Mord in Weesenstein (Limerick)

2,00 Stern(e) 1 Stimme

JoteS

Foren-Redakteur
Teammitglied
Schöner Nonsens und wegen "besenrein" auch musterhaft (surprise surprise).
 

James Blond

Mitglied
Neues vom Schloss

Vielleicht doch passender: weeste?


Oder hauste - spukte - wohnte ... wären übliche Umschreibungen für die Existenzen der Geister.

Aber damit nicht genug. Es gibt leider auch jede Menge anderer Schönheitsfehler.


Ein [blue]Schlossgespenst[/blue] lebte in Weesenstein
[blue]auf der[/blue] Burg, und es trieb fleißig Spesen ein.
Doch als nichts mehr floss,
([blue]was es sehr verdross[/blue],)
verließ es die Burg ziemlich [blue]besenrein[/blue].
Das Reimtrio Weesenstein - Spesen ein - besenrein scheint mir sehr gelungen, doch ist viel rhythmische Unruhe vorhanden:

* Schlossgespenst hat eine störende Nebenbetonung auf der 3. Silbe

* der 2. Vers hat mehr Auftakte als der 1.

* was es sehr verdross muss gegen den Strich (auf "es") betont werden

zur Pointe:
* Was mit besenrein umschrieben werden soll, lässt sich aus dem Text selbst nicht genau erschließen; es ist zu vermuten, dass das Gespenst aus Wut sämtliche Bewohner des Hauses vertrieb, sie auskehrte.

Gruß
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
... Oder statt der Spesen das Inventar mitnahm, ohne es mit der Reinlichkeit zu übertreiben. Halt entsprechend Mietvertrag.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Etwas ausführlichere Antwort zu den Anmerkungen von James:

Die Nebenbetonung bei "Schlossgespenst" stört wirklich. Man mus sie sprechen, aber das Schema prinzipiell einhalten.

Die Anzahl der Auftakte kann variieren. Meist sind es ein oder zwei Auftakte, manchmal 0 oder sehr selten 3.

Die gleiche Anzahl wird im Allgemeinen nicht gefordert, es ist eine zulässige Bedingung, aber keine notwendige.

Mit der Betonung von "es" hasst Du recht. Ich betone beim Sprechen unter Missachtung des Schemas:

Was es sehr verdross.

Was das Auskehren betrifft, haben wir wohl unterschiedliche Lebenserfahrungen.

Beim Auszug nahm das Gespenst alles Inverntar mit.
Besenrein bedeutet zusätzlich, dass ausgekehrt wurde, aber nicht neu tapeziert.


Danke für die ausführlichen Anmerkungen. Ich nehme mir das Teil wahrscheinlich nochmal vor.
 

James Blond

Mitglied
Auskehren:

Ich hatte zunächst auch an das "Auskehren" des Inventars gedacht, schließlich erfolgt eine "besenreine" Übergabe bei leergeräumter Wohnung. Allerdings: Seit wann schleppen Gespenster sich mit Inventar ab? Und wohin dann mit dem Krempel? Da erschien mir die Auskehrung lebenden Inventars plausibler.

Unterschiedliche Auftakte:

Ich habe nicht behauptet, dass eine unterschiedliche Anzahl von Auftakten in den korresponierenden Versen (1,2,5, bzw. 3,4) beim Limerick nicht erlaubt ist. Aber sie ist nicht so schön und bleibt die zweitbeste Lösung - jedenfalls für mein Empfinden.

Mach aus den Reimen besser etwas Neues. :)

Grüße
JB
 

James Blond

Mitglied
@Label

Hier klicken

weeste gibt es meiner Kenntnis nach nicht, es sei denn als mundartliche Schreibweise für weißt du, weste =([als lebende Kraft] vorhanden sein) - schon
weeste gibt es gar nicht? Der war gut! :D

Wir sind hier im Limerickbereich, weerte Label, da gibt es auch schon mal orthografische Schnitzereien, auch abseits der Dialekte. Und auf Schloss Weesenstein wird grundsätzlich geweest, wenn überhaupt ... ;)

Grüße
JB
 

Label

Mitglied
fein, fein
warum aber, wenn im Limerickbereich streng logische Maßstäbe nicht einzuhalten sind, legst du dennoch diesen Maßstab zugrunde??
 

James Blond

Mitglied
fein fein

Beabsichtigte Wortwitze erhöhen den Genuss, ungewollte Fehler in der Sprachlogik erschweren das Verständnis.

Gruß
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Funktionieren würde es durch Wiederholung:

Ein Schlossgespenst lebte in Weesenstein
auf der Burg, und es trieb fleißig Speesen ein.
Doch als nichts mehr floss,
(was wirklich verdross,)
verließ es die Burg ziemlich beesenrein.

Aber es geht nicht wirklich. Das liegt daran, dass hier die Wörter zu unverständlich werden. Eher geht es, wenn man deutsche Wörter an Fremdwörter anpasst:
Toulouse - douse

Ich habe zugleich probehalber Vers 4 geändert.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ein Schlossgespenst lebte in Weesenstein
auf der Burg, und es trieb fleißig Spesen ein.
Doch als nichts mehr floss,
(was wirklich verdross,)
verließ es die Burg ziemlich besenrein.
 
G

Gelöschtes Mitglied 14278

Gast
Mord auf Weesenstein

Einst spukte ein Schlossgeist auf Weesenstein
und trieb für die Schlossherrin Spesen ein.
Als diese verschwand,
verließ er das Land.
Der Tatort war beinahe besenrein.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das funktioniert, Ciconia. Gefällt mir. Sehr guter Vorschlag.

Ich habe hier als Vorschlag für die Pointe:

Einst spukte ein Schlossgeist auf Weesenstein
und trieb für die Schlossherrin Spesen ein.
Als diese verschwand,
verließ er das Land.
Den Tatort, den fand man dann besenrein.

---
Mich störte hier etwas "beinahe", denn es verstößt gegen die Totalität.

In meinem alten Limerick war "ziemlich" auch nicht "total", hier aber geht es um Mordspuren ...
 
G

Gelöschtes Mitglied 14278

Gast
Hallo Bernd,

die letzte Zeile klingt so besser, obwohl mir das doppelte "den" nicht so ganz gefällt. Aber ich glaube, man kann es so lassen.

Gruß Ciconia
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wenn Du einverstanden bist, würde ich das dann so übernehmen.
Vielen Dank für die Diskussionen.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Einst spukte ein Schlossgeist auf Weesenstein
und trieb für die Schlossherrin Spesen ein.
[ 4]Als diese verschwand,
[ 4]verließ er das Land.
Den Tatort, den fand man dann besenrein.
 


Oben Unten