königin der nacht (durchgereimte rubaiyat)

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Mondnein

Mitglied
[ 4]königin der nacht


was ist es das du in mir wecken willst
was mag es wohl sein was du schmecken willst
der du mit nem stecken die schnecken killst
wenn du deren nacken nick necken willst?

was ist es das du mir entlocken willst
wonach du geschockt unerschrocken schielst
der du mir den knochen-trocknen spielst
wenn du meine ziege zu bocken zielst?

es schmeichelt mir kaum noch wie du mich genannt
als sonnen-wind gruß im polarstern verbrannt
ins null-element antipodisch verbannt
die in der antarktis dich superman fand
 
T

Trainee

Gast
königin der nacht


was ist es das du in mir wecken willst
was mag es wohl sein was du schmecken willst
der du mit nem stecken die schnecken killst
wenn du deren nacken nick necken willst?

was ist es das du mir entlocken willst
wonach du geschockt unerschrocken schielst
der du mir den knochen-trocknen spielst
wenn du meine ziege zu bocken zielst?

es schmeichelt mir kaum noch wie du mich genannt
als sonnen-wind gruß im polarstern verbrannt
ins null-element antipodisch verbannt
die in der antarktis dich superman fand
Hallo Mondnein,

ich muss bekennen, dass ich mich hier leicht überfordert fühle.
Formal geht es um Rubaiyat (Vierzeiler), die du teilweise in identischen Reimen, teilweise in umarmenden Reimen präsentierst. Es mangelt weder an Binnenreimen, noch an Alliterationen etc. - insofern erklärt sich deine Eingangsmeldung "durchgereimt" ;). Und der gute Klang.
Nach längerem Nachsinnen, Nachgooglen, Nachschlagen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass du dich vielleicht direkt auf Omar Chayyam beziehst, den großen persischen Mathematiker und Dichter.
Hinsichtlich der Mathematik stoße ich allerdings stante pede an meine Grenzen. Könnte mir allenfalls denken, dass du an dessen Beobachtungen zu den Phänomenen der Parallelen gedacht hast ... dies wage ich jedoch nur schüchtern einzubringen, weil mir schon seinerzeit auf der Schule die Sache mit dem euklidschen Axinom ein böhmisches Dorf war und bis heute geblieben ist.
So oder so tappe ich ziemlich im Dunkeln und kann deshalb nur - wie bereits eingangs - den guten Klang loben. Der sich erstaunlich modern, fast wie ein Rap liest.
Dies findet mein Wohlgefallen.
Ansonsten hoffe ich auf eine Erklärung, die auch mir armen Schönvergeistigten einleuchtet.

Erschöpfte Grüße
Trainee
 

Mondnein

Mitglied
Ein Rollenspiel, liebe Trainee,

"girl meets boy", allerdings in mythischen Traumwelten, denn die beiden Gesprächspartner - lyrisches Ich und lyrisches Du - sind die "Königin der Nacht" (archetypischer Gegenpol der Vernunft in der "Zauberflöte") und "Superman".
Sie verspottet ihn offensichtlich in den ersten beiden Strophen wie einen kleinen Jungen, spielt stolz ihre Rolle als Gegenpol ("antipodisch") der Vernunft aus und spielt zugleich auf ihre königliche Zentralität an (das Nullelement ist die Symmetrieachse an und für sich, in purer Abstraktheit). Um letzten Endes stolz darauf hinzuweisen, daß sie den Superman in der Antarktis (Gegenpol zum Polarstern, auch für uns so was wie die Nachtseite antipodisch zu unserer Tageswelt) gefunden habe.
Kryptonitisch kryptisch.

Aber vielleicht spielt "girl" hier nur die Königin der Nacht, könnte sich auch als Borgqueen oder Galaxienschnecke aufführen, und verspottet "boy" nur als Superman, weil der Idiot sie in die (Eis-) Wüste geschickt hat, "verbannt" hat, nachdem seine Schmeicheleien sich wie Sonnenwind verdünnisiert haben und so nichtssagend geworden sind wie irgendein langweilig-stabiler Punkt, wie der ewige kalte Polarstern über den Sonnenwind-Nordlichtern.

Mit Omar Chayyam hat es vielleicht die Berührung mit der Mathematik-Schnittmenge seiner Leistungen, aber das ist eher zufällig so. Eine substantielle Gemeinsamkeit mit seinen rubaiyat besteht in der Art der Reime: Omar Chayyam bevorzugt nämlich identische ("rührende") Reime, wie hier die ersten beiden Strophen. Er ist aber wohl kaum spöttisch, eher abstrakt reflektierend. So weise ist dieses Lied hier nicht, es ist eher ein Popsong. Eine kleine Frechheit im Schafspelz der rubaiyat. Die Königin der Nacht trägt schwarze Lackstiefel, und damit tritt sie ihrem Sarastro in den Südpol.

grusz, hansz
 
T

Trainee

Gast
Hallo Mondnein,

herzlichen Dank für deine Erläuterungen.

Das ist zweifellos eine sehr schöne Idee, die sich aber wohl nur wenigen erschließen wird.
Klar, Lyriker schreiben für Lyriker. Doch du legst noch ein Schippchen druff. Erwartest fundierte Kenntnisse der persichen Dichtkunst, der vor-monotheistischen Mythen und erhoffst dir einen Hang zum fußbetonten Fetischismus? ;)
Ich mag deine Gedichte sehr, habe sie immer gemocht.
Aber dieses hier ist mir etwas zu anstrengend, gerade weil es doch auf die Spottlust des Lesers zielt.

Liebe Grüße
Trainee
 

Mondnein

Mitglied
Nun ja, liebe Trainee,

man muß rubaiyat nicht kennen, auch nicht den Omar Chayyam, und in der Tat ist es so, daß, wer den großen Mathematiker und Dichter kennt, ganz schnell bemerkt, daß ich gegen die abgehobene Weisheit des alten Mannes verstoßen habe, weils nur aussieht wie drei rubaiyat, aber in Wirklichkeit ein surrealistisches Watschentänzchen ist. So, wie meine Ghaselen so was von unpersisch sind, daß mir eine Fatwah vom iranischen Kultusayatollah drohen würde, wenn der die läse. Aber unveröffentlicht, wie wir Lupi nun mal sind, droht da nichts.

Mythologie. Es ehrt Dich, daß Du weißt, daß "Superman" ein vormonotheistischer Archetypus ist, nämlich Herakles. Aber hier genügt die eigentlich ziemlich weitverbreitete Kenntnis von seiner geheimen antarktischen Heimat, oder wie man so einen Zufluchtsort nennt.
Tja, die Königin der Nacht in der Zauberflöte. Mag manchen überfordern, dieser Freimaurerkram. Aber ich glaube, es gibt Unbekannteres in unseren durchzugsluftigen Kulturräumen als den lustigen Mozart. Und ja: Man muß nicht alles wissen oder kennen, sonst kämen mir (nach den persischen Ayatollahs) demnächst noch die Jungschen Psychoanalytiker, die Nerds aus dem Comicbuchladen der Bigbangphysiker, die Musikwissenschaftler oder am Ende noch Kain und Abel von den Gruppentheoretikern auf den Hals. Ich hab ja schon die Wagnerhasser an den Hacken, an den Versen, oder wo auch immer.

grusz, hansz

P.S.: Ich habe still und heimlich verschwiegen, daß die participia coniuncta der letzten Strophe so zweideutig beziehbar sind, daß sie nicht bloß die discoqueen versüden, sondern genausogut den Superman im Nullelement vororten. Paßt auf beide. Vielleicht sind sie ja auch nur zwei Seiten einer Seele, - sind halt Archetypen, Seelenfunktionen, die dramatisch gegeneinander gestellt werden können. Der Seelenkrieg, den schon die "Meditation" beschreibt.
Das Sakramentale - schön wer es hört und sieht
Wölfe, Schakale - die haben auch ihr Lied (Benn)
 

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