Königreich aus Büchern

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Max Neumann

Mitglied
Fremde kamen
Unzählige Fremde
Verirrte, Dürre, Kranke
Wohlhabende, Verliebte, Kreative
Unzählige Fremde
Jeder wie ein Blatt
An einem Baum ohne Stamm

Unzählige Fremde
Im Königreich aus Büchern
Wo kein Licht eindrang
Die Mäuse fraßen nachts Papier
Fremde gingen ein und aus
In den Nächten blieb es still
Im Königreich aus Büchern

Wo kein Licht eindrang
Wo die Stille Lieder schrieb
In Räumen voller Spuren
Voller fremder Spuren
Dazwischen saß ein Kind
Den ganzen Tag malte es
Es malte und malte

Malte einen warmen Ort
Einen vertrauten Ort
An den niemand kam
Wo das Kind allein war

So kamen keine Fremden mehr
Und die losen Blätter verschwanden
Auf das ein Baumstamm den
Boden durchbrach
Licht ins Königreich aus Büchern
Eindrang

So verschwanden alle Fremden
An ihre Stelle trat der Baum
 

petrasmiles

Mitglied
Ich habe nicht verstanden, ob Dein Gedicht eine Rückführung des Papiers zum Baum lobpreisen soll, oder der Ort 'Bibliothek', und die Rolle der Fremden verstehe ich auch nicht. Oder sollte es so sein, dass das Fremde das Unwissen ist und das lesende (?) malende Kind dadurch stark wie ein Baum wird, dass es sich das Unbekannte einverleibt?
Fragen über Fragen ...
 

Aniella

Mitglied
Hallo Max,

wenn die Welt um einen herum brutal und herzlos ist, einen einsam und verlassen werden lässt, dann kann man im kreativen Prozess alles ausgleichen, wenn man den Weg zu seinem "Baum" findet. So empfinde ich es, ergibt es für mich den tieferen Sinn und lässt mich begeistert zustimmen.

Liebe Grüße
Aniella
 

Max Neumann

Mitglied
Danke Aniella und danke Petra für eure Auseinandersetzung mit dem Gedicht.

Wie ich es neulich auch in einem anderen Forum geschildert habe, ich muss voll und ganz mit meinem Herz in den Worten sein, die Worte in meinem Herz, so wie ein Traum, aus dem man nicht aufwachen will, dann ist es Schreiben.

Wenn es so geschieht, bin ich zufrieden, aber dann stoße ich es auch ruckzuck ab. Lasse es ruckzuck los. Ich überarbeite nur geringfügig und sehr schnell. Das gehört noch zum Schreibprozess selbst.

Danach gibt es keine weitere Überarbeitung. Das ist völlig ausgeschlossen und vor allem auch keine Analyse meiner eigenen Texte.

Ich habe das hier und da mal getan, aber es hindert mich am Schreiben und deswegen kann ich das, möchte ich das so genau nicht beantworten.

Ich halte Aniellas Auslegung trotzdem für sehr einfühlsam und auch was Petra sich so überlegt hat, das hat alles seine Berechtigung, ja, aber wie gesagt, ich habe meinen Standpunkt dazu geschildert und ich bin sehr dankbar, dass ich ein Mensch bin, der schreibt und dem das gegeben wurde. Ich tue es jetzt seit 30 Jahren durchgehend und das ist ein Segen, denn es schützt uns vor Verzweiflung, es schützt auch in gewissen sehr harten Lebensphasen, kann es uns auch vor dem Wahnsinn bewahren.

Nochmal, wer schreibt, der bleibt.

Euch allen schöne Ostern!
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Max,

wenn man so einen Schaffensakt hat, dann ist das so.
Das war bei mir vielleicht auch so eine Reaktion vom Abendlesen; nicht immer ist man gleich geschmeidig.

Die eigene Erweiterung funktioniert ja auch in der Auseinandersetzungg mit den eigenen Assoziationen, was soll da der Autor helfen können. Wenn jeder Leser seine eigene Geschichte schreibt, könnte der Autor gar nicht Geburtshelfer für Unzählige sein.

Aber Danke für Deinen Kommentar!

Auch Dir schöne Ostern.

Liebe Grüße
Petra
 



 
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