Missbrauchtes Vertrauen (Teil 1)

marcm200

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TRIGERWARNUNG: In dieser Geschichte wird ein ernstes Thema angesprochen. Nach dem Text dieses Teils steht eine entsprechende Erklärung.


Hinweis: Die Geschichte spielt in den 1960ern in Kanada und weist aufgrund von Charlottes Zeichengabe einen Mystery-Aspekt auf.
Der Text ist vollständig durch menschliche Kreativität entstanden. KI wurde nur als Recherchetool eingesetzt.
Ich habe mich entschlossen, nach Absätzen eine Leerreihe einzufügen, da der Text andernfalls zu gedrängt wirkte.



Charlottes Blick 12 - Missbrauchtes Vertrauen


Das Experimentierfieber hat Charlotte gepackt. Was stellt das blaue Oval nun genau dar? Objekte verschwinden nicht nur darin, sondern kommen auch wieder zurück. Aber die Arbeit an dieser Frage muss warten, als Charlotte einen neuen Auftrag annimmt. Doch nicht alle Beteiligten verfügen über den gleichen Wissensstand, und so wandelt sich, was als seltsames, aber harmloses Unterfangen beginnt, schnell in ein gefährliches Spiel, in dem Charlotte Skrupel hat, all ihre Fähigkeiten einzusetzen.



Ein langgezogenes Hupen dröhnte, dann folgte ein dumpfer Knall, als eine Stoßstange auf den Wagen des Vordermannes prallte. Autotüren wurden aufgestoßen, und die beiden Fahrer sprangen heraus. Wütend und wild gestikulierend redeten sie lautstark aufeinander ein.

Die Privatdetektivin Annabelle Rivers blickte sich nur kurz nach dem Auffahrunfall um, schritt dann aber zügig weiter das Trottoir hinunter, bis sie den breiten Glaseingang des Kaufhauses Winners erreichte. Rasch durchquerte sie die Luftschleuse in den klimatisierten Innenraum hinein. Das Kaufhaus war an diesem frühen Nachmittag im Sommer gut besucht. Unzählige Menschen wuselten umher oder standen an den Auslagen der Parfüm- und Schmuckabteilung, die sich direkt im Eingangsbereich befanden. Lautsprecherdurchsagen mit Werbebotschaften, die durch einen schrillen Gong angekündigt wurden, erklangen in kurzen Abständen zueinander.

Annabelle, die diese Filiale nie zuvor besucht hatte, orientierte sich kurz und schlug dann den Weg zu den Rolltreppen ein, wo die Informationstafeln standen. Rasch fand sie ihr Ziel, fuhr hinauf in den zweiten Stock und suchte die Abteilung für Damenoberbekleidung auf.

Hier herrschte weniger Betrieb, wenn auch einige Kundinnen vor diversen Drehständern und Kleiderbergen standen, und das ein oder andere Textil prüfend begutachteten. Zwei Verkäuferinnen waren mit Beratung beschäftigt, und ein paar Frauen schwatzten miteinander.

Annabelle steuerte einen Ständer mit langärmeligen Blusen an, drehte ihn ein Stück und griff nach einer blassblauen und einer tiefschwarzen Bluse. Dabei behielt sie, scheinbar ganz mit den angebotenen Kleidungsstücken beschäftigt, ihre Umgebung unauffällig im Blick. Als Nächstes trat sie an die Fächerwand und nahm noch einen grauen Pullover mit Rollkragen heraus. Nach einem Blick auf die Armbanduhr setzte sie ihren Einkaufsbummel noch ein wenig fort, fand jedoch nichts, das ihr Interesse weckte. Schließlich suchte sie die Umkleiden auf, die sich in der hinteren Ecke des Gebäudes, kurz vor der Tür zum Treppenhaus, befanden.

Annabelle betrat die zweite Kabine, zog den dunkelroten Vorhang ratschend hinter sich zu und legte die ausgewählten Kleidungsstücke auf den kleinen Hocker, der unter dem Spiegel stand. Sie machte keinerlei Anstalten, Blusen oder Pullover anprobieren zu wollen. Dann aber, nach einem erneuten Blick zur Armbanduhr, begann sie, leise einen bekannten Hit zu pfeifen, während ihre Sinne nach außen gerichtet waren.

Annabelle musste nicht lange auf ihre Verabredung warten.

Eine Minute später hörte die Privatdetektivin, wie jemand leise ihren Namen rief, woraufhin Annabelle als Erkennungszeichen einen anderen Schlager anstimmte und den Vorhang eine Handbreit öffnete. Sofort schob sich eine Frau Ende zwanzig mit kurzen, roten Haaren, die ein sehr weit geschnittenes, bodenlanges Kleid trug, in die Kabine und schloss den Vorhang wieder.

Die Frau war ein wenig außer Atem und wirkte angespannt. Sie reichte Annabelle bis zur Stirn und war sehr dünn, fast schon dürr. Ihre Wangenknochen traten stark hervor. „Danke, dass du gekommen bist“, sagte sie leise, während sie langsam entspannte.

„Hallo, Dorothy“, grüßte Annabelle ihre drei Jahre ältere Schwester. „Nach einem Jahr Funkstille hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass wir uns noch einmal sprechen würden, geschweige denn sehen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum du den Kontakt abgebrochen hast.“

Dorothy ging nicht weiter auf die Frage ein. „Später. Ich habe nicht viel Zeit. Es hat ...“ Sie verstummte, als draußen im Gang vor den Umkleidekabinen dumpfe Schritte erklangen. Dann wurde ein Vorhang am Ende des Korridors zur Seite gezogen. Dorothy wurde bleich, und ihr Atem ging hektisch. Sie brachte ihren Mund ganz nahe an Annabelles Ohr, woraufhin die Privatdetektivin etwas sagen wollte. Doch Dorothy legte ihr einen Finger auf die Lippen und sprach so leise weiter, dass Annabelle Mühe hatte, die Worte zu verstehen.

„Es hat lange gedauert, bis ich sicher sein konnte, dass mir niemand gefolgt ist.“ Sie zog in einer bedächtigen Bewegung, um nur ja kein weit hörbares Geräusch zu verursachen, den Reißverschluss der kleinen, schwarzen Umhängetasche auf. Sie nahm einen Briefumschlag heraus. „Bitte, Schwester, lies dir das hier durch, wenn ich weg bin. Ich brauche deine Hilfe. Wir treffen uns morgen um die gleiche Zeit wieder hier. Dann kann ich länger bleiben und erkläre alles.“ Flehend schaute sie Annabelle an, als sie ihr den Umschlag hinhielt.

Das Gesicht der Privatdetektivin zeigte Unverständnis, als sie den Briefumschlag an sich nahm. Dorothy verließ wortlos die Umkleidekabine, wieder angespannt bis in die Haarspitzen.

Das ganze Treffen hatte weniger als fünf Minuten gedauert.

Annabelle hatte am Vortag völlig überraschend nach langer Zeit einen Anruf ihrer Schwester erhalten, welche dieses ungewöhnliche Treffen vorgeschlagen hatte. Den Grund für die Heimlichtuerei hatte Dorothy nicht genannt.

Mit dem Fingernagel schlitzte Annabelle den dünnen Umschlag auf und zog den Inhalt heraus: ein zusammengefaltetes Blatt Papier sowie zwei Photos. Sie las die eng geschriebenen Zeilen, die unsauber wirkten, ganz so, als wären sie in großer Hast niedergeschrieben worden.

Mit jedem Wort wurde Annabelles Gesicht härter.

Nun verstand sie.

So ungewöhnlich das auch war, um das Dorothy sie bat, sie würde es tun. Das stand völlig außer Frage.

***

Charlotte saß mit überkreuzten Beinen auf dem Teppich in ihrem Arbeitszimmer und bereitete den nächsten Versuch vor. Neben ihr lagen unzählige Werkzeuge, Schnüre und Drähte. Vorsichtig schob sie die Kamera in eine selbstgebastelte Halterung, die aus biegsamen Metallstreifen bestand, und die auf einem langen Holzbrett befestigt war. Es surrte neben ihrem Kopf, und Charlotte wedelte unwillig mit einer Hand, um die Fliege zu vertreiben, die sie seit einigen Minuten immer wieder nervte. Es klackte, und schließlich saß der Photoapparat zwischen den Haltearmen. Charlotte rüttelte daran, doch das Gerät bewegte sich kaum.

Gut, dachte sie zufrieden, das wird halten.

Geschmeidig sprang sie auf und legte das Brett auf den Stuhl, der vor dem blauen, intransparenten Oval stand.

Vor anderthalb Stunden hatte Charlotte wieder einige zufällig ausgewählte Objekte im Arbeitszimmer gezeichnet. Der anfängliche Zweifel, ob sie wieder Erfolg haben würde, war rasch verflogen, als sich das Oval ausbildete und schließlich völlig undurchsichtig wurde. Auflösungserscheinungen waren noch keine zu sehen. Ein scharfer Rand begrenzte das Oval. Aber für den Fall der Fälle lagen Papier und Stifte bereit. Weitere Objekte, die gezeichnet werden konnten, standen auf dem Schreibtisch. Bis jetzt hatte sie jedes Motiv nur einmal verwendet, und bei diesem Vorgehen wollte sie vorerst auch bleiben.

Never change a winning team, ging ihr durch den Kopf.

Wieder scheuchte sie die Fliege weg. Dieses Mal knallte die Handfläche auf das nervtötende Insekt, das zur Seite geschleudert wurde. Charlotte beachtete es nicht weiter, sondern wandte sich wieder der Kamera zu, in die sie zuvor einen brandneuen TRC24-Film eingelegt hatte. Die mechanische Serienfunktion würde, einmal aktiviert, nach jeweils zehn Sekunden ein Bild schießen.

„Dann wollen wir mal“, murmelte Charlotte und wollte gerade beginnen, das Brett mit dem kameratragenden Ende voran in das Oval hineinzuschieben, als sie bemerkte, wie die Fliege in das Blau eintauchte und, so wie schon einige Objekte zuvor, spurlos darin verschwand.

Charlotte hielt die Luft an. Ungewollt hatte das Fluginsekt ein Experiment gestartet, das einige Plätze weiter unten auf Charlottes Planungsliste stand. Würde die Fliege auf der anderen Seite, wo immer diese auch lag, überleben und zurückkehren? Eine Fliege hatte Charlotte für ihr Lebend-Experiment nicht vorgesehen, denn frei fliegende Insekten besaßen nicht unbedingt die erwartbare Tendenz, zurückzukommen. Sie wollte es mit einer Maus versuchen.

Warten oder weitermachen?

Charlotte entschied sich für Letzteres und schob das Brett langsam vor, bis nur noch die Hälfte im Arbeitszimmer auf einem Stuhl lag. Sie legte die beiden schweren Hanteln auf das Ende des Bretts, um ein Kippen zu vermeiden.

Dann wartete sie. Es würde etwa fünf Minuten dauern, bis der Film mit seinen 32 Negativen voll belichtet war. Auf ein Schwenken des Bretts, um damit die Kameralinse in verschiedene Richtungen blicken zu lassen, verzichtete sie noch. Ihr Ablaufplan sah vor, alles in kleinen Schritten anzugehen.

Hoch konzentriert starrte sie auf das Oval. Ihre Augen fuhren den Rand ab. Sah sie schon erste Einkerbungen? Musste sie die Kamera vorzeitig zurückziehen, um sie nicht zu verlieren, falls das Oval zusammenbrach? Nein, noch war alles intensiv blau und der Rand eine durchgezogene, glatte Linie. Auch die Intransparenz blieb absolut. Nirgends schimmerte die Wand des Zimmers durch. Das Oval übte nach allem, was Charlotte bis hierhin über dessen Arbeitsweise wusste, weiter seine mysteriöse Funktion aus.

Endlich war die Zeit abgelaufen. Charlotte legte die Hanteln zur Seite und zog das Brett zurück. Obwohl es nicht ihr erster Rückholversuch war - hatte sie dasselbe doch schon mit dem Brett alleine und einem langen Seil, das sie in das Oval hineingeworfen hatte, durchgeführt -, beschleunigte sich ihr Herzschlag wieder vor Aufregung.

Die Kamera, die zurückkam, sah aber genauso aus wie diejenige, die sie Minuten zuvor in eine unbekannte Umgebung geschoben hatte. Nirgends konnte Charlotte etwas Ungewöhnliches erkennen. Keine Feuchtigkeit, die sich vielleicht darauf niedergeschlagen hatte, keine Verformung aufgrund großer Hitze. Auch die Halterungen lagen weiter fest an, wie Charlotte durch kurzes Ruckeln am Brett überprüfte. Sie hütete sich jedoch davor, den Apparat sofort anzufassen und den Film herauszuholen. Stattdessen griff sie nach dem Geigerzähler und richtete ihn auf die Kamera. Doch nur das seltene Knattern der normalen Hintergrundstrahlung drang aus dem Lautsprecher - und das bei höchster Empfindlichkeitsstufe. Das gleiche ungefährliche Ergebnis hatte sie bei den vorherigen Rückholobjekten erhalten. Dennoch war die Anspannung jedes Mal groß, vielleicht eine Strahlendosis zu messen, die sie an ihr Erlebnis in der militärischen Atomforschungseinrichtung zurückdenken lassen würde.

Charlotte umrundete langsam das Brett und kniete sich dann auf den Boden, um auch auf der Unterseite Messungen durchzuführen. Das Ergebnis blieb unbedenklich. Das Brett strahlte in seiner ganzen Länge nicht stärker als zuvor.

Als Nächstes nahm Charlotte das Quecksilberthermometer, das sie wie den Köder einer Angel an einen langen Stab gebunden hatte, und näherte es der Kamera an, bis es nur wenige Millimeter darüber schwebte. An verschiedenen Stellen hielt sie für eine halbe Minute still und schaute auf die Messskala. Die Kamera strahlte weder besonders viel Wärme ab, noch nahm sie welche aus der Umwelt auf. Die Quecksilbersäule blieb bei angenehmen 72 Grad Fahrenheit.

Auch die Messung eines elektrischen oder magnetischen Feldes ergab ein Nullergebnis.

Nichts an der Kamera deutete darauf hin, dass sie irgendwelchen ungewöhnlichen Bedingungen ausgesetzt gewesen war.

Charlotte zog Latexhandschuhe an, mischte ein wenig der beiden Komponenten eines überaus potenten Desinfektionsmittels, das auch im Katastrophenfall Verwendung fand, und das ein Bekannter aus dem College ihr besorgt hatte, und tränkte ein Stofftuch darin. Sorgfältig wischte sie die Oberfläche der Kamera ab. Brett und Halterung würden folgen.

Als sie wieder einmal aufblickte, um den Rand des Ovals zu überprüfen, geschah, womit sie schon gar nicht mehr gerechnet hatte.

Eine Fliege surrte plötzlich wieder ganz knapp über dem blauen Etwas.

War es dieselbe Fliege, die zuvor auf die andere Seite geflogen war? Charlotte wusste es nicht, aber zumindest hatte sie keine zweite Fliege im Arbeitszimmer bemerkt, zumal sowohl die Tür zum Gang als auch das Fenster geschlossen waren.

Ein verrückter Gedanke drängte sich in ihr Bewusstsein. War es vielleicht eine andere Fliege, die von der Seite jenseits des Ovals nun hier aufgetaucht war?

In wachsender Ungeduld setzte Charlotte ihre Desinfektionsroutine fort, bis sie nach zwanzig Minuten dem Protokoll Genüge getan hatte.

Sie beschloss, ihren Plan zu ändern. Die Frage nach Leben auf der anderen Seite war unerwartet akut geworden. So öffnete sie die Tür einen Spalt weit, sodass sie gerade hindurchschlüpfen konnte, und rannte zur Küche, aus der sie ein Einmachglas und einen kleinen Netzbeutel holte, der eigentlich für den Obstkauf diente. Doch für das, was sie vorhatte, war er bestens geeignet. Wieder zurück im Arbeitszimmer hielt sie Ausschau nach dem Insekt. Beim dritten Versuch hatte sie Erfolg, und konnte es an der Wand unter dem Glas festsetzen, stülpte den Netzbeutel über das Glas und schüttelte die Fliege hinein. Den Beutel klebte sie anstelle der Kamera auf das Brett und schob es in das Oval hinein.

Fünfzehn Minuten wartete sie, in denen sie zuerst die Wand desinfizierte, auf welcher sie die Fliege gefangen hatte, und danach ruhelos im Zimmer umherging.

Als sie das Brett zurückzog, sah sie sofort, dass die Fliege im Beutel herumkrabbelte, ein kurzes Stück flog, um dann über Kopf einen Moment zu verharren.

Eins war nun sicher: Auf der anderen Seite gab es atembare Luft.

Charlotte warf einen Blick zur Uhr. Es würde knapp werden, aber sie konnte es noch vor Ladenschluss schaffen, den Film abzugeben.

Schnell lief sie in den Flur, nahm die Autoschlüssel und fuhr zum Photogeschäft.

Ich sollte mal anregen, ein eigenes Entwicklungslabor hier im Appartmentkomplex anzulegen, so oft wie ich Filme abgebe, schmunzelte sie gut gelaunt in Gedanken.

Auf eine Expressentwicklung verzichtete sie, sodass die Abzüge erst am übernächsten Tag fertig sein würden. Auch wenn sie ihre Neugier bis dahin bezähmen musste, kam es ihr doch zupass, denn zuhause wollte sie sich noch ein paar Stunden Ruhe gönnen, bevor ein nächtlicher Auftrag auf sie wartete.

***

In der ruhigen Wohnstraße, die in einem gehobenen Viertel Vancouvers lag, erhellten die Straßenlaternen die Nacht. Charlotte parkte den schwarzen Van mit der Aufschrift einer Gärtnerei unter einem Baum mit überhängenden Ästen im Halbdunkel zwischen zwei der Lichtpeitschen.

Jedes der einzeln stehenden Häuser besaß einen umlaufenden Garten, welcher die Nachbarn auf Abstand hielt. Jetzt, um kurz nach 1 a.m. in der Nacht, war die Gegend verwaist und die Häuser unbeleuchtet. Weiter die Straße hinunter parkten zwei Autos am Bordstein, und in der Ferne kläffte ein Hund. Wolken zogen träge über den Himmel und verdeckten den Mond die meiste Zeit.

Charlotte rollte die Skimaske vor das Gesicht, sodass nur die Augen freiblieben, stieg aus, schloss leise die Vantür und lief über die Fahrbahn hinüber zur Gartenbegrenzung auf der Rückseite eines L-förmigen Hauses. Sie tastete sich an der rund zwei Yards aufragenden Thujahecke entlang und fand schnell eine Stelle mit deutlich weniger dichtem Bewuchs. Mit der scharfen Gartenzange knipste sie ein paar Äste ab und zwängte sich durch den lichten Bereich. Es knackte, als sie auf trockenes Holz trat, aber das würde niemandem verdächtig erscheinen. Falls es überhaupt jemand hörte, würde man es für das Spiel des Windes mit den Ästen der Bäume halten, ein Geräusch, das in dieser Nacht ohnehin häufig zu hören war.

Über den Rasen neben dem mit Kies bestreuten Weg huschte sie geräuschlos zur Terrasse und folgte dann der Seitenwand des Gebäudes, bis sie die Außentreppe zum Keller erreichte. Nur wenig Streulicht der Straßenlaternen drang bis hierhin, sodass Charlotte sich vorsichtig und tastend bewegte. Leise stieg sie die Stufen hinab. Erst hier, in der fast völligen Dunkelheit, schaltete sie die auf schwache Leistung gestellte Taschenlampe ein. Sie ging in die Hocke, nahm die Lampe zwischen die Zähne und richtete den fingerdicken Strahl auf das Türschloss, an welchem sie mit dem Einbrecherwerkzeug zu hantieren begann. Eine halbe Minute, dann hatte sie den Druckpunkt erspürt und schob den Schnapper zurück.

Die Tür glitt auf, und Charlotte schlüpfte hinein in den Keller. Sie ließ den Strahl der Taschenlampe durch den Raum gleiten. Ein paar Regale mit eingemachtem Obst, mehrere Reihen Konservendosen sowie ein Sack Kartoffeln, der in einer Ecke lag, zeigten ihr, dass sie sich wie erwartet in einem Vorratskeller befand. Leise ging sie weiter bis zur anderen Tür, drehte vorsichtig den Knauf und stand Sekunden später in dem kühlen Kellergang. Die drei abzweigenden Türen, die, wie sie wusste, zu anderen Lagerräumen und der Werkstatt des Hausherrn, Trevor Pembroke, führten, beachtete sie nicht, sondern stieg am Ende des Korridors die Treppe hinauf ins Erdgeschoss. Kurz verhielt sie vor der Holztür, um zu lauschen. Doch von der anderen Seite kam kein Laut, und so drehte sie wieder den Knauf. Aber es war abgeschlossen. Für einen Moment zögerte Charlotte, zog dann das Dietrichset aus der Tasche und machte sich auch an diesem Schloss zu schaffen. Sie benötigte auch hier weniger als eine Minute, dann hatte sie den Schließmechanismus überlistet. Ganz langsam öffnete sie die Tür, verharrte einmal, als die Angeln leicht quietschten, und ging noch vorsichtiger zu Werke.

Schließlich stand sie in der Eingangshalle. Durch zwei Fenster fiel ein wenig Licht der Straßenbeleuchtung. Charlotte rief sich den Grundriss des Hauses ins Gedächtnis und folgte dem Gang nach links, der in den kleineren Teil des Gebäude-L's führte.

Am Ende des Korridors blieb sie vor der Tür nach rechts stehen, tat zwei tiefe Atemzüge und hielt dann die Luft an. Sie zog ein Stofftuch aus der Tasche und kippte nicht eben wenig einer durchsichtigen Flüssigkeit aus einer dunklen Flasche darauf. Dann öffnete sie die Tür, schlich in das Zimmer und wandte sich sofort nach links.

Der Raum diente als Schlafzimmer. Vor der breiten Fensterfront gegenüber der Tür hingen schwere Vorhänge, die kaum Licht durchließen. Der Boden war mit dicken, flauschigen Teppichen ausgelegt. An einer Wand stand ein breiter Kleiderschrank mit Spiegelfront.

All das erfassten Charlottes Augen, längst an die Dunkelheit gewöhnt, im Bruchteil einer Sekunde. Wichtiger aber war der Körper eines Menschen, der unter einer Decke in dem breiten Doppelbett lag und sich in diesem Augenblick bewegte.

Charlotte schätzte die Entfernung ab, prägte sich Lage und Orientierung des Kopfes der Person ein und machte zwei große Schritte. Ihre Hand mit dem Tuch schnellte vor, traf den Kopf, tastete an der Wange entlang und lag einen Wimpernschlag später fest über Mund und Nase. Die Person im Bett gab ein undefinierbares Geräusch von sich, das wohl ein Schrei sein sollte, riss die Arme unter der Decke hervor und begann, um sich zu schlagen.

Charlotte zögerte einen Moment, drückte dann aber die Hand mit dem Tuch noch fester auf die Nase ihres Opfers. Die herumwirbelnden Arme stellten für sie keine größere Gefahr dar, denn seitlich, wie die Gestalt im Bett lag, mit dem Rücken zur Angreiferin, konnten diese kaum Kraft ausüben. Charlotte kniete sich auf das Becken ihres Opfers und drückte mit der freien Hand auf den Hinterkopf der Gestalt, um das Gesicht noch tiefer in das Äthertuch zu schieben.

Nun musste auch Charlotte Luft holen. Sie drehte den Kopf zur Seite, lehnte sich nach hinten und atmete flach. Den süßlichen Geruch von Äther nahm sie nicht wahr.

Es dauerte etwa drei Minuten, dann erlahmten die Abwehrbewegungen der Gestalt im Bett und hörten schließlich ganz auf.

Merde!, fluchte Charlotte in Gedanken. Das war schwieriger als erwartet.

Sie schaltete die Taschenlampe ein, legte sie auf das Nachttischchen, kletterte vom Bett und zog die bewusstlose Gestalt zu Boden. Als ihr Blick auf das Kopfkissen fiel, richtete sie für einen Moment den Strahl der Lampe auf diese Stelle. Es leuchtete dunkelrot. Aussehen und Farbe ließen nur einen Schluss zu: Es handelte sich um Blut. Aber kein frisches, denn die Flecken waren bereits getrocknet.

Charlotte öffnete dennoch die Ätherflasche und kippte eine größere Menge auf das Kopfkissen. Das Betäubungstuch warf sie unter das Bett.

Dann schleifte sie das Opfer durch den Korridor bis zur Terrassentür auf der Rückseite des Hauses. Sie legte die Gestalt auf dem Rasen ab, lief zurück ins Haus und verschloss die Terrassentür von innen, bevor sie ins Untergeschoss hinabstieg und das Haus durch die Kellertür verließ, die von außen nur mit Schlüssel oder Dietrich zu öffnen war. Nachdem sie um das Haus geschlichen und im hinteren Garten angelangt war, griff sie das bewusstlose Opfer unter Achseln und Kniekehlen und trug es gebückt ein Stück über den Rasen.

Es war mühsam, und Charlotte musste mehrmals unterbrechen. Weiter als zwei Yards am Stück kam sie nie, und so dauerte es einige Minuten, bis sie an der Hecke, durch die sie das Grundstück betreten hatte, angekommen war.

Rückwärts schob sie sich durch die Pflanzen und zog das Opfer mit sich. Immer wieder knackte und raschelte es laut. Charlotte senkte das Tempo, machte gelegentlich eine kurze Pause und hatte schließlich die Straße erreicht. Sie öffnete die Hecktür des Vans, schob die Gestalt, die nur ein Nachthemd trug, hinein, schloss die Tür und schlüpfte noch einmal zurück in den Garten, wo sie in der Nähe der Hecke nach Spuren suchte, welche das Hindurchziehen des Opfers vielleicht verursacht hatte. Sie richtete ein paar heruntergedrückte Grasbüschel wieder auf und schob ein wenig Erde und getrocknete Äste am Fuß der Thujapflanzen zusammen. Nach einem letzten prüfenden Blick ging sie zurück zum Van und schaute immer wieder zu dem einzigen Haus, von dem aus man sie bei ihrem nächtlichen Tun theoretisch beobachten konnte. Es war rund zwanzig Yards entfernt, und glücklicherweise waren weiter alle Fenster dunkel.

Dann fuhr Charlotte los und bog sofort zweimal ab, um aus der direkten Sichtlinie des Pembroke-Anwesens zu verschwinden. Im Rückspiegel konnte sie keine Verfolger erkennen, und so entspannte sich die Privatdetektivin ein wenig. Aufseufzend zog sie die Maske über den Kopf und warf sie auf den Beifahrersitz. Mit einer Hand schob sie sich die schweißnassen Haare aus der Stirn und atmete erst einmal tief durch.

Nach rund drei Kilometern erreichte sie das dem Pembroke-Grundstück am nächsten gelegene Parkhaus, das zwar kostenpflichtig war, aber auch in der Nacht geöffnet hatte. Bevor sie einfuhr, setzte sie die blonde Langhaarperücke und eine dickrandige Brille auf, was ihr Gesicht völlig veränderte. Sie bog in die Auffahrt und nahm den Parkschein von dem Mann entgegen, der nicht einmal den Blick von einem flimmernden Fernseher löste. Charlotte fuhr in den zweiten Stock, wo fast alle Parkbuchten unbelegt waren, stoppte den Van in der Südostecke, stieg aus und zog die aufgeklebbte Aufschrift der Gärtnerei von den Seitenwänden des Vans ab. Auch die aufgesteckten, falschen Nummernschilder nahm sie ab und holte die Maske vom Beifahrersitz.

Die erste Spur, falls jemand sie beobachtet hatte, war nun verwischt.

Charlotte lief die Schräge hinauf in die dritte Etage und stieg in den grauen Kleinwagen, den sie am Abend bereits hier abgestellt hatte. Diesen fuhr sie hinunter, hielt neben dem Van und ließ das Standlicht brennen. Das immer noch bewusstlose Opfer wurde in den Kofferraum gelegt. Charlotte zog die schwarze Jacke sowie die dunkle Hose aus, nahm Perücke und Brille ab und schlüpfte in ein leichtes Sommerkleid. Mit der Gestalt, die gerade aus dem Hause der Pembrokes verschwunden war, hatte sie nun nichts mehr gemeinsam, ebensowenig mit der Frau, die Minuten zuvor in das Parkhaus gefahren war. Die Kleider, Perücke, Nummernschilder und Schriftzüge schob sie unter den Beifahrersitz des Kleinwagens und öffnete den Deckel des Picknickkorbes, der auf der Sitzfläche stand. Zum Vorschein kam der angebissene Rest eines Baguettes und eine halbleere Weinflasche. Anschließend fuhr sie sich die Lippen mit dem intensiv roten Lippenstift nach, verschmierte diesen aber absichtlich ein wenig.

Mit dem Kleinwagen fuhr sie hinunter zum Ausgang und reichte dem mürrischen Nachtwächter den Parkschein vom Abend. Der Mann streifte sie nur mit einem flüchtigen Blick, sah den Picknickkorb und die Lippenstiftspuren auf Charlottes Gesicht und glaubte zu verstehen. Es gab Parks in der Nähe, außerdem Stundenhotels. Irgendwo hatte diese junge Frau wohl ein Stelldichein gehabt.

„Es ist etwas später geworden als geplant“, flötete Charlotte, schenkte dem Mann ein breites Lächeln und bestätigte damit seine Gedanken. Sie zahlte die Parkdauer von fünfeinhalb Stunden, wünschte eine gute Nacht und fuhr davon, ihrem eigentlichen Ziel entgegen.

Ablenkung und falsche Spuren hatten sich noch immer bewährt.

***

Der Morgen graute bereits, als Trevor Pembroke die Tür zu seinem Haus aufschloss. Er war müde, denn die Feier mit den Arbeitskollegen aus dem Maklerbüro hatte länger gedauert als geplant, und die sich daran anschließende einstündige Autofahrt, die er trotz seines Alkoholkonsums in Angriff genommen hatte, hatte ihn zusätzlich geschlaucht.

Er hängte den Trenchcoat an den Garderobenhaken neben den Mantel seiner Frau, warf die Schlüssel auf die Kommode und rief laut: „Schatz! Ich bin wieder zurück.“

In der Küche goss er sich ein Glas Leitungswasser ein und stürzte es in einem Zug herunter. Wieder rief er nach seiner Frau, doch es erfolgte keine Reaktion.

Pembroke schlurfte den Korridor zum ehelichen Schlafzimmer hinunter, dessen Tür offen stand. Der Hausherr rief erneut, und dieses Mal klang seine Stimme leicht gereizt: „Wo bist du?“

Als er den Raum betrat, schaltete er das Licht ein. Sein Blick fiel sofort auf das leere Bett und das zerwühlte Laken. Die rostroten Flecken sprangen ihm förmlich ins Auge. Leichter Ärger stieg in ihm auf. Er hasste Unsauberkeit.

Anschließend lief er durch das Haus, öffnete jede Tür und schaute sogar im Keller nach. Doch er konnte seine Ehefrau nirgends finden. Auch lag keine Nachricht auf dem Küchentisch - auch nicht darunter -, wie es sonst der Fall war, wenn Mrs Pembroke das Haus einmal ohne ihn verließ.

Sein Ärger verwandelte sich in Wut. Er hatte sich auf einen herzlichen Empfang und ein gutes Essen gefreut, so, wie es Usus war, wenn er nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kam.

„Verdammt! Wo steckt sie bloß?“

Aus dem Barschrank im Wohnzimmer nahm er die Cognacflasche und goss sich einen großzügigen Drink ein, den er gedankenverloren herunterkippte. Ein zweiter folgte wenig später.

Er begab sich zurück ins Schlafzimmer. Sein Blick huschte über die breite Regalfront, in der hunderte Bücher, fein säuberlich nach Farbe und Größe sortiert, standen. Auf dem Schreibtisch lagen weitere Bücher aufgeschichtet zu einer Pyramide. Bis auf das zerknüllte Bettlaken und die Blutflecke herrschte peinliche Ordnung. Pembroke ließ seinen Finger über die Frisierkommode gleiten. Kein Stäubchen blieb daran hängen. Er war zufrieden, was den Ärger über die unangekündigte Abwesenheit seiner Frau aber nur wenig dämpfte.

Plötzlich nahm er einen ungewöhnlichen Geruch wahr. Nur ganz schwach, ein wenig süßlich. Dieser Geruch wurde intensiver, als er sich dem Bett näherte. Pembroke glaubte zuerst, dass es das Blut sei, das so roch, doch dann erkannte er, dass der obere Teil des Kopfkissens die Quelle war. Dieser Geruch kam ihm vage bekannt vor, doch es war mit Sicherheit keins der Parfüms, die er seiner Frau geschenkt hatte. Er trat einen Schritt zurück, und da sah er den grauen Lappen unter dem Bett. Er bückte sich und hob ihn auf. Sofort wurde der Geruch stärker.

Wieder überlegte er angestrengt, und dann fiel es ihm ein. Dieser Duft erinnerte ihn an Krankenhäuser, an seine Operation an der Wirbelsäule im letzten Jahr kurz vor der Hochzeit.

Es war Äther.

In Pembrokes Verstand keimte ein Verdacht auf. Zusammen mit Blut auf dem Bettlaken und dem Lappen gab es eigentlich nur einen Schluss zu ziehen.

Jemand hatte seine Frau entführt.



Für einen Augenblick erstarrte Pembroke zur Salzsäule. Sein Ärger verflog und machte Bestürzung Platz. In seiner Verwirrung fragte er sich, warum man seine Frau gekidnappt haben mochte, doch die Antwort lag klar auf der Hand - Geld. Kurz vor der Hochzeit hatte eine entfernte Tante seiner Frau eine größere Summe vermacht.

Das schrille Läuten der Türglocke riss ihn aus seinen Gedanken. Er zuckte zusammen, ging zum Eingang und öffnete. Ihm gegenüber standen zwei unifomierte Polizisten.

„Good morning“, grüßte der ältere der beiden. „Sind Sie Mr Trevor Pembroke?“

„Das ist korrekt. Wie kann ich helfen, Officer?“

„Entschuldigen Sie die Störung zu dieser frühen Stunde. Ich bin Corporal Walters, und dies ist“, er deutete auf seinen Kollegen, der dem Alter nach die Polizeischule erst kürzlich verlassen haben konnte, „Constable Wilburt. Uns liegt eine Meldung vor, dass in der Nacht eine Person in heimlicher Weise Ihr Grundstück betreten haben soll.“

Pembroke bemühte sich um eine unbeteiligte Miene, doch für einen Moment zuckten seine Mundwinkel. „Mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Darf ich fragen, wer Sie alarmiert hat?“

„Ihre Nachbarin, Mrs Collins, hat uns gegen 1:30 a.m. verständigt. Sie sah eine Bewegung im hinteren Teil des Gartens. Wir fuhren sofort hierher, konnten im Dunkeln aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Es hat niemand geöffnet, als wir das erste Mal klingelten.“

„Oh ja, ich bin gerade erst von einem geschäftlichen Termin zurückgekommen“, erwiderte Trevor Pembroke.

„Dürften wir uns im Haus einmal umschauen?“, fragte Walters.

„Ist das wirklich nötig? Ich bin müde und möchte mich hinlegen.“

„Vielleicht hat Ihre Frau etwas bemerkt?“, warf nun Wilburt ein.

„Meine Frau schläft sehr fest. Ich bin sicher, dass sie Ihnen nicht weiterhelfen kann“, gab Pembroke zurück. Auf seiner Stirn glänzten Schweißtropfen. Das Gespräch nahm einen Verlauf, der ihm gar nicht behagte.

„Dürfen wir also?“, wiederholte Walters und machte einen halben Schritt auf die Tür zu.

Pembroke wich zurück. Den Polizisten den Eintritt zu verwehren, hätte diese nur misstrauisch gemacht, falls sie es nicht ohnehin schon waren. „Warten Sie, ich schaue nach, ob meine Frau überhaupt im Haus ist. Sie wollte eventuell eine Freundin besuchen.“

Hastig drehte er sich um und lief mit großen Schritten den Korridor hinunter zum Schlafzimmer. Rasch zog er die Decke über die Blutflecken und strich das Kopfkissen glatt, sodass es aussah, als sei das Bett unbenutzt.

Nur Sekunden später standen die beiden Uniformierten im Raum und blickten sich um.

„Meine Frau ist wohl wirklich zu ihrer Freundin gefahren.“

Wilburt bückte sich und hob den Lappen auf, den Pembroke, als es klingelte, in Richtung Bett geworfen, es aber verfehlt hatte.

Der Hausherr lächelte gezwungen. „Ich habe Gemälde gesäubert. Das geht am besten mit einem Gemisch aus Terpentin und Äther“, versuchte er Lappen und Geruch zu erklären.

Wilburt gab ihm das Tuch, doch den Polizisten war anzusehen, dass sie mit diesen Antworten nicht ganz zufrieden waren. „Bitte kontaktieren Sie Ihre Frau. Sie soll uns umgehend auf dem Revier anrufen.“

Pembroke nickte. Eine weitere Ausrede, vielleicht, dass es dort, wo Dorothy sich aufhielt, kein Telefon gab, vermied er, um sich nicht noch verdächtiger zu machen. Zuerst galt es nun, Zeit zu gewinnen, bis sich die Entführer meldeten. Denn dass diese darauf bestanden, die Behörden aus dem Spiel zu lassen, bedurfte keiner besonderen Voraussicht.

„Gewiss, Officer“, versprach Trevor daher nur.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Haus und den Garten, wo die Polizisten besonders den Boden absuchten, aber nichts fanden, begutachteten sie noch die Fenster und Türen. Die leichten Einbruchsspuren, welche Charlottes Dietrich an der Kellertür hinterlassen hatte, konnten sie ohne spezielles Equipment - Vergrößerungsglas und eine starke Lampe, um kleinste Reflexionsunterschiede festzustellen - nicht ausmachen.

Die Officer verließen daraufhin das Grundstück und fuhren davon.

Trevor Pembroke wollte gerade die Tür schließen, als das Auto eines Zustelldienstes vor dem Gartentor hielt. Ein junger Mann in blau-gelber Uniform sprang heraus und lief auf das Grundstück.

„Eilzustellung für Mr und Mrs Trevor Pembroke“, sagte der Kurier und hielt Pembroke ein kleines Päckchen und ein Klemmbrett hin, auf dem der Hausherr den Empfang der Sendung quittierte.

Trevor warf die Haustür zu und ging sofort in sein Arbeitszimmer, wo er hastig den Umschlag mit dem Brieföffner aufschlitzte. In der Sendung lag nur eine Filmrolle. Pembroke öffnete den Schrank über dem wuchtigen Schreibtisch und nahm den Filmprojektor heraus, spannte das Band ein und ließ es anlaufen.

Bereits die ersten Worte bestätigten seine Vermutung.

„Trevor, Schatz, bitte erschrick nicht. Man hat ...“

***

Zwei Stunden zuvor

Charlotte ächzte, als sie die schwere Kiste aus dem Kellerraum auf den Korridor zog. Eine Werkbank, ein Metallkoffer und die Einzelteile eines Regals lagen dort schon ungeordnet herum. Noch einmal ging sie zurück in den endlich leeren Raum, der völlig trostlos wirkte. Staub, in dem die Spuren der Räumarbeiten zu sehen waren, bedeckte den kahlen, grauen Betonboden. Die Wände waren rau und unverputzt, das winzige Fenster knapp unterhalb der Decke von Dreck verschmiert, sodass kaum Sonnenlicht durchdringen würde. Aber noch war ohnehin tiefste Nacht. Aus der Küche im Erdgeschoss holte Charlotte einen Stuhl und trug ihn in den Kellerraum. Dann folgten Stativ und eine Filmkamera, die sich unter Amateurfilmern großer Beliebtheit erfreute.

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen.

Charlotte stieg wieder die Treppe hinauf und begab sich in die Küche.



Dorothy Pembroke schlug langsam die Augen auf. Mühsam kehrte ihr Bewusstsein in die Wirklichkeit zurück. Sie lag, nur mit einem langen Nachthemd bekleidet, unter einer dicken Decke auf der Couch im Wohnzimmer des Hauses, in das Charlotte sie gebracht hatte. Dorothy richtete sich auf, rieb sich die Augen und orientierte sich. Dumpfe Kopfschmerzen bohrten in ihrem Schädel.

Die Tür stand offen, und von außen hörte sie die Stimmen zweier Frauen, die sich unterhielten. Dorothy drückte sich vom Sofa hoch, verlor jedoch das Gleichgewicht und musste sich an der Rückenlehne abstützen. Mit zu Beginn noch wackeligen Schritten, die aber zunehmend fester wurden, verließ sie das Zimmer, durchquerte die Eingangshalle und folgte den Stimmen in die Küche, die sich direkt neben der Haustür befand.

„Dorothy!“, rief Annabelle Rivers und sprang auf. Sie legte den gesunden, linken Arm um ihre Schwester, stützte sie und führte sie zu einem Stuhl. In ihrer Miene stritten zwei gut sichtbare Empfindungen - Erleichterung und Verwirrung. „Ich verstehe wirklich nicht, warum diese Tortur mit dem Äther sein musste. Es wäre auch ohne gegangen.“

Dorothy räusperte sich, trank einen Schluck Wasser aus dem Glas, das Charlotte ihr zuschob, und antwortete mit leicht kratziger Stimme: „Es muss nicht nur echt aussehen, es muss echt sein. Eine reale Entführung mit so wenig Vortäuschen wie möglich.“

„Daher also dein Widerstand, als ich dich im Bett überwältigen wollte“, gab Charlotte von sich. In ihrer Stimme schwang leichter Ärger über diese nicht verabredete Planänderung. „Also, nehmen wir das Abschiedsvideo auf, dann lasse ich es überbringen, und du kannst untertauchen.“

Annabelle und ihre Schwester wechselten einen Blick, der Charlotte nicht entging. Ihr Instinkt schlug an.

„Danke noch mal, dass du für mich eingesprungen bist“, sagte Annabelle zu Charlotte. Den Auftrag, Dorothy zu ‚entführen‘ hatte eigentlich sie auf Bitten ihrer Schwester durchführen sollen. Doch der Bruch des rechten Arms während eines anderen Einsatzes hatte dem einen Riegel vorgeschoben. Charlotte hatte daraufhin nach einem Treffen mit Dorothy, um sich von der Freiwilligkeit der Entführung zu überzeugen, den Auftrag übernommen.

Doch irgendetwas schien hier nicht so zu sein, wie man es ihr gesagt hatte.

„Ihr verschweigt mir etwas“, stellte sie kühl fest. „Ich will wissen, was ihr vorhabt, sonst bin ich raus. Den Ehemann auf eine Art verlassen, dass es für ein paar Stunden aussieht wie eine Entführung, damit du einen Vorsprung erhältst, damit bin ich einverstanden. Aber das ist wohl nicht alles.“

Auffordernd blickte sie die Rivers-Schwestern an.

Wieder warfen sich die beiden einen Blick zu, dann räusperte sich Annabelle. „Du hast recht, Charlotte. Dorothy will nicht nur Trevor verlassen. Sie will auch ihr Geld zurück.“

„Was für Geld?“, fragte Charlotte, der dämmerte, wohin dieses Gespräch führen würde.

„Ich habe Trevor mein Erbe überschrieben. Es geschah ... nicht ganz freiwillig. Das will ich zurück.“

„Also kein Abschiedsvideo mit Erklärung, sondern eine Erpressung.“ Charlotte lehnte sich im Küchenstuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Auf diese Entwicklung war sie nicht vorbereitet.

Annabelle beugte sich vor. „Du hast die Photos gesehen. Glaubst du nicht, dass Dorothy dieses Geld zusteht? Sie will nicht mehr, als ihr ohnehin gehört. Es wäre noch nicht einmal eine Entschädigung.“

„Das Geld kann man einklagen“, unterbrach Charlotte.

Annabelle schnaubte empört. „Bei der geltenden Rechtslage? Das geht nie durch. Nein, Charlotte, es gibt nur diesen Weg. Und da muss ich dich noch einmal um Hilfe bitten.“ Sie klopfte auf ihren Gips. „Ich kann die Geldübergabe nicht durchführen. Ich bitte dich inständig, hilf mir auch dabei.“

„Du hast mich hintergangen. Und jetzt ...“

Bevor Charlotte ihren Satz beenden konnte, ertönte ein kurzes Piepsen aus ihrer Jacke.

„Was ist das?“, fragte Dorothy alarmiert. Ihre Stimme klang schrill, und ihre Körperhaltung drückte Anspannung aus. Die Frau erschien Charlotte wie ein gehetztes Tier.

Charlotte zog aus der Innentasche ihrer Jacke ein Sprechfunkgerät hervor. Wieder piepste es rhythmisch. Sie schaltete das Gerät auf Sprechen. „Delivery 2 an Delivery 1. Was gibt es?“

Es knackte aus dem Lautsprecher, dann erscholl eine dumpfe, verzerrte Stimme. „Hier Delivery 1. Zielperson vor Kurzem bei Objekt eingetroffen. Gerade hält ein Streifenwagen hier. Warte ... Zwei Cops klingeln ... Sie reden mit Zielperson ... Jetzt betreten sie das Haus.“

Während des Gesprächs war Dorothy aufgestanden und zu ihrer Schwester getreten, zu der sie sich herunterbeugte.

Charlotte drückte den Sprechknopf. „Danke. Bleib vor Ort. Meldung, wenn etwas Auffälliges geschieht.“

„Verstanden“, kam es zurück, dann piepste es wieder, was das Ende der Verbindung anzeigte.

Charlotte stellte das Sprechfunkgerät auf reinen Empfang. Als sie aufblickte, erschrak sie. Dorothy zielte mit einem Revolver auf sie. Die Privatdetektivin warf Annabelle einen fragenden Blick zu, auf den die Kollegin nur mit dem Zucken der Schultern reagierte, was wohl soviel heißen sollte wie ‚Sie hat mich überrumpelt‘.

„Du hast mich verraten“, kreischte Dorothy. „Er weiß, wo ich bin.“ Ihre Stimme wurde immer höher.

„Unsinn“, sagte Annabelle und bemühte sich um einen ruhigen, sanften Tonfall. „Charlotte steht auf unserer Seite und wird uns erklären, was das gerade war.“

„Ich habe einen Kollegen vor Pembrokes Haus postiert, damit wir erfahren, was er tut. Deine Aussage, er wird die Polizei nicht verständigen, weil er dich liebt, war mir zu wenig als Versicherung. Jetzt, da die Cops involviert sind, hat sich die Situation geändert. Du musst verschwinden, sofort, ohne Geld, und bei der Polizei anrufen, um alles aufzuklären. Soweit mache ich mit. Weiter aber nicht. Und jetzt nimm die Waffe runter!“

Charlotte schob den Stuhl zurück. Es quietschte, als dessen Beine über den Fliesenboden schabten.

Dorothy schien sie nicht gehört zu haben. Ihre Augen, in weite Fernen gerichtet, kehrten erst jetzt zurück. Panik stand in ihnen. Sie fuchtelte mit der Waffe, und Charlotte blieb sitzen.

Plötzlich straffte sich Dorothy, und ein Lächeln glitt über ihr bleiches Gesicht. „Oh doch, du wirst mehr tun. Und zwar alles, sonst ...“ Sie drehte sich blitzschnell um und drückte ihrer Schwester die Revolvermündung an die Schläfe. „... sonst blase ich Annabelle das Hirn weg.“

Annabelle Rivers versteifte. Sie wollte den Kopf drehen, um die neben ihr stehende Frau anzublicken, doch der Druck an ihrem Kopf verstärkte sich. So verhielt sie sich weiter ruhig.

Charlotte fand jedoch keine Zeit zu überlegen, wie sie am besten reagieren sollte. Kaum drei Sekunden später nahm Dorothy die Waffe vom Kopf ihrer Schwester und schoss übergangslos in den Fußboden neben der Tür. Die Kugel zersplitterte eine Fliese. Der Querschläger blieb in der Küchentür stecken.

„Ich meine es ernst. Also, los!“, befahl Dorothy und trat einen Schritt nach hinten. Sie wedelte mit der Waffe und deutete in Richtung Eingangshalle.

Die drei Frauen begaben sich gemeinsam hinunter in den kleinen Kellerraum zur Kamera.

„Los, fessele sie!“, gab Dorothy ihrer Schwester Anweisung. „Aber richtig!“ Sie richtete die Waffe auf Charlotte.

Annabelle kam der Aufforderung nach. Mit einem bedauernden Ausdruck auf dem Gesicht band sie Charlotte die Hände auf dem Rücken zusammen. Die kleine Hoffnung, die Charlotte hegte, dass die Kollegin die Fesseln nur leicht zuzog, zerschlug sich jedoch schnell. Die Stricke schnitten tief in ihr Fleisch ein. Dorothy überprüfte die Schnürung, indem sie am Seil riss und zerrte, und schien zufrieden. Dann riss sie ein Stück ihres weißen Nachthemds vom Saum ab. „Ich muss dich knebeln. Verhalte dich still, dann geschieht dir nichts.“

Charlotte erwiderte nichts, fügte sich fürs Erste und setzte sich vor die Wand hinter der Kamera auf den kühlen Boden. Sie glaubte, in Dorothys Stimme so etwas wie Bedauern vernommen zu haben. Das passte so gar nicht zu dem bisherigen Verhalten der Frau.

Diese wechselnden Launen, dachte Charlotte, machen sie unberechenbar.

„Hast du die Zigaretten?“, fragte Dorothy, und nun klang ihre Stimme ganz ruhig.

Annabelle zog ein Päckchen und ein Feuerzeug aus der Sporttasche, die sie vor wenigen Minuten neben der Tür abgestellt hatte, und reichte beides Dorothy, die sich sofort eine Zigarette ansteckte. Genüsslich blies sie den Rauch in die Luft und schaute ihm hinterher. Sie stand neben dem Stuhl, eine Hand nur wenige Zentimeter von der Waffe entfernt, die sie auf die Sitzfläche gelegt hatte.

Charlotte verhielt sich still, hoffte aber, dass Annabelle trotz des gebrochenen Arms eingreifen würde, wenn eine Möglichkeit bestand, den Revolver an sich zu bringen. Doch auch Annabelle rührte sich nicht.

„Es muss echt sein“, murmelte Dorothy kaum hörbar, hob die Hand mit der Zigarette und drückte sich übergangslos die glimmende Spitze auf die rechte Wange. Ihr Gesicht blieb dabei völlig reglos.

Charlotte hielt die Luft an, so überrascht war sie von dieser Aktion. Auch Annabelle reagierte für einen Augenblick nicht, sprang dann aber vor und wollte ihrer Schwester die Zigarette aus der Hand schlagen. Doch Dorothy wich aus.

„Es muss echt sein“, wiederholte sie. Es klang roboterhaft.

Nun mach schon!, ging es Charlotte durch den Kopf. Starr blickte sie Annabelle an, als könnte sie die Kollegin hypnotisieren. Es war der perfekte Zeitpunkt, die Waffe zu greifen und dies alles hier zu beenden.

Aber Annabelle tat nichts in dieser Richtung. Sie blickte ihre Schwester nur mit großen Augen an, in denen Tränen glitzerten.

Dorothy aber nahm nun endlich die Zigarette herunter, warf sie auf den Boden und trat sie mit dem nackten Fuß aus. Sie zeigte keinerlei Schmerz, obwohl eine centmünzengroße, nässende Wunde in ihrer Wange klaffte. Als sie den Blick der Schwester bemerkte, lächelte sie kurz, als wollte sie Annabelle beruhigen.

Dorothy Pembroke brachte ihre Haare ein wenig in Unordnung und spuckte in die Hände. Dann rieb sie fest über das Gesicht, bis es glühte. Als sie zur Wand ging, kam Charlotte eine Vermutung, die sich sogleich bestätigte. Dorothy lächelte weiter - und schlug ihre Stirn ein, zwei, drei Mal gegen die raue Wand, bis die Haut aufplatzte und Blut über ihr Gesicht floss.

„Nun ist es wirklich echt“, gab sie zufrieden von sich, als sei sie nur Zuschauerin gewesen, und ging zum Stuhl zurück. Sie setzte sich auf die Waffe und schob ihr Nachthemd zurecht. „Gut so?“, fragte sie Annabelle, die hinter die Kamera getreten war und konzentriert durch das Okular blickte. Die Privatdetektivin änderte den Aufnahmewinkel ein wenig, dann nickte sie.

„Ja, der Revolver ist nicht zu sehen.“ Sie wandte sich an Charlotte. „Bitte verhalte dich ruhig, wenn wir aufnehmen. Dir wird nichts geschehen, ich garantiere es. In ein paar Stunden ist alles vorbei.“ In ihren Augen lag ein bittender Ausdruck. Annabelle schien diese Entwicklung nicht zu begrüßen, wenngleich sie auch nichts dagegen unternahm.

Annabelle gab ihrer Schwester ein Zeichen. Sofort flossen Tränen über Dorothys Wangen herab. Annabelle schaltete die Kamera ein. Surrend lief das Band über die Rollen.

Dorothy begann mit vor vorgetäuschter Angst zitternder Stimme, die manchmal stockte, zu sprechen. „Trevor, Schatz, bitte erschrick nicht. Man hat mich entführt. Mir geht es gut.“ Sie pausierte kurz, wohl um ihrem Ehemann, wenn er das Video sah, Gelegenheit zu geben, sich vom Gegenteil zu überzeugen. Die Wunden in ihrem Gesicht sprachen Bände. „Man will eine schnelle Abwicklung der Sache. Bitte, tue, was sie verlangen. Morgen ist alles vorüber. So oder so. Entweder liege ich wieder in deinen Armen, oder ich bin ...“ Sie schluchzte, sprach das letzte Wort des Satzes nicht aus. Mit dem Ärmel des Nachthemds wischte sie sich über die tränennassen Augen. Das Blut, das immer noch von der Stirn herunterlief, verschmierte. Ihr Gesicht sah noch mitgenommener aus. „Sie wollen 200.000 Dollar. Du darfst nicht die Polizei verständigen. Bitte nimm das Geld von meinem Erbe. Du sollst Folgendes tun ...“

Dann erklärte sie die Geldübergabe und schloss mit den Worten: „Ich sehne mich so nach dir. Bitte, rette mich!“

Annabelle stoppte die Aufnahme und reichte Dorothy eine Jeanshose und einen Pullover, die sie beide aus der Sporttasche holte. Dorothy zog das Nachthemd über den Kopf und schlüpfte in die Kleidung.

Obwohl Charlotte auf den Anblick vorbereitet war - konnte sie doch die beiden Photos, die Annabelle ihr gezeigt hatte, nicht aus dem Gedächtnis löschen -, schluckte sie schwer. Für einen Moment war ihre eigene missliche Lage vergessen, und sie verstand Dorothy.

Der Rücken der Frau wies eine Unzahl an blauen Flecken auf, die, wie Charlotte aufgrund ihrer Erfahrung in der Sanitätsreserve des Militärs einschätzte, von Faustschlägen stammten und unterschiedlichen Alters waren. Dorothys vordere Körperseite sah nicht anders aus.

Nur das Gesicht sparte Trevor Pembroke stets aus, wenn er mal wieder austickte.

(Fprtsetzung folgt)






TRIGGERWARNUNG:
Es geht um die Auswirkungen häuslicher Gewalt.
Es gibt jedoch KEINE diesbezügliche Gewaltszene.
 



 
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