Lied eines Menschen, der eine Ertrinkende nicht rettete

Omar Chajjam

Mitglied
Lied eines Menschen, der eine Ertrinkende nicht rettete

Als sie sich mir vor Jahren anvertraute,
versprach ich ihr die Reise auf dem Ozean.
Wir standen auf dem Landungssteg, sie schaute
Sich all die schönen, weißen Himmelsschiffe an.

Sie flohen drüber hin zum weiten Horizonte
und nahmen die Gedanken auf die Reise mit
und ihre kleine, zart gestimmte Seele konnte
wohl finden jenen letzten ungewohnten Schritt.

Den Schritt, den mit ihr ging ich in Gedanken
Auf diese eine Insel, die nur zwein gehört.
Ich hatt ihr darum ihre ganze Lieb zu danken,
hatt sie doch so mit ihrem eignen Traum betört.

Im nächsten Jahr, es war wohl an der gleichen Stelle,
da fiel sie tief hinab, ich hab es nicht gesehn
in einer leisen unbestimmten Wolkenwelle
mußt still ihr klares Sternenlicht vergehn.

Ich war ihr fern, denn über Jahr und Tage
Vergaß ich sie, es führte mich die Zeit
Warum, in dieser einzgen stummen Frage
Empfind ich meine klein gewordne Einsamkeit.
 

La Noche

Mitglied
Hallo Omar,
Ich lese tiefe Melancholie in deinen Zeilen, Schuldfrage, Vergänglichkeit, Vergessen...
Es geht wirklich sehr tief.

LG,
La Noche
 

Omar Chajjam

Mitglied
Danke, La Noche,

Ja, alles trifft zu. Das sind die vielen Schuldfragen, die sich an unseren Wegen finden, die mich zu dieser HAltung gebracht haben. Man fragt sich immer, woran es wohl gelegen hat und ob man schuldig geworden ist.

Gruß
Omar
 

Oben Unten