mc laughlin tritt auf

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Mondnein

Mitglied
[ 4]mc laughlin tritt auf


auf der grünen wiese vor der uni stand die bühne
auf der bühne saß mc schneider laughlin lotos meister
auf dem lotos sitz gekreuzt gitarren hals und beine

sprudeln gier girlanden jault die bahn quietscht durch die schiene
tabla hackt den geigen schnitt lauch scharf den witz verbeißt er
laßt die drogen werdet fromm sie nickten stoned wie steine

schwebten leicht dahin als ob ihm mahagott erschiene
vishnus orkus traum trabant umkreist den heilgen geister
schnusser kess troll maha welan schnurlos wie joe leine

sanken schwer und wogten auf und ab durch die maschine
die uns unter wasser atmen läßt – zu neptun reist er
wo atlantis düsen spur ihn auf gelöst ins feine
 

Franke

Mitglied
Hallo Hansz,

zu der Zeit war mir McLaughlin zu abgehoben, auch die Zusammenarbeit mit Santana ist schwere Kost.
Aber "The Inner Mounting Flame" ist eine der genialsten Platten, die jemals aufgenommenen wurden.

Liebe Grüße
Manfred
 

Mondnein

Mitglied
Danke, Manfred, für die kleine Anmerkung.

Mir gings ähnlich: Das große Erstaunen über die Inner Mounting Flame, das war der Kern der Fusion-Revolution.

Ich habe keinen Konzertbericht (etwa für eine Zeitung) geschrieben, aber es spielt das Erleben eines konkreten Konzerts in Köln mit hinein, das sich in diesem Gedicht mit den gewagten Experimenten mischt: komplexe Jazzharmonik, Polyrhythmik, das Indische (tönende Tablas statt des harten Schlagzeugs) usw.

Ich versuche es in den Sprachspielen umzusetzen bzw. mitzuspielen. Z.B. "Mahavishnu Orchestra" in kubistisch verschränkten Collagen.

Und ein bißchen ironische Distanz, aber (bei mir) nicht antispiritualistisch, eher eine Vertiefung im Hören: Die letzte Strophe deutet die majestätische Hendrix-Wurzel McLaughlins, die es ja neben der spanischen Flamenco-Nähe, der irischen Geradlinigkeit seiner schnellen Metrik und den angerissenen sitar-guitar-Klängen in seiner harten Spielweise gibt.

grusz, hansz
 
T

Trainee

Gast
Hallo Hansz,

die Sache mit den beiden Mahavishnu Orchestra (oder heißt es hier Orchstren? :D) ist eine spannende Anekdote für sich.
Der Meister zählt zu den besten 100 Gitarristen aller Zeiten - wie wir mit Sicherheit bald zu den "besten Lyrikern ..." gezählt werden. Oder etwa nicht?
In deinem Fall ist der Anfang gemacht.
Das Gedicht sprüht vor Klang und virtuosem Wortgespiele: Ich höre, sehe, fühle und freue mich. - Ob den Lesern Vishnus Orkustraum ein Begriff sein wird, wage ich zu bezweifeln, ist im fühlbaren Gesamtgefüge aber eher unerheblich.
Denn Mc Laughlin ist nun einmal von diesen Dingen stark beeinflusst worden und wird es noch. Betrachtet man seine Biographie, hat er erst dadurch seine wahre Meisterschaft erlangt. Natürlich im Zusammenspiel mit den großen Kollegen des Jahrhunderts.
Mir gefällt der ganz leicht spöttelnde Unterton, die Erwähnung der Maschine (!), die seine Zuhörer in magische Reiche zu frachten weiß.

Gern mitempfunden
Trainee
 

Mondnein

Mitglied
Herzlichen Dank, Trainee!

"Orkus" natürlich wegen "Orches(tra)" (weniger Hölderlins "schiefes Orkus'" wegen).
"Maschine" - einerseits in Anspielung auf das schnelle Staccato des Gitarristen, andererseits: Hendrix, Electric Lady Land, "1983", wo eine "Maschine" das Lyri unter Wasser atmen läßt, als es "Neptun's champion games in an aqua world", d.i. Atlantis, zu besuchen abtaucht.

Das beschreibt gewiß eher den Bewußtseinszustand der Hörer als den des knochentrockenen Maschinisten auf der Bühne. Ist so gesehen "bewußt falsch", obwohl andererseits der eine Meister auf dem Fünffingerdarm eine Art Schüler des anderen ist.

grusz, hansz
 

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