Montag Morgen

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Tinka

Mitglied
Montag Morgen

Sieben Uhr, der Wecker dröhnt.
Ernst Grau reckt sich, schnauft und stöhnt.
Fischt die Zähne aus dem Glase,
setzt die Brille auf die Nase,
gibt Mariechen einen Kuss -
und erhebt sich - weil er muss.

In der Wohnung nebenan,
zieht Herr Breit die Schuhe an.
Bückt sich, um sie festzuzurren,
mühsam und mit lautem Murren.
Dabei spannt sich seine Hose,
knackt - und sitzt erleichtert lose.

Der Student Erasmus Zisch
fühlt sich heute nicht ganz frisch;
hört im Kopf den Kater schnurren,
seinen Darm verärgert knurren,
spürt, wie sich sein Magen reckt -
und wie Bier von gestern schmeckt.

Oben bei Familie Deckt
ist das Chaos schon perfekt:
Kläuschen brüllt mit rotem Kopf,
Mutter rennt und sucht den Topf,
eilt zurück - doch Kläuschen lacht:
„Schon a-a in Hose macht!"

Unterm Dach Simplicius Schlichter,
ein total verkannter Dichter,
harrt der Muse lieblich Rat
und - schon klingelt's - in der Tat!
Doch, wer steht da vor der Pforte?
Statt der Muse - Tante Dorte!

Langsam wird es still im Haus.
Nun darf Dackel Wotan raus.
Quälend drückt es ihn von innen
und beginnt auch schon zu rinnen -
wenig erst, dann immer mehr -
im Parterr' ist Wotan leer.

Hastig läuft durchs Treppenhaus
Mister Late nun – Hemd ganz kraus.
Tritt in Wotans Feuchtigkeiten,
die ihn bis nach unten leiten,
und dort spricht er: „Oh es ist
solch ein Montag wahrlich Mist!"
 
N

nobody

Gast
Habe mich sehr amüsiert!
An zwei Stellen kam ich ins Stocken - da sollte vielleicht etwas geändert werden, damit der Rhytmus stimmt:
Ernst Grau reckt sich, schnauft und stöhnt.
Ein zweisilbiger Name (zB. Ernst Graumann) würde die Sache flüssiger machen...
Mister Late nun – Hemd ganz kraus.
Mein Änderungsvorschlag:
Herr Late nun, das Hemd ganz kraus

Liebe Grüße
Franz
 

Tinka

Mitglied
Hallo Franz,
Dank für deine positive Kritik!
Mit dem "Ernst Grau" hatte ich auch schon so meine Probleme, habe aber noch keine wirklich passende Lösung gefunden. Vielleicht sollte ich ihn in Friedrich umbenennen - aber dann ginge das "Grau" verloren - was mir schon wichtig war. Vielleicht kann mir da ja noch ein anderer LLianer helfen.
Mister Late (früher: Herr Spät - aber der passte vom Rhythmus nicht) ist mir erst heute eingefallen. Dein Vorschlag ist eine echte Hilfe! Danke!
Liebe Grüße Tinka
 

Frieda

Mitglied
Hallo Tinka,
dein Gedicht ist richtig gut gelungen finde ich. Guter Rhythmus, handfeste Reime, und witzig ist es auch noch. Ein paar kleine Unebenheiten sind mir aufgefallen, aber das kriegst du sicher noch hin.

Hier meine Vorschläge:

Montag Morgen

Sieben Uhr, der Wecker dröhnt.
[red][strike]Ernst Grau reckt sich, schnauft und stöhnt.[/strike][/red]
[blue]Hermann Grau reckt sich und stöhnt.[/blue]
Fischt die Zähne aus dem Glase,
setzt die Brille auf die Nase,
gibt Mariechen einen Kuss [red]-[/red] [blue]Bindestrich weg[/blue]
und erhebt sich - weil er muss.

In der Wohnung nebenan[red],[/red] [blue]Komma weg[/blue]
zieht Herr Breit die Schuhe an.
Bückt sich, um sie festzuzurren[red],[/red] [blue]Komma weg[/blue]
mühsam und mit lautem Murren.
Dabei spannt sich seine Hose,
knackt - und sitzt erleichtert lose. [blue]Klasse[/blue]

Der Student Erasmus Zisch
fühlt sich heute nicht ganz frisch;
hört im Kopf den Kater schnurren,
seinen Darm verärgert knurren,
spürt, wie sich sein Magen reckt -
und wie Bier von gestern schmeckt. [blue]Uuuaah, sehr anschaulich ;-)[/blue]

Oben bei Familie Deckt
ist das Chaos schon perfekt:
Kläuschen brüllt mit rotem Kopf,
Mutter rennt und sucht den Topf,
eilt zurück - doch Kläuschen lacht:
„Schon a-a in Hose macht!" [blue]Klasse (AA? A-A? bin mir nicht sicher)[/blue]

Unterm Dach Simplicius Schlichter,
ein total verkannter Dichter,
harrt der Muse lieblich Rat
und - schon klingelt's - in der Tat!
Doch, wer steht da vor der Pforte?
Statt der Muse - Tante Dorte!

Langsam wird es still im Haus.
Nun darf Dackel Wotan raus.
Quälend drückt es ihn von innen
und beginnt auch schon zu rinnen -
wenig erst, dann immer mehr -
im Parterr' ist Wotan leer.

Hastig läuft durchs Treppenhaus
[red][strike]Mister Late nun – Hemd ganz kraus.[/strike][/red]
[blue]Herr von Spät, das Hemd ganz kraus.[/blue]
Tritt in Wotans Feuchtigkeiten,
die ihn bis nach unten leiten,
und dort spricht er: „Oh es ist
solch ein Montag wahrlich Mist!"

Schau mal, was du davon gebrauchen kannst.

Liebe Grüße
von Frieda
 

Tinka

Mitglied
Hallo Frieda,
danke für deine aufbauende Kritik und für deine Mühe!
Herrmann Grau passt leider auch nicht, da das drei betonte Silben sind - es ist ein Kreuz mit dem Männern!
Herr von Spät finde ich gut zumal der "edle" Name dann im netten Kontrast zu seinem Aussehen steht!
Auch die anderen kleinen Änderungen waren sinnvoll und hilfreich! Da liest man seinen Text x-mal und übersieht doch immer noch etwas!
Liebe Grüße
Tinka
 

Udogi-Sela

Mitglied
Zisch deckt schlichter

Neben den schon genannten bemängelten Kleinigkeiten könnte man noch über die Namensgebung der Familien streiten, die um des Reimes Willen „Zisch“, „Deckt“ oder „Schlichter“ heißen. (Mutter Deckt den Tisch ;) )

Wie auch immer, das Gedicht, bzw. die Missgeschicke des Alltags sind sauber gereimt und gut formuliert, besonders die jeweils 5. und 6. Zeile mit Ausnahme der letzten Strophe, da sind es Zeile 3 und 4.:D
Herzlichst
Udo
 

Tinka

Mitglied
Hallo Udo,
bei der Namesgebung ging es mir nicht nur um den Reim, sondern schon auch um die Aussage des Namens!
Der Dichter ist halt schon ein "schlichter" Solcher.
Der Student "zischt" gerne mal das eine oder andere oder eine oder andere oder eine oder andere oder ... Bier => die Folgen sieht man ja deutlich!
Familie "Deckt" hat mehrere Kinder - na, da muss ich wohl die Namenswahl nicht weiter erklären (hat nichts mit Tisch "decken" zu tun!
Trotzdem vielen Dank, dass du so viel über den Text nachgedacht hast!
Gruß Tinka
 
R

rmdp

Gast
Sieben Uhr, der Wecker dröhnt.
Ernst Grau reckt sich, schnauft und stöhnt.
Fischt die Zähne aus dem Glase,
setzt die Brille auf die Nase,
gibt Mariechen einen Kuss -
und erhebt sich - weil er muss.



...bedauerlicher weise ist schon der erst vers derart unappetitlich, dass die lustige seite für mich leider völlig verloren geht...aber offenbar will der autor hier den "grauen" alltag einleitend vermitteln. ich gehe kritsich nicht weiter weil sich stil/format gleichermassn fast durch das ganze werk wie ein übelriechender faden ziehen...schade der poet ist nämlich talentiert im umgang mit der verserei.

gute nacht
euer ralfi
 
R

rmdp

Gast
per exito schliesse ich mich noch der namensgebung u.a.ä. an...


Der Student Erasmus Zisch...

der autor sollte namen einsetzen die glaubwürdig sind, was ja kaum ein problem darstellt...also

etwa (meinetwegen erasmus) aber dann doch jüdisch/ungarisch...etwa als der Student - ein Doron KISH....

oder

Oben gar bei Friederich Schrommen
ist das Chaos schon vollkommen:


oder

Unterm Dach Magister Richter,
ein total verkannter Dichter,



oder wenn schon ein ami...dann

Schnell durchmisst das Treppenhaus
Kevin Keyser – Hemd ganz kraus (heraus)
Dackel Wotans Feuchtigkeiten,
lassen ihn nach unten gleiten,
schimpft im Haustor: „oh this is,
shitty Mondag - really mies.


gute nacht
ralfi
 


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