Laufschritt

Walther

Mitglied
Laufschritt


Die Brache lag im Winterwind so blass
Und tot; die Krähen nickten drüber hin.
Am Himmel ballte sich ein Grau. Im Sinn,
Im Augenblick war nichts. Das Regennass

Zerplatzte in der Furchen Bahn. Der Donner
Verfolgte Blitz um Blitz ganz atemlos,
Und eine kahle Eiche schien jetzt riesengroß.
Er rumpelte fast wie ein Dreißigtonner,

Der auf der schlechten Straße Leerfahrt fuhr.
Ich nickte mit den Krähen still im Takt
Und flüchtete die kalten Tropfen nur.

Nein, es war nicht die Angst, die mich gepackt
Hat: In den Laufschritt schickte mich die Tat,
Die mir die Erde nahm, auf die ich trat.
 

Mondnein

Mitglied
prima!

ich mags, es gefällt mir sehr.
Und eine kahle Eiche schien jetzt riesengroß.
diese zeile hat als einzige sechs statt der (sonst) fünf versfüße. vielleicht:
Die kahle Eiche schien jetzt riesengroß
[ 4]

schön plastisch dieses akustische bild, wunderbar!:
Er rumpelte fast wie ein Dreißigtonner,
Der auf der schlechten Straße Leerfahrt fuhr.
"fliehen" mit akkusativ ist klar - kann "flüchten" auch mit akkusativ stehen? ich bin mir nicht sicher. vielleicht(?):
Und flüchtete [blue]vor [/blue]kalten Tropfen nur.
 

Mondnein

Mitglied
noch eins: den schluß verstehe ich nicht. und nahm die erde die tat oder die tat die erde? weder den einen noch den anderen sinn fasse ich, also auch nicht die eventuelle doppelsinnigkeit.
das enjambische "hat" soll gewiß durch die "tat" am ende des verses aufgewogen sein, trotz der verschiedenen silbenlänge. kühn.
 

Walther

Mitglied
Laufschritt


Die Brache lag im Winterwind so blass
Und tot; die Krähen nickten drüber hin.
Am Himmel ballte sich ein Grau. Im Sinn,
Im Augenblick war nichts. Das Regennass

Zerplatzte in der Furchen Bahn. Der Donner
Verfolgte Blitz um Blitz ganz atemlos:
Die kahle Eiche schien jetzt riesengroß.
Er rumpelte fast wie ein Dreißigtonner,

Der auf der schlechten Straße Leerfahrt fuhr.
Ich nickte mit den Krähen still im Takt
Und flüchtete die kalten Tropfen nur.

Nein, es war nicht die Angst, die mich gepackt
Hat: In den Laufschritt schickte mich die Tat,
Die mir die Erde nahm, auf die ich trat.
 

Walther

Mitglied
Hallo mondnein,

danke für dein ausführliches statement. zwei metrenfehler, danke für den hinweis, habe ich bereits ausgebaut.

den hinweis mit "fliehen" und "flüchten" habe ich natürlich gelesen. ich habe allerdings selbst noch keine feste ansicht. "fliehen" und "flüchten" sind quasi-synonyme, so daß ich glaubte, das sei wenigstens machbar (wenn auch nicht üblich, aber darum ging es, etwas zu benützen, das haken hat, an denen man sich einbremst). vielleicht könnte noch ein weiterer leser etwas dazu sagen, um diese frage aufzulösen.

die letzten beiden verse schließen den kreis zu den ersten beiden. letztlich arbeitet im text alles auf diesen schlusspunkt hin.

lg w.
 

Hyazinthe

Mitglied
Hallo Walther!

Fast traue ich mich gar nicht, zu einem Gedicht von dir 'altem Hasen' einen Kommentar zu geben.
Trotzdem zwei Anmerkungen:
Formal:
Mich stören die Zeilen- und Strophensprünge. Entweder lese ich den Text inhaltlich, dann geht mir der Rhythmus verloren, oder ich lese ihn entsprechend Versmaß und Rhythmus, dann entstehen inhaltlich merkwürdige Sprünge. Ich weiß, der Zeilensprung kann ein gutes Stilmittel sein, aber in dieser Häufung?
Zu Beginn der zweiten Strophe habe ich Schwierigkeiten mit dem Rhythmus.
Inhaltlich:
Wahrscheinlich bin ich begriffsstutzig, aber ich verstehe den Schußsatz nicht. Welche "Tat"? Bitte, hilf mir auf die Sprünge.

PS. Ich finde, "flüchten " + Akk. geht nicht.

Nicht übel nehmen!

Gruß, Hyazinthe
 

Walther

Mitglied
Hi Hyazinthe,

danke für deinen eintrag. kritik ist immer erwünscht. enjambements sind, wenn sie sich in die form einpassen, als stilmittel erlaubt.

ich sehe in beiden lesearten übrigens keine rhythmischen schwächen, eben weil die sprachmelodie auch beim vortrag ohne probleme in die form paßt. das ist ja der trick nicht bei diesem text von mir: sprache, inhalt und form fließen recht gut ineinander. wessen gedicht nur in der form funktioniert, hat ein problem. das jambische stakkato langweilt erheblich, wenn vers und sprache gleichförmig laufen. das ist nichts, was wirklich spaß macht, auch dem leser nicht.

die kunst ist nämlich, genau da keinen widerspruch zu erzeugen. einen vier-, fünf- oder sechshebigen jambus oder trochäus runternudeln kann irgendwann jeder, der genug übt.

ad (2): was die tat ist, muß und soll nicht erläutert werden, weil es um die qualität derselben geht. der text arbeitet das auch auf. einfach der melodie, dem klang der endreime, der farbe der metaphern nachhorchen. das gedicht soll und will über den anlaß der schwermut keine auskunft geben, weil es sie selbst thematisiert.

ad (3): danke für deinen hinweis in sachen s3v3. ich selbst würde als auflösung
Und floh die kalten lauten Tropfen nur.
bevorzugen, um den ton zu bewahren.

du brauchst dich nicht zu entschuldigen. es ist schön, daß wir unsere sichtweisen ausgestauscht haben.

lg w.
 

Walther

Mitglied
Laufschritt


Die Brache lag im Winterwind so blass
Und tot; die Krähen nickten drüber hin.
Am Himmel ballte sich ein Grau. Im Sinn,
Im Augenblick war nichts. Das Regennass

Zerplatzte in der Furchen Bahn. Der Donner
Verfolgte Blitz um Blitz ganz atemlos:
Die kahle Eiche schien jetzt riesengroß.
Er rumpelte fast wie ein Dreißigtonner,

Der auf der schlechten Straße Leerfahrt fuhr.
Ich nickte mit den Krähen still im Takt
Und floh die kalten lauten Tropfen nur.

Nein, es war nicht die Angst, die mich gepackt
Hat: In den Laufschritt schickte mich die Tat,
Die mir die Erde nahm, auf die ich trat.
 

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