more geometrico

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Mondnein

Mitglied
[ 4]more geometrico


wo die mittelsenkrechten des dreiecks sich schneiden
der punkt ist die mitte dem äußeren kreis
der die ecken der winkel berührt – die sterne
[ 4]im umkreis

an eine roman auto biographie
erinner ich mich wo der held sich erinnert
wie ihn seine eltern gezeugt – wie da kaaam
[ 4]der vater

versuchte mit geometrie sich im zaum
zu halten bis ihm der orgasmus die lenden
durch schoß in der lang samen ex plo si oooooo
[ 4]ohn ende

doch tief in der mutter umfalteten raum
hinein schmolz der himmel zu einem einzigen
tropfen der schmeckte sich lust – die sterne
[ 4]punkt mitte
 

Franke

Mitglied
Hallo Hansz,

da ich am Gymnasium Mathematik abgrundtief gehasst habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen Geometrie mit dem Zeugungsakt in einem Gedicht zu verbinden. Zumal bei mir persönlich der Gedanke an Geometrie diesen Akt auch komplett verhindert hätte.

Das Gedicht selbst ist vorzüglich aufgebaut.

In Strophe 1 die nüchterne Darstellung der Geometrie. In der Strophe 2 führst du an das eigentliche Thema heran und steigerst die Lust, um in Strophe 3 mit der Explosion zu enden. Strophe 4 kehrt dann wieder zur Geometrie zurück.

Jetzt kann man natürlich über das Thema streiten, aber das ist mal wieder ausgezeichnetes Handwerk und das habe ich gerne gelesen.

Liebe Grüße
Manfred
 

Perry

Mitglied
Hallo hansz,

"an eine roman auto biographie
erinner ich mich wo der held sich erinnert
wie ihn seine eltern gezeugt"

Da war beim LI wohl der Wunsch der Vater des Gedankens oder die Biographie eher Fantasy. :)

LG
Manfred
PS: Statt "wo" würde ich "in der" verwenden und die Wiederholung von erinner/erinnert vermeiden.
 

Mondnein

Mitglied
Ich danke Dir, Franke, für Kommentar und Wertung!

Ich selbst habe mit Mathematik alle Schuljahre hindurch meine Gymnasiallaufbahn in Gefahr gebracht, letzten Endes zwei Punkte auf dem Abiturzeugnis.

Aber in den letzten zehn Jahren stieg mein Interesse, und so kümmerte ich mich um solche Grundlagenkenntnisse wie dieses Gesetz der Trigonometrie, von dem dieses Lied hier in der ersten Strophe ausgeht. Ohne wirklich zu begreifen oder beweisen zu können, warum ausgerechnet die Mittelsenkrechten den Mittelpunkt für den Außenkreis konstruieren lassen. Was für wunderbare Zusammenhänge!

Für so ein Gedicht ist es mir wesentlich, Gegensätze zusammenzubringen, Unvereinbares zusammenzusehen, Windschiefes zu kreuzen.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
Hallo Perry,

Daß das Lyri sich daran erinnert, wie ein Romanheld sich an etwas erinnert, - diese Echo-Spiegelung habe ich bewußt so formuliert. Hier ist die Wiederholung Stilmittel.

"in der" statt "wo" stört das Metrum; ich sehe auch keine Notwendigkeit.

Was die reale oder fiktive Autobiographie angeht, habe ich eigentlich eher die Sorge, daß die Literaturkenner mir die Abweichung vom (eigentlich ziemlich berühmten) Werk um die Ohren hauen. Ich habe nämlich dicht daneben gezielt und bin ganz glücklich damit, wenn die referierende Literaturstelle, "wo" (!) das steht, nicht allzu eng mit meiner "Umfälschung" verglichen wird.

grusz, hansz
 

Mondnein

Mitglied
by the way

"Erinnern" - griechisch "anamnesis" -
ist in Platons "Menon"-Dialog der Schlüsselbegriff, mit dem das Erkennen und Lernen allgemeingültiger Erkenntnisse erklärt wird, und zwar an einem Beispiel aus der Geometrie.
 

revilo

Mitglied
Das Gedicht nimmt Bezug auf das Anfangskapitel des Trstram Shandy von Laurence Sterne (und auf den Namen dieses Autors).

Jetzt eben läuft im Deutsch Landfunk eine Sendung über Sterne, die dort auch in den folgenden Tagen noch abgerufen werden kann.

Mich wundert, daß das kein Leser selbst heraufgefunden zu haben scheint.

grusz, hanszHallo, ich glaube, dass das Problem (nicht nur bei diesem) Gedicht daran liegt, dass Du einfach zu viel Hintergrundwissen voraussetzt.....

Du musst den Leser, wenn Du über solche speziellen Themen aus deinem ganz speziellen Blickwinkel schreibst, ein wenig an die Hand nehmen und vielleicht in einer kleinen Fußnote oder dergleichen ein paar erklärende Hinweise geben...sonst kapiert das kein Mensch...so geht es zumindest mir......ein Gedicht muss aber beim Leser zumindest ein wenig inhaltlich ankommen, damit er nicht nur Bahnhof versteht....

ansonsten schreibst Du nur für die Galerie......und das finde zumindest ich sehr schade.....

LG von Otto Normalverbraucher revilo
 

Mondnein

Mitglied
Nachdem Walther schon hier herausgeekelt worden ist - und keiner merkts - geht es hier schon wieder mit Einsern unter meinen Gedichten los.

Da dies hier eines meiner besten ist, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als es Walther gleich zu tun.

Ich denke noch darüber nach. Ich entziehe den wenigen Lesern nicht gerne meine Gedichte. Ich dränge sie aber auch keinem auf.

Die anonymen Wertungen müssen unterbunden werden. Nicht irgendwann morgen, sondern sofort, eigentlich gestern.
 

revilo

Mitglied
Hallo mondnein, entweder man lebt mit dem System der LL, welches Hesckenschützen zulässt, oder man lässt es bleiben...es gibt Schlimmers im Leben als eine 1 für ein Gedicht...

....mich hat es ja auch sofort wieder ereilt, als der gute Paulus ein antikes Gedicht von mir hervorholte.... das hat mich eher amüsiert.....

Du kannst die Uhr danach stellen...sobald ich hier eine harte Kritik schreibe, hagelt es bei meinen Uraltsachen fröhlich Einser....da mache ich mir mittlerweile einen Sport draus.....

aber deswegen gehe ich nicht....ich fände es sehr schade, wenn Du der LL den Rücken kehrtest.......

Lg revilo
 

Mondnein

Mitglied
Ja, Du hast schon recht, revilo,

im "System" der Leselupa läuft es eigentlich so, daß Extremwertungen aufgehoben werden, sobald sich nur genügend Wertungen auf der anderen Seite der Waage angehäuft haben.

Aber ich habe zu wenige Leser. Und zu wenige Kommentatoren, die dann auch werten. Deshalb bleibt mir diese unbegründete anonyme Eins auch am Hacken kleben.

Alternative: Hier nicht zu veröffentlichen, wie Du.
Aber dann bliebe nur Veröffentlichung auf http://12koerbe.de
Und dann wirds Eichendorff und es "rauscht die stille Waldeinsamkeit / Und keiner mehr kennt mich auch hier"

grusz, hansz
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich hab den Tristram Shandy erst vor zwei Jahren gelesen, weil er damals in der Blogosphäre umging und mich neugierig machte.
Den Bezug hätte ich aber nicht gefunden. Nase und Festungsbau wären für mich Triggger gewesen.
Das Gedicht hat mich an zwei ganz anderen Stellen gepackt. Die ex plo si oooooo
ohn ende
und kurz danach der umfaltete raum.

Das ist für mich genau der Sound Deiner Lyrik.

cu
lap

PS: Wen es interessiert: meine Rezi zu Tristram Shandy
 

Mondnein

Mitglied
Danke, lapismont,

auch für den link zu Deiner Besprechung. Sehr hilfreich, notwendige Informationsgrundlage. Wichtig die Modernität des Tristram.

grusz, hansz
 

Etma

Mitglied
Hallo Hansz

Auch bei mir war Mathematik mein schlechtestes Abifach (mit 13 Punkten :D), überraschender Weise - der Rest war 14 und Deutsch 15, doch das sagt doch nichts. Laut meines LL Titels werde ich aber mal Schriftsteller. Mit meinen 19 habe ich ja noch Zeit!

Dein Gedicht war mir - als Nichtleser des Trstram - ein wenig verschlüsselt.

Gefesselt hat mich natürlich der OOOOOOORgasmus oder so ähnlich und der Titel, der die Geometrie andeutete.

Schon etwas erschöpft um klar denken zu können und zu verstehen was in einem solchen Kommentar erwartet wird,
Peter
 

Mondnein

Mitglied
GrüßDich, Etma!
und zu verstehen was in einem solchen Kommentar erwartet wird
Jetzt könnte ich mir den Spaß machen und schreiben, der Autor erwarte von Dir eine tüchtige Lobhudelei, eine Zehnerwertung und Beweise, daß Du alles verstanden hast.

Aber das will natürlich keiner zugeben, ich tue auch so, als wäre es ein Spaß, sowas zu erwarten.

Was in der Tat den Autor besonders ehrt, ohne ihm zu lobhudeln oder mit Höchstwertungen den Wertungsbalken zur Erektion zu treiben, ist:
Den Kommentar (Deinen) mit dem Button "Konstruktive Vorschläge oder eine tiefere Analyse" auf eine Ebene zu heben, die ihn auch für Besucher der LL-Seiten lesbar macht.
Denn dadurch wird das besprochene Werkchen auch in der Darbietung auf der Liste nach oben geschoben. Es versinkt dann nicht so schnell im Abgrund des Vergessens.

Das bedeutet auch, daß der Autor auf gleicher Ebene antworten kann, denn auf bloße Textassoziationen darf er nur mit Textassoziationen antworten, die Autorenpersönlichkeit liebt es aber, auf der Ebene der "tieferen Analyse" zu antworten, denn das bringt das Werk "nach oben", ohne daß der Selbstkommentar als "Hochpuschen" geprügelt wird.

Und das heißt natürlich, daß es gut ist, mit Kritik und Gründlichkeit auf das Gedicht oder einen Teil davon
[ 4] - es kann auch ein Vers sein, der einem besonders auffällt, sei es, daß er stört, sei es, daß er juckt, sei es, daß er kratzt, sei es, daß er entzückt -
einzugehen.

Man muß nicht gleich das ganze Gedicht besprechen, es genügt oft, den Clou oder den Reiz, den man in ihm findet oder empfindet, lustvoll aufzuschneiden und unter die Lupe zu legen. Die Autoren sind in der Regel Masochisten, die es lieben, seziert zu werden. Dadurch werden sie ja auch (mehr) gelesen, und das ist das höchste Glück eines Autors.
Nichts geht darüber, denke ich.

grusz, hansz
 

Etma

Mitglied
ich bin da wohl immer ein wenig bescheiden und bezweifle, dass mein Kommentar konstruktiv ist oder als Vorschlag bzw TIEFERE Analyse durchgeht, irgendwie passt "spontan", "Leseeindruck", "frei" und "Textassoziation" da stets besser.

Aber danke für die Aufklärung, ich werde versuchen deine konstruktiven Vorschläge umzusetzen :D

noch nicht bei diesem Werk :D
 

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