lietzensee
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Meine Brille ist modern. Natürlich sehe ich besser durch sie. Den verschwommenen Strich mit Punkt schärft sie zu einer Dame, die ihren Dackel ausführt. Minus Sechs Dioptrien sind halt kein Pappenstiel. Meine Brille kann aber noch mehr. Sie ist eine VisuaTec2001.
Ich laufe mit dieser Brille nicht einfach die Straße entlang. Sie blendet mir die Wegbeschreibung zum Bäcker ein: "In dreihundert Metern links über den Zebrastreifen. Vorsicht, auf dieser Straße wurden Schlaglöcher gemeldet." Im Bäcker bewertet sie die Preise fürs Brot und die Qualität des Kuchens. Sie zeigt mir aktuelle Social-Media-Posts der Verkäuferin und schlägt Formulierungen zur Gesprächsaufnahme vor: "Ich mag ja auch Dalmatiner-Hunde."
Meine Brille ist praktisch, das kann keiner bestreiten. Ich würde so weit gehen, dass die VisuaTec2001 mein Leben verändert hat. Viele mögen meine Brille nicht, weil sie sie wahrscheinlich mit chinesischen Billig-Produkten verwechseln. Aber von solchen Pöblern lasse ich mir nichts sagen. Das ist doch meine Sache, was ich mir auf die Nase setze. Auch warnt die Brille mich im Voraus, wenn sie Gesichter der Passanten mit entsprechenden Äußerungen im Internet in Verbindung bringt.
Die praktische Seite meiner Brille ist aber gar nicht mal die wichtigste Seite. Sie blendet nicht nur Zahlen, Diagramme und Gesprächsformulierungen ein, sie macht das Leben schöner. Wie oft habe ich mich über den Müll auf unseren Straßen geärgert. Den retuschiert die Brille nun einfach weg. Demolierte Roller und die Lager der Obdachlosen werden durch Blumenkästen ersetzt. Nur Hundehaufen kann die Brille natürlich nicht verstecken. Kommt mein Tritt denen zu nahe, werden sie mit blinkenden Warnzeichen markiert.
Man merkt erst nach und nach, welche Möglichkeiten die Brille alles bietet. Den Himmel lasse ich mir nun dauerhaft im Orange eines Sonnenuntergangs zeigen. Kondensstreifen der Flugzeuge lasse ich zu aufmunternden Botschaften formen: "Wer das ließt, ist schlau" oder "Unsere Umwelt ist kerngesund." Es gibt ja auch immer wieder Software-Updates. VisuaTec forscht unermüdlich und weil ich ein Premium-Abo besitze, überrascht die Brille mich ständig mit neuen Funktionen. "Facelift" zum Beispiel, das war für mich ein Game-Changer. Statt die griesgrämigen Alltagsgesichter in der Fußgängerzone, zeigt die Brille nun lächelnde Menschen. Statt alten Männern mit Doppelkinn sehe ich hübsche Frauen.
Ist es nicht verständlich, dass ich meine Brille liebe? Eine VisuaTec2001 öffnet einem erst richtig die Augen. Darüber bin ich mir all ihren Trägern gleich einig. Natürlich streiten wir dann über Features, Menü-Settings und Gestellfarben. Diese Streitereien machen aber Spaß, weil sie aus Liebe zum Produkt geführt werden. Mit Kunden anderer Brillenmarken hingegen, fällt es mir immer schwerer, noch Gesprächsthemen zu finden. Und diese komischen Leute erst, die ohne Linsen durchs Leben gehen, da weiß ich gar nicht mehr, was ich zu denen sagen soll. Sie sehen doch kaum was. Zum Glück bietet die VisuaTec2001 auch da eine Funktion. Man öffnet das Hauptmenü und zwinkert dann drei mal, um zu den Filter-Einstellungen zu kommen. Dort wählt man die Option: "Emotionale Glättung". Das filtert die Brillenlosen einfach raus.
Es ist schwer zu beschreiben, wie so eine Brille das Leben verbessert. Man denkt anders. Man fühlt anders. Ich bin nicht nur glücklicher, ich bin auch viel weniger unglücklich als früher. Meine Brille hat mich von Scham befreit. Die integrierten Kopfhörer spielen Bob Marley, am Himmel leuchtet ein Sonnenuntergang und ich laufe zum Supermarkt wie auf Wolken. Die Welt ist gar nicht so schlecht. Oder wenn, dann macht VisuaTec sie besser.
Kaum zu glauben, aber von Freunden hatte ich mir anhören müssen, dass meine Brille süchtig machen würde. Zumindest waren das mal Freunde, denn was sie behaupten, ist Blödsinn. Da sprach purer Neid. Meine Brille macht nicht süchtig. Ich trage sie auch gar nicht immer. Jetzt zum Beispiel, habe ich meine Brille nicht auf der Nase. Das fällt mir gerade erst auf und wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre, würde ich ihn wahrscheinlich auch vergessen. Ich sehe nämlich mein Spiegelbild in dieser Schaufensterscheibe. Erstaunlich! Ich bin jung, schön und habe volles Haar. Eine Brille trage ich aber nicht, das sehe ich mit scharfem Blick in der Spiegelung.
Ich laufe mit dieser Brille nicht einfach die Straße entlang. Sie blendet mir die Wegbeschreibung zum Bäcker ein: "In dreihundert Metern links über den Zebrastreifen. Vorsicht, auf dieser Straße wurden Schlaglöcher gemeldet." Im Bäcker bewertet sie die Preise fürs Brot und die Qualität des Kuchens. Sie zeigt mir aktuelle Social-Media-Posts der Verkäuferin und schlägt Formulierungen zur Gesprächsaufnahme vor: "Ich mag ja auch Dalmatiner-Hunde."
Meine Brille ist praktisch, das kann keiner bestreiten. Ich würde so weit gehen, dass die VisuaTec2001 mein Leben verändert hat. Viele mögen meine Brille nicht, weil sie sie wahrscheinlich mit chinesischen Billig-Produkten verwechseln. Aber von solchen Pöblern lasse ich mir nichts sagen. Das ist doch meine Sache, was ich mir auf die Nase setze. Auch warnt die Brille mich im Voraus, wenn sie Gesichter der Passanten mit entsprechenden Äußerungen im Internet in Verbindung bringt.
Die praktische Seite meiner Brille ist aber gar nicht mal die wichtigste Seite. Sie blendet nicht nur Zahlen, Diagramme und Gesprächsformulierungen ein, sie macht das Leben schöner. Wie oft habe ich mich über den Müll auf unseren Straßen geärgert. Den retuschiert die Brille nun einfach weg. Demolierte Roller und die Lager der Obdachlosen werden durch Blumenkästen ersetzt. Nur Hundehaufen kann die Brille natürlich nicht verstecken. Kommt mein Tritt denen zu nahe, werden sie mit blinkenden Warnzeichen markiert.
Man merkt erst nach und nach, welche Möglichkeiten die Brille alles bietet. Den Himmel lasse ich mir nun dauerhaft im Orange eines Sonnenuntergangs zeigen. Kondensstreifen der Flugzeuge lasse ich zu aufmunternden Botschaften formen: "Wer das ließt, ist schlau" oder "Unsere Umwelt ist kerngesund." Es gibt ja auch immer wieder Software-Updates. VisuaTec forscht unermüdlich und weil ich ein Premium-Abo besitze, überrascht die Brille mich ständig mit neuen Funktionen. "Facelift" zum Beispiel, das war für mich ein Game-Changer. Statt die griesgrämigen Alltagsgesichter in der Fußgängerzone, zeigt die Brille nun lächelnde Menschen. Statt alten Männern mit Doppelkinn sehe ich hübsche Frauen.
Ist es nicht verständlich, dass ich meine Brille liebe? Eine VisuaTec2001 öffnet einem erst richtig die Augen. Darüber bin ich mir all ihren Trägern gleich einig. Natürlich streiten wir dann über Features, Menü-Settings und Gestellfarben. Diese Streitereien machen aber Spaß, weil sie aus Liebe zum Produkt geführt werden. Mit Kunden anderer Brillenmarken hingegen, fällt es mir immer schwerer, noch Gesprächsthemen zu finden. Und diese komischen Leute erst, die ohne Linsen durchs Leben gehen, da weiß ich gar nicht mehr, was ich zu denen sagen soll. Sie sehen doch kaum was. Zum Glück bietet die VisuaTec2001 auch da eine Funktion. Man öffnet das Hauptmenü und zwinkert dann drei mal, um zu den Filter-Einstellungen zu kommen. Dort wählt man die Option: "Emotionale Glättung". Das filtert die Brillenlosen einfach raus.
Es ist schwer zu beschreiben, wie so eine Brille das Leben verbessert. Man denkt anders. Man fühlt anders. Ich bin nicht nur glücklicher, ich bin auch viel weniger unglücklich als früher. Meine Brille hat mich von Scham befreit. Die integrierten Kopfhörer spielen Bob Marley, am Himmel leuchtet ein Sonnenuntergang und ich laufe zum Supermarkt wie auf Wolken. Die Welt ist gar nicht so schlecht. Oder wenn, dann macht VisuaTec sie besser.
Kaum zu glauben, aber von Freunden hatte ich mir anhören müssen, dass meine Brille süchtig machen würde. Zumindest waren das mal Freunde, denn was sie behaupten, ist Blödsinn. Da sprach purer Neid. Meine Brille macht nicht süchtig. Ich trage sie auch gar nicht immer. Jetzt zum Beispiel, habe ich meine Brille nicht auf der Nase. Das fällt mir gerade erst auf und wenn mein Kopf nicht angewachsen wäre, würde ich ihn wahrscheinlich auch vergessen. Ich sehe nämlich mein Spiegelbild in dieser Schaufensterscheibe. Erstaunlich! Ich bin jung, schön und habe volles Haar. Eine Brille trage ich aber nicht, das sehe ich mit scharfem Blick in der Spiegelung.