Levitation

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Tula

Mitglied
Levitation

das ist er der Moment wenn aus dem Bodenlosen unverhofft ein
Echo tönt / zunächst eher Ahnung, gleich dem Aufprall einer Feder
auf den Stein / darauf ein Knistern, Knirschen, Knacken aus dem Fest-
gefrorenen bricht etwas aus, ein vager Schemen ohne Namen

schon tastest du nach einem Seil / alles abgenutzt und ausgefranst – das
KANN nicht halten! / also selbst gespleißt: als erstes Fasern mit der
Zunge zwirbeln, altes Wortwerk neu verkordeln, quer verleinen,
Sinn verwirbeln, neo-logisch Laute bordeln, „Seele“ meinen

nun setzt du an: das neue Seil hängt noch schlaff und will beschworen
werden die Gestirne im Verborgenen des Nebels / freier Fall in seine
Singularitäten / die pulsieren bis das Plasma platzt – Oh, die Parabel passt!
in deiner Trance peitscht sie von einem Nerv zum anderen

du spürst die Kraft die alles strafft sich endlich mühelos / es hebt sich
aus und strebt hinan / bald zerrt es wie ein Segel im Orkan / es ächzt
und kreischt wie eine ganze Takelage … schließlich reißt! / DAS ist er
der Moment: es steigt und steigt, du KANNST es nicht mehr halten
 
Zuletzt bearbeitet:

klauskuckuck

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In der Wikipedia hab ichs nachgelesen: Levitation. Verstanden hab ichs nicht. Auch das Gedicht nicht. Vom Schweben ist da die Rede, von der Magie des Schwebens, oder? Eigentlich egal. Dreimal habe ich das Gedicht gelesen, dann wieder dreimal, und irgendetwas begann zu schweben. Irgendetwas. Tula, der Illusionist. Womöglich schreibe ich hier Unfug, aber, s. o. – egal. Das Gedicht hat was, ich weiß nicht was, fünf Sterne von einem, der darauf wartet, hinterherzuschweben.
 

Béla

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Tolle Idee!

Gleichwohl vielleicht - im lyrischen Sinne - zu lang, komplex. Das extrem empfindliche magnetische Schweben scheint mir angebrachter, ein kurzer Text, sprachlich fein austariert, immer in Gefahr, sich selbst zu kippen, die ewige Balance ....

Aber auch so gut dramatisiert, dem instabilen Schwebezustand zugewandt ...
Gut gemacht!

Béla
 

Mondnein

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als erstes Fasern mit der
Zunge zwirbeln, altes Wortwerk neu verkordeln, quer verleinen,
Sinn verwirbeln, neo-logisch Laute bordeln,
üppig selbstabbildend, sinnlich.

Der Titel erinnert mich an Maharschi Mahesch Yogi, die "Sexy Sadie" John Lennons (auf dem Weißen Album).

grusz, hansz
 

Tula

Mitglied
Hallo Klaus, Oscarchen, Béla und Hansz
Vielen Dank euch allen. Mich freut, dass es trotz leichter Entschlüsselungs-Schwierigkeiten inspiriert hat. Nicht zuletzt war es ein zumindest gedankliches Experiment, welches man mit "wer schreibt, der schwebt" zusammenfassen könnte. Hansz hat auf die entscheidende Stelle hingewiesen, die auch als inhaltliche Fährte gedacht war. Es geht ums Schreiben als Prozess der Suche nach einer Idee (S1) und dem Weg ihrer dichterischen Umsetzung bis dann in S4 (und mitunter einigen Nächten frustrierter Ansätze) sich das Werk wie von selbst zu Ende schreibt, sich von den Seilen befreit, wie von magischer Kraft getrieben emporhebt und schwebt. Soll auch den Glückszustand des Dichters beschreiben, wenn er wenigstens für eine Nacht in sein Werk verliebt (berauscht?) ist wie in (von) eine(r) Göttin.

LG
Tula
 

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