Löse nicht den Knoten

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Ralf Langer

Mitglied
Hallo
Mir gefällt deine Art zu dichten.
Mir gefällt wie du deine worte reihst
Vor allem die zweite Strophe
Und dort:
Die Frage steht über allen
Dingen als Göttin da

Da fühle ich mich lyrisch sehr wohl
Lg
Ralf
 
Noch ein Nachtrag:
Auch wenn der Text sich sozusagen an den Leser wendet, ist der Inhalt bloß eine subjektive Erfahrung die keine Allgemeingültigkeit anstreben möchte.
 

Ralf Langer

Mitglied
Das ist für mich beruhigend zu wissen

So sollte es sein

Ich werde mich gerne noch einmal ausführlicher
damit auseinandersetzen

Bis dahin
Ralf
 

Ralf Langer

Mitglied
Des Rätsels Lösung ist Zerstörung

Hallo Patrick,

Nachfolgend noch einige vertiefende Gedanken zu dem was mich an deinem Gedicht bewegt.
Augenscheinlich ist das Gedicht hermetischer Natur. Es ist ein Rätsel, und es birgt und zeigt es doch mit den Worten. Ob ich im nachfolgenden dieses(also dein Rätsel) lösen werde, weiß ich nicht zu sagen. Aber ich nähere mich durch dein Gedicht einem Rätsel in mir.

Ich beschäftige mich gerne mit dem was ich
„die Physik der Worte“ nenne,
also dem was Worte verursachen, welche Wirkungen sie bei mir als Leser erreichen.

Mir fallen gleich zu Anfang verschieden Wortfamilien auf.
Da ist zum einen:

Rätsel – Frage – Schleier – Maske

dann

Nerven – Innen – Aussen – bezwingen, zerfallen

und für sich selbst

die Göttin und der Knoten


Die erste Gruppe steht für Verborgenes, für ein Geheimnis, das nicht offenbar ist, und auf seine Weise auch nicht geoffenbart, gelöst werden sollte.

Die zweite Gruppe betrifft physisch- psychische Konequenzen von lyrdu

Die dritte Gruppe, so will mir scheinen ist identisch, was ich als sehr spannend empfinde.

Auf mich wirkt das Gedicht wie eine Beschreibung eines inneren Kampfes den das lyrdu austrägt.
Und das Gedicht schließt mit einer Aufforderung, nämlich der sich bezwingen zu lassen, etwas zu tun, hier durch eine Unterlassung, was gegen seine Natur ist.

Das Gedicht formuliert eine Krise, vielleicht schon die Katharsis des Seins. Zumindest aber stellt es die innere Kampfzone da.

Nein, ich weiß nicht worum es geht. Mich tragen Ahnungen hierhin.

„ Die Nerven dämpfen“ ( Auch hier die Nähe: dämpfen / Dampf – Schleier- Rätsel – Frage)

Für mich wird hier ein stiller Kampf ausgetragen, ausgetragen mit sich selbst.

„ Löse nicht den Knoten
an dem auch das Rätsel hängt“

Ein starker Beginn:
Einen Knoten lösen, ein Rätsel lösen, gerade den Knoten der „auch“ das Rätsel hält. käme dem
Hier ruht existentielle Gefahr. Denn, der wenn auch unbefriedigende Zustand der Ausgangsposition, ist ein stabiler. Der Knoten trägt das Rätsel, er verbirgt es, aber er hält das was ich Welt nennen möchte im Gleichgewicht.

Die Antwort führt zum Fall – ins bodenlose?- zumindest aber ist auch lyrdu an Knoten und Rätsel selbst gebunden,. Der Knoten hat eine tragende Rolle.

Dann gelange ich zur Göttin:

„die Frage steht über allen
Dingen als Göttin da.“

Die Göttin, die Gottheit.
Anbetung, Verehrung, Die Frage thront, sie ist größer, sie ist die ursache selbst, Götter sind Prinzipien, sie tragen die Gründe in sich, bzw. aus sich selbst.

Eine Mahnung. Des Rätsels Lösung würde lyrdu über eine Grenze hinaus stoßen, ich denke in existentielle Gefahr. Eine Welt und ein Ich würden zerstört.

„ lass dich bezwingen“

Der Knoten, die Gottheit: Ich denke an die Büchse der Pandora8 auf einer metaphorischen Ebene)

Manche Dinge sollen nicht gelöst werden. Rätsel sind Teil der unbeantwortbaren Natur des Seins.

In Anlehnung an Wittgenstein:

Die Welt ist alles was der Fall ist
Des Rätsels Lösung ist der freie Fall

Ich hadere auch mit vielem, und muß lernen mich bezwingen zu lassen.

Lg
Ralf
 

Ralf Langer

Mitglied
Kleiner Nachtrag:
du schriebst das Gedicht sei resultat sehr persönlicher Geschenisse. es mag sein, das meine Deutung sich überhaupt nicht mit deiner Intention deckt.

Ich halte das für nachrangig. Die Worte bewegen jeden Leser
auf ihre eigene Weise und sie führen immer zu eigenen Deutungshoheiten, die nebeneinander ihre Existenzberechtigung haben.


lg
Ralf
 
Hallo ralf
Du kommst der Sache durchaus nah.


Der Grund auf dem das Gedicht aufbaut, ist die Erfahrung das eigene Wesen, mit dem man in Kontakt tritt, wenn man alleine ist, im Umgang mit Menschen unter einem Schleier der Anpassung verstecken zu müssen. Vorausgesetzt, (deswegen persönlich) es herrscht Interesse am Kontakt mit der Außenwelt vor.

Ich habe schon recht jung gelernt einen Knoten in mein Wesen zu drehen, damit nicht alles nach Außen entweicht.

Mit der Zeit hat sich eine Art Mysterium um mich selber gebildet, ich verstehe mich nicht mehr, oder lerne dass ich mich nie verstanden habe.

Aber die Frage, die der Text stellt: Ist es denn nötig diese Nähe zu seinem Kern zu besitzen, beginne ich immer mehr zu verneinen.

Darum (grob) dreht sich das Gedicht.

Vielen, vielen Dank für diesen wunderbaren Kommentar, ich habe mich riesig gefreut eine so tiefe und doch verständliche Analyse zu einem meiner Gedichte zu lesen.

L.G
Patrick
 

Ralf Langer

Mitglied
hallo Patrick,

das habe ich gerne gemacht - weil deine Worte mit mir etwas
gemacht haben.

Ich freue mich mehr von dir lesen zu können

Ralf
 

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