Mariahilferstraße

5,00 Stern(e) 6 Bewertungen

Scal

Mitglied
wo ein bettler einsicht sucht
links und rechts
wie ich

spieglein spieglein an der wand
wo verhältnisse mäandern
eilwärts zum design
tritt ein

alles ruft tritt ein tritt ein

großer gott genug genug
zeit um auszuwandern
ehe abend wird

sind einander ein vorüber
ein museum alter kunst
schaukelnd durch den strom

kommt ein kindgesicht und sagt:
fühl dich.
eintritt frei
 

sufnus

Mitglied
Hey!
Große Freude!!! :)
Mein müde gestaubtes Lesegehirn beim Labsalbaden. Gleich schäumt es, gewährt mir freien Eintritt: Bereit zum Ein- und Untertauchen.
LG!
S.
 

seefeldmaren

Mitglied
eilwärts zum design
tritt ein
kniffeligschön, wie schnee, der in kopfrichtung weht und plötzlich zu warmen weißen strandsand wird, lieber @Scal

diese zeile ist wie ich finde die schwächste
wo verhältnisse mäandern
ich glaube, dass es diesen ortsbezug, wo etwas verhältnismäßig mäandert, nicht braucht

ich las es so:

spieglein spieglein an der wand
wir mäandern
eilwärts zum design
tritt ein
maren
 

Scal

Mitglied
Dankeschön, Maren!
Bei "verhältnisse mäandern" hatte ich die umherschweifenden Leute vorm inneren Auge, wie sie "augenzüngelnd "Uferdinge (Kaufangebote) begrasen.
In gewisser Hinsicht ließe sich auch sagen: wir alle sind stets als mäandernde Verhältniswesen (Relation, 4. aristotelische Kategorie) unterwegs.

LG
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Scal,

seit dem 18. Mai 2025 sind zwar bereits 417 Tage ins Land gegangen, nichtsdestotrotz hätte ich noch eine Frage zu deinem Gedicht. Ich habe versucht, dich via PN anzuschreiben, doch ich erreiche dich nicht. Wäre es möglich, dass du mir eine PN schickst?

Liebe Grüße,
ubertas
 
Hallo Scal,
dein Gedicht hat einen ganz eigenen, traumwandlerischen Sog. Die Bilder fließen ineinander; die Sprache mäandert zwischen Märchenanklang, Gesellschaftskritik und innerer Unruhe, während die wiederholte Einladung "tritt ein" verführerisch und zugleich bedrohlich wirkt.
Nach all der Unruhe öffnet sich plötzlich ein stiller Raum der Selbstbegegnung. "Eintritt frei" ist eine großartige letzte Zeile, wie das ganze Gedicht einfach großartig ist. Danke dafür!
Lieber Gruß
Chandrika
 

Scal

Mitglied
Herzlichen Dank, Chandrika, du charakterisierst es wirklich sehr treffend!
In den belebten Stadtstraßen ist es mitunter die aufmerksame Blickdauer eines Kindes, die einem erlebbar werden lässt: ich werde wahrlich wahrgenommen. Ein „Zueinander-Öffnungsmoment“ ereignet sich.

Lieben Gruß
Scal
 



 
Oben Unten