen und ein Teil der Locken löste sich auf, fiel als Goldpünktchen zu Boden und wurde von den restlichen Locken bedeckt.
„Gold, viel Gold, sammelt sofort die Locken mit dem Goldstaub auf“, befahl der Raubritter. Doch jedes Mal, wenn sie sich danach bückten, schickte die Hexe einen leichten Wind dazu und trieb die goldene Pracht vom Schloss weg.
Endlich gelang es einem Räuber, eine Locke festzuhalten, doch schon stürzten sich die anderen Räuber auf ihn. Jetzt stritten sie sich, schlugen wild um sich, bekämpften sich gegenseitig und merkten nicht, dass der Troll jedem, der auf dem Boden lag, noch einen Schlag mit der Keule versetzte.
Als die Räuber aufstanden, warf die Hexe ihnen eine Handvoll Juckpulver nach und sie rannten schreiend davon. Teribal stand allein vor dem Schloss. Jetzt ertönte der Kuckucksruf der Hexe.
Das Gespenst zeigte sich in voller Größe, hielt dabei den Leuchtkürbis über seinen Kopf und heulte schauerlich. Teribal stolperte schreckensbleich davon, wollte nur weg von diesem fürchterlichen Gespenst. Da stellte Reto dem fliehenden Raubritter das Bein und Otto schleuderte ihm den Kürbis nach.
Besiegt lag Teribal auf dem Boden, der Troll setzte sich auf ihn, bis der König mit den Soldaten kam und den Raubritter im Schlossgefängnis einsperrte.
König Habakan ging leichten Schrittes zu seinen hilfreichen Freunden in den Schlosshof zurück.
„Ich danke euch allen, ihr habt uns gerettet und ich will euch reich belohnen.“
Sogleich meldete sich der Troll: „Ich will einen Topf Honig und dann zurück in mein Reich.“
Damit war der König einverstanden.
„Ich will, dass du mich nicht mehr anschreist und möchte zurück in meinen Schlosskeller“, verlangte das Gespenst.
„Gut, sagte der König, ich werde das nächste Mal daran denken, wenn du mich wieder nervst.“ Dann wandte er sich an Reto. „Willst du bei mir im Schloss leben? Ich habe gehört, du hast nur eine alte Hütte zum Wohnen und hier im Schloss gibt es viele leere Zimmer. Du könntest auch mein Diener werden und hier im Schloss für mich arbeiten, als Gärtner.“
Reto fiel vor dem König auf die Knie. „Nein danke, mein König, ich wünsche mir nur eine Hütte für mich, dann kann ich meine Braut heiraten. Und ich möchte weiterhin ein Bauer bleiben.“
Der König jedoch versprach ihm ein richtiges Haus aus Steinen, mit einem großen Garten und einem Acker. Hexe Zuckermühl schenkte Reto zwei seiner Locken, die sie in richtiges Gold verzaubert hatte.
Reto bedankt sich und eilte zu Maude, seiner Freundin, um ihr alles zu erzählen.
„Und du, Zuckermühl, was willst du?“
„Ich wünsche mir ein kleines Stück von deinem großen Land. Doch zunächst möchte ich mit dir Tee trinken, komm, wir gehen in deine königliche Küche.“
„Was willst du mit dem Land anfangen“, erkundigte sich der König. „
„Nun, wenn der Raubritter seine Strafe abgesessen hat, soll er ein richtiger Ritter werden und dafür braucht er ein kleines Stück von diesem großen Land. Dann wird er nicht mehr durch die Gegend streifen, er kann sich selber eine Burg darauf bauen.“
„Keine schlechte Idee“, meinte der König.
Während König Habakan mit der Hexe Zuckermühl Tee trank, erreichte der Troll mit der Keule und seinem Honig den Zauberwald. Das Gespenst träumte von goldenen Locken und dem gelben Kürbis. Reto aber saß bei seiner Feundin Maude und sie sagte ihm, dass er auch ohne Locken ihr Liebster sei.
*
Monika Rieger
 
A

aligaga

Gast
Molly!! Du solltest Kindern keine sinnlosen Märchen über Räuber erzählen, sondern eins, das im Kern glaubhaft bleibt.

@Ali rät dir zu Küstenreisen in Italien oder Engelland. Da stehen Tausende Burgruinen in der Landschaft: die böhsen Seeräuber haben sie im Mittelalter und danach alle in Schutt und Asche gelegt, die männlichen Dorfbewohner erschlagen oder als Sklaven verkauft, die Frauen vergewaltigt und die Kinder verhungern lassen.

Höchste Zeit, dass du ein hübsches Märchen erfindest, in dem am Ende alles, alles gut wird. Und vergiss nicht den Liebhaber der Königin. Er ist wichtig!!

Heiter

aligaga
 

molly

Mitglied
ali, hast Du die allerneuste Form schon gelesen?
Hauptsache jetzt einmal, die Pferdäpfel sind weg.

Welch ein Glück, die Reisen nach Italien und England bleiben mir erspart. Ich brauche nur 30 Minuten mit dem Auto, dann stehe ich entweder auf dem Röttler Schloss oder bei der Ruine Sausenburg

oh, ali, König Habakan muss doch erst eine Königin finden, Du hast mich auf die Idee gebracht, dass er endlich auf Brautschau geht. Vielleicht bringt sie ihre Dienerschaft mit, samt Liebhaber, bei mir eher unwahrscheinlich, ich werde das Personal genaustens prüfen. ;)

Liebe Grüße

molly
 
A

aligaga

Gast
Molly!! Ein König geht doch nicht mehr auf Brautschau! Das macht der Königssohn.

Der König selber ist (meistens) gutmütig, hat einen dicken Bauch, eine volle Speisekammer und schläft heimlich mit der Hexe, wenn die Frau Königin eine Kur in Abano macht. In den Euganeischen Hügeln. Sehr, sehr empfehlenswert!

Heiter und kein bisschen wolkig

aligaga
 

molly

Mitglied
ali!!,

sei mir nicht böse,aber ich werde Hera bitten, alle öffentlichen Kommentare zusammen zuschieben. Mein großer Enkelsohn hat schon Mitleid mit mir, weil ich so viel verbessern muss.

Übrigens, der Vater von Schneewittchen hatte doch auch eine zweite Frau, ebenso der von Aschenputtel.

Bist du sicher, dass Du hier das Forum nicht mit einem anderen verwechselst?

Grüßle :)

molly
 
A

aligaga

Gast
Bist du sicher, dass Du hier das Forum nicht mit einem anderen verwechselst?
@Ali ist da ganz sicher - er ist in keinem anderen angemeldet oder aktiv. Die LeLu reicht ihm - neben der analogen Welt - voll und ganz.

Das mit den Stieftöchtern und Stiefmüttern hatten wir doch schon mal - @ali riet dir, in einem Märchen nicht zu viele direkte Verwandte mitzuschleifen, sie machten die Protagonisten befangen und unfrei. Das Aschenputtelchen ist in dem Zusammenhang ein schlechtes Bespiel - es ist bürgerlich, und flirten tut's bekanntlich nicht mit dem König, sondern korrekt mit dem Königsohn. Von dessen Pappa erfahren wir in der Geschichte fast nichts.

@Ali liegt daran, dass wir Erwachsene den Kindern zwar Märchen erzählen, sie dabei aber nicht anlügen oder betrügen.

Heiter

aligaga
 

molly

Mitglied
@Ali ist da ganz sicher - er ist in keinem anderen angemeldet oder aktiv. Die LeLu reicht ihm - neben der analogen Welt - voll und ganz.
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Ich meinte etwas anderes, ali. Wenn der König mit der Hexe schläft, während die Königin in fernen Hügeln lustwandelt, müsste ich das doch bei Erotik einstellen, dort gibt es so was.

Ich habe nicht vor, noch mehr Figuren mitspielen zu lassen, das war nur ein Beispiel, dass selbst Könige nochmals auf Freiersfüßen unterwegs sein können.

Das ist nun mal keine Geschichte, in der zum Schluss geheiratet wird. Hier helfen Märchengestaten zusammen, die sonst nichts miteinander zu tun haben wollen, um eine drohende Gefahr abzuwenden.

Gefällt Dir überhaupt etwas an der Geschichte?

Sei's drum,
der Tag ist grau, doch mir geht es gut.

Fröhliche märchenhafte Grüße

molly
 
A

aligaga

Gast
Gefällt Dir überhaupt etwas an der Geschichte?
Warum, o @molly, glaubst du wohl, hat der böhse @ali soviel Zeit auf dein Märchen verwandt, dir so viele TTips gegeben und Vorschläge gemacht? Das Bessere, so heißt's doch, sei der Feind des Guhten.

Die meisten Märchen, o @molly, sind ziemlich erotisch. Da wird am Ende nicht nur geheiratet, sondern da passiert vorher oft schon allerhand, wenn auch nur sümbolisch. Denk doch nur an das rumpelige Stilzchen - oder an das dornige Röschen! Dass sich der König mit einer Hexe einlässt, ist an der Tagesordnung - die Agnes Bernauer, bittschön, die Lola Montez oder, ganz rezent, des künftigen britischen Thronfolgers "Rottweiler" ...

Heiter immer, immer weiter

aligaga
 

molly

Mitglied
König Habakan und der Raubritter Teribal Ab 5 Jahren
1. Die Nachricht
2. Bei der Hexe
3. Der Kampf um das Schloss

Im Land, weit hinter den sieben Meeren, lebte König Habakan in seinem weißen Schloss. In einer Herbstnacht lag der König in seinem Bett. Er lauschte dem Wind, der um die Schlossmauer pfiff und ihn langsam in den Schlaf sang. Mitten in der Nacht weckte ihn ein fürchterlicher Schrei. Als er die Augen aufschlug, schwebte sein Schlossgespenst Otto vor dem königlichen Bett. Es rasselte mit seiner Kette und heulte. Der König fuhr mit einem Schrei auf und fauchte: „Du weißt doch, dass ich mich nicht vor dir fürchte!“ Doch dann lachte er, als er das Gespenst anschaute, das mit seinem weißen Hemd auf und ab flatterte, und die schwarze Kette um einen Ärmel gewickelt hatte.
Das Gespenst zischte: „Das Lachen wird dir schon noch vergehen.“ Bei seinem nächtlichen Spazierflug hatte Otto den Räuber Teribal gesehen. Er war mit seinen Reitern unterwegs, um König Habakan das Schloss weg zu nehmen. Das war wirklich eine schlechte Nachricht. Der König stützte seinen Kopf auf die Hände und befahl dem Gespenst sofort mit dem Heulen auf zu hören. „Du nervst mich so sehr, dass ich nicht nachdenken kann. Sei endlich still!“
„Du brauchst mich nicht anzuschreien, geschieht dir ganz recht, wenn der Raubritter dir das Schloss nimmt!“
„Und wo willst du wohnen, wenn ich das Schloss nicht mehr besitze?“
Otto fauchte: „Im Keller natürlich, wie immer!“
„Glaubst du wirklich, der Raubritter würde dich hier hausen lassen? Nein, er würde dich jagen, bis er dich mit deiner Kette im Schlosskeller angebunden hätte. Er könnte dich auch in eine Kiste sperren und den Deckel abschließen. Es gäbe für dich kein nächtlichen Umherschweben mehr.“ Ottos schwarze Augen wurden immer größer. Der König schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. „Nun, Otto, hast du eine Idee, wie wir unser Schloss retten können?“
Otto wischte sich energisch eine Träne aus seinem rechten Auge. „Ich kenne den Reto, er ist ein großer und starker Bauernbursche und geht fast jede Nacht am Schloss vorbei. Ich sehe ihn manchmal auf meinem Rundflug. Vielleicht kann er uns helfen.“
„Gut“, sagte der König, hol ihn schnell her, deine Geisterstunde ist bald zu Ende.“

Reto hatte seine Freundin besucht und war auf dem Heimweg in sein Dorf. Als das Gespenst auf ihn zuflog, wich er zurück. „Bleib fort, komm nicht zu mir“, rief Reto und hielt dabei seine großen Hände vors Gesicht.
„Hab keine Angst“, sagte Otto. „Hör, der Raubritter Teribal ist unterwegs, er will das Schloss besetzen und den König vertreiben. Komm mit, der König braucht deine Hilfe.“
Vor Schreck ließ Reto beinahe seine Laterne fallen. Er hatte gehört, dass der Raubritter Teribal jedes Haus, das ihm im Weg stand, niederbrannte, dass er Dörfer zerstörte und Menschen tötete. Reto dachte an seine Freundin Maude und an seine Eltern. Er musste sie retten, und dem König helfen. Reto rannte hinter Otto her und kurz bevor die Schlossuhr einmal schlug, schwebte Otto in den Keller zu seinem Schlafplatz.
Reto eilte mit langen Schritten ins Schloss, schüttelte seine goldenen langen Locken zurecht und bückte sich, als er das Zimmer des Königs betrat. Der König begrüßte ihn knapp und rief: „Du kommst mir gerade recht, mein Kammerdiener ist krank. Hilf mir beim Anziehen.“
Reto reichte ihm die blauen Socken, half ihm, Hemd, Hosen und Schuhe anzuziehen. Zum Schluss hängte sich der König seinen dunkelblauen Mantel um. Er strich sich die braunen Haare glatt, die ihm bis über die Ohren reichten und setzte sich zum Schluss die Krone auf.
Er sagte: „Wir haben nicht viel Zeit, bald wird der Raubritter eintreffen. Wir brauchen die Hexe Zuckermühl aus dem Zauberwald, sie kennt Zaubertricks. Wagst du es, den Pfad dorthin zu gehen und ihr von dem Räuber zu erzählen? Sage ihr, dass ich ihre Hilfe brauche. Während du unterwegs bist, werde ich hier im Schloss mit meinen beiden Soldaten alle Waffen zusammen suchen.“
„Ich mache mich sofort auf den Weg“, antwortete Reto.
Gesagt, getan, Reto wusste, dass dieser Weg gefährlich war. Die Hexe Zuckermühl war allen hier im Land bekannt und eigentlich wollte niemand ihr begegnen. Erst neulich hatte sie dem Schneider aus dem Dorf eine große Spinne auf den Kopf gesetzt. Aber gefährlich war der Raubritter. Der trieb keinen Schabernack mit den Menschen, er verletzte sie. Reto schüttelte den Kopf, er wollte kämpfen, für seine Freundin, seine Eltern, das Dorf und den König.
Bei den drei großen Tannen am Waldrand blieb er einen Moment stehen, schaute nach rechts und links. Dann holte er tief Luft und betrat den Zauberweg. Gerade, als er zwanzig Schritte getan hatte, stürzte ein Kerl aus dem Gebüsch und schlug Reto mit seiner Keule gegen die Beine. Reto plumpste mit einem Schrei auf den Waldboden sprang aber sofort wieder auf. Der Kerl, der vor ihm stand, schwang schon wieder die Keule in Retos Richtung. Nur mit Mühe gelang es ihm, dem Angreifer die Keule abzunehmen. Schwer keuchend standen beide an einen Baum gelehnt.
Der Kerl hatte einen strubbligen schwarzen Bart. Seine Ohren standen spitz in die Höhe und oben auf dem Kopf hatte er ein kleines Horn.
„Du bist in meinem Reich, hier lebe ich, der Waldtroll! Gib mir sofort die Keule wieder“, befahl er.
Reto sagte: „Ich brauche deine Hilfe, bring mich so schnell wie möglich zur Hexe, dann bekommst du deine Keule wieder.“ Er berichtete dem Troll rasch vom Raubritter Teribal.
Jetzt stampfte der Troll heftig auf den Boden und sagte: „Einer dieser Räuber hat mir mein Honigglas aus der Hand geschossen. Mein süßer Honig ist auf den Boden geflossen.
Aber warum soll ich dem König helfen? Ich mag ihn nicht!“
Reto antwortete: „Der Zauberwald gehört dem König Habakan. Wenn der Raubritter im Schloss wohnt, wird der dich vertreiben, der mag bestimmt keine Trolle. Wir müssen uns beeilen, Teribal ist schon sehr nahe, wenn einer seiner Räuber das Honigglas abschießen konnte.“
Das sah der Troll ein. Er schnaufte einmal laut und sagte: „Nun gut! Was bekomme ich, wenn ich dir und dem König helfe und dich zur Hexe begleite?“
„Na, deine Keule und einen Topf Honig, den schenkt dir sicher der König.“
„Das ist mir zu wenig, ich will jetzt sofort etwas Süßes!“
Reto kramte aus seiner Jackentasche ein kleines Briefchen. „Das hat mir meine Freundin Maude geschenkt. Hier nimm, ist Zucker drin.“
Zucker war sehr teuer im Land und der Troll hatte noch nie welchen besessen. Vorsichtig nahm er das wertvolle Geschenk entgegen und verstaute es in seiner Hosentasche.
„Nun gut, du hast mich besiegt, also los, der Weg zur Hexe ist weit.“
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Die Hexe
Der Troll ging voraus und Reto folgte ihm wortlos. So wanderten sie still durch den Wald bis der Troll über eine Wurzel stolperte und unsanft auf dem Boden landete. Er jammerte laut und weigerte sich, weiter zu gehen. Reto nahm den Troll Huckepack und stapfte langsam vorwärts. Er war es gewohnt, schwere Sachen zu schleppen. Doch jetzt kam es ihm vor, als würden zwei große Säcke voll Kartoffeln an seinem Rücken hängen. Ab und zu blieb er stehen, um sich den Schweiß von der Stirne zu wischen. Doch als sie das Hexenhäuschen sahen, sprang der Troll von Retos Rücken und gemeinsam stürmten sie auf das kleine Haus zu.
Vor dem Haus wich der Troll zurück. Auf der Treppe stand ein kugelrunder kleiner Kerl mit riesigen Augen, schiefem Mund und zwei Zähnen und grinste ihn an. War das ein anderer Troll?
Reto sagte: „Das ist nur ein Kürbis, der beißt nicht, die Hexe hat ihm ein Gesicht geschnitzt!“
Er klopfte an die Haustür und nach kurzer Zeit öffnete die Hexe.
Sie hatte ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und mit einer Fledermausschnalle festgesteckt. Im Gesicht der Hexe entdeckte Reto Lachfältchen um die Augen, aber sie hatte keine Warzennase, auch keinen schiefen Zahn. Das einzige Hexenzeichen war ihr kleiner krummer Finger an der linken Hand. „Was wollt ihr denn im Morgengrauen bei mir“, fragte sie und gähnte herzhaft.
Reto verbeugte sich und sagte: „Der König schickt mich, wir brauchen deine Hilfe.“
„Ach, hat er mal wieder Bauchweh?“ fragte die Hexe.
„Nein, wir sind alle in Gefahr!“ Reto berichtete ihr vom Raubritter.
Die Hexe zog nun die Besucher rasch ins Haus und zündete eine große Lampe an.
„Ich kenne den Ritter Teribal, mit dem ist nicht zu spaßen. Was bekomme ich, wenn ich euch helfe?“ wollte sie wissen.
Ich besitze nichts mehr“, sagte Reto. Aber der Troll hat ein Briefchen mit Zucker!“
„Ach was, ich will keinen Zucker, der Troll muss mitkämpft und ich will Gold, viel Gold“, verlangte die Hexe und drückte Reto auf einen Hocker.
„Ich will dein Gold, Reto!“
„Ich bin sehr arm, kann meiner Freundin nicht einmal einen Ring schenken. Aber ich gebe dir die Hälfte meiner Kartoffelernte.“
„Gold, Reto, ich will dein Gold, ich will deine goldenen Locken!“
Reto sprang vom Hocker, schüttelte heftig seine Haare: „Niemals“, rief er.
„Du weißt doch, der Räuber wird dir alles nehmen, deine Freundin, alle Kartoffeln, deine Hütte.“
Reto setzte sich wieder. „Dann nimm, was du brauchst, flüsterte er und seine Stimme klang, als hätte er große Halsschmerzen.
Im Nu fielen Retos Locken auf den Boden. Zum Schluss besaß er viele Stacheln auf dem Kopf. „Ich friere“, bemerkte er. Die Hexe warf ihm kichernd ein Kopftuch zu, doch Reto legte es fort. Auf seiner Stirn zeigte sich eine tiefe Kummerfalte. Ohne Haare würde ihn seine Freundin sicher nicht mehr mögen. Sie mochte seine Locken mehr als seinen breiten Rücken, seine Größe oder die starken Arme.
„Die Locken wachsen wieder“, tröste ihn der Troll.
Die Hexe schenkte Reto eine schwarze Mütze, die er sogleich aufsetzte.
Sie holte den Kürbis mit dem Gesicht und legte ihn Reto in die Arme.
„Lauft los, wir treffen uns beim König, aber dalli“, drängte die Hexe. Sie wartete, bis die beiden im Wald verschwunden waren, danach füllte sie ihren Rucksack mit all den Dinge, die sie für den Kampf mit dem Raubritter brauchen konnten. Sie band ihr schwarzes Kopftuch um, schloss ihr Häuschen zu, schwang sich auf den Besen und brauste über den Köpfen von Troll und Reto hinweg in Richtung Schloss.
*
Der Kampf um das Schloss

Raubritter Teribal pfiff und seine Männer gruppierten sich um ihn. Er sagte: „wir sind bald am Ziel. Wenn ihr tüchtig kämpft, können wir schon heute Abend im Schloss wohnen. Schlagt nieder, was euch im Weg steht, brennt Hütten ab. Treibt die Menschen in den Wald. Alle sollen sich vor euch fürchten. Setzt jetzt eure Helme auf.“
Sie sangen noch ihr Raubritterlied.

„Wir sind stark, wir sind mächtig,
wir sind grob und niederträchtig,
nehmen uns was uns gefällt
uns gehört die ganze Welt.“

Dann strecke Teribal die Faust in die Höhe: Auf in den Kampf, der König muss weg!“
Und alle schrien: „Der König muss weg!“

König Habakan mit seinen beiden Soldaten, Reto, Hexe Zuckermühl, das Gespenst und der Troll standen im Burghof hinter der Mauer. Sie waren schwer bewaffnet, der König mit Schwert, Troll mit der Keule, die Hexe mit ihrem geheimnisvollen Rucksack, Reto zeigte seine starken Hände, das Gespenst sein weißes Hemd, die Soldaten hoben die Pfeile hoch. Der Kampf gegen den Räuber konnte beginnen.
Sie hörten den grölenden Gesang der Raubritter und gleich darauf die Hufe der Pferde, der Raubritter und seine Knechte kamen immer näher.
Die Hexe Zuckermühl gab dem König einen Beutel aus ihrem Zauberrucksack. „Du bleibst bei Otto, Deine Soldaten müssen dich beschützen und mit den Pfeilen auf die Räuber schießen. Wenn ich dreimal wie eine Eule rufe, benutzest du den Zauberbeutel und wirfst diesen hoch durch die Luft den Banditen zu. Und wenn ich dreimal wie ein Kuckuck schreie, zeigst du dich, Otto! Hier, nimm auch den Kürbis, den kannst du als Waffe benutzen.“ Sie winkte Reto und den Troll herbei. „Auf, ins Getümmel!“
Vorsichtig und sehr leise schlichen sie den Räubern entgegen. Reto hob immer wieder einmal einen Stein auf und steckte ihn in die Hosentasche. Niemand entdeckte sie.
Dann sahen sie den ersten Reiter. Hexe Zuckermühl schickte ihm einen grellen Blitz entgegen. Das Pferd warf den Räuber ab und rannte schnaubend davon. Noch bevor der Räuber aufstehen konnte, erhielt er vom Troll einen Schlag mit der Keule und blieb liegen. Reto warf eine Handvoll Steine auf den nächsten Reiter und auch dessen Pferd floh.
Die Soldaten des Königs verschossen Pfeil um Pfeil, doch sie hatte schon lange nicht mehr geschossen und deshalb trafen die Pfeile nicht einen Mann.
„Absteigen, alle, sofort!“ befahl Teribal, der als letzter auf einem schwarzen Pferd saß. Die Räuber ließen ihre Pferde stehen und rannten schreiend auf das Schloss zu. Gefährlich nahe gelangten sie zum großen Tor.
Jetzt rief die Hexe dreimal wie eine Eule. König Habakan warf den Beutel den Räubern entgegen, der öffnete sich und eine Flut goldener Locken fiel vom Himmel. Retos locken!
Doch noch ehe sie den Boden berührten, schickte ihnen die Hexe einen Donner entgegen und ein Teil der Locken löste sich auf, fiel als Goldpünktchen zu Boden und wurde von den restlichen Locken bedeckt.
„Gold, viel Gold, sammelt sofort die Locken mit dem Goldstaub auf“, befahl der Raubritter. Doch jedes Mal, wenn sie sich danach bückten, schickte die Hexe einen leichten Wind dazu und trieb die goldene Pracht vom Schloss weg.
Endlich gelang es einem Räuber, eine Locke festzuhalten, doch schon stürzten sich die anderen Räuber auf ihn. Jetzt stritten sie sich, schlugen wild um sich, bekämpften sich gegenseitig und merkten nicht, dass der Troll jedem, der auf dem Boden lag, noch einen Schlag mit der Keule versetzte.
Als die Räuber aufstanden, warf die Hexe ihnen eine Handvoll Juckpulver nach und sie rannten schreiend davon. Teribal stand allein vor dem Schloss. Jetzt ertönte der Kuckucksruf der Hexe.
Das Gespenst zeigte sich in voller Größe, hielt dabei den Leuchtkürbis über seinen Kopf und heulte schauerlich. Teribal stolperte schreckensbleich davon, wollte nur weg von diesem fürchterlichen Gespenst. Da stellte Reto dem fliehenden Raubritter das Bein und Otto schleuderte ihm den Kürbis nach.
Besiegt lag Teribal auf dem Boden, der Troll setzte sich auf ihn, bis der König mit den Soldaten kam und den Raubritter im Schlossgefängnis einsperrte.
König Habakan ging leichten Schrittes zu seinen hilfreichen Freunden in den Schlosshof zurück.
„Ich danke euch allen, ihr habt uns gerettet und ich will euch reich belohnen.“
Sogleich meldete sich der Troll: „Ich will einen Topf Honig und dann zurück in mein Reich.“
Damit war der König einverstanden.
„Ich will, dass du mich nicht mehr anschreist und möchte zurück in meinen Schlosskeller“, verlangte das Gespenst.
„Gut, sagte der König, ich werde das nächste Mal daran denken, wenn du mich wieder nervst.“ Dann wandte er sich an Reto. „Willst du bei mir im Schloss leben? Ich habe gehört, du hast nur eine alte Hütte zum Wohnen und hier im Schloss gibt es viele leere Zimmer. Du könntest auch mein Diener werden und hier im Schloss für mich arbeiten, als Gärtner.“
Reto fiel vor dem König auf die Knie. „Nein danke, mein König, ich wünsche mir nur eine Hütte für mich, dann kann ich meine Braut heiraten. Und ich möchte weiterhin ein Bauer bleiben.“
Der König jedoch versprach ihm ein richtiges Haus aus Steinen, mit einem großen Garten und einem Acker. Hexe Zuckermühl schenkte Reto zwei seiner Locken, die sie in richtiges Gold verzaubert hatte.
Reto bedankt sich und eilte zu Maude, seiner Freundin, um ihr alles zu erzählen.
„Und du, Zuckermühl, was willst du?“
„Ich wünsche mir ein kleines Stück von deinem großen Land. Doch zunächst möchte ich mit dir Tee trinken, komm, wir gehen in deine königliche Küche.“
„Was willst du mit dem Land anfangen“, erkundigte sich der König. „
„Nun, wenn der Raubritter seine Strafe abgesessen hat, soll er ein richtiger Ritter werden und dafür braucht er ein kleines Stück von diesem großen Land. Dann wird er nicht mehr durch die Gegend streifen, er kann sich selber eine Burg darauf bauen.“
„Keine schlechte Idee“, meinte der König.
Während König Habakan mit der Hexe Zuckermühl Tee trank, erreichte der Troll mit der Keule und seinem Honig den Zauberwald. Das Gespenst träumte von goldenen Locken und dem gelben Kürbis. Reto aber saß bei seiner Feundin Maude und sie sagte ihm, dass er auch ohne Locken ihr Liebster sei.
*
Monika Rieger
 

molly

Mitglied
König Habakan und der Raubritter Teribal Ab 5 Jahren

Im Land, weit hinter den sieben Meeren, lebte König Habakan in seinem weißen Schloss. In einer Herbstnacht lag der König in seinem Bett. Er lauschte dem Wind, der um die Schlossmauer pfiff und ihn langsam in den Schlaf sang. Mitten in der Nacht weckte ihn ein fürchterlicher Schrei. Als er die Augen aufschlug, schwebte sein Schlossgespenst Otto vor dem königlichen Bett. Es rasselte mit seiner Kette und heulte. Der König fuhr mit einem Schrei auf und fauchte: „Du weißt doch, dass ich mich nicht vor dir fürchte!“ Doch dann lachte er, als er das Gespenst anschaute, das mit seinem weißen Hemd auf und ab flatterte, und die schwarze Kette um einen Ärmel gewickelt hatte.
Das Gespenst zischte: „Das Lachen wird dir schon noch vergehen.“ Bei seinem nächtlichen Spazierflug hatte Otto den Räuber Teribal gesehen. Er war mit seinen Reitern unterwegs, um König Habakan das Schloss weg zu nehmen. Das war wirklich eine schlechte Nachricht. Der König stützte seinen Kopf auf die Hände und befahl dem Gespenst sofort mit dem Heulen auf zu hören. „Du nervst mich so sehr, dass ich nicht nachdenken kann. Sei endlich still!“
„Du brauchst mich nicht anzuschreien, geschieht dir ganz recht, wenn der Raubritter dir das Schloss nimmt!“
„Und wo willst du wohnen, wenn ich das Schloss nicht mehr besitze?“
Otto fauchte: „Im Keller natürlich, wie immer!“
„Glaubst du wirklich, der Raubritter würde dich hier hausen lassen? Nein, er würde dich jagen, bis er dich mit deiner Kette im Schlosskeller angebunden hätte. Er könnte dich auch in eine Kiste sperren und den Deckel abschließen. Es gäbe für dich kein nächtlichen Umherschweben mehr.“ Ottos schwarze Augen wurden immer größer. Der König schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. „Nun, Otto, hast du eine Idee, wie wir unser Schloss retten können?“
Otto wischte sich energisch eine Träne aus seinem rechten Auge. „Ich kenne den Reto, er ist ein großer und starker Bauernbursche und geht fast jede Nacht am Schloss vorbei. Ich sehe ihn manchmal auf meinem Rundflug. Vielleicht kann er uns helfen.“
„Gut“, sagte der König, hol ihn schnell her, deine Geisterstunde ist bald zu Ende.“

Reto hatte seine Freundin besucht und war auf dem Heimweg in sein Dorf. Als das Gespenst auf ihn zuflog, wich er zurück. „Bleib fort, komm nicht zu mir“, rief Reto und hielt dabei seine großen Hände vors Gesicht.
„Hab keine Angst“, sagte Otto. „Hör, der Raubritter Teribal ist unterwegs, er will das Schloss besetzen und den König vertreiben. Komm mit, der König braucht deine Hilfe.“
Vor Schreck ließ Reto beinahe seine Laterne fallen. Er hatte gehört, dass der Raubritter Teribal jedes Haus, das ihm im Weg stand, niederbrannte, dass er Dörfer zerstörte und Menschen tötete. Reto dachte an seine Freundin Maude und an seine Eltern. Er musste sie retten, und dem König helfen. Reto rannte hinter Otto her und kurz bevor die Schlossuhr einmal schlug, schwebte Otto in den Keller zu seinem Schlafplatz.
Reto eilte mit langen Schritten ins Schloss, schüttelte seine goldenen langen Locken zurecht und bückte sich, als er das Zimmer des Königs betrat. Der König begrüßte ihn knapp und rief: „Du kommst mir gerade recht, mein Kammerdiener ist krank. Hilf mir beim Anziehen.“
Reto reichte ihm die blauen Socken, half ihm, Hemd, Hosen und Schuhe anzuziehen. Zum Schluss hängte sich der König seinen dunkelblauen Mantel um. Er strich sich die braunen Haare glatt, die ihm bis über die Ohren reichten und setzte sich zum Schluss die Krone auf.
Er sagte: „Wir haben nicht viel Zeit, bald wird der Raubritter eintreffen. Wir brauchen die Hexe Zuckermühl aus dem Zauberwald, sie kennt Zaubertricks. Wagst du es, den Pfad dorthin zu gehen und ihr von dem Räuber zu erzählen? Sage ihr, dass ich ihre Hilfe brauche. Während du unterwegs bist, werde ich hier im Schloss mit meinen beiden Soldaten alle Waffen zusammen suchen.“
„Ich mache mich sofort auf den Weg“, antwortete Reto.
Gesagt, getan, Reto wusste, dass dieser Weg gefährlich war. Die Hexe Zuckermühl war allen hier im Land bekannt und eigentlich wollte niemand ihr begegnen. Erst neulich hatte sie dem Schneider aus dem Dorf eine große Spinne auf den Kopf gesetzt. Aber gefährlich war der Raubritter. Der trieb keinen Schabernack mit den Menschen, er verletzte sie. Reto schüttelte den Kopf, er wollte kämpfen, für seine Freundin, seine Eltern, das Dorf und den König.
Bei den drei großen Tannen am Waldrand blieb er einen Moment stehen, schaute nach rechts und links. Dann holte er tief Luft und betrat den Zauberweg. Gerade, als er zwanzig Schritte getan hatte, stürzte ein Kerl aus dem Gebüsch und schlug Reto mit seiner Keule gegen die Beine. Reto plumpste mit einem Schrei auf den Waldboden sprang aber sofort wieder auf. Der Kerl, der vor ihm stand, schwang schon wieder die Keule in Retos Richtung. Nur mit Mühe gelang es ihm, dem Angreifer die Keule abzunehmen. Schwer keuchend standen beide an einen Baum gelehnt.
Der Kerl hatte einen strubbligen schwarzen Bart. Seine Ohren standen spitz in die Höhe und oben auf dem Kopf hatte er ein kleines Horn.
„Du bist in meinem Reich, hier lebe ich, der Waldtroll! Gib mir sofort die Keule wieder“, befahl er.
Reto sagte: „Ich brauche deine Hilfe, bring mich so schnell wie möglich zur Hexe, dann bekommst du deine Keule wieder.“ Er berichtete dem Troll rasch vom Raubritter Teribal.
Jetzt stampfte der Troll heftig auf den Boden und sagte: „Einer dieser Räuber hat mir mein Honigglas aus der Hand geschossen. Mein süßer Honig ist auf den Boden geflossen.
Aber warum soll ich dem König helfen? Ich mag ihn nicht!“
Reto antwortete: „Der Zauberwald gehört dem König Habakan. Wenn der Raubritter im Schloss wohnt, wird der dich vertreiben, der mag bestimmt keine Trolle. Wir müssen uns beeilen, Teribal ist schon sehr nahe, wenn einer seiner Räuber das Honigglas abschießen konnte.“
Das sah der Troll ein. Er schnaufte einmal laut und sagte: „Nun gut! Was bekomme ich, wenn ich dir und dem König helfe und dich zur Hexe begleite?“
„Na, deine Keule und einen Topf Honig, den schenkt dir sicher der König.“
„Das ist mir zu wenig, ich will jetzt sofort etwas Süßes!“
Reto kramte aus seiner Jackentasche ein kleines Briefchen. „Das hat mir meine Freundin Maude geschenkt. Hier nimm, ist Zucker drin.“
Zucker war sehr teuer im Land und der Troll hatte noch nie welchen besessen. Vorsichtig nahm er das wertvolle Geschenk entgegen und verstaute es in seiner Hosentasche.
„Nun gut, du hast mich besiegt, also los, der Weg zur Hexe ist weit.“
*
Die Hexe
Der Troll ging voraus und Reto folgte ihm wortlos. So wanderten sie still durch den Wald bis der Troll über eine Wurzel stolperte und unsanft auf dem Boden landete. Er jammerte laut und weigerte sich, weiter zu gehen. Reto nahm den Troll Huckepack und stapfte langsam vorwärts. Er war es gewohnt, schwere Sachen zu schleppen. Doch jetzt kam es ihm vor, als würden zwei große Säcke voll Kartoffeln an seinem Rücken hängen. Ab und zu blieb er stehen, um sich den Schweiß von der Stirne zu wischen. Doch als sie das Hexenhäuschen sahen, sprang der Troll von Retos Rücken und gemeinsam stürmten sie auf das kleine Haus zu.
Vor dem Haus wich der Troll zurück. Auf der Treppe stand ein kugelrunder kleiner Kerl mit riesigen Augen, schiefem Mund und zwei Zähnen und grinste ihn an. War das ein anderer Troll?
Reto sagte: „Das ist nur ein Kürbis, der beißt nicht, die Hexe hat ihm ein Gesicht geschnitzt!“
Er klopfte an die Haustür und nach kurzer Zeit öffnete die Hexe.
Sie hatte ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und mit einer Fledermausschnalle festgesteckt. Im Gesicht der Hexe entdeckte Reto Lachfältchen um die Augen, aber sie hatte keine Warzennase, auch keinen schiefen Zahn. Das einzige Hexenzeichen war ihr kleiner krummer Finger an der linken Hand. „Was wollt ihr denn im Morgengrauen bei mir“, fragte sie und gähnte herzhaft.
Reto verbeugte sich und sagte: „Der König schickt mich, wir brauchen deine Hilfe.“
„Ach, hat er mal wieder Bauchweh?“ fragte die Hexe.
„Nein, wir sind alle in Gefahr!“ Reto berichtete ihr vom Raubritter.
Die Hexe zog nun die Besucher rasch ins Haus und zündete eine große Lampe an.
„Ich kenne den Ritter Teribal, mit dem ist nicht zu spaßen. Was bekomme ich, wenn ich euch helfe?“ wollte sie wissen.
Ich besitze nichts mehr“, sagte Reto. Aber der Troll hat ein Briefchen mit Zucker!“
„Ach was, ich will keinen Zucker, der Troll muss mitkämpft und ich will Gold, viel Gold“, verlangte die Hexe und drückte Reto auf einen Hocker.
„Ich will dein Gold, Reto!“
„Ich bin sehr arm, kann meiner Freundin nicht einmal einen Ring schenken. Aber ich gebe dir die Hälfte meiner Kartoffelernte.“
„Gold, Reto, ich will dein Gold, ich will deine goldenen Locken!“
Reto sprang vom Hocker, schüttelte heftig seine Haare: „Niemals“, rief er.
„Du weißt doch, der Räuber wird dir alles nehmen, deine Freundin, alle Kartoffeln, deine Hütte.“
Reto setzte sich wieder. „Dann nimm, was du brauchst, flüsterte er und seine Stimme klang, als hätte er große Halsschmerzen.
Im Nu fielen Retos Locken auf den Boden. Zum Schluss besaß er viele Stacheln auf dem Kopf. „Ich friere“, bemerkte er. Die Hexe warf ihm kichernd ein Kopftuch zu, doch Reto legte es fort. Auf seiner Stirn zeigte sich eine tiefe Kummerfalte. Ohne Haare würde ihn seine Freundin sicher nicht mehr mögen. Sie mochte seine Locken mehr als seinen breiten Rücken, seine Größe oder die starken Arme.
„Die Locken wachsen wieder“, tröste ihn der Troll.
Die Hexe schenkte Reto eine schwarze Mütze, die er sogleich aufsetzte.
Sie holte den Kürbis mit dem Gesicht und legte ihn Reto in die Arme.
„Lauft los, wir treffen uns beim König, aber dalli“, drängte die Hexe. Sie wartete, bis die beiden im Wald verschwunden waren, danach füllte sie ihren Rucksack mit all den Dinge, die sie für den Kampf mit dem Raubritter brauchen konnten. Sie band ihr schwarzes Kopftuch um, schloss ihr Häuschen zu, schwang sich auf den Besen und brauste über den Köpfen von Troll und Reto hinweg in Richtung Schloss.
*
Der Kampf um das Schloss

Raubritter Teribal pfiff und seine Männer gruppierten sich um ihn. Er sagte: „wir sind bald am Ziel. Wenn ihr tüchtig kämpft, können wir schon heute Abend im Schloss wohnen. Schlagt nieder, was euch im Weg steht, brennt Hütten ab. Treibt die Menschen in den Wald. Alle sollen sich vor euch fürchten. Setzt jetzt eure Helme auf.“
Sie sangen noch ihr Raubritterlied.

„Wir sind stark, wir sind mächtig,
wir sind grob und niederträchtig,
nehmen uns was uns gefällt
uns gehört die ganze Welt.“

Dann strecke Teribal die Faust in die Höhe: Auf in den Kampf, der König muss weg!“
Und alle schrien: „Der König muss weg!“

König Habakan mit seinen beiden Soldaten, Reto, Hexe Zuckermühl, das Gespenst und der Troll standen im Burghof hinter der Mauer. Sie waren schwer bewaffnet, der König mit Schwert, Troll mit der Keule, die Hexe mit ihrem geheimnisvollen Rucksack, Reto zeigte seine starken Hände, das Gespenst sein weißes Hemd, die Soldaten hoben die Pfeile hoch. Der Kampf gegen den Räuber konnte beginnen.
Sie hörten den grölenden Gesang der Raubritter und gleich darauf die Hufe der Pferde, der Raubritter und seine Knechte kamen immer näher.
Die Hexe Zuckermühl gab dem König einen Beutel aus ihrem Zauberrucksack. „Du bleibst bei Otto, Deine Soldaten müssen dich beschützen und mit den Pfeilen auf die Räuber schießen. Wenn ich dreimal wie eine Eule rufe, benutzest du den Zauberbeutel und wirfst diesen hoch durch die Luft den Banditen zu. Und wenn ich dreimal wie ein Kuckuck schreie, zeigst du dich, Otto! Hier, nimm auch den Kürbis, den kannst du als Waffe benutzen.“ Sie winkte Reto und den Troll herbei. „Auf, ins Getümmel!“
Vorsichtig und sehr leise schlichen sie den Räubern entgegen. Reto hob immer wieder einmal einen Stein auf und steckte ihn in die Hosentasche. Niemand entdeckte sie.
Dann sahen sie den ersten Reiter. Hexe Zuckermühl schickte ihm einen grellen Blitz entgegen. Das Pferd warf den Räuber ab und rannte schnaubend davon. Noch bevor der Räuber aufstehen konnte, erhielt er vom Troll einen Schlag mit der Keule und blieb liegen. Reto warf eine Handvoll Steine auf den nächsten Reiter und auch dessen Pferd floh.
Die Soldaten des Königs verschossen Pfeil um Pfeil, doch sie hatte schon lange nicht mehr geschossen und deshalb trafen die Pfeile nicht einen Mann.
„Absteigen, alle, sofort!“ befahl Teribal, der als letzter auf einem schwarzen Pferd saß. Die Räuber ließen ihre Pferde stehen und rannten schreiend auf das Schloss zu. Gefährlich nahe gelangten sie zum großen Tor.
Jetzt rief die Hexe dreimal wie eine Eule. König Habakan warf den Beutel den Räubern entgegen, der öffnete sich und eine Flut goldener Locken fiel vom Himmel. Retos locken!
Doch noch ehe sie den Boden berührten, schickte ihnen die Hexe einen Donner entgegen und ein Teil der Locken löste sich auf, fiel als Goldpünktchen zu Boden und wurde von den restlichen Locken bedeckt.
„Gold, viel Gold, sammelt sofort die Locken mit dem Goldstaub auf“, befahl der Raubritter. Doch jedes Mal, wenn sie sich danach bückten, schickte die Hexe einen leichten Wind dazu und trieb die goldene Pracht vom Schloss weg.
Endlich gelang es einem Räuber, eine Locke festzuhalten, doch schon stürzten sich die anderen Räuber auf ihn. Jetzt stritten sie sich, schlugen wild um sich, bekämpften sich gegenseitig und merkten nicht, dass der Troll jedem, der auf dem Boden lag, noch einen Schlag mit der Keule versetzte.
Als die Räuber aufstanden, warf die Hexe ihnen eine Handvoll Juckpulver nach und sie rannten schreiend davon. Teribal stand allein vor dem Schloss. Jetzt ertönte der Kuckucksruf der Hexe.
Das Gespenst zeigte sich in voller Größe, hielt dabei den Leuchtkürbis über seinen Kopf und heulte schauerlich. Teribal stolperte schreckensbleich davon, wollte nur weg von diesem fürchterlichen Gespenst. Da stellte Reto dem fliehenden Raubritter das Bein und Otto schleuderte ihm den Kürbis nach.
Besiegt lag Teribal auf dem Boden, der Troll setzte sich auf ihn, bis der König mit den Soldaten kam und den Raubritter im Schlossgefängnis einsperrte.
König Habakan ging leichten Schrittes zu seinen hilfreichen Freunden in den Schlosshof zurück.
„Ich danke euch allen, ihr habt uns gerettet und ich will euch reich belohnen.“
Sogleich meldete sich der Troll: „Ich will einen Topf Honig und dann zurück in mein Reich.“
Damit war der König einverstanden.
„Ich will, dass du mich nicht mehr anschreist und möchte zurück in meinen Schlosskeller“, verlangte das Gespenst.
„Gut, sagte der König, ich werde das nächste Mal daran denken, wenn du mich wieder nervst.“ Dann wandte er sich an Reto. „Willst du bei mir im Schloss leben? Ich habe gehört, du hast nur eine alte Hütte zum Wohnen und hier im Schloss gibt es viele leere Zimmer. Du könntest auch mein Diener werden und hier im Schloss für mich arbeiten, als Gärtner.“
Reto fiel vor dem König auf die Knie. „Nein danke, mein König, ich wünsche mir nur eine Hütte für mich, dann kann ich meine Braut heiraten. Und ich möchte weiterhin ein Bauer bleiben.“
Der König jedoch versprach ihm ein richtiges Haus aus Steinen, mit einem großen Garten und einem Acker. Hexe Zuckermühl schenkte Reto zwei seiner Locken, die sie in richtiges Gold verzaubert hatte.
Reto bedankt sich und eilte zu Maude, seiner Freundin, um ihr alles zu erzählen.
„Und du, Zuckermühl, was willst du?“
„Ich wünsche mir ein kleines Stück von deinem großen Land. Doch zunächst möchte ich mit dir Tee trinken, komm, wir gehen in deine königliche Küche.“
„Was willst du mit dem Land anfangen“, erkundigte sich der König. „
„Nun, wenn der Raubritter seine Strafe abgesessen hat, soll er ein richtiger Ritter werden und dafür braucht er ein kleines Stück von diesem großen Land. Dann wird er nicht mehr durch die Gegend streifen, er kann sich selber eine Burg darauf bauen.“
„Keine schlechte Idee“, meinte der König.
Während König Habakan mit der Hexe Zuckermühl Tee trank, erreichte der Troll mit der Keule und seinem Honig den Zauberwald. Das Gespenst träumte von goldenen Locken und dem gelben Kürbis. Reto aber saß bei seiner Feundin Maude und sie sagte ihm, dass er auch ohne Locken ihr Liebster sei.
*
Monika Rieger
 

molly

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König Habakan und der Raubritter Teribal Ab 5 Jahren

Im Land, weit hinter den sieben Meeren, lebte König Habakan in seinem weißen Schloss. In einer Herbstnacht lag der König in seinem Bett. Er lauschte dem Wind, der um die Schlossmauer pfiff und ihn langsam in den Schlaf sang. Mitten in der Nacht weckte ihn ein fürchterlicher Schrei. Als er die Augen aufschlug, schwebte sein Schlossgespenst Otto vor dem königlichen Bett. Es rasselte mit seiner Kette und heulte. Der König fuhr mit einem Schrei auf und fauchte: „Du weißt doch, dass ich mich nicht vor dir fürchte!“ Doch dann lachte er, als er das Gespenst anschaute, das mit seinem weißen Hemd auf und ab flatterte, und die schwarze Kette um einen Ärmel gewickelt hatte.
Das Gespenst zischte: „Das Lachen wird dir schon noch vergehen.“ Bei seinem nächtlichen Spazierflug hatte Otto den Räuber Teribal gesehen. Er war mit seinen Reitern unterwegs, um König Habakan das Schloss weg zu nehmen. Welch eine schlechte Nachricht! Der König stützte seinen Kopf auf die Hände und befahl dem Gespenst sofort mit dem Heulen auf zu hören. „Du nervst mich so sehr, dass ich nicht nachdenken kann. Sei endlich still!“
„Du brauchst mich nicht anzuschreien, geschieht dir ganz recht, wenn der Raubritter dir das Schloss nimmt!“
„Und wo willst du wohnen, wenn ich das Schloss nicht mehr besitze?“
Otto fauchte: „Im Keller natürlich, wie immer!“
„Glaubst du wirklich, der Raubritter würde dich hier hausen lassen? Nein, er würde dich jagen, bis er dich mit deiner Kette im Schlosskeller angebunden hätte. Er könnte dich auch in eine Kiste sperren und den Deckel abschließen. Es gäbe für dich kein nächtliches Umherschweben mehr.“ Ottos schwarze Augen wurden immer größer. Der König schlug die Decke zurück und schwang die Beine aus dem Bett. „Nun, Otto, hast du eine Idee, wie wir unser Schloss retten können?“
Otto wischte sich energisch eine Träne aus seinem rechten Auge. „Ich kenne den Reto, er ist ein großer und starker Bauernbursche und geht fast jede Nacht am Schloss vorbei. Ich sehe ihn manchmal auf meinem Rundflug. Vielleicht kann er uns helfen.“
„Gut“, sagte der König, hol ihn schnell her, deine Geisterstunde ist bald zu Ende.“

Reto hatte seine Freundin besucht und war auf dem Heimweg in sein Dorf. Als das Gespenst auf ihn zuflog, wich er zurück. „Bleib fort, komm nicht zu mir“, rief Reto und hielt dabei seine großen Hände vors Gesicht.
„Hab keine Angst“, sagte Otto. „Hör, der Raubritter Teribal ist unterwegs, er will das Schloss besetzen und den König vertreiben. Komm mit, der König braucht deine Hilfe.“
Vor Schreck ließ Reto beinahe seine Laterne fallen. Er hatte gehört, dass der Raubritter Teribal jedes Haus, das ihm im Weg stand, niederbrannte, dass er Dörfer zerstörte und Menschen tötete. Reto dachte an seine Freundin Maude und an seine Eltern. Er musste sie retten, und dem König helfen. Reto rannte hinter Otto her und kurz bevor die Schlossuhr einmal schlug, schwebte Otto in den Keller zu seinem Schlafplatz.
Reto eilte mit langen Schritten ins Schloss, schüttelte seine goldenen langen Locken zurecht und bückte sich, als er das Zimmer des Königs betrat. Der König begrüßte ihn knapp und rief: „Du kommst mir gerade recht, mein Kammerdiener ist krank. Hilf mir beim Anziehen.“
Reto reichte ihm die blauen Socken, half ihm, Hemd, Hosen und Schuhe anzuziehen. Zum Schluss hängte sich der König seinen dunkelblauen Mantel um. Er strich sich die braunen Haare glatt, die ihm bis über die Ohren reichten und setzte sich zum Schluss die Krone auf.
Er sagte: „Wir haben nicht viel Zeit, bald wird der Raubritter eintreffen. Wir brauchen die Hexe Zuckermühl aus dem Zauberwald, sie kennt Zaubertricks. Wagst du es, den Pfad dorthin zu gehen und ihr von dem Räuber zu erzählen? Sage ihr, dass ich ihre Hilfe brauche. Während du unterwegs bist, werde ich hier im Schloss mit meinen beiden Soldaten alle Waffen zusammen suchen.“
„Ich mache mich sofort auf den Weg“, antwortete Reto.
Gesagt, getan, Reto wusste, dass dieser Weg gefährlich war. Die Hexe Zuckermühl war allen hier im Land bekannt und eigentlich wollte niemand ihr begegnen. Erst neulich hatte sie dem Schneider aus dem Dorf eine große Spinne auf den Kopf gesetzt. Doch der gefährliche Raubritter trieb keinen Schabernack mit den Menschen, er verletzte sie. Reto schüttelte den Kopf, er wollte kämpfen, für seine Freundin, seine Eltern, das Dorf und den König.
Bei den drei großen Tannen am Waldrand blieb er einen Moment stehen, schaute nach rechts und links. Dann holte er tief Luft und betrat den Zauberweg. Gerade, als er zwanzig Schritte getan hatte, stürzte ein Kerl aus dem Gebüsch und schlug Reto mit seiner Keule gegen die Beine. Reto plumpste mit einem Schrei auf den Waldboden sprang aber sofort wieder auf. Der Kerl, der vor ihm stand, schwang schon wieder die Keule in Retos Richtung. Nur mit Mühe gelang es ihm, dem Angreifer die Keule abzunehmen. Schwer keuchend standen beide an einen Baum gelehnt.
Der Kerl hatte einen strubbligen schwarzen Bart. Seine Ohren standen spitz in die Höhe und oben auf dem Kopf hatte er ein kleines Horn.
„Du bist in meinem Reich, hier lebe ich, der Waldtroll! Gib mir sofort die Keule wieder“, befahl er.
Reto sagte: „Ich brauche deine Hilfe, bring mich so schnell wie möglich zur Hexe, dann bekommst du deine Keule wieder.“ Er berichtete dem Troll rasch vom Raubritter Teribal.
Jetzt stampfte der Troll heftig auf den Boden und sagte: „Einer dieser Räuber hat mir mein Honigglas aus der Hand geschossen. Mein süßer Honig ist auf den Boden geflossen.
Aber warum soll ich dem König helfen? Ich mag ihn nicht!“
Reto antwortete: „Der Zauberwald gehört dem König Habakan. Wenn der Raubritter im Schloss wohnt, wird der dich vertreiben, der mag bestimmt keine Trolle. Wir müssen uns beeilen, Teribal ist schon sehr nahe, wenn einer seiner Räuber das Honigglas abschießen konnte.“
Das sah der Troll ein. Er schnaufte einmal laut und sagte: „Nun gut! Was bekomme ich, wenn ich dir und dem König helfe und dich zur Hexe begleite?“
„Na, deine Keule und einen Topf Honig, den schenkt dir sicher der König.“
„Das ist mir zu wenig, ich will jetzt sofort etwas Süßes!“
Reto kramte aus seiner Jackentasche ein kleines Briefchen. „Das hat mir meine Freundin Maude geschenkt. Hier nimm, ist Zucker drin.“
Zucker war sehr teuer im Land und der Troll hatte noch nie welchen besessen. Vorsichtig nahm er das wertvolle Geschenk entgegen und verstaute es in seiner Hosentasche.
„Nun gut, du hast mich besiegt, also los, der Weg zur Hexe ist weit.“
*
Die Hexe
Der Troll ging voraus und Reto folgte ihm wortlos. So wanderten sie still durch den Wald bis der Troll über eine Wurzel stolperte und unsanft auf dem Boden landete. Er jammerte laut und weigerte sich, weiter zu gehen. Reto nahm den Troll Huckepack und stapfte langsam vorwärts. Er war es gewohnt, schwere Sachen zu schleppen. Doch jetzt kam es ihm vor, als würden zwei große Säcke voll Kartoffeln an seinem Rücken hängen. Ab und zu blieb er stehen, um sich den Schweiß von der Stirne zu wischen. Doch als sie das Hexenhäuschen sahen, sprang der Troll von Retos Rücken und gemeinsam stürmten sie auf das kleine Haus zu.
Vor dem Haus wich der Troll zurück. Auf der Treppe stand ein kugelrunder kleiner Kerl mit riesigen Augen, schiefem Mund und zwei Zähnen und grinste ihn an. War das ein anderer Troll?
Reto sagte: „Das ist nur ein Kürbis, der beißt nicht, die Hexe hat ihm ein Gesicht geschnitzt!“
Er klopfte an die Haustür und nach kurzer Zeit öffnete die Hexe.
Sie hatte ihre roten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und mit einer Fledermausschnalle festgesteckt. Im Gesicht der Hexe entdeckte Reto Lachfältchen um die Augen, aber sie hatte keine Warzennase, auch keinen schiefen Zahn. Das einzige Hexenzeichen war ihr kleiner krummer Finger an der linken Hand. „Was wollt ihr denn im Morgengrauen bei mir“, fragte sie und gähnte herzhaft.
Reto verbeugte sich und sagte: „Der König schickt mich, wir brauchen deine Hilfe.“
„Ach, hat er mal wieder Bauchweh?“ fragte die Hexe.
„Nein, wir sind alle in Gefahr!“ Reto berichtete ihr vom Raubritter.
Die Hexe zog nun die Besucher rasch ins Haus und zündete eine große Lampe an.
„Ich kenne den Ritter Teribal, mit dem ist nicht zu spaßen. Was bekomme ich, wenn ich euch helfe?“ wollte sie wissen.
Ich besitze nichts mehr“, sagte Reto. Aber der Troll hat ein Briefchen mit Zucker!“
„Ach was, ich will keinen Zucker, der Troll muss mitkämpft und ich will Gold, viel Gold“, verlangte die Hexe und drückte Reto auf einen Hocker.
„Ich will dein Gold, Reto!“
„Ich bin sehr arm, kann meiner Freundin nicht einmal einen Ring schenken. Aber ich gebe dir die Hälfte meiner Kartoffelernte.“
„Gold, Reto, ich will dein Gold, ich will deine goldenen Locken!“
Reto sprang vom Hocker, schüttelte heftig seine Haare: „Niemals“, rief er.
„Du weißt doch, der Räuber wird dir alles nehmen, deine Freundin, alle Kartoffeln, deine Hütte.“
Reto setzte sich wieder. „Dann nimm, was du brauchst, flüsterte er und seine Stimme klang, als hätte er große Halsschmerzen.
Im Nu fielen Retos Locken auf den Boden. Zum Schluss besaß er viele Stacheln auf dem Kopf. „Ich friere“, bemerkte er. Die Hexe warf ihm kichernd ein Kopftuch zu, doch Reto legte es fort. Auf seiner Stirn zeigte sich eine tiefe Kummerfalte. Ohne Haare würde ihn seine Freundin sicher nicht mehr mögen. Sie mochte seine Locken mehr als seinen breiten Rücken, seine Größe oder die starken Arme.
„Die Locken wachsen wieder“, tröste ihn der Troll.
Die Hexe schenkte Reto eine schwarze Mütze, die er sogleich aufsetzte.
Sie holte den Kürbis mit dem Gesicht und legte ihn Reto in die Arme.
„Lauft los, wir treffen uns beim König, aber dalli“, drängte die Hexe. Sie wartete, bis die beiden im Wald verschwunden waren, danach füllte sie ihren Rucksack mit all den Dinge, die sie für den Kampf mit dem Raubritter brauchen konnten. Sie band ihr schwarzes Kopftuch um, schloss ihr Häuschen zu, schwang sich auf den Besen und brauste über den Köpfen von Troll und Reto hinweg in Richtung Schloss.
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Der Kampf um das Schloss

Raubritter Teribal pfiff und seine Männer gruppierten sich um ihn. Er sagte: „wir sind bald am Ziel. Wenn ihr tüchtig kämpft, können wir schon heute Abend im Schloss wohnen. Schlagt nieder, was euch im Weg steht, brennt Hütten ab. Treibt die Menschen in den Wald. Alle sollen sich vor euch fürchten. Setzt jetzt eure Helme auf.“
Sie sangen noch ihr Raubritterlied.

„Wir sind stark, wir sind mächtig,
wir sind grob und niederträchtig,
nehmen uns was uns gefällt
uns gehört die ganze Welt.“

Dann strecke Teribal die Faust in die Höhe: Auf in den Kampf, der König muss weg!“
Und alle schrien: „Der König muss weg!“

König Habakan mit seinen beiden Soldaten, Reto, Hexe Zuckermühl, das Gespenst und der Troll standen im Burghof hinter der Mauer. Sie waren schwer bewaffnet, der König mit Schwert, Troll mit der Keule, die Hexe mit ihrem geheimnisvollen Rucksack, Reto zeigte seine starken Hände, das Gespenst sein weißes Hemd, die Soldaten hoben die Pfeile hoch. Der Kampf gegen den Räuber konnte beginnen.
Sie hörten den grölenden Gesang der Raubritter und gleich darauf die Hufe der Pferde, der Raubritter und seine Knechte kamen immer näher.
Die Hexe Zuckermühl gab dem König einen Beutel aus ihrem Zauberrucksack. „Du bleibst bei Otto, Deine Soldaten müssen dich beschützen und mit den Pfeilen auf die Räuber schießen. Wenn ich dreimal wie eine Eule rufe, benutzest du den Zauberbeutel und wirfst diesen hoch durch die Luft den Banditen zu. Und wenn ich dreimal wie ein Kuckuck schreie, zeigst du dich, Otto! Hier, nimm auch den Kürbis, den kannst du als Waffe benutzen.“ Sie winkte Reto und den Troll herbei. „Auf, ins Getümmel!“
Vorsichtig und sehr leise schlichen sie den Räubern entgegen. Reto hob immer wieder einmal einen Stein auf und steckte ihn in die Hosentasche. Niemand entdeckte sie.
Dann sahen sie den ersten Reiter. Hexe Zuckermühl schickte ihm einen grellen Blitz entgegen. Das Pferd warf den Räuber ab und rannte schnaubend davon. Noch bevor der Räuber aufstehen konnte, erhielt er vom Troll einen Schlag mit der Keule und blieb liegen. Reto warf eine Handvoll Steine auf den nächsten Reiter und auch dessen Pferd floh.
Die Soldaten des Königs verschossen Pfeil um Pfeil, doch sie hatte schon lange nicht mehr geschossen und deshalb trafen die Pfeile nicht einen Mann.
„Absteigen, alle, sofort!“ befahl Teribal, der als letzter auf einem schwarzen Pferd saß. Die Räuber ließen ihre Pferde stehen und rannten schreiend auf das Schloss zu. Gefährlich nahe gelangten sie zum großen Tor.
Jetzt rief die Hexe dreimal wie eine Eule. König Habakan warf den Beutel den Räubern entgegen, der öffnete sich und eine Flut goldener Locken fiel vom Himmel. Retos locken!
Doch noch ehe sie den Boden berührten, schickte ihnen die Hexe einen Donner entgegen und ein Teil der Locken löste sich auf, fiel als Goldpünktchen zu Boden und wurde von den restlichen Locken bedeckt.
„Gold, viel Gold, sammelt sofort die Locken mit dem Goldstaub auf“, befahl der Raubritter. Doch jedes Mal, wenn sie sich danach bückten, schickte die Hexe einen leichten Wind dazu und trieb die goldene Pracht vom Schloss weg.
Endlich gelang es einem Räuber, eine Locke festzuhalten, doch schon stürzten sich die anderen Räuber auf ihn. Jetzt stritten sie sich, schlugen wild um sich, bekämpften sich gegenseitig und merkten nicht, dass der Troll jedem, der auf dem Boden lag, noch einen Schlag mit der Keule versetzte.
Als die Räuber aufstanden, warf die Hexe ihnen eine Handvoll Juckpulver nach und sie rannten schreiend davon. Teribal stand allein vor dem Schloss. Jetzt ertönte der Kuckucksruf der Hexe.
Das Gespenst zeigte sich in voller Größe, hielt dabei den Leuchtkürbis über seinen Kopf und heulte schauerlich. Teribal stolperte schreckensbleich davon, wollte nur weg von diesem fürchterlichen Gespenst. Da stellte Reto dem fliehenden Raubritter das Bein und Otto schleuderte ihm den Kürbis nach.
Besiegt lag Teribal auf dem Boden, der Troll setzte sich auf ihn, bis der König mit den Soldaten kam und den Raubritter im Schlossgefängnis einsperrte.
König Habakan ging leichten Schrittes zu seinen hilfreichen Freunden in den Schlosshof zurück.
„Ich danke euch allen, ihr habt uns gerettet und ich will euch reich belohnen.“
Sogleich meldete sich der Troll: „Ich will einen Topf Honig und dann zurück in mein Reich.“
Damit war der König einverstanden.
„Ich will, dass du mich nicht mehr anschreist und möchte zurück in meinen Schlosskeller“, verlangte das Gespenst.
„Gut, sagte der König, ich werde das nächste Mal daran denken, wenn du mich wieder nervst.“ Dann wandte er sich an Reto. „Willst du bei mir im Schloss leben? Ich habe gehört, du hast nur eine alte Hütte zum Wohnen und hier im Schloss gibt es viele leere Zimmer. Du könntest auch mein Diener werden und hier im Schloss für mich arbeiten, als Gärtner.“
Reto fiel vor dem König auf die Knie. „Nein danke, mein König, ich wünsche mir nur eine Hütte für mich, dann kann ich meine Braut heiraten. Und ich möchte weiterhin ein Bauer bleiben.“
Der König jedoch versprach ihm ein richtiges Haus aus Steinen, mit einem großen Garten und einem Acker. Hexe Zuckermühl schenkte Reto zwei seiner Locken, die sie in richtiges Gold verzaubert hatte.
Reto bedankt sich und eilte zu Maude, seiner Freundin, um ihr alles zu erzählen.
„Und du, Zuckermühl, was willst du?“
„Ich wünsche mir ein kleines Stück von deinem großen Land. Doch zunächst möchte ich mit dir Tee trinken, komm, wir gehen in deine königliche Küche.“
„Was willst du mit dem Land anfangen“, erkundigte sich der König. „
„Nun, wenn der Raubritter seine Strafe abgesessen hat, soll er ein richtiger Ritter werden und dafür braucht er ein kleines Stück von diesem großen Land. Dann wird er nicht mehr durch die Gegend streifen, er kann sich selber eine Burg darauf bauen.“
„Keine schlechte Idee“, meinte der König.
Während König Habakan mit der Hexe Zuckermühl Tee trank, erreichte der Troll mit der Keule und seinem Honig den Zauberwald. Das Gespenst träumte von goldenen Locken und dem gelben Kürbis. Reto aber saß bei seiner Feundin Maude und sie sagte ihm, dass er auch ohne Locken ihr Liebster sei.
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Monika Rieger
 

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