Arno Abendschön
Mitglied
Aus alter Obst- und Weinbauernfamilie kommend wird er 1848 in Werder / Havel geboren. Er will Lehrer oder Kunstmaler werden und wird beides bald hintereinander. Mit Anfang zwanzig ist er zwei Jahre Volksschullehrer in Pankow, dann lässt er sich zwei weitere Jahre in Weimar zum Maler ausbilden. Es folgt ein Jahrzehnt langer Kunstreisen: die Alpen, Belgien, Holland, Italien und Paris. Zwischendurch wohnt er daheim im Elternhaus. Draußen lernt er andere Maler kennen: Carl Schuch, der sein Freund wird, Wilhelm Trübner. Der junge Hagemeister folgt der Linie von Courbet und Leibl, malt realistisch. Dann öffnet er sich der neuesten Kunstrichtung aus Frankreich, wird impressionistischer Landschaftsmaler. Er entfremdet sich Schuch und lebt die folgenden zweieinhalb Jahrzehnte allein im Havelland, erst im hintersten Winkel von Ferch am Schwielowsee, dann am Rand von Geltow. Er malt Teiche, Seerosen und -ufer, Flusspartien und vor allem die Lichteffekte auf ihnen. Hier und da kann er ausstellen, wird in Kollegenkreisen geschätzt, doch so gut wie brotlos seine Kunst. Er lebt von der Jagd und von der Fischerei. Von manchem Wildbret oder Fang kann gesagt worden sein: selbst geschossen oder gefangen, selbst gemalt, selbst gegessen oder verkauft … Hagemeister kennt die Größen in Berlin, darunter Liebermann, und schließt sich ihren Vereinigungen an. Aber im Ganzen bleibt er der Hauptstadt meistens fern. Manche sehen in ihm einen malenden Naturburschen. Er betreibt die Freiluftmalerei auch im Winter, dabei, wie Fotografien belegen, an der Staffelei ausstaffiert wie für eine Schlittenpartie. Als Ex-Freund Schuch tot ist, schreibt er ein Buch über ihn. Ab sechzig verbringt er jährlich viel Zeit an Rügens Steilküste, malt jetzt Seestücke, Strandbilder und vor allem wogende Wellen und ihre Dynamik und das Licht über ihnen. 1912 kommt spät noch der Erfolg mit großer Ausstellung in München und dem Echo danach. Erste Museen kaufen Werke von ihm für ihre Sammlungen an, Galerien verkaufen seine Bilder. Er legt die Einnahmen fürs hohe Alter zurück und verliert sie sämtlich in der Inflation. Zugleich setzt mit einer Berliner Ausstellung die zweite Welle der Anerkennung ein. Er lebt jetzt wieder in Werder, nach dem Tod der Eltern in deren kleinem Haus, zusammen mit dem taubstummen Bruder. Malen kann er ab siebzig nicht mehr. Bleivergiftung, sagt man. Ehrenvolle Besuche kommen manchmal aus Berlin, Liebermann ist auch wieder dabei. Der junge Siegwart Sprotte aus Potsdam, Vertreter der übernächsten Generation, sucht seinen Rat, wird seine Linie fortsetzen. Hagemeister sieht sich am Ufer des eigenen Nachruhms. Mehr kann einer wie er nicht erhoffen. Er stirbt 1933.