Mond - Sonett

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Walther

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Mond


Der Mond springt aus der Fassung und fällt leicht,
Nachdem er sich durch schwarze Schatten kugelt
Und über Horizonte hüpfend rugelt:
Der Nebel und der Schnee sind sanft und seicht.

Wie sehr er einem Lampion dabei gleicht,
Den Kinder durch Oktobernächte tragen
Und dessen frühen Feuertod beklagen,
Wenn böser Wind durch Kerzenlichter streicht.

Jetzt hält er still und will sich nicht bewegen.
Den Kopf verbiegen, in den Nacken legen,
Bis Wirbel knacken und der Kragen schmerzt

Und eine Wolke in sein Scheinen trudelt,
Die Atmosphäre stört, das Bild versudelt:
Jetzt hat sich’s der Trabant mit mir verscherzt.
 

Mondnein

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Klasse, Walther.

Ich denke bei den Lampions eher an den 11. November, der im Rheinland für kinderliche Heischebräuche genutzt wird: "Der hillje Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann: He jov de Kinder Käze un stoch se selver an. Butz butz widder butz dat wor ne jode Ma ha hann ..."

Aber natürlich geht es im Hauptgang um den Mond und die Sudelwolke.

Beisewei: Ich bin vorgestern aus Indien zurückgekehrt. Der Vollmond stand zur Mitternacht (schon beim Jahreswechsel war das so) exakt oben im Zenith. Genau dort, wo zur Sommersonnenwende die mittägliche Sonne stand oder stehen wird. Eigenartiges Erleben.

grusz, hansz
 

Walther

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Hi Hansz,

Indien kenne ich nur aus berichten und der literatur (plus ein oder zwei Bollywood produktionen). ich schweige also still und lerne durch lesen (oder zuhören, wie auch immer).

die lampionen kommen zum Oktoberende (jetzt Halloween) aus den schränken, werden angezündet und am frühen abend ausgeführt (auch als totenkopfkürbisgrimasse aufgestellt). alles vermengt sich, auch der Sankt-Michaels-brauch lebt (wird aber durch Hallween überlagert). daher die wortwahl - könnte man aber natürlich "korrigieren".

hier geht es um den schabernack, der in den liedern und im Halloween steckt. aber das haben die leser, das hast du, sicherlich bereits bemerkt.

sonett muß nicht ernst sein. Robert Gernhardt hat's vorgemacht. gut so.

lg W.
 

Mondnein

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Ich habe während der Indienreise, lieber Walther,

Jan Wagners "Der verschlossene Raum" gelesen; unter anderem einen kenntnisreichen (klar, bei dem Autor) Aufsatz (Redemanuskript) über die besondere Gewichtung der Anfangs- und Endzeilen eines Gedichts.

Die sind ja gerade in deinem Gedicht hervorragend, die erste lädt den Leser ein, zieht ihn mit ihrem plastischen Motiv ins Gedicht hinein; die letzte ist ein gut pointierter Witz, und man liest es gern immer wieder, noch manche Male.

Das ist ja wirklich ein tolles Ding, dieses Lied hier!

grusz, hansz
 

Walther

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lb Hansz,

danke fürs kompliment. meister Jan Wagner muß es wissen; in der tat braucht ein gedicht "eyecatcher" - da bin ich mit ihm und dir einig.

und ein guter abgang hat noch nie geschadet, auch einem wein nicht. :)

lg W.
 

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