kurzer genuss (hexameter, trimetrisch organisiert)

5,00 Stern(e) 1 Stimme

Mondnein

Mitglied
GrüßDich, HerbertH!

Daktylischer Hexameter, aber am Ende nicht katalektisch. Dafür ist auch an keiner Stelle der Daktylus durch einen Spondeus "ersetzt".

Bei "von sehnigen" müßte wahrscheinlich eines der beiden Wörter auf Dativ-m enden - ?

Ich will den enjembementen Satz noch ein paar mal lesen, später, bekomme gerade Besuch,

grusz, hansz
 

HerbertH

Mitglied
reise mit mir in die zeiten in
[ 5]fremde gefilde voll hungriger

mäuler zerfetzen mit zornigen
[ 5]bissen die reste von sehnigen

bratfett geschwängerte treffliche
[ 5]atzung für bären und katzen mit

schwären und pusteln verziert in se
[ 5]kunden verzehrtes gefundenes
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Hansz,

ich hatte ursprünglich "sehnigem", bin dann aber zu "sehnigen" übergegangen, weil das die Blickrichtung eher auf die Gefressenen als auf die Konsistenz des Gefressenen richtet.

Ausserdem habe ich noch die katzen und die bären vertauscht, was ein etwas weiteres Ausschwingen der Assonanzen ergibt.

Herzliche Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
PS: Eine rein katalektisch holodaktylische Version wäre

reise mit mir in die zeiten in
fremde gefilde voll hunger

mäuler zerfetzen mit zornigen
bissen die reste von sehnen

bratfett geschwängerte treffliche
atzung für bären und katzen

schwären und pusteln verziert in se
kunden gefundene zehrung
Mir gefällt die nicht-katalektische Version besser, weil es zum Beispiel auch zwischen den ersten beiden Hexametern ein Enjambement als Lesemöglichkeit gibt, und eine durchgängige Flüssigkeit beim Lesen.
 

hermannknehr

Mitglied
Hallo HerbertH,
ich kann Dir nur beipflichten: Deine ursprüngliche (nicht katalektische) Form ist die weitaus elegantere, leichtere Form des Gedichtes. Sehr gekonnt gesetzt.
LG
Hermann
 
Hallo Herbert,
trotz Hinweis – oder gerade deswegen – auf (hexameter, trimetrisch organisiert)
verstehe ich nichts.

Wie kann ein Bratfett sehnig sein? Oder habe ich das falsch gelesen?
Wenn schon geschrieben, müsste es wohl die reste von sehnige[blue]m[/blue] heißen.

Verständnislose Grüße,
Marie-Luise
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Hermann,

danke für die Rückmeldung :). Ich bin froh, dass ich hier Mitstreiter für einen "leichten" Ausbruch aus der strengen, katalektischen Hexameter-Form finde ....


Liebe Mary,

bratfett bezieht sich auf atzung,

durch sehnigen statt sehnigem
wird gerade _verhindert_, dass man
sehniges bratfett assoziiert.

Es ist nicht soo kompliziert.
Trotz der etwas ungewöhnlichen Bilder.

Herzliche Grüße

Herbert
 
Hallo Herbert,
wenn sich sehnig auf Atzung beziehen soll, müsste es dann nicht heißen:

mäuler zerfetzen mit zornigen
bissen die reste von sehnige[blue]r[/blue]

bratfett geschwängerte[blue]r[/blue] treffliche[blue]r[/blue]
atzung für bären und katzen mit
Nochmals Grüße von mir.
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Mary,

so, wie ich es geschrieben habe, geht es um

reste von sehnigen,

(und reste von)

bratfett geschwängerter atzung

Das Komma und den Zusatz in Klammern habe ich nur zur Verdeutlichung hinzugefügt, dass die jetzige Fassung eine durchaus sinnvolle Lesart zulässt...

Wie ich schon andeutete, verhindert die gewählte Formulierug, das Beziehen von sehnig auf atzung. Wenn man es aufeinander beziehen wollte, müsste es tatsächlich sehniger heißen, was ich aber gerade _nicht_ wollte.
 
Hallo Herbert,
deine Erklärungen können mich nicht überzeugen. Mit der Grammatik stimmt etwas nicht.
Vielleicht liegt meine Lesart ja auch an der Kleinschreibung ohne Zeichensetzung. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen können.
Es grüßt dich Mary
 

Mondnein

Mitglied
apo-koinou-Symmetrieachsen

GrüßDich, HerbertH!

Ja, die nichtkatalektische Fassung gefällt mir auch besser. Ich habe das (im ersten Kommentar) auch nur beschrieben, benannt, nicht beurteilt. Vielleicht heißt das "daktylische Trimeter".

Über die syntaktischen Kühnheiten will ich nicht hinweggehen. Ich liebe sie, ich mache das auch - manchmal, öfters, spielend, auch konstruktiv "verstörend" - und das kann dazu führen, daß mancher Leser sich am Kopf kratzt, nichts zu verstehen glaubt und nicht mehr wiederkommt.

Es ergibt sich (und das ist bei Dir glaubich öfter der Fall) ein Symmetrien-System mit apo-koinou-Achsen und Emjembements.

Vergleichbar mit lockeren Reihungen von Wörtern und Wortgruppen, lose auslaufenden Appositionen ohne umrahmend abschließende Prädikate oder Ähnliches.

Jene apo-koinou-Symmetrien und diese uferlosen Appositionen zusammen können die Bilder und Metaphernfolgen frei fließen lassen. Das hängt wohl im Wesentlichen davon ab, ob der Leser solche Freiheiten und Kühnheiten beim Autor kennt, ob er damit vertraut ist, oder ob er einen "üblichen" syntaktischen Rahmen erwartet. Mißverstehen will keiner, und die Angst, den Autor mißzuverstehen, blockiert das Lesen.

grusz, hansz
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Hansz,

daktylische trimeter - das ist wahrscheinlich die Form,

Du hast recht.

Auch mit den Apo koinou und den Emjambements, das mache ich
in der Tat gerne, wenn auch nicht immer. Vielleicht ist es eins meiner typischen Stilmittel.

Dass ich hier ein Enjambement mit "sehnigen" eigentlich unterbunden glaubte, es unterbinden wollte, ist quasi der Kontrapunkt zu dem sonstigen Aufbau. Das ist fast schon zu viel
der Einschränkung für freiheitsliebende Leser, aber es gibt Anlass, beim Lesen den Möglichkeiten nachzuspüren.

Ein Aufbau, der zu Leseschwierigkeiten führen mag und ja auch geführt hat, wie sich zeigte.

Danke für Deine schöne Analyse und auch die Wertung :)

Herzliche Grüße

Herbert
 

Oben Unten