»Mit den Ohren sehen«

2,00 Stern(e) 1 Stimme
Jeden Morgen –

Jeden Morgen stehe ich auf und setze mich hin –

Jeden Morgen stehe ich auf und setze mich hin,

um die Welt mit den Ohren zu sehen.



Ein Flügelschlag –

das Rauschen des Windes in der Ferne –

ich schwebe.



Jeden Morgen

flüstere ich mir

neue Wahrheiten zu;

sie erfüllen sich schon

vor Sonnenuntergang.

Alles

ist in den Fluss gefallen,

sogar die Zeit

friert meine Wahrheiten

nicht ein,

dem Ende

habe ich mich nie

verschlossen.



Alles

bahnt sich mir an:

das Leben

ein Rauschen,

das sich ankündigt

und nicht

jäh

ein-fällt.



Frühling

schafft Platz

für den Sommer;

Der Sommer

weicht dem Herbst;

Der Herbst

legt sich schlafen

und weckt so

den Winter.



Jeden Morgen

ziehen neue Erkenntnisse

ihre Kreise

um mich,

ich sehe ihnen zu,

während sie

Rotieren.

Wer

der Selbsterkenntnis

nicht müde wird,

hat tausend Augen

und selbst das Ohr

sieht mit.

Dem Geduldigen

flüstere ich daher

meine letzte Wahrheit

zu.

Eine Mitgift

für dich allein:

Vorne und hinten

sind im Jetzt

verbunden.

Wenn die ersten Schneeflocken fallen,

blühen dann nicht längst

die ersten Blüten auf?
 

MarcL

Mitglied
Hey Christopher Wallace,

die (neuen) Wahrheiten und Erkenntnisse, bebildere sie, teile sie uns mit, entfalte das.
Die (deine) Selbsterkenntnis - was sagt sie aus?

Liebe Grüße,
Marc
 

MarcL

Mitglied
Das eigene Zuflüstern allein macht irgendwie nicht deutlich, dass man lt. Titel mit den Ohren sehen kann. Und das Gesehene, die Bilder -sind, meinem Empfinden nach, nicht wirklich zur Geltung gebracht.
Schade.
 
Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast den Text zu lesen. Mal schauen, ob ich es schaffe, hiermit ein besseres Bild meiner Seele zu zeichnen:

Der Sternenpflücker: Ich sehe dich, denn irgendwann wirst auch du dich an Berge lehnen, weil dir nun alles andere zu klein geworden ist. Irgendwann wirst auch du Vulkane besteigen, bloß um dein Essen warmzuhalten, weil dich alles andere kaltlässt. Vertrau mir: Irgendwann wirst du mit dem Wind um die Wette laufen und dabei neue Höhen erreichen, weil du nun selbst zum Sturm geworden bist. Dann wirst du sie hören — die Ameisen, ihr Weinen — die Trauer der Welt wird durch deine Adern fließen. Und wenn es so weit ist, strecke die Arme aus, um Sterne zu pflücken, denn endlich hast auch du den Kosmos in dich begriffen.
 



 
Oben Unten