Ludwiga liebste Leich (Kitschsonett auf Shakespeare Art)

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Walther

Mitglied
Ludwiga, liebste Leich
- Kitschsonett für Eike -

Ludwiga hieß die allerschönste Braut,
Die ich gefreit, geehelicht und umgebracht
Mit eigner Hand! Die Augen habe ich geschaut,
Ihr Mund hat mir im Sterben zugelacht

Wie auch im Leben! Und dies enge Kleid,
Das sich um ihren Körper legt, ganz schlank
Und rank: Ich hatte sie so gern befreit:
Sie lief schon lila an und schien todkrank!

Als Leiche ist sie schöner noch als schön:
Das Haar, das wallende, so glänzend blond!
Ihr Diadem, mit dem ich es jetzt krön!
Der sie erschuf, der hat das wohl gekonnt!

Ach, wärst Du nicht so still und tot und bleich:
Ich würde Dich erwürgen, hier und gleich!
 
Hallo Walther, da du es mir gewidmet hast, will ich dann gleich mal was dazu sagen. So wird das nichts! Kitsch macht sich über seine Gefühle nicht lustig, sondern nimmt sie ernst, bitter ernst. Spätestens im Couplet aber wird deutlich, dass Du spotten willst - als Spottsonett über Kitsch mag es hingehen.
Was mir gefällt, sind die durchgehend männlichen Reime (die sind sehr shakespearisch). Aber verliere nicht den Mut! Es wird Dir, als Tausendsassa, der Du bist, sicherlich auch noch mal glaubwürdiger Kitsch gelingen! Der ist, um es ganz klar zu sagen, schwerer, als man denkt.
Gruß
E. L.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

eine Banausenfrage: hatte der alte Shakespeare auch Sinn für Humor?
So wäre dieses eher eine Parodie auf dessen Sonetts. Dann könnte das aber sprachlich vielleicht noch etwas genschnörkelter und altmodischer daherkommen.

Insgesamt nicht welterregend, aber die Pointe macht es noch lesenwert.

LG
Tula
 

Walther

Mitglied
Lb Tula, lb. Eike,

danke für eure einträge.

dieses sonett ist ein spaß. nichts daran ist ernst, wenn wir mal von der form absehen, die berechtigterweise nach Shakespeare-Art benannt ist. so sehen Shakespeares sonette formal aus. daß die sonette Shakespeares um vieles besser sind als dieses, steht außer zweifel. das war auch nicht das ziel der veranstaltung. an ihm mich zu messen, hatte ich nicht vor (übrigens auch nicht an Eike; es wäre mir viel zu langweilig, irgendwelche lyrikbattles vom zaun zu brechen).

und, ja, ich habe das Eike gewidmet, weil es ein kitsch-sonett ist. ich finde seine versuche nett und spaßig, mehr aber nicht. es kommt dabei nichts rüber, was erwähnenswert wäre. für dieses sonett gilt das gleiche. es ist spaßig, will ein wenig unterhalten, sonst will es nichts. das mit der großen kunst ist für mich relativ, danach strebe ich nicht. man sollte sich nicht überheben wollen.

kitsch übertreibt etwas anders als die satire. er streicht überall ein wenig zuviel butter und marmelade aufs brot, ist ein wenig zu exaltiert, kurz, er verbrämt den erdbeerkuchen mit so viel sahne, daß man diesen suchen muß, packt viel zu viel zuckerguß auf die torte, so daß man sie vielleicht noch ansehen, aber nicht mehr essen kann.

ich hatte an anderer stelle bereits gebeten, die sache mit dem dichten weniger ernst zu nehmen (und sich selbst erst recht). wer freude am sprachspaß hat, wird das eine oder andere an diesem text finden können. wer das nicht hat, dem wird dieser text nicht(s) (zu)sagen.

nun ist der sinn für humor weder gleichverteilt, noch haben wir alle den gleichen. damit muß und kann ich leben. wie alle anderen spaßvögel auch.

lg W.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

natürlich haben wir (oder ich zumindest) es auch so gelesen: ein kleiner Spaß zur Unterhaltung. Wobei ich nun doch schmunzeln muss: sollte es den hehren Hobby-Dichtern eigentlich 'um mehr' gehen? (als die gemeinsame Unterhaltung...)
Die Sache mit dem lyrischen Ruhm... ich denke, dafür reichen die 40 oder wenig mehr Leser ohnehin nicht. Eigentlich schade, dass es doch so wenig sind.

LG
Tula
 
Hallo Walther,

könnten wir uns nicht darauf einigen, dass wir die englische Form "sonnet" nennen und die italienisch-klassische "Sonett"?

Shakespeare hätte sich übrigens nie erlaubt, was Du in der ersten Strophe getan hast: die zweite und dritte Zeile auf sechs Hebungen zu verlängern. Aber wahrscheinlich warst Du der Meinung, in einem satirischen Text komme es nicht so darauf an ... Robert Gernhardt hat sich derlei Nachlässigkeit in seinem phantastischen und absolut formgerechten "Sonette find ich sowas von beschissen" (das übrigens verdeckt auch der Shakespeare-Form folgt) nicht erlaubt.

Deine Definition von Kitsch betrifft nur den süßlichen etwa eines Thomas Kinkade. Mit dem habe ich nichts am Hut. Was mir gefällt, ist der Kitsch eines Luke Hillestad http://www.lukehillestad.com/about/ oder, wie schon mehrfach erwähnt, eines Odd Nerdrum. Man könnte ihn - analog zu einer Ernährungslehre - als Paleo-Kitsch bezeichnen.
Mit Gruß
E. L.
 

Walther

Mitglied
Lb Eike,

das
die zweite und dritte Zeile auf sechs Hebungen
ist das einzige stückchen textarbeit, das du bisher beitragen hast. der rest diente dazu, der welt mitzuteilen, was für ein toller hecht du bist.

das halte ich für gänzlich unnötig und eine echte verschwendung wenigstens meiner zeit - für die anderen kann ich nicht sprechen (und will das auch gar nicht).

für diesen guten hinweis danke ich dir und habe den text auch schon verbessert ...

lieber gruß W.
 

Walther

Mitglied
Ludwiga, liebste Leich
- Kitschsonett für Eike -

Ludwiga hieß die allerschönste Braut,
Die ich geehelicht und umgebracht
Höchstselbst! Die Augen habe ich geschaut,
Ihr Mund hat mir im Sterben zugelacht

Wie auch im Leben! Und dies enge Kleid,
Das sich um ihren Körper legt, ganz schlank
Und rank: Ich hatte sie so gern befreit:
Sie lief schon lila an und schien todkrank!

Als Leiche ist sie schöner noch als schön:
Das Haar, das wallende, so glänzend blond!
Ihr Diadem, mit dem ich es jetzt krön!
Der sie erschuf, der hat das wohl gekonnt!

Ach, wärst Du nicht so still und tot und bleich:
Ich würde Dich erwürgen, hier und gleich!
 
Hallo Walther, aber niemand zwingt Dich doch, meine Sachen zu lesen. Bitte unterlasse das in Zukunft, damit ich wieder ruhig schlafen kann!
Mit Gruß
E. L.
Und was den "tollen Hecht" betrifft: Ich bin eher ein alter bemooster veganer Karpfen! Täte mir leid, wenn das nicht deutlich geworden ist!
 

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