Lupinen

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Anonym

Gast
Lupinen


Lupinen grasen still am Wind
Rasen Blitze aus schlecht gelauntem Gewölk

Tische traben dunkle Triebe
Brechen Schaufeln vergorenes Geraun

Selbst bin ich in der Zeit
Verbreiten zielendes Geschnatter

Mein lieber Freund streust an Stämmen
Schleppen matt begrünte Flächen

Tau stürmt gegen Wasauchimmer
Reden Staub gewordne Hülle
 

Anonym

Gast
Hallo

Fühle mich bei diesem als Leser verschaukelt. So ein "bewusst unverständlich geschrieben". Strophe 3 zum Beispiel (?)

Obwohl es sich ja durchaus interessant liest ... der stürmende Tau ...hhmmm


LG
Tula
 

Anonym

Gast
Guten Tag Tula,

ohne deinen Gefühlen "als Leser" zu Nahe treten zu wollen, frage ich mich, ob ein Text überhaupt in der Lage ist, zu "verschaukeln"? Und zwar deshalb frage ich mich das, da ich
so ganz spontan "bewusst unverständliches Schreiben" als einen Widerspruch an sich empfinde. Und falls es ein solcher doch nicht ist, so würde ich mir niemals anmaßen, über einen derart schöpferische Qualität zu verfügen.

Das, was sich da "durchaus interessant" liest, ist ein kleines Gedicht über Lupinen.

LG
Ano.
 

Anonym

Gast
Hallo anonym

Sorry, dass ich da etwas ungerecht war. Ich hätte wohl 'hermetisch' schreiben sollen, was ja durchaus in der dichterischen Absicht liegen mag. Wobei die ersten zwei Strophen da eigentlich auszunehmen sind, ich sehe da so etwas wie eine Gartenidylle. Widersprüchlich dennoch die Stille in der ersten Zeile und die rasenden Blitze in der zweiten. Ich verstehe, dass sich diese noch in der Ferne befinden.

Der dritten Strophe kann ich weder inhaltlich noch sprachlich etwas abgewinnen. Der liebe Freund in der vierten bezieht sich auf die Lupinen selbst? Verstehe ich wirklich nicht.

Auffallend der Bruch zwischen Singular und Plural, z.B. in den letzten beiden Zeilen. Wobei mit dem Plural sicher die Lupinen gemeint sind. Stilistisch (das fehlende Subjekt) gewöhnungsbedürftig. Anderswo handelt es sich allerdings um eine Umstellung des Satzes (Rasen Blitze ...), was mich persönlich nicht überzeugt, klingt einfach nur merkwürdig und macht die Sprache dadurch nicht reicher.

Es ist in der Tat die letzte Strophe, welche mir mit seinen Naturbildern gefällt, Strophe 2 eigentlich auch, der Rest eher nicht.

Und bitte nicht böse sein.

LG
Tula
 

Anonym

Gast
Korrektur: damit die enjambements auch als solche erkannt werden, wäre Kleinschreibung besser (rasen, brechen). Mir sind sie genau deshalb entgangen (Großschreibung am Satzanfang)

Tula
 

Anonym

Gast
Also,

ich finde das Teilchen super!.
Es lässt sich von allen Seiten lesen: von oben nach unten, von unten nach oben, vom jeweils zweiten Vers zum Zweitvers der folgenden Gruppe, vom ersten zum ersten, und mir erscheint es ungemein witzig. Noch mehr aber wahr.

Ein Zusammenhang zwischen Lupanien (dem grünen Land der Lupösen und Lupinen) lässt sich in meinem Wirrkopf leicht herstellen.

Besonders ätzend-gelungen finde ich, wie genau der Autor den gängigen ForenSTIL aufzuzeigen vermag ...

Lachende Grüße
Trainee
 

Anonym

Gast
@ Tula, @Trainee

vielen Dank für die Textbeschäftigung und das Wohlwollen sowie die konstruktive Kritik an diesen Lupinen.

Ich bitte jedoch um Verständnis, dass ich mich nicht weiter an der Interpretation des Werkes beteilige. Es wäre, als würde ich einen Witz erklären, auch, wenn es sich hier nicht um einen solchen handelt.

Letztlich denke ich, hier den Entwurf eines komplett neuen Blicks auf die Lupine geliefert zu haben, wie ihn die Welt bisher noch nicht schaute.

Und dies, obwohl ich von der Prosa komme und beileibe wieder zu ihr zurückkehren werde.

Gruß
Anonymus
 

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