Lindsays Abenteuer

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Von Betty und Gerald hatte man nie wieder etwas gehört.
Daran musste Lindsay denken, als der große Schatten über der Wasseroberfläche erschien und sich ein merkwürdiges Geräusch bemerkbar machte. Das Geräusch kannte sie - das sei eine sich drehende Schiffsmotorschraube, hatte Alan ihr erklärt und sie gewarnt, sie solle sich bei einem solchen Geräusch so schnell wie möglich davonmachen.
„Was kann mir denn passieren?", hatte Lindsay gefragt.
„Dass man dich einfängt." Mehr hatte Alan nicht sagen wollen. Jetzt tauchte er in ein paar Metern Entfernung im Wasser auf und rief ihr etwas zu. Durch das dröhnende Geräusch konnte Lindsay ihn nicht verstehen. Sie wollte zu ihm zu schwimmen und merkte verdutzt, dass sie gegen eine Wand zu prallen schien, egal in welcher Richtung sie es probierte. „Alan!", schrie sie aus Leibeskräften. „Hilf mir!"

Wie von Zauberhand wurde sie auf einmal hochgehoben und über die Wasseroberfläche gehalten. Jetzt sah Lindsay, dass sie sich in einem Käfig aus Draht befand.
„Das ist ja nur einer!", sagte eine mürrische Männerstimme.
„Lass den Käfig nochmal runter!", antwortete eine andere, und Lindsay wurde wieder ins Wasser getaucht. Verzweifelt ruderte sie mit ihren Scheren. Konnte sie sich nicht aus diesem Drahtkäfig befreien?
„Lindsay!", hörte sie eine atemlose Stimme, und sie sah Alan, der ihr in der anderen Kammer des Käfigs gegenüber saß.
„Alan, warum sind wir hier? Was ist das für ein Teufelsding?"
„Eine Falle", erwiderte er leise. „Eine Hummerfalle."
Lindsay runzelte die Stirn. War tatsächlich etwas dran an diesen albernen Geschichten, die sich die Alten ständig erzählten?
„Du meinst ...", begann sie zögernd, kam jedoch nicht weiter, denn wieder wurde der Käfig aus dem Wasser gehoben.

„Das sind zwei!" Die Männerstimme klang triumphierend. „Ein Weibchen und ein Männchen."
Ein Lachen ertönte. „Angeber, als ob du das sehen könntest! Das erkennt man erst, wenn man sie zerlegt."
Lindsay runzelte die Stirn. Zerlegen?
Sie hörte Alan leise wimmern. „Sie werden uns töten", murmelte er.
„Das lasse ich mir nicht gefallen!", rief Lindsay zornig. „Wir werden nicht kampflos aufgeben. Wozu haben wir Scheren? Ich werde den Bösewichtern die Finger abzwacken, wenn es sein muss!"
„Sie werden uns die Scheren zubinden", flüsterte Alan. Er weinte. „Leb wohl, Lindsay, du bist mir immer eine gute Partnerin gewesen ... "
„Hör auf mit dem Quatsch!" Lindsay reckte sich. „Anstatt rumzuheulen, überleg dir lieber, wie wir hier rauskommen!"
Ein Schatten fiel über sie. „Warum sind die eigentlich schwarz?", fragte eine Männerstimme, wenn Lindsay es richtig beurteilte, war es die mürrische.
„Die sind schwarzblau. Die werden erst beim Kochen rot", antwortete die andere Männerstimme. „Du warst noch nie mit zum Hummerfang, stimmt's?"
„Nee", knurrte die erste. „Und wenn es nach mir geht, können wir es auch sein lassen. Lohnt sich doch nicht. Der ganze Morgen ist draufgegangen, und wir haben nur zwei Stück. " Der Mann bückte sich, um den Käfig zu öffnen.
„Jetzt oder nie", dachte Lindsay, holte mit voller Wucht aus und schlug ihm ihre Knackschere in die rechte Hand. Der Mann jaulte vor Schmerzen laut auf und ließ den Käfig fallen. Alan und sie purzelten heraus. Lindsay schubste Alan, der stocksteif am Schiffsboden saß, ins Wasser und sprang dann selbst hinterher. Noch unter der Wasseroberfläche hörte sie die Männerstimme. „Dieses scheiß Vieh! Meine Finger!"
„Weg hier!", rief sie Alan zu. „Die sind beschäftigt!"

Ein paar Tage später sonnten sich Lindsay und Alan auf einem vorspringenden Felsen über dem Meer. Aus der Ferne war ein Geräusch zu hören. Fast klang es wie ...
„Nicht schon wieder!" Alan wurde blass. Lucy tätschelte ihm die Scheren.
„Keine Angst, Alan. Silvester ist vorbei. Das Jahr über sind wir nicht mehr so gefragt als Festessen."
Und zärtlich schmiegte sie sich an ihn.
 
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Hallo SilberneDelfine,

eine niedliche Geschichte. Die beiden sollten das bei allen Artgenossen rumerzählen, dass sie sich in dieser Zeit verstecken sollten. ;)

Ein paar Kleinigkeiten habe ich entdeckt, die mir nicht richtig erscheinen.
"Was kann mir denn passieren?" Komma hatte Lindsay gefragt. Obwohl, ist 'hatte Lindsay gefragt' ein korrektes Inquit? Ich würde es eher voranschicken. 'Lindsay hatte gefragt: "Was kann ...' ...
... schwarz?", fragte eine Männerstimme Punkt Es war, wenn Lindsay es richtig beurteilte, war es die mürrische. In Deiner Schreibweise wäre Lindsays Beurteilung jene, ob es überhaupt eine Männerstimme sei, nicht aber welche. In jedem Fall sollten die beiden Sätze aber durch einen Punkt getrennt werden, dann wäre Deine Schreibweise klarer, meine Umstellung nur ein Vorschlag.
"Nicht schon wieder!" Alan wurde blass. Absatz
Lucy tätschelte ihm die Scheren. kein Absatz "Keine Angst, ...

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
Hallo Rainer,

eine niedliche Geschichte.
danke :)


"Was kann mir denn passieren?" Komma hatte Lindsay gefragt
Okay, wird verbessert. Ich glaube, ich hatte es sogar ursprünglich gesetzt, dann ist es verloren gegangen.


Obwohl, ist 'hatte Lindsay gefragt' ein korrektes Inquit? Ich würde es eher voranschicken. 'Lindsay hatte gefragt: "Was kann ...' ...
Was um alles in der Welt ist ein Inquit? Ich habe jetzt in drei verschiedenen Duden nachgeschaut und nichts gefunden ;) (und nee, ich werde nicht googeln, wenn ich es nicht im Duden finde).

Danke für deinen Kommentar und die Bewertung!

Danke auch an @Aufschreiber für die Bewertung!

LG SilberneDelfine
 
Hallo SilberneDelfine,

jetzt bin ich irritiert. Am Anfang meines Leselupenlebens hatten mir liebenswerte Leserinnen die Sache mit der korrekten Form von Inquit-Formeln (das sind die Satzteile, die an die wörtliche Rede angehängt werden, um anzuzeigen, wer spricht) nahegebracht. Irgendwie glaubte ich, dass auch Du mir dazu etwas geschrieben hattest. Habe ich mich da geirrt? Nachgeprüft habe ich es jetzt allerdings nicht ... :oops:

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 
die Sache mit der korrekten Form von Inquit-Formeln (das sind die Satzteile, die an die wörtliche Rede angehängt werden, um anzuzeigen, wer spricht) nahegebracht. Irgendwie glaubte ich, dass auch Du mir dazu etwas geschrieben hattest.
Danke, jetzt weiß ich immerhin, was damit gemeint ist :) - ich glaube allerdings, ich hatte dir geschrieben, du solltest das lieber ganz weglassen als zu schreiben (z. B.): "tirilierte Ilse" oder "zwitscherte Otto" (jetzt nur als Beispiel, ich weiß nicht mehr, ob das deine exakten Formulierungen waren).

Noch etwas zu den Absätzen: Ich war mir da nicht so ganz sicher. Eigentlich hätte die Geschichte gar keine Absätze gebraucht, aber dann ist sie für die Leser nicht so gut zu lesen. Ich denke mal über deinen Vorschlag nach.

LG SilberneDelfine
 
Hallo Rainer,

nochmals zu den Inquit-Formeln. Ich habe jetzt mal in der LL gestöbert und du hast recht, wir hatten uns schon einmal darüber unterhalten (ich wusste nur nicht mehr, dass man das Inquit-Formeln nennt). Den Ursprung über diese Diskussion lieferte damals jons Beitrag in einer deiner ersten Geschichten:


Allerdings haben Inquit-Formeln eigentlich gar nichts mit dem von dir beanstandeten Satz in meiner Geschichte zu tun, denn du schreibst:


Obwohl, ist 'hatte Lindsay gefragt' ein korrektes Inquit? Ich würde es eher voranschicken. 'Lindsay hatte gefragt: "Was kann ...' .
Und da geht es dir nicht um Inquit-Formeln (das wäre nämlich statt „fragen" ein anderes Verb) sondern um die Satz Stellung, die meiner Meinung nach hier keine große Rolle spielt, davon abgesehen, dass man beides schreiben kann, da ist das eine nicht korrekter geschrieben als das andere. Oder das eine eben genauso korrekt wie das andere.

Aber das mit den Inquit-Formeln hatte mir doch keine Ruhe gelassen - ich konnte mich tatsächlich nicht mehr erinnern... :)
 
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Hallo SilberneDelfine,

Du bringst mich zum Schmunzeln. :)
Ja, Du hast aber recht. Es ist in diesem Fall egal, wo es steht.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 


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