Letzte Dinge

4,00 Stern(e) 4 Bewertungen

revilo

Mitglied
Ein Mann geht
einsame Strassen
er lebt so lange bis
der Vorrat reicht

kennt sein Verlangen
kein Amen -
er atmet nur Ebbe
und Wut
krönt seine Stirn
voller Narben:
Male von Träumen/
längst verwelkt

So ist der Mann,
so seine Strassen,
so ist seine Natur:
doch irgendwann
hält er an
und nimmt die Unruh
von der Uhr
Hallo Ralf...hab nur ein wenig gebastelt................LG revilo
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ralf,

ein melancholisches, aber kein trauriges Gedicht.
Es beinhaltet die Hoffnung auf Selbstbestimmung wann es Zeit ist.
Sehr gerne gelesen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Ralf Langer

Mitglied
Hall Franke,
das wäre auch meine Hoffnung.Rast und Ruhlosigkeit würden sich mit Selbstbestimmung "auflösen".
Herzlichen Dank
Ralf
 

Frodomir

Mitglied
Lieber Ralf Langer,

meiner Meinung nach hast du ein sehr melancholisches Gedicht geschrieben, welches gleichsam sehr viel Weisheit ausstrahlt. Außerdem finde ich, dass es dir gelungen ist, in diesem Text das Thema der Würde, ohne es explizit zu nennen, fühlbar zu machen.

Des Weiteren wartet dein Gedicht in meinen Augen mit einigen bemerkenswert originellen, ach, was sage ich, grandiosen Versen auf. Zu nennen wären da:

er lebt so lange
der Vorrat reicht
und vor allem auch

doch irgendwann
hält er an, dieser Mann
und nimmt die Unruh
von der Uhr
Dieses Ende hat mich sehr berührt. Gleichsam wäre es eine Überlegung wert, die erneute Erwähnung des Mannes (dieser Mann) zu streichen, da es ja logisch ist, dass es um ihn geht. Andererseits ist es ein Einschub, der mich als Leser kurz stocken lässt, was letztlich sehr gut mit dem Inhalt korreliert.

Ich habe dein Gedicht sehr gern gelesen!

Herzliche Grüße
Frodomir
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Frodomir,
herzlichen dank für deine Auslassungen,
Nach dem Bild : "Die Unruh von der Uhr nehmen" habe ich lange gesucht, bis es mich dann selbst gefunden hat.
Es ist ja einmal der begriff Unruh für sich alleine stehen der die Rastlosigkeit des Mannes zum Ausdruck bringen soll, andererseits im Zusammenhang mit der Uhr bedeutet es ja das die Zeit stehen bleibt oder metaphorisch das Ende des Lebens.
Ich finde, das ist genau die Ambivalenz die dieses Bild auch in meinen Augen als gelungen erscheinen lässt.

Und ja, "Würde" ist ein passendes Wort.

Ich denke die Widerholungen sind wichtig. Sie vertärken gerade beim lauten lesen den Eindruck der Rastlosigkeit...

Herzlichen Dank
Ralf
 

Mondnein

Mitglied
Ein Mann geht
einsame Strassen
er lebt so lange
der Vorrat reicht
Er arbeitet also nicht. Rentner? Und warum bekommt er kein Hartzvier?
Ich vermute, es ist ein Student im Zweitstudium. Dann bekommt man nichts, muß vielleicht sogar Strafstudiengebühren zahlen.

Oder ist es eine Paraphrase auf Dylans Anfangszeile von "Blowing in the wind"? dieser Einstieg mit dem selbstmitleidigen Macho ("before you can call him a man")?
 

Oben Unten