La femme fatal, oder die Kannibalin unter Schafen

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ariane rodh

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Beim Verlassen der Wohnung, versetzt sie der Tür mit dem Fuß einen Tritt, so dass diese mit einem dumpfen Schlag ins Schloss fällt. Während Sie erhobenen Hauptes, immer noch zu schwungvoll die Treppe heruntergeht, nehmen Ihre Gedanken Gestalt an und ihre Gesichtszüge verändert sich ; sie bekommt diesen Mörderblick.
Diese Nacht wird entscheidend sein. Wenn Sie es nicht schafft ihre restliche Lebenskraft zu bündeln, steht ihr eine dunkle Zeit bevor. Sie hat mal wieder bis zum letzten Augenblick gewartet – worauf eigentlich?
Auf der Feier – die üblichen Begrüßungsrituale und Smalltalks. Das intellektuelle Gehabe der Gäste läßt einige ehrliche Gesprächsthemen wie Fußball – oder den Austausch von Kochrezepten nicht zu, ermöglicht es aber die Kommunikation treffsicher auf einem vergleichbar oberflächlichen Niveau zu halten.

Sie muss sich konzentrieren, schließlich hat sie nicht viel Zeit und das Opfer will schnell aber umsichtig gewählt sein.

Wer könnte die Kapazität besitzen ihren Hunger zu stillen. Routiniert beobachtet sie, und seziert etwas in ihr die anwesenden Gäste, während sie sich gleichzeitig freundlich und gelassen, stets lächelnd an den Gesprächen beteiligt.
Plötzlich erinnert sie sich an eine Reportage, die sie mal vor Jahren gesehen hatte und die sie schwer beeindruckte- über Menschenfresser in Papua Neuguinea. Auch sie wählen ihre Opfer gut aus. Nur die Gehirne der Klügsten und Symphatischsten werden verspeist. Damals hatte sie das noch nicht verstanden...

Allmählich hatte sich eine Traube Männer um sie gebildet, die alle auf den entscheidenden Wink warten. Sie kennt das schon. In dieser Stimmung wirkt sie unwiderstehlich. Sie muss jetzt nur noch einen Moment durchhalten. Sie weiß welches Mittel hilft, gegen die beklemmende Leere, gegen die schleichende Depression, die sich zum wiederholten Male wie eine zähe, schleimige Masse in ihr auszubreiten versucht.
Sie blickt in die Runde, schaut jedem Einzelnen in die Augen, versucht ihre Seelen zu erkennen. Spüren Sie nicht die Gefahr? Merken Sie überhaupt nicht, das sie sich gerade bereitwillig als Beute offerieren?
Kannibalen begutachten auch die Zähne ihrer Opfer gute Zähne sind ein Zeichen von Gesundheit, überlegt sie. Sie stellt sich vor, wie plötzlich alle Umstehenden ihre Lippen schürzen und mit bleckenden Zähnen vor ihr stehen. Bei dem Gedanken lacht sie unwillkürlich laut auf .
Der Mann neben ihr legt seine Hand auf ihre Schulter: „ Magst du noch ein Glas Wein? Ich bring Dir eins und dann erzählst du mir worüber du eben lachen musstest ? Mit diesem schleimig-gierig Blick in den Augen geht er auf die Suche nach Trinkbarem, siegesgewiss.
Nun der schied schon mal aus, aber Sie hatte ihr Opfer schon im Visier. Der Junge in der Ecke wird es sein. Rein sieht er aus, unverbraucht; hat ein offenes Lachen, schüchtern und offen, noch sehr jung und weich. Es tut ihr jetzt schon ein Leid, sie sollte lieber den Typ mit dem Wein nehmen, der ist schon zerstört. Aber sie kennt die Weisheit der Kannibalen; es müssen die Besten sein, da haben moralische Erwägungen keinen Platz, und es geht schließlich um ihr Leben.

Sie sieht ihr Opfer unverwandt an, fixiert es, geht auf es zu. Eine halbe Stunde später sind sie auf dem Weg in seine Wohnung.
Die Nacht wird phantastisch werden, das weiß sie. Ihr Körper wird mit seinem verschmelzen, eins sein. Die heißen Wellen, die ihren Körper durchfluten werden, verbrennen den Schmerz und füllen die Leere. Sie wird sich geliebt fühlen und verstanden. Er darf nur nicht reden, damit sich nicht diese unüberwindbare Kluft auftut. Die Sprache, das hat sie gelernt, ist ein untaugliches Mittel gegen Einsamkeit. Sie gebiert Einsamkeit. Er darf nicht sprechen, aber das wird er nicht, sie hat den Richtigen gewählt. Auch an Morgen darf sie nicht denken und daran, dass sie sich wie ein Hamster in einem Rad bewegt, denn sie weiß, dass ihr Handeln auswegslos ist.
Diese Nacht ist die einzige Nahrung der nächsten Wochen und sie muss sich daran satt essen. Das gewonnene Gefühl des Einssein schwindet dann allmählich, bis nur noch der Hauch einer Erinnerung von ihm übrigbleibt. Aber ihr Lebenswille ist enorm und bevor sie sich in dem Sumpf der aufsteigenden Leere verliert, wird sie nochmals alle ihre Kräfte sammeln, und dann wird sie sich verwandeln, wird mit einem Mörderblick in der Menge der Schafe ein Opfer wählen, um die Nahrung zu erhalten
 

ariane rodh

Mitglied
Hi Femi
Ist das erste Mal, dass ich was schreib und da ich mit vernichtender Nichtbeachtung gerechnet habe, habe ich mich umso mehr über Deine Reaktion gefreut.
Leider ist das Ende etwas verstümmelt.Sollte eigentlich enden mit:...um die Nahrung zu erhalten die sie zumindest am Leben erhält. (Hatte wohl Probleme mit copy und paste)
Danke nochmal
Ariane
 

Inu

Mitglied
Hallo Ariane

Mir hat Deine Geschichte eine Gänsehaut über den Rücken gejagt. Man kann garnicht glauben, dass Du noch nie geschrieben hast, so sicher drückst Du Dich aus. Das ist eine gute und etwas ungewöhnliche Geschichte, die einem auf grausame Weise mitreißt.

Du sagst, der letzte Satz sei nicht richtig rübergekommen. Du kannst Deine Geschichten jederzeit verändern oder Fehler verbessern,indem Du unter Deinem eingegebenen Text auf edit/delete klickst. Dann kommt eine Fläche, auf der Du schreiben und korrigieren kannst.

Ich grüße Dich und wünsche Dir noch einen schönen Sonntag
Inu
 

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