Kriegsposaune

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Guten Morgen!

Interessanter Zugang zu einem Dauerthema der Menschheit und ihrer Geschichtenerzähler. Lesens- und bedenkenswert.
Doch was, um alles in der Welt, macht das „hat“ in der letzten Zeile? Ein Versehen?
Grüße vom noch müden Clown.
 
Puh, da bin ich aber froh.

Meine Lesart des Gedichts ist nun, dass es warnt. Vor einer der schlimmsten menschengemachten Katastrophe, vor dem Krieg. Und die Anzeichen, dass die Kriege, die schon toben, sich ausweiten. Auch, weil immer mehr politisch Verantwortliche bewusst oder unbewusst daraufhinstreben. Und die Jugend unseres Landes wird langsam, aber mit Nachdruck darauf vorbereitet …
Das alles sagt dein Gedicht zwar nicht wortwörtlich, aber ich möchte wetten, dass jeder dir seine eigenen, individuellen Bilder uNd Gedanken dazu erzählen könnte.
 
Hm.
Ich muss gestehen, dass ich auch kein Freund davon bin, sich bekannte Wohlklänge oder Dissonanzen aus der Dichtung einzuverleiben, um was scheinbar Eigenes daraus zu machen. Trotzdem bin ich selbst nicht davor gefeit. Manchmal ist es einfach verlockend, mit Bekanntem zu spielen. Der Zweck heiligt die Mittel. Manchmal.

Hiergibt es für mich ein brennendes und höchst schwieriges Thema, an welches sich kaum jemand ranwagt oder es überhaupt sieht. Punkt für den Autor, finde ich.
Außerdem empfinde ich einen reizvollen frechen Gegensatz zwischen dem Metathema und der Tatsache, dass dieses Goethegedicht in der deutschen Kultur zum Kanon des Anheimelnden gehört - einen Moment vorm Schunkeln.
Das in eine Szene mit Posaunen und marschierenden jungen Uniformierten - dorthin führt mich dieser schöne Gegensatz.
 

Anders Tell

Mitglied
Das Goethegedicht ist nicht anheimelnd. Es geht um den Tod. Vom Krieg reden jetzt alle, da sehe ich kein heißes Eisen. Also Deinen Kontrast gibt es nicht.
 
Hohe Bildungsgüter mal gegen den Strich bürsten? Ausnahmsweise halte ich das schon für legitim, und zwar in extremen Lagen, wie jetzt zum Beispiel. Die Verhunzung hält dann dem Tradierten gewissermaßen einen Zerrspiegel vor und scheint damit die Frage anzuregen: Was sind eure Bildung und Kunst wert, wenn ihr trotzdem in eine solche Lage geraten könnt und euch dann daraus nicht zu befreien versteht? Diese Frage habe ich mir in den letzten Jahren tatsächlich manchmal gestellt, bezogen auf mir persönlich bekannte Zeitgenossen. Nur mit dem Umdichten wie hier habe ich noch nicht angefangen, mangels ausreichender Übung in lyrischen Sachen. Lust hätte ich schon ...
 
Ich will dir gar nicht widersprechen, Anders.
Aber ich stelle deiner meine laienhafte andere Meinung gegenüber, einfach, weil ich sie auch für berechtigt und diskutabel finde.

Ich schrieb ganz bewusst vom
Kanon des Anheimelnden
Ich meine damit, dass das kleine Goethewerk zu dem gehört, was gern zitiert wird, das viele Jahre hindurch viele bürgerlich Gebildete zumindest im Kopf mitdenken konnten - weil es so schön gereimt ist, einen angenehmen Rhythmus hat. Womit ich es nicht negativ kritisieren möchte. Es ist ein außergewöhnliches Gedicht der Literaturgeschichte, klar. Aber eingängige Reime und Rhythmus haben noch ganz andere Texte. Die denke ich da still mit.Ist nicht alles schön.
 

Anders Tell

Mitglied
Die meisten, die sich auf das Volk der Dichter und Denker beziehen, nennen Goethe und Schiller, ohne je einen Text von ihnen vollständig gelesen zu haben. Diese Form der Vereinnahmung führt so weit, dass Zitate aus dem Kontext gerissen für etwas herhalten müssen, das nie damit gemeint war. Gefühlt kommt jedes zweite Zitat aus Goethes Faust. Die andere Hälfte aus der Bibel. Aber wer ist schon noch bibelfest? Bevor man es karikiert, sollte man es wenigstens gelesen und annähernd verstanden haben.
 

Scal

Mitglied
Ein außergewöhnlich großes (in Anbetracht auch der Lautbildung) Gedicht.

@Anders Tell @Clown seiner Klasse @Arno Abendschön


Vielen Dank fürs Äußern eurer erwägenswerten Sichtweisen!

Meine gedichthafte, spontan entstandene „Kundgebung“ entsprang in diesem Fall (nicht Satire, nicht Ironie) einer eher traurigen Stimmung, einer, wie sie mich mitunter vereinnahmt, wenn auf das gegenwärtige Zeitgeschehen (mit meiner Neigung zum phänomenologisch-bildhaften Anschauen) hinblicke.

Sollten meine Kinder an meinem Grabe einst in etwa so sprechen: „Er, als zeitlebens parteiloser Pazifist, hat sich in den Zwanzigerjahren öfter ernsthaft besorgt gezeigt über die mentale Gemütsverfassung der politisch Verantwortlichen, und so meinte er gelegentlich, dass die daraus resultierenden Tendenzen in eine Richtung weisen, die keinesfalls gutzuheißen sei. Er zählte nicht zu den Nickenden und erwies sich allen diversen Koalitionen von Willigen gegenüber als unwillig. Er las viel, schätze unter anderem Goethe sehr und notierte seine eigenen Gedanken mit seinem Faber-Castell-Bleistift immer wieder mal in ein Notizbuch. Offensichtlich schrieb er manchmal auch Gedichte. Wir wussten es, aber kannten sie nicht.“

Wär mir recht = Wunschdenken.

Wohin deuten die kommenden Gipfelgespräche? Begibt (begab) man sich ins Tal? Hört(e) man einander zu?
Mitnichten! - soweit ich es zu „lesen“ vermag.

Liebe Grüße
Scal
 



 
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