Kürbismond

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Tuxmichl

Mitglied
"Opa! Ein Paket kam für dich an von einem, ähm... oder einer... Kümo? Komisch, das ist alles was beim Absender steht."

Mein Enkel ist gerade zu Besuch und bringt mir ein Paket nachdem er für mich an die Tür ging.

"Ah, das wurde aber auch Zeit."

"Das ist ein merkwürdiger Name. Und der Nachname fehlt auch. Wer hat dir das geschickt?"

"Nun ja, Kürbiskatzen haben nun mal keine Nachnamen."

"Bitte was?"

"Habe ich dir nie von den Kürbiskatzen erzählt? Nun, das ist nicht ihr wirklicher Name, aber so nenne ich sie zumindest."

"Was soll denn eine Kürbiskatze sein? Eine fette orange Katze?"

"Ach nein, ganz und gar nicht! Es sind geheimnisvolle Kreaturen die du normalerweise wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen würdest. Aber wenn du ihre Geschichte kennst bist du vielleicht eines Tages dazu in der Lage eine von ihnen zu treffen..."

"Bitte erzähl mir davon!"

Er scheint begierig darauf die Geschichte von mir zu hören. Es ist schon eine Weile her, dass er mich aufforderte ihm etwas zu erzählen. Ich freue mich dass er mir zuhören will. Wie lange wird er wohl noch den Worten eines alten Mannes lauschen wollen?

"Also gut, wo soll ich anfangen..."

Ich mache es mir in meinem Lieblingssessel gemütlich und beginne mit der Geschichte über die Kürbiskatze.

---

Viele Jahre ist es schon her, damals war ich noch mehr Knabe als Mann. Die meisten Bäume kleideten sich in braun oder gelb. Manche von ihnen warfen bereits fleißig ihre Blätter ab, während andere noch fest an ihre klammerten. Es war Herbst, Erntezeit.

Zu dieser Jahreszeit waren alle sehr beschäftigt. Unmengen der unterschiedlichsten Feldfrüchte mussten so schnell wie möglich geerntet werden. Jeder half bei dieser Arbeit mit, so auch ich. Wir nutzten jede helle Minute aus, denn niemand wusste wie lang das Wetter noch hielt. Erst mit Einbruch der Dunkelheit hörten wir auf und ließen die Arbeit ruhen. So war es auch an jenem Tag, den ich nie vergessen werde.

Ich war auf dem Heimweg und es war bereits Nacht. Alles war in Dunkelheit gehüllt, denn der Mond verbarg sich hinter einer dichten Schicht Wolken. Es war mir kaum möglich den Pfad direkt vor meinen Füßen zu erkennen, so finster war es. Um schnellstmöglich mein ersehntes Bett zu erreichen nahm ich eine Abkürzung zwischen zweier Felder. Obwohl ich den Weg gut kannte musste ich mich konzentrieren nicht zu stolpern und blickte stur geradeaus. Plötzlich vernahm ich aus den Augenwinkeln tanzende Lichter in der Ferne.

Ich war so müde, dass ich mir sicher war meine Augen würden mir einen Streich spielen. Doch es spielte keine Rolle wie lange ich hinüber starrte, die flackernden Lichter verschwanden einfach nicht. Was sind das für leuchtende Punkte? Und warum hüpfen sie mitten auf dem Feld herum? Ich fand keine Antworten auf diese Fragen. Es war nicht die Zeit für Glühwürmchen. Ist dies ein Traum? Bin ich auf dem Weg nach Hause vor Erschöpfung eingeschlafen? Während ich mir weiterhin den Kopf über die ominösen Lichter zerbrach sprangen sie hin und her. Immer wieder hin und her, um die selbe Stelle herum. Es hatte etwas hypnotisches an sich...

Beinahe wäre ich tatsächlich eingeschlafen. Ich schüttelte den Kopf um zu klarem Verstand zu kommen. Es muss sich um eine Halluzination handeln, da war ich mir sicher. Der vernünftige Teil in mir wollte den Weg fortsetzen um endlich ruhen zu können. Doch ein anderer Teil wollte herausfinden was es mit diesem Schauspiel auf sich hat. So verließ ich den Pfad und lief direkt über das offene Feld auf die winzigen Lichter zu. Ich kam nicht weit als ich beinahe über einen Kürbis stolperte. Großartig, von allen möglichen Feldern musste es eines voller Kürbisse sein! Für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach ob ich nicht doch lieber wieder umkehren sollte, doch ich konnte einfach nicht widerstehen.

Mit jedem zaghaften Schritt dem ich näher kam zweifelte ich mehr und mehr an meinen Augen. Die Lichter sahen aus wie... Kerzenschein. Das konnte nicht sein, oder doch? Kerzen mitten auf dem Feld? Kerzen die herumtanzen? Ich war so abgelenkt dass mein Fuß sich in einer Ranke verfing und ich heftig ins straucheln geriet. Einen Sturz konnte ich zwar gerade noch so vermeiden, jedoch verursachte ich eine Menge Lärm beim Versuch mein Gleichgewicht zu halten. Die tanzenden Lichter stoppten.

Stille.

Was sollte ich jetzt tun? Wer oder was auch immer dort stand wusste nun dass ich hier war. Ich bewegte mich nicht, die Lichter taten es mir gleich. Dann langsam, ganz langsam und ohne auch nur das geringste Geräusch machend begannen die Lichter sich hinfort zu bewegen. Ich weis nicht was mich dazu trieb, aber ohne nachzudenken rief ich ihnen nach:

"Geht nicht!"

Die Lichter stoppten erneut.

"Bitte... geht nicht."

Die Lichter beantworteten mein Flehen indem sie still standen.

"Ich... komm jetzt näher."

Die Lichter zuckten für einen Moment, aber sie blieben nach wie vor stehen.

Vorsichtig näherte ich mich ihnen. Es waren tatsächlich Kerzen. Sie erfüllten die Dunkelheit um uns mit schummrigem Licht und ich konnte das Gesicht eines Mädchens erkennen. Was suchte ein Kind mitten in der Nacht auf einem Feld? Es wirkte bedrückt, hatte es sich verlaufen? Als ich näher und näher trat erkannte ich, dass es sich nicht um ein um Kind handelte. Jedenfalls kein gewöhnliches. Mir fiel schwer es zu glauben, aber egal wie oft ich auch blinzelte, die Ohren, die aussahen als ob sie von einer Katze wären, verschwanden einfach nicht. Das war noch nicht alles. Passend zu den Ohren konnte ich auch noch einen Schwanz erkennen.

Es war ein merkwürdiger Anblick. Obwohl Kerzen auf Kopf-, Hüft- und Fußhöhe um sie herum zu schweben schienen, konnte ich sie nicht allzu gut sehen. Das einzige was ich klar und deutlich erkennen konnte war, dass sie von Angst erfüllt war. Nun, das gleiche konnte man ebenfalls von mir behaupten. Was war das nur für ein Wesen? Sprachlos stand ich dort und wusste nicht was ich tun sollte. Auch sie stand nur da. Unruhig hielt sie ihren Schwanz mit beiden Händen. Damit herumzuspielen schien eine beruhigende Wirkung auf sie gehabt zu haben. Dennoch wirkte sie sehr nervös und angespannt. Schließlich durchbrach die zierlichste Stimme die ich je vernommen habe die Stille.

"Wirst du... mir wehtun?"

Erneut war ich sprachlos. Wie kam sie denn darauf?

"Ähm, natürlich nicht! Warum sollte ich?"

"... wirklich?"

"Ja, wirklich!"

Daraufhin wirkte sie etwas erleichtert, aber immer noch besorgt. Beinahe hätte ich sie gefragt 'Was bist du?', aber das wäre sehr unhöflich gewesen.

"Wer bist du?"

"... mo."

"Es tut mir Leid, aber ich konnte dich nicht verstehen."

"Kümo. Mein Name ist... Kümo."

Im gleichen Maß wie ihre Stimme stärker wurde schwand ihre Steifheit. Sie ließ sogar von ihrem Schwanz ab und er schwang sachte um ihre Füße herum. Zielsicher umging er alle Kerzen rundum. Ich fragte mich wie sie es schaffte sich nicht ständig selbst zu verbrennen, aber das war eine der weniger dringenden Fragen. Da der Schwanz sich bewegte war er in der Tat echt. Das bedeutete ihre Ohren waren wahrscheinlich auch nicht nur ein modisches Accessoire.

"Ähm, Ich weiß nicht so recht wie ich fragen soll, aber... du bist kein... Mensch... oder?"

"Nein... bin ich nicht."

"Darf ich fragen was du bist?"

"... muss ich es dir sagen?"

Ihr Tonfall machte überdeutlich klar wie ungern sie darüber sprach. Zwar konnte ich meine Neugier kaum zügeln, aber ich bohrte nicht weiter nach.

"Nein, natürlich nicht. Tut mir Leid."

Ich konnte sie immer noch nicht gut sehen, aber ich war mir sicher ein schüchternes kleines Lächeln zu erkennen.

"Was machst du hier?"

"Ich besuche meinen Kürbis!"

"Du besuchst... deinen Kürbis?"

"Ja! Meinen Kürbis!"

Ich konnte überhaupt nicht verstehen was sie damit sagen wollte. Alle Kürbisse auf diesem Feld gehörten einem Bauern den ich kannte. Es war kaum möglich, dass einer davon ihr gehörte.

"Ähm, was meinst du mit 'dein Kürbis'?"

"Mein Kürbis heißt mein Kürbis! Ich besuche ihn seit er geboren wurde!"

Über die 'Geburt' eines Kürbis zu sprechen erschien mir merkwürdig. Ich reihte die fragwürdige Wortwahl bei den anderen Merkwürdigkeiten der letzten Minuten ein und ignorierte es.

"Du kommst jede Nacht hier her?"

"Jaaa!"

"Ich bin in den letzten Wochen fast jede Nacht hier vorbei gekommen, aber dich habe ich noch nie gesehen. Warum ist es heute anders?"

Sie ließ den Kopf etwas hängen und knetete unruhig ihre Hände in ihrem Schoß.

"Ich... war unvorsichtig."

"Du warst unvorsichtig?"

"Ja... Ich war so glücklich, deswegen war ich unvorsichtig und sah dich nicht kommen. Das ist so peinlich..."

"Sollte nicht ich derjenige sein der dich zuerst sieht? Ich meine, ähm..."

Ich deutete auf all die Kerzen die sie verraten haben.

"Ach, ich kann dich bereits kilometerweit erkennen! Sogar nachts! Aber, nun ja... wie soll ich das erklären? Normalerweise kannst du mich nicht sehen, verstehst du?"

Nein, ich konnte definitiv nicht verstehen worauf sie abzielte.

"Ich habe keine Ahnung was du meinst."

"Menschen können mich in normalen Nächten nicht sehen."

"Und heute ist keine normale Nacht?"

"Nein, heute haben wir einen Kürbismond!"

Sagte sie gerade wirklich 'Kürbismond'? Ich musste mich verhört haben.

"Du meinst wir haben heute Vollmond? Ich glaube du hast recht, allerdings versteckt sich der Mond heute sehr gut..."

"Nein, nein! Ich meine einen Kürbismond! Hast du noch nie zuvor einen Kürbismond gesehen?"

Von was in aller Welt redete sie bloß? Bevor ich nachfragen konnte zeigte sie gen Himmel und rief aus.

"Schau!"

Mein blick folgte ihrem Fingerzeig und dann geschah es. Die Wolken bewegten sich zur Seite und ich konnte sehen wie der Vorhang sich lüftete. Dahinter offenbarte sich ein hell scheinender orangener Mond.

"Ach das meinst du. Ja, es kommt schon mal vor und dass er so aus-"

Als ich zurück zu ihr sah stockte ich mitten im Satz. Vor mir zeigte sich ein Anblick den ich wahrlich niemals vergessen werde. Zum ersten mal in dieser Nacht konnte ich sie deutlich sehen. Der Mond malte alles um uns herum in ein kräftiges Orange, aber nichts davon strahlte so stark wie ihre bezaubernden orangen Augen. Sie waren umrahmt von wunderschönem lila Haar, das in zwei losen Zöpfen gebunden war. Ihr Kleid hatte dieselbe Farbe. Es verlief in großen Wellen auf der Rückseite, doch die Front war geöffnet und gab hohe Strümpfe mit einem Wolkenmuster darauf preis.

Endlich war auch das Geheimnis der vermeintlich schwebenden Kerzen gelöst. Sie waren doch tatsächlich mit Kerzenhaltern an ihrer Kleidung befestigt. Erneut musste ich mich fragen wie sie sich nicht ständig selbst verbrannte. Zu guter Letzt waren kleine Kürbisse und orangene Monde von Kopf bis Fuß auf ihrer Kleidung angebracht. Niemand der nicht selbst vor Ort war wird die Eleganz und Schönheit dieses Anblicks verstehen können. Sie war einfach hinreißend.

"Verstehst du nun was ich meine?"

Sie sah mich mit einem großem Lächeln an und erwartete eine Antwort. Ich war noch zu sehr verzaubert von ihrer Erscheinung um verarbeiten zu können was sie gerade sagte.

"Ähm, entschuldige... was hast du gerade gesagt?"

"Weißt du nun was ich meine? Das ist ein Kürbismond!"

"Ah, ähm, ja. Ich verstehe was du meinst."

Ihr Lächeln wurde noch breiter und sie startete plötzlich mitten auf dem Feld herumtanzen. Das erklärt warum ich vorhin Lichter im Kreis herumschwirren sah.

"Du kommst jede Nacht hier her und tanzt herum?"

"Was? Oh, nein nein! Ich tanze nur wenn ich glücklich bin!"

Ohne zu stoppen tanzte sie weiter. Bis zum heutigen Tag frage ich mich wie sie trotz ihrer Kleidung und Kerzen so graziös herumspringen konnte. Nicht ein einziges mal verfingen sich ihre Füße in einer der vielen Ranken die im Grunde überall herum lagen. Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen, der Anblick war einfach zu liebenswürdig.

"Und warum bist du so glücklich?"

Sie unterbrach ihren Tanz und eilte zu einem Kürbis direkt neben mir. Ich war etwas traurig sie nicht länger tanzen sehen zu können, aber meine Enttäuschung wurde von ihrem bezauberndem Lächeln hinfort gespült.

"Mein Kürbis ist fast so weit!"

Ihr Gesicht war voller Freude. Nein, nicht nur ihr Gesicht. Ihr ganzer Körper versprühte ihre Liebe für Kürbisse.

"Okay, ich habe mich das vorhin schon gefragt. Was genau meinst du mit 'dein Kürbis'?"

Sie platzierte ihre Hände auf den Kürbis vor ihr und stützte sich leicht darauf auf.

"Das hier ist mein Kürbis! Seit seinem ersten Moment warte ich auf den Tag an dem er reif ist!"

"Und dieser Tag ist bald?"

"Ja!! Zwei oder vielleicht noch drei Tage und er ist perfekt!"

"Was wirst du dann tun?"

Sie schaute mich verdutzt an.

"Blöde Frage, ich nehme ihn mit nach Hause und esse ihn natürlich!"

Zuerst wollte ich ihr klar machen, dass dieser Kürbis nicht wirklich ihr gehört, aber wie hätte ich das zu diesem niedlichen Hundeblick sagen können? Es ist ja auch nur ein Kürbis, den wird der wahre Besitzer schon nicht vermissen... oder?

"Warum wartest du noch? Er sieht bereits völlig reif für mich aus."

Sie erwiderte mit einem missbilligendem Kopfschütteln.

"Menschen sehen nie die kleinen aber wichtigen Details! Ich vermute jeder Kürbis hier sieht für dich gleich aus!"

"Nun, klar gibt es Unterschiede, aber die spielen doch keine große Rolle. An und für sich sollte jeder Kürbis gleich gut sein."

"Faaalsch! Dieser Kürbis ist eindeutig der beste! Er wird vorzüglich schmecken! Es ist der köstlichste Kürbis auf dem Feld!"

Mein Unvermögen die Pracht ihres Kürbisses zu erkennen brachte ein Schmollen auf ihrem Gesicht hervor.

"Okay okay, ich verstehe es ja. Das ist dein Kürbis, er ist der beste und du bist glücklich ihn bald essen zu können. Alles ist gut."

"Natürlich ist es das!"

Und einfach so begann sie wieder zu tanzen. Leider kehrten die Wolken zurück und mit ihnen folgte die Dunkelheit. Alles was ich noch sehen konnte waren Kerzen die herumschwirrten. Allerdings war ich mir recht sicher nach wie vor ihr Lächeln im schwachen Kerzenlicht erkennen zu können.

Es half alles nichts. Es stimmte mich zwar traurig Kümo zu verlassen, aber ich musste nach Hause zurückkehren. Ich war Hundemüde und morgen steht der nächste lange Tag voller Arbeit bevor.

"Werde ich dich wieder sehen?"

"Klar! So lange mein Kürbis hier ist bin ich es auch! Nacht für Nacht!"

"Gut, dann... bis morgen und... gute Nacht."

"Gute Nacht!"

Sie tanzte weiter, einfach immer weiter. Als ich endlich wieder den kleinen Pfad zwischen den Feldern erreichte blickte ich mich ein letztes mal um. Die Lichter waren immer noch am herum hüpfen. Für den Rest meines Nachhauseweges wunderte ich mich, ob ich den Verstand verloren hatte.

Wie an jedem Tag trafen sich alle Bauern früh am nächsten Morgen um zu entscheiden welche Felder als nächste abgeerntet werden sollten. Ich war geschockt zu hören dass das Kürbisfeld der vergangenen Nacht ausgewählt wurde. Das Feld mit Kümos Kürbis darauf.

Nein. Nein nein nein, das darf nicht wahr sein! Die Vorstellung ihres traurigen Gesichts nachdem sie den Verlust ihres Kürbisses bemerkte brach mir das Herz. Ich musste etwas dagegen unternehmen. Irgendetwas! ... aber was? Gerade als jedermann sich auf den Weg machen wollte kam mir die Idee.

"Wartet!"

Alle Blicke wanderten zu mir.

"Sollten wir nicht lieber erst die Felder bei der Mühle fertig machen? Dort ist bald viel los und wenn wir zeitgleich noch ernten werden die Wege überfüllt sein."

Daraufhin folgte stille.

Ich schätzte die meisten waren überrascht. Normalerweise sprach ich nie während den Besprechungen. An und für sich war mein Argument recht schwach. Die Straße zur Mühle war noch nie richtig verstopft gewesen und ein Tag mehr oder weniger hätte ohnehin nichts ausgemacht. Aber überraschenderweise stimmten die anderen meinem Einwand zu und setzten sich in die nun entgegengesetzte Richtung in Bewegung.

Der Blick des alten Xaver durchbohrte mich förmlich. Ihm gehörte das Feld welches abgeerntet werden sollte. Es wurde kein schlechtes Wetter erwartet, also spielte es keine große Rolle wer zuerst dran war. Dennoch fiel jedem Bauer ein Stein vom Herzen wenn er seine Schäfchen im trockenen wusste.

Nach getaner Arbeit eilte ich zum Kürbisfeld. Ich musste Kümo erzählen dass sie keinen weiteren Tag warten könne. Sie musste ihren geliebten Kürbis diese Nacht mitnehmen, ob nun perfekt oder nicht. Einen Tag später würde das Feld komplett brach sein. Daran ließ sich nicht rütteln, denn einen weiteren Einwand hätte ich niemals begründen können. Zum Glück war der Mond dieses mal nicht hinter Wolken versteckt und ich konnte recht gut sehen.

"Kümo? Kümo! Wo bist du? Ich bin es!"

Oh, Ich hatte ihr nie meinen Namen verraten. Aber sie würde mich schon wieder erkennen.

"Bitte komm raus! Du musst deinen Kürbis heute mitnehmen! Morgen werden wir dieses Feld ernten und dann sind sie alle weg!"

Es kam keine Antwort. Verdammt, sagte sie nicht sie würde jede Nacht hier sein? Ich wartete eine Weile und rief mehrmals ihren Namen, aber sie tauchte einfach nicht auf.

"Was soll ich jetzt nur tun..."

Vor mich hin murmeln half mir auch nicht weiter. Nachdem ich eine weitere Weile herum stand kam mir die Lösung. Ich kümmere mich selbst um den Kürbis!

"Also gut Kümo, ich weiß nicht ob du hier bist, darum nehme ich den Kürbis mit mir."

Ich war voller Stolz darüber einen Ausweg gefunden zu haben, doch dann stellte sich mir ein ganz anderes Problem. Welchen Kürbis hatte Kümo ausgewählt? Sie sehen alle gleich aus.

'Menschen sehen nie die kleinen aber wichtigen Details!' - Kümos Worte hallten in meinen Ohren als ob sie es in genau jenem Moment gesagt hätte. Ich schloss meine Augen und versuchte mir die Szene der vorherigen Nacht ins Gedächtnis zu rufen. Ich erinnerte mich daran wie glücklich sie war. Daran wie sie stolz ihre Hände auf den Kürbis gelegt hatte und wie verärgert sie war als ich die Pracht ihres Kürbisses nicht erkennen konnte. Ihren Kürbis. Dann sah ich ihn klar vor meinem inneren Auge.

"Ich schaff das!"

Doch das war leichter gesagt als getan. Ich stand schließlich in der Mitte eines riesigen Kürbesfeldes. Zudem konnte ich in der Nacht zuvor kaum etwas sehen. Wo standen wir eigentlich? Es half alles nichts. Ich hatte keinen andere Wahl als alle zu überprüfen. Reihe für Reihe, Kürbis für Kürbis.

Die Stunden vergingen und der Gedanke aufzugeben ging mir mehrere male durch den Kopf. Gerade als ich der Realität ins Auge sehen wollte stand ich direkt vor ihm. Kümos Kürbis.

Freude durchströmte meinen Körper und ich fing spontan zu tanzen an. Ob sich Kümo auch jedes mal so fühlte wenn sie ihren Kürbis sah? Allerdings musste ich sehr schnell wieder aufhören, denn im Gegensatz zu ihr stolperte ich beinahe bei jedem zweiten Schritt den ich machte.

"Ich hab ihn, Kümo! Ich hab ihn! Ich nehm' ihn nun mit mir! Du kannst ihn abholen wann immer du möchtest!"

Voller Euphorie schrie ich in die Nacht hinaus. Ich erklärte auch wie sie mich finden könnte und trat schließlich den Heimweg an. Erst dann wurde mir bewusst dass ich tatsächlich einen Kürbis vom Feld mitgenommen habe. Ich war ein Dieb! Wenn Xaver mich dabei erwischt hätte wäre die Hölle auf Erden los gebrochen.

Nachdem ich das Beweisstück sorgfältig versteckt hatte fiel ich in einen kurzen aber glückseligen Schlaf. Die halbe Nacht damit zu verbringen einen Kürbis zu 'retten' klang dumm, aber die Vorstellung ihres Lächeln machte die Mühen wett.

In den folgenden Nächten lief ich immer an dem inzwischen brachen Feld vorbei. Kümo war nie dort. Ohne Kürbisse hatte sie wohl keinen Grund mehr zu kommen. Sie kam auch nicht zu mir um ihren geliebten Kürbis abzuholen. Mit jedem weiteren Tag sank meine Erwartung sie noch einmal wieder zu sehen. Wahrscheinlich war sie an jener Nacht einfach nicht da gewesen und wusste nicht was geschehen ist.

Inzwischen war fast ein Monat vergangen seit ich den Kürbis stahl. Ich war müde und gerade dabei mich schlafen zu legen, als ein kaum wahrnehmbares Türklopfen all meine Schläfrigkeit schlagartig vertrieb. Es könne nie und nimmer Kümo sein, oder etwa doch? Ich eilte zur Tür und konnte kaum glauben was meine Augen dann sahen. Da war sie. Einfach so. Mitten in der Nacht. Kümo.

Verdutzt starrte ich sie an. Nach all der Zeit kam sie endlich vorbei. Sie hielt ihren Schwanz zwischen ihren Händen und spielte damit nervös herum. Mit leicht hängendem Kopf fing sie an herum zu drucksen.

"H-hallo, ähm... Ich hoffe ich h-hab' dich nicht geweckt..."

Als ich nicht antworte, mein Hirn konnte die Szene noch nicht ganz verarbeiten, stammelte sie weiter.

"Du sagtest ich könnte... meinen Kürbis abholen?"

Das Unbehagen war ihr ins Gesicht geschrieben, doch ich konnte deutlich einen Hoffnungsschimmer in ihren Augen aufblitzen sehen als sie das Wort 'Kürbis' sagte. Daraufhin musste ich lauthals lachen. Das war alles einfach zu surreal!

"Klar, komm rein!"

Ich kramte den Kürbis aus seinem Versteck und sofort stürmte sie auf ihn zu. Sie umarmte ihren Schatz und streichelte ihn ganz sanft.

"Aaaahh, mein Kürbis! Mein Kürbis! Du hast ihn aufbewahrt!"

Da war es, das Lächeln dass ich hoffte zu sehen als ich ihren Kürbis rettete.

"Natürlich. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass du deinen geliebten Kürbis nicht kosten könntest."

"Danke! Vielen vielen Dank!"

Sie vergoss ein paar Tränchen der Freude.

"Ich bin froh dass am Ende alles gut ausging. Nach all der Zeit war ich mir sicher du wüsstest nicht dass ich deinen Kürbis mitgenommen habe."

"Oh, nein nein, Ich wusste es! Ich sah dich! Ich sah dich in jener Nach! Ich konnte es nicht glauben, dass du für so viele Stunden nach ihm gesucht hast! Ich kann dir nie genug dafür danken!"

"Dich glücklich zu sehen ist mehr als genug."

"Es hat mich zu Tränen gerührt als ich gesehen habe wie viel Mühe du dir gabst. Wir hatten uns nur einmal gesehen und dennoch hast du so etwas für mich getan! Danke! Danke! ... Ähm, Ich schulde dir zudem noch eine Entschuldigung..."

"Entschuldigung? Für was?"

"Um ehrlich zu sein habe ich damals nicht daran geglaubt dass du meinen Kürbis finden könntest... Ich dachte sie sehen alle gleich für dich aus... Ich habe dich falsch eingeschätzt."

"Keine Sorge. Ich hatte es damals auch nicht geglaubt. Aber ich erinnerte mich wie stolz du über deinen Kürbis gesprochen hast und dann hatte ich all seine Details vor Augen."

Daraufhin erwiderte sich nichts außer einem Lächeln.

"Da gibt es nur eine Sache die ich nicht verstehe..."

"Was denn?"

"Wenn du damals dort warst, warum hast du dich mir nicht gezeigt? Und warum hast du so lange damit gewartet um ihn abzuholen?"

"Hast du es vergessen? Menschen können mich nur während eines Kürbismondes sehen!"

Oh... das habe ich in der Tat vergessen. So etwas hatte sie bei unserem ersten Treffern erwähnt...

"Und heute ist...?"

"Jupp! Heute ist der erste Kürbismond seit wir uns das erste mal sahen! Ich bin so glücklich dass ich dich endlich wiedersehen und dir danken kann!"

"Ich vermute du bist viel eher darüber glücklich endlich deinen Kürbis zu haben."

"Das ist... nicht wahr..."

Ihr schmollendes Gesicht machte es mir schwer dies zu glauben, aber es spielte keine Rolle. Wir blieben die ganze Nacht auf und kochten und aßen den Kürbis. Es war in der Tat der beste Kürbis den ich jemals gegessen hatte.

Seit diesem Tag habe ich immer Ausschau nach ihr gehalten wenn ein Kürbismond am Himmel stand und wir trafen uns jedes Jahr, um den besten Kürbis des Feldes miteinander zu teilen. Leider sah ich sie nie wieder nachdem ich weggezogen bin, aber wir blieben in Kontakt.

---

Und so endet die Geschichte der Kürbiskatze Kümo.

Stille. Mein Enkel starrt mich ungläubig an. Er sprach kein einziges Wort während ich ihm meine Erlebnisse erzählte, aber nun brach es aus ihm heraus.

"Unmöglich! Du veräppelst mich doch! Das kann nie und nimmer war sein!"

"Wenn du mir nicht glaubst, dann öffne das Paket."

Er tut wie es ihm geheißen und findet ein eingewecktes Glas voll Kürbis darin.

"Das ist... ein Glas voll Kürbis?"

"Oh nein, du irrst dich gewaltig. Das ist nicht ein Glas voll Kürbis."

Verwirrt schaut er mich an.

"Das ist ein Glas voll mit dem vorzüglichstem Kürbis des Jahres."
 

molly

Mitglied
Hallo Tuxmichl,

Deine Geschichte gefällt mir. Es fehlen viele Kommata. Ich habe nur mal den Anfang
etwas gründlicher angesehen und mache Dir ein paar Vorschläge, die du aber nicht annehmen musst.
Viele Grüße
molly

"Opa! Ein Paket (kam) für dich (an) von einem, ähm... oder einer... Kümo? Komisch, das ist alles was beim Absender steht."

Mein Enkel ist gerade zu Besuch und bringt es mir (ein Paket) KOMMA nachdem er für mich (an) die Tür geöffnet hat.

"Ah, das wurde aber auch Zeit."

"Das ist ein merkwürdiger Name. Und der Nachname fehlt auch. Wer hat dir das geschickt?"

"(Nun ja), Kürbiskatzen haben nun mal keine Nachnamen."

"Bitte was?"

"Habe ich dir nie von den Kürbiskatzen erzählt? Nun, das ist nicht ihr wirklicher Name, aber so nenne ich sie. (zumindest.)"

"Was soll denn eine Kürbiskatze sein? Eine fette orange Katze?"

"Ach nein, ganz und gar nicht! Es sind geheimnisvolle (Kreaturen) Wesen KOMMA die du normalerweise (wahrscheinlich) niemals zu Gesicht bekommst. (würdest.) Aber wenn du ihre Geschichte kennst KOMMA bist du vielleicht eines Tages (dazu) in der Lage KOMMA eine von ihnen zu treffen."

"Bitte erzähl mir davon!"


Er scheint begierig darauf KOMMA die Geschichte von mir zu hören. Es ist schon eine Weile her, dass er mich auffordert hat KOMMA ihm etwas zu erzählen und ich freue mich (dass er mir zuhören will) darüber. (Wie lange wird er wohl noch den Worten eines alten Mannes lauschen wollen?)unnötig

"Also gut, wo soll ich anfangen..."

Ich mache es mir in meinem Lieblingssessel gemütlich und beginne mit der Geschichte über die Kürbiskatze.
 

Tuxmichl

Mitglied
Hallo molly,
vielen Dank für das Feedback. Beim setzen von Kommata bin ich in der Tat recht unsicher und freue mich daher über Rückmeldungen. Ich werde die Geschichte noch einmal überarbeiten.
Beste Grüße,
Tuxmichl
 
G

Gelöschtes Mitglied 22317

Gast
Hallo Tuxmichl, habe Deine Geschichte auch sehr gern gelesen.
 

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