Schreiberling Basti
Mitglied
Die Sonne war im Begriff unterzugehen. Die letzten orangenen Lichtstrahlen konnten die Wärme nicht ersetzen, die den ganzen Tag die Erde aufgeheizt hatte.
Das Fenster stand offen. Er saß auf dem Fensterbrett, wie er es tat seit er ganz klein war.
Er genoss die aufziehende Kühle der Dämmerung und musste daran denken,
dass seine Oma jetzt immer mit ihrer kratzenden, rauen und trotzdem liebevollen und behaglichen Stimme gesagt hätte, dass es bald anfangen muss, zu gewittern.
Er blickte hinaus auf den Innenhof. Bis auf eine herumstreunende Katze war er menschenleer.
Er drehte sich in das Chaos, das von ihm auch Zimmer genannt wurde.
Er müsste wirklich mal wieder aufräumen. Neben den auf dem Boden verstreuten Schulsachen lagen Klamotten,
die nicht dreckig genug waren für die Waschmaschine, aber auch nicht gut genug für den Schrank waren.
Leise christliche Musik drang aus dem Nachbarzimmer. Entnervt setze er die Kopfhörer auf.
Er braucht Kontrast. Bald wurden seine Ohren mit der für ihn deutlich angenehmeren Musik von Electric Callboy beschallt.
Er lehnte sich zurück, blickte zurück auf den Innenhof. Die Katze war verschwunden.
Und dann er tat er etwas extrem dummes. Sein Handy hatte geklingelt.
Er schaute drauf, drückte die belanglose Nachricht aus der Klassengruppe weg und ging in seine archivierten Chats.
Und er sah ihren Namen. Er hatte schon seit Ewigkeiten diesen Namen nicht mehr auf seinem Display gesehen und erleichtert registrierte er,
dass es ihn nicht mit dieser unbändigen Freude erfüllt, die er früher gefühlt hatte.
Doch ein Restgefühl war da. Und er drückte auf den Namen der Person,
die ihm in seinem recht kurzen Leben schon recht viel Kopfschmerzen verursacht hatte.
Und er konnte es nicht fassen, dass es erst sechs Monate her war, dass er von ihr abserviert wurde.
Nun, es hatte ihm viel Inspiration gegeben für seine Essays, aber er fühlte den Schmerz nun wieder frisch im Oberleib,
als hätte dort jemand die Fäden aus einer schlecht vernarbten Stichwunde gezogen.
Doch das Gefühl war dumpfer als direkt nach der Ablehnung. „Logisch“, dachte er und fühlte sich bei dem Gedanken unfassbar dumm.
Er scrollte nach oben. Er wollte jetzt nicht an die Zeit der Tränen denken. „Sehr melodramatisch“, dachte er bei sich.
Nur um sich dann zu fragen, wann er angefangen hatte seine Gedanken zu kommentieren. Er kam jedoch nicht drauf.
Er überflog die Nachrichten, die er ihr geschrieben hatte. Damals hatte sich das alle richtig angefühlt.
Doch als er sie jetzt wieder las, sah er sie mit anderen Augen. Er klang in seinen Nachrichten weird, aufgesetzt und verzweifelt.
„Kein Wunder, dass sie mich nicht haben wollte. Ich muss ihr vorgekommen sein, wie ein absoluter Weirdo“
Warum musste er eigentlich ausgerechnet jetzt so viel an sie denken?
Ja, er hatte sie letztens erst wieder gesehen und wieder sozial mit ihr interagiert.
„Wow, wie krass! Und du bist sicher der Meinung, dass du über sie hinweg bist?“, spottete der hauseigene Moderator in seinem Kopf.
Er atmete schwer aus, als hätte sich ein schwerer LKW dazu entschieden auf seiner Brust zu parken.
Er schüttelte den Kopf. Das war eine ganz dumme Idee gewesen, sich die alten Chats nochmal anzuschauen.
Er sah, wie sich alle Fehler, die er gemacht hatte, langsam aus dem Nebel des Verdrängens herausschälten und Gedanken vergifteten,
sodass er sich nun fragte, warum er denn so dumm gewesen war, zu denken,
dass er überhaupt eine Chance bei ihr gehabt hätte, bei alldem, was er sich geleistet hatte.
Und nicht nur bei den Nachrichten, auch die Situationen standen nun glasklar vor ihm.
Die Situation auf dem Schulhof nach den Prüfungen, als er sie einladen wollte und sie sich sichtlich unwohl gefühlt hatte.
Oder als er immer wieder recht aufdringlich gefragt hatte, ob sie mit ihm an einem Projekt arbeiten möchte und er trotz ihrer Ablehnung seine Freunde verraten hatte,
um in ihrer Nähe zu sein. All diese Gedanken kamen nun hoch, wie dichter Schwefelrauch.
Er las weiter. Und dabei sah alles am Anfang so gut aus.
Sie war bereit mehr mit ihm zu unternehmen und sie hatten sich sogar getroffen, aber dann stellte er einmal seine Freunde über sie und ab da war dann alles schiefgelaufen.
Sie hätte mit ihm den Grundkurs gemacht, aber seine selbstsüchtige Freundin hatte USA gespielt, interveniert und ihn so lange bearbeitet,
bis er mit ihr den Grundkurs gemacht hatte. Für dieses einmalige Einknicken hatte er sich eine Zeit lang verabscheut.
Denn nicht nur war das mit ihr nichts geworden, inzwischen hasste er seine ehemals beste Freundin.
Zwar aus ganz vielen verschiedenen Gründen, aber trotzdem. Er seufzte abermals.
Was hätte alles sein können, wenn er in diesem einen vielleicht wichtigsten Moment nicht eingeknickt wäre.
Wenn er standhaft geblieben wäre und nicht nachgegeben hätte.
Vielleicht wäre er dann jetzt in einer hoffentlich glücklichen Beziehung und er wäre nicht mehr der einzige Single in seinem Freundeskreis.
Inzwischen war es dunkel geworden. Die Sonne hatte aufgegeben. Die Nacht legte sich wie ein riesiger Rabe auf die Welt, als wäre es das Ei.
Electric Callboy schrie ihm immer noch gutgelaunte Texte aus Dance-Metal-Songs ins Ohr.
Doch er nahm es kaum wahr.
Scheinbar gedankenverloren scrollte er durch den Chat.
Jemand, der den Bildschirm nicht sah, könnte zu dem Schluss kommen, dass es einfach nur ein Teenager am TikTok suchten war.
Doch das Gefühl in seiner Brust wurde immer dumpfer und er merkte zwar, dass es ihm nicht gut tat, doch er machte weiter.
Dachte über die vergangenen Möglichkeiten nach, über die Sprüche, die er früher in seinen Nachrichten immer total schlagfertig fand,
die jetzt jedoch überzogen und unsicher wirkten. Langsam lösten sich Tränen aus seinen Augen.
Langsam fanden sie ihren Weg über seine Wange und er bemerkte sie erst als sie begannen wie ein Nieseln der Trauer auf sein Handy zu tropfen.
Er erwachte wie aus einer Trance. „Genug“, beschloss er und legte das Handy weg. „Richtig, richtig. Reicht auch mal wieder mit dem Selbstmitleid.“,
meldete sich sein Moderator wieder zu Wort. Er sperrte die kalte Nachtluft aus und kuschelte sich in seine Decke.
Doch er schaffte es nicht mit dem Denken aufzuhören. Er begann zu überlegen.
Warum kommen mir all diese Gedanken ausgerechnet jetzt?
Ich bin doch über sie hinweg. Es war im Dezember, als wir telefoniert hatten.
Ich sollte wirklich nicht mehr an sie denken. Ich habe es doch bisher auch gut geschafft und konnte sie ignorieren, sie sogar vergessen.
Ich bin doch jetzt in der Kennlernphase mit jemand anderem, warum kommt es jetzt so plötzlich?
Ich habe mich so gefreut, dass wir mal wieder zwischenmenschlich interagiert haben,
ohne, das mein Herz anfängt zu rasen und ich brutal unsicher war.
Wieso habe ich jetzt das ganze Wochenende nur an sie gedacht?
Das ist doch scheiße.
Und mit diesen Gedanken schaffte er es endlich einzuschlafen.
Doch kurz davor dachte er noch:
Ist es das, was die Leute Melancholie nennen?
Das Fenster stand offen. Er saß auf dem Fensterbrett, wie er es tat seit er ganz klein war.
Er genoss die aufziehende Kühle der Dämmerung und musste daran denken,
dass seine Oma jetzt immer mit ihrer kratzenden, rauen und trotzdem liebevollen und behaglichen Stimme gesagt hätte, dass es bald anfangen muss, zu gewittern.
Er blickte hinaus auf den Innenhof. Bis auf eine herumstreunende Katze war er menschenleer.
Er drehte sich in das Chaos, das von ihm auch Zimmer genannt wurde.
Er müsste wirklich mal wieder aufräumen. Neben den auf dem Boden verstreuten Schulsachen lagen Klamotten,
die nicht dreckig genug waren für die Waschmaschine, aber auch nicht gut genug für den Schrank waren.
Leise christliche Musik drang aus dem Nachbarzimmer. Entnervt setze er die Kopfhörer auf.
Er braucht Kontrast. Bald wurden seine Ohren mit der für ihn deutlich angenehmeren Musik von Electric Callboy beschallt.
Er lehnte sich zurück, blickte zurück auf den Innenhof. Die Katze war verschwunden.
Und dann er tat er etwas extrem dummes. Sein Handy hatte geklingelt.
Er schaute drauf, drückte die belanglose Nachricht aus der Klassengruppe weg und ging in seine archivierten Chats.
Und er sah ihren Namen. Er hatte schon seit Ewigkeiten diesen Namen nicht mehr auf seinem Display gesehen und erleichtert registrierte er,
dass es ihn nicht mit dieser unbändigen Freude erfüllt, die er früher gefühlt hatte.
Doch ein Restgefühl war da. Und er drückte auf den Namen der Person,
die ihm in seinem recht kurzen Leben schon recht viel Kopfschmerzen verursacht hatte.
Und er konnte es nicht fassen, dass es erst sechs Monate her war, dass er von ihr abserviert wurde.
Nun, es hatte ihm viel Inspiration gegeben für seine Essays, aber er fühlte den Schmerz nun wieder frisch im Oberleib,
als hätte dort jemand die Fäden aus einer schlecht vernarbten Stichwunde gezogen.
Doch das Gefühl war dumpfer als direkt nach der Ablehnung. „Logisch“, dachte er und fühlte sich bei dem Gedanken unfassbar dumm.
Er scrollte nach oben. Er wollte jetzt nicht an die Zeit der Tränen denken. „Sehr melodramatisch“, dachte er bei sich.
Nur um sich dann zu fragen, wann er angefangen hatte seine Gedanken zu kommentieren. Er kam jedoch nicht drauf.
Er überflog die Nachrichten, die er ihr geschrieben hatte. Damals hatte sich das alle richtig angefühlt.
Doch als er sie jetzt wieder las, sah er sie mit anderen Augen. Er klang in seinen Nachrichten weird, aufgesetzt und verzweifelt.
„Kein Wunder, dass sie mich nicht haben wollte. Ich muss ihr vorgekommen sein, wie ein absoluter Weirdo“
Warum musste er eigentlich ausgerechnet jetzt so viel an sie denken?
Ja, er hatte sie letztens erst wieder gesehen und wieder sozial mit ihr interagiert.
„Wow, wie krass! Und du bist sicher der Meinung, dass du über sie hinweg bist?“, spottete der hauseigene Moderator in seinem Kopf.
Er atmete schwer aus, als hätte sich ein schwerer LKW dazu entschieden auf seiner Brust zu parken.
Er schüttelte den Kopf. Das war eine ganz dumme Idee gewesen, sich die alten Chats nochmal anzuschauen.
Er sah, wie sich alle Fehler, die er gemacht hatte, langsam aus dem Nebel des Verdrängens herausschälten und Gedanken vergifteten,
sodass er sich nun fragte, warum er denn so dumm gewesen war, zu denken,
dass er überhaupt eine Chance bei ihr gehabt hätte, bei alldem, was er sich geleistet hatte.
Und nicht nur bei den Nachrichten, auch die Situationen standen nun glasklar vor ihm.
Die Situation auf dem Schulhof nach den Prüfungen, als er sie einladen wollte und sie sich sichtlich unwohl gefühlt hatte.
Oder als er immer wieder recht aufdringlich gefragt hatte, ob sie mit ihm an einem Projekt arbeiten möchte und er trotz ihrer Ablehnung seine Freunde verraten hatte,
um in ihrer Nähe zu sein. All diese Gedanken kamen nun hoch, wie dichter Schwefelrauch.
Er las weiter. Und dabei sah alles am Anfang so gut aus.
Sie war bereit mehr mit ihm zu unternehmen und sie hatten sich sogar getroffen, aber dann stellte er einmal seine Freunde über sie und ab da war dann alles schiefgelaufen.
Sie hätte mit ihm den Grundkurs gemacht, aber seine selbstsüchtige Freundin hatte USA gespielt, interveniert und ihn so lange bearbeitet,
bis er mit ihr den Grundkurs gemacht hatte. Für dieses einmalige Einknicken hatte er sich eine Zeit lang verabscheut.
Denn nicht nur war das mit ihr nichts geworden, inzwischen hasste er seine ehemals beste Freundin.
Zwar aus ganz vielen verschiedenen Gründen, aber trotzdem. Er seufzte abermals.
Was hätte alles sein können, wenn er in diesem einen vielleicht wichtigsten Moment nicht eingeknickt wäre.
Wenn er standhaft geblieben wäre und nicht nachgegeben hätte.
Vielleicht wäre er dann jetzt in einer hoffentlich glücklichen Beziehung und er wäre nicht mehr der einzige Single in seinem Freundeskreis.
Inzwischen war es dunkel geworden. Die Sonne hatte aufgegeben. Die Nacht legte sich wie ein riesiger Rabe auf die Welt, als wäre es das Ei.
Electric Callboy schrie ihm immer noch gutgelaunte Texte aus Dance-Metal-Songs ins Ohr.
Doch er nahm es kaum wahr.
Scheinbar gedankenverloren scrollte er durch den Chat.
Jemand, der den Bildschirm nicht sah, könnte zu dem Schluss kommen, dass es einfach nur ein Teenager am TikTok suchten war.
Doch das Gefühl in seiner Brust wurde immer dumpfer und er merkte zwar, dass es ihm nicht gut tat, doch er machte weiter.
Dachte über die vergangenen Möglichkeiten nach, über die Sprüche, die er früher in seinen Nachrichten immer total schlagfertig fand,
die jetzt jedoch überzogen und unsicher wirkten. Langsam lösten sich Tränen aus seinen Augen.
Langsam fanden sie ihren Weg über seine Wange und er bemerkte sie erst als sie begannen wie ein Nieseln der Trauer auf sein Handy zu tropfen.
Er erwachte wie aus einer Trance. „Genug“, beschloss er und legte das Handy weg. „Richtig, richtig. Reicht auch mal wieder mit dem Selbstmitleid.“,
meldete sich sein Moderator wieder zu Wort. Er sperrte die kalte Nachtluft aus und kuschelte sich in seine Decke.
Doch er schaffte es nicht mit dem Denken aufzuhören. Er begann zu überlegen.
Warum kommen mir all diese Gedanken ausgerechnet jetzt?
Ich bin doch über sie hinweg. Es war im Dezember, als wir telefoniert hatten.
Ich sollte wirklich nicht mehr an sie denken. Ich habe es doch bisher auch gut geschafft und konnte sie ignorieren, sie sogar vergessen.
Ich bin doch jetzt in der Kennlernphase mit jemand anderem, warum kommt es jetzt so plötzlich?
Ich habe mich so gefreut, dass wir mal wieder zwischenmenschlich interagiert haben,
ohne, das mein Herz anfängt zu rasen und ich brutal unsicher war.
Wieso habe ich jetzt das ganze Wochenende nur an sie gedacht?
Das ist doch scheiße.
Und mit diesen Gedanken schaffte er es endlich einzuschlafen.
Doch kurz davor dachte er noch:
Ist es das, was die Leute Melancholie nennen?