minimales

Etma

Foren-Redakteur
Teammitglied
Durch seinen Minimalismus sehr tiefsinnig.
Steht der Buchstabe "m" hier für Mann oder für den Namen der Person oder für "Mensch"?
Ist die Person auf der linken oder der rechten Seite des Spiegels?
Auf jeden Fall handelt es sich hier um einen Zerrspiegel.
Herrlich zufriedenstellend aber ich warte mit einer Bewertung noch weitere Werke ab.
:)
 
Danke dir :)

Nun ja, da ich Buchstaben ja nicht spiegeln kann, ist die Auswahl eh ein bischen beschränkt. Am besten gefielen mir das "i", das ich am ehesten mit "ich" assoziieren würde, oder eben das "m".
Da das ganze mit "i" aber einfach nicht gut aussieht, wurde es das "m".

Von welcher Seite geguckt wird, bleibt natürlich dem Leser überlassen, auch ob er wirklich den Menschen sieht, oder vielleicht abstrakter denkt. Oder es einfach als Sprachereignis betrachtet.

L.G
Patrick
 
1.
wir sind uns regal hier
bis in das wort
rinne geht unser skalpell
vor überfülle, lichtscheu, licht.

2.
formzwang. exhibitionismus
der ordnung, im park
fliegt ein baum auf, holz, steigend
merkmal: opposition.

3.
verammel die kopfkost.
in's goldne gelöck hier
begleitet kein wort mehr
apollo. sieh nur? still.

4.
verbrüderte mathematik.
blume. entglitt der welt
und rutscht auf augenwasser
in' herz ab. widerspruch:
tod.
 
.



An einem Ort, abseits der Wege, steht das Haus, das ich in meinen Träumen sehe. Ein kantiger, schwarzer Kasten, der Furcht einflößen kann. Durch die Fenster, vor den Gardinen, huschen die Schatten der Fichten, die das Haus umringen wie eine Mauer. Die große, schwere Türe hat einen Ring in der Mitte, den man greifen muss um zu läuten. Wer ihn in die Hände nimmt, ist von seinem Gewicht beeindruckt und wenn er ihn zaghaft an die Türe schlägt, so macht er doch einen gewaltigen Lärm. In der Regel dauert es dann einige Minuten, bis der Gast die schlürfenden Schritte, denn aus Neugierde lauscht er, im Hausflur nach draußen dringen hört. Eine plötzliche Unruhe überkommt ihn und am liebsten drehte er um und liefe mit eiligen Schritten davon. Aber der Besucher bleibt - immer - und wartet. Wenn er eine Weile den Schritten gelauscht hat, hört er das Klirren von dicken Ketten, mit denen die Tür von innen verriegelt ist. Spätestens jetzt wird ihm bange, es ist, als höre er einen Dämon, der aus einem langen Schlaf erwacht, sich regt und nach frischem Blute Ausschau hält. Jetzt hüpft der ängstliche Besucher unruhig von einem auf das andere Bein und macht sich bereit dem Leibhaftigen höchstpersönlich gegenüberzutreten. Aber der Leibhaftige bleibt aus und die Türe geschlossen - ebenfalls immer. Nach einer Weile atmet der Besucher auf und wird, da er noch einmal verschont wurde, neugierig. Er umrundet das Haus und stößt auf der Rückseite, die an einen großen, dunklen Wald grenzt, auf ein Fenster, welches nicht von Gardinen verhangen ist. Bald blickt er durch das Fenster in das dunkle Haus. In einen Raum, in dessen Mitte ein Tisch liegt, die Platte auf dem Boden und die Beine nach oben gestreckt. Um den Tisch werden Stühle in derselben Weise verkehrt herum liegen, - ein Schrank, ein veraltetes Fernsehgerät und allerlei Kleikram, alles verkehrt herum. Wie ein verendeter Fisch. Der Besucher gerät wohl ein wenig in Verwirrung und schaut genauer, bis er die Schemen wahrnimmt, die an der Decke und an den Wänden auf und ab fahren. Allesamt auf den Kopf gedreht. Entsetzt wird der Besucher sich wegdrehen, doch plötzlich sieht er den Garten und den Wald, die das Haus umgeben, Kopf stehen. Die Bäume schlagen ihre Wurzeln in die Luft und ragen mit ihren Wipfeln in den Boden. Der ganze Garten wird mit all seinen Blumen und dem allerlei an Gerät einmal verkehrt herum stehen und wachsen. Dann muss der Besucher sich an seine, inzwischen Fieberheiße, Stirn fassen und wird erneut durch das Fenster in den Raum starren, in dem nun alles, wie es sich gehört, auf den Beinen und nicht mehr auf dem Kopfe steht. Er wird ein lautes Knirschen hören und sich langsam in Bewegung setzen. Er umrundet das Haus, tritt durch die Türe, die sich hinter ihm schließt und ist verschwunden
 
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Meine Herren! Das ist wirklich grauenhaft, nein - grotesk!" Dr. Cook griff nach seinem Taschentuch und tupfte sich die Stirn ab. "So verhält sich doch kein Toter, das ist gegen die Physik und überhaupt ... - unanständig! Ein Toter hat dazuliegen und ... na ja ... gefälligst tot zu sein!" Der Assistent, der gerade angefangen hat den vermeintlich Toten mit einem spitzen Skalpell aufzuschneiden, bevor dieser ruckartig in die Höhe geschossen war, nickte verwirrt. "In der Tat, das ist ein geradezu ungehobeltes Verhalten, jetzt fangen auch die Toten an, die Regeln der Physik infrage zu stellen, als ob wir..." er schluckte und schwieg wieder. "Tot ist er jedenfalls," warf Dr. Cook ein. Er kramte in seiner Brusttasche und entnahm ihr ein Papier, das er entfaltete und laut vorlaß: Nikolaus Stelzer, offene Kopfwunde nach Sturz. An den Folgen der Verletzung verstorben." Er faltete das Papier wieder zusammen und sagte: "Eindeutige Sache. Der Mann ist tot, es steht hier ja schwarz auf weiß" Der Assistent warf nickend ein: "Jaja, das sieht man auch, so schrecklich würde ja kein Lebender herumrennen und hätten wir ihn nicht gewaschen, stänke er sicher fürchterlich!" Die Beiden standen eine Weile schweigend beieinander, bis sich Dr. Cook an seinen Assistenten wendete und leise flüsterte: "Der glotzt uns ja an wie Fisch! Meinst du, der kann reden?" "Weiß ich nicht", erwiderte der Assistent, "ich habe jedenfalls kein Interesse mich mit einem derart ungehobelten Gesellen zu unterhalten! Ich muss heut noch Feierabend machen, da kommt mir ein Toter, der mich anglotzt, ungelegen." "Hmmm", brummte Cook.

"Dann saß der dicke Clown", hob der Tote plötzlich zu reden an und sein Mund zitterte dabei, wie ein dünner Aal, der sich an Land geworfen hin und her wendet, "auf einem Buch voller Witze und sog den Geist des Buches in sich auf, hergott, Stunden saß er da, man hat ja gar keinen Begriff davon, wie beschäftigt so ein Clown ist, furchtbar ist das, wirklich schrecklich! Und mit jedem Satz wurde seine Nase runder und runder und ging ins Rote über. Ich weiß nicht mehr, warum ich plötzlich vor ihm stand, aber ich stand plötzlich vor ihm und er begann sich immerfort im Kreis zu drehen und dabei sang er, mit einer viel zu hohen Stimme:

Im klingel in
Du mussest jetzt
Da wieder hin
Wie vor zuletzt
sonst hol der Deibel dich
sons hol er mich"

"Hä" warf Dr Cook verwirrt ein.


"Im Klingel bing, im Klingel Sing, tara tara"

Er rückte sich die Brille auf der Nase zurecht und begann ernsthaft an seiner Gesundheit zu zweifeln. Der Assistent blickte ihn inzwischen mit fiebrig gewordenen Augen an. "Warum glotzt du so?" richtete der Dr. die Frage an ihn. "Nun ja, vielleicht ist das Gebrabbel mit dem Clown ja gar kein Gebrabbel! Vielleicht," und die Gesichtszüge des Assistenten spannten sich, " ist es ja eine Botschaft aus dem Jenseits? Vielleicht sogar an uns gerichtet, herr Doktor!!" Cook kratzte sich am Kopf.

"Klingel bim bam klingel bam"

"Na ja, warf er ein, nen bischen wirr ist das aber schon. Meine Güte, wer will denn aus so etwas schlau werden?"


Insgeheim aber dachte der Doktor: "Das ist ja fürchterlich, wenn der ... na ja ... Tote dort, wirklich eine Nachricht aus dem Jenseits hat, wie wirkt sich das denn auf das Geschäft aus? Ich mache mein Geld doch mit Toten, die Tot sind und nicht mit Toten, die vom Jenseits schwafeln! Und überhaupt, der Junge da hat ja ganz glänzende Augen, der wird die Geschichte sicher weiter erzählen! Erst seiner Frau und dann weiß es plötzlich die ganze Stadt! Wehe mir, wenn dieses Gespräch noch auf eine Pointe hinausläuft!"

"Ein Clown, ein Clown" murmelte der junge Assistent vor sich her, "das muss doch etwas bedeuten"

"Sie ähh ... sind gefeuert!" rief Cook plötzlich übermütig ein. "Was?" "Ja, sie sind gefeuert, verlassen sie unverzüglich die Räumlichkeiten, hier arbeiten Ärzte und Assistenten. Sie sind weder das Eine, noch das Andere. Ich bitte sie zu gehn!"

Der Assistent wurde nun von Cook unsanft vor die Türe geworfen, die er unwirsch hinter sich zuwarf. Sich selber lobend, für diesen wunderbaren Einfall, wendete er sich an den Toten: "was machen wir nun mit dir?"

Der Tote hatte sich inzwischen aufgesetzt und sah Cook mit klar gewordenen Augen an. Nach einer Weile des Schweigens, sagte er: "Nichts weiter, mein Herr, ich wollte ja nur erreichen, dass sie ihren Assistenten feuern ... sonst hätte der mich noch aufgeschnitten und ... nun ja ... um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich bin ja gar nicht tot!" Dr. Cook war entsetzt. "Donnerwetter! Jetzt wo sie es sagen, sie sind ja tatsächlich nicht Tot! So ein Ding aber auch!" "Ja, so ein Ding aber auch", murmelte der vermindlich Tote vor sich her und legte sich auf den Obduktionstisch, um eine Weile zu schlafen.
 
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Gesetze, Regeln und Normen, dürfen niemals auf dem Interesse einer einzelnen Person beruhen, selbst dann nicht, wenn sie auf dem Interesse einer einzelnen Person beruhen.
 
Der Klügere gibt nach, oder: man hat nur da recht, wo es bemerkt wird.

Wahrheiten haben lange Beine.

Er hatte sein Leben lang recht, - er stand nur auf der falschen Seite.

Es ist anstrengend, immer der Klügere zu sein. Wie gut, dass ich es meistens nicht bemerke ...

Heilige sind Menschen, die für ein Leben heiliggesprochen wurden, das sie nicht geführt haben.

Liebe ist der langweiligste Versuch, sich selber zu finden.

Wahrheiten sind neutral, Argumente - nicht ...
 
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wirena

Mitglied
Hallo Patrick Schuler

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m/M

dieser Minimalismus hat mich fasziniert. Fand ihn gefühlsmässig absolut stimmig. Hatte aber keine Erklärung dafür. Nun bin ich diesbezüglich weitergekommen:

Spielerisch: wenn das „m/M“ horizontal, nach oben aufgeklappt gespiegelt wird ergibt dies „w/W“

Mathematisch: M = My
Zitat Wikipedia: als Kurzzeichen des Präfixes „Mikro“ im SI-Einheitensystem (das Präfix bedeutet 10−6 bzw. ein Millionstel, zum Beispiel ist ein µW ein Millionstel Watt bzw. 10−6 W)

War absolut überrascht, dass hier wiederum, wie in meiner Spielerei, das „W“ sowie die für mich so geheimnisvolle Elektrizität, die u.a. mit dem Licht verbunden ist, auftaucht.

Bedeutung M:

Hebräisch-Griechisch-Deutsches Zahlen-Alphabet


Name Laut Zahlenwert Name

Mem M 40 My


Ich denke minimalistischer und zugleich offener geht es nicht :)

Lg wirena
 
Hi wirena

Krass! Also die Gedanken, hab ich mir beim schreiben jetzt nicht gemacht. :D

Aber cool, das es funktioniert.


Vielen Dank für den tollen Kommentar
Patrick
 

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