Mama, kann die Welt sterben?

"Klar mein Kind, Welt kommt ja von Wald und komm, wir gehen mal in den Wald. Jetzt is grad Herbst, siehst du?
Alle Blätter sterben, in vielen bunten Farben. Da siehst du, das Rot da, war schon immer in dem Blatt, aber erst jetz wird es sichtbar. Und die fallen alle auf den Boden, aber die lösen sich nicht auf, sondern sie verwandeln sich. (Sie nimmt eine Hand Erde) Das waren auch mal Blätter und jetzt dienen sie wieder dem Leben. Siehst du den toten Baum. Kuck die Pilze da ernähren sich von ihm." Embla hüpft mit Mama zwischen den Bäumen umher.

" Los wir gehen nochmal, jetzt ist Winter, jetzt ist alles Tod im Wald. Ja der schöne Schnee, ich weiß.
Aber eigentlich schläft der Wald. Wenn jetzt ein Baum stirbt, wie der da, dann bleibt er liegen. Nichts frisst ihn, bei Tieren ist das anders. Die sind froh wenn im Winter jemand stirbt. Denn sie haben Hunger."
Embla reißt die Augen auf: "Mamma, aber bei den Menschen ist doch sterben was ganz schlimmes."
Mama streicht ihr über den Kopf: "Das ist bei den Bäumen manchmal auch so, kuck, hier ist ein uralter Baumstumpf, aber die Bäume drumherum halten ihn am Leben, sie wollen nicht das er stirbt, weil sonst all sein Wissen verloren ist."

"Komm es ist Frühling, lass uns gehen. Siehst du, jetzt erwacht die Natur und auch der Tod ernährt wieder das Leben. Verstehst du was ich meine?"
Embla kratzt sich am Kopf: "Meinst du, das die Welt aus einem endlosen Leben und Sterben besteht?"
Mama blickt zum Himmel: "Ja genau, die Welt würde sterben, wenn wir aufhören zu sterben."
Embla pflückt eine Blume: "Die Blume wird jetzt sterben und mich gleichzeitig erfreuen." lacht sie und singt ein Lied. Mama singt mit. Als sie sich an einer Lichtung auf den Boden legen und die Wolken ansehen lacht die Mama: "Ja die Welt ist ein endloser Fluss, aber auch wir kleinen Wesen in diesem Spiel, haben ein Schicksal."
"Was ist Schicksal?" sieht Embla zu ihr herüber und die Mama macht: "Pscht, hörst du das Weben unter der Erde? Es gibt da unten nämlich eine geheime unterirdische Welt, in der die ganzen Wurzeln der Bäume untereinander und mit den Wurzeln der Pilze verbunden sind. Pilze sind ja eigentlich fast nur Wurzeln, riesengroße unterirdische Minigänge aus Wurzeln und darin ist die Seele des Waldes. Da unten verstecken sich drei Pilzfrauen, die weben das Schicksal des Waldes."
Sie pressen beide ihr Ohr an den Waldboden: " Ich hör sie. Hallo Pilzfrauen, ich bin Embla!"
 

molly

Mitglied
Hallo Prinzessin,

ich bitte um eine Audienz, meinte Aufmerksamkeit.
Wie alt ist das Kind, dem Du diese Geschichte erzählen willst?

Ich fände es besser, nicht beinahe alle Jahreszeiten in eine kleine Geschichte zu packen. Wenn die Mutter von "Schicksal" spricht, und das Kind nachfragt, kann doch die Antwort nicht diese sein:
"Pscht, hörst du das Weben unter der Erde?
Viele Grüße
molly
 


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