Muttertag

Am Muttertag bin ich extra früh aufgestanden, weil ich Mami arbeitslos machen wollte. Damit sie lange schlafen kann, holte ich zunächst das Baby aus dem Bettchen und trug es in den Schuppen. Wenn mein Schwesterchen wach wird, brüllt es nämlich wie ein Bleichgesicht am Marterpfahl und weckt das ganze Haus auf.
Dann suchte ich Papis Pfeife und versteckte sie unten im Kaffeepulver. Unsere Gardinen stellen sich doch immer so doof an und holen sich die Gelbsucht von dem Rauch. Jedes Mal kriegt Mami die Krise, obwohl das Ding bei den Indianern Friedenspfeife heißt. Morgen bekommt Papi die Pfeife aber zurück. Passieren kann da nix mit, weil ich sie vorher gründlich mit Fett eingeschmiert habe.
Danach führte ich Fridolin in den Park. Der Hund hat da seinen Stammbaum, und da stehen auch die Blumen, die ich Mami schenken will. Unterwegs klingelte ich alle Freunde aus dem Bett. Extra laut, damit die faule Bande wach wird. Die haben nämlich bei sich zu Hause auch eine Mutter wohnen, die heute mal ungestört ausschlafen soll.
Später traf ich den Herrn Pastor. Er war auf dem Weg zur Kirche und wollte die Glocken läuten. Und das um halb sieben mitten in der Nacht! Das musste ich unbedingt verhindert, weil der Lärm Mamis Schlaf gestört hätte. Zum Glück fiel mir noch rechtzeitig der Bauernhof ein, wo ich immer die Milch hole. Nun ist der Pfarrer dorthin unterwegs, um der Bäuerin die Letzte Ölung zu geben. Na ja, davon wird die gute Frau ja wohl nicht krank werden.
Jetzt muss ich aber den fünften Gang einschalten und meine Trommel suchen. Mami freut sich bestimmt unheimlich über das schöne Morgenkonzert, mit dem sie gleich geweckt wird.
Ich bin zwar erst sieben Jahre alt, aber ein lieber Junge. Finden Sie nicht auch?
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
ein

absolut lieber junge! hoffentlich läßt der papa dich ausreden, wenn du ihm deine gründe erklärst . . . hab mich wieder köstlich amüsiert. danke. lg
 

Rainer Heiß

Mitglied
gute Idee!

Hi Willy,

die Idee mit den Muttertagsvorbereitungen gefällt mir richtig gut; da ließe sich garantiert noch die eine oder andere Episode schreiben (z.B. morgens bei Mutter am Bett: "Aber Mama, Frösche sind unsere Freunde!"). Nur dass sich der Siebenjährige am Schluss noch als solcher vorstellt, würde ich persönlich weglassen; das ist nach dem Handlungsverlauf doch eh schon klar.
Grüße, Rainer
 
Grüß Dich, Rainer

danke für das Kompliment und für die Anregung. Eine längere Fassung steht im Buch, der kürzere Text ist für die Zeitungen bestimmt, weil dort ja der Platz begrenzt ist.
Die Schlusspassage ist entbehrlich, wie Du richtig schreibst, er bindet jedoch den Zuhörer in die Handlung ein. (ist ja wichtig bei Lesungen)
Liebe Grüße
Willi
 
L

leonie

Gast
hallo Willi

Habe herzlich gelacht, und werde mich hüten diesen Text meinem Sohn zu zeigen, sonst kommt er auch noch auf so eine Idee. Erinnert mich an den Michel von Lönneberger, der es ja eigentlich auch immer gut meinte, jedenfalls aus seiner Sicht.
Es grüßt leonie
 
Hallo leonie

Gönne Deinem Sohn doch das kleine Vergnügen. Ein evtl. Ärger vergeht, die lustige Erinnerung aber bleibt.
Liebe Grüße
Willi
 
L

leonie

Gast
hi Willi

Nee, meinn großer ist Hyperaktiv, wer weiß was ihm da wohl einfällt. Er ist so schon ein würdiger Vertreter Michels.
Es grüßt eine lachende leonie
 

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