Nachtstück (an Lou Andreas-Salomé)

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Es ist ein Leuchten in mir fortgegangen,
seit du mir fern bist wie ein dunkler Stern.
Die Stunden halten mich
mit schleppendem Verlangen,
und was einst nah war,
glimmt nur noch von fern.

Ich trage dich wie Wunden, die nicht schließen,
wie einen Klang, der nie zu Ende klingt.
Die Jahre mögen sich beschließen
(so ohne dich)
Und doch bleibst du die Zeit,
die mich bezwingt.

Weißt du es noch?
Die wolgaweiten Sommer,
das Bauernhaus, der Birken weißes Licht,
die Glocken Moskaus –
heiliger und frommer
war nie ein Land, war nie ein Angesicht.

Da ging ich neben dir,
ein scheuer Knabe,
wuchs auf zum Mann an deiner klaren Ruh.
Was ich an Gott, an Wort, an Weite habe:
Es kam von dir.
Es kehrt zu dir zurück.
Bist du.

Nun schreib ich Verse in verlassnen Zimmern,
mit Händen, die nichts mehr zu halten wissen,
und seh dein Bild in meinen Tränen schimmern,
erwache nachts auf tränenschweren Kissen.

Du schicktest mich hinaus in fremde Weiten,
wie man dem Wind die welken Blätter gibt.
Und denkst nicht mehr an jene, unsere Zeiten,
in denen ich dich wie ein Heiligtum geliebt.

Die andern Frauen - Schatten nur und Schemen,
ein kurzes Leben in geliehener Zeit.
Sie konnten mir das Heimweh niemals nehmen;
nur du warst Heimat mir, nur du
bist Wirklichkeit.

Und schrieb ich einst:
Lösch mir die Augen aus –
ich kann dich sehn,

so gilt dies jetzt und immerdar:
Zerbrich mein Herz,
es soll nicht flehen.
Verneine meine Lügen,
mach mich wahr

Ich wünsche, meine Liebe wird dies Wissen:
dass einer in uns weiterlebt und ruft,
wenn längst die Briefe gelb und die Narzissen
des letzten Frühlings Staub sind in der Gruft.

So lass mich dein sein, ohne dich zu haben –
nimm diese Sehnsucht, die dich immer ruft,
- und jede Zeile rabenschwarze Raben
und jeder Herzschlag sinkt in eine
dunkelblaue Kluft.

Selbst Tote, die man tief begraben,
sind weniger allein
(als ich).
Doch ich, ich scheue nichts mehr,
nur den Namen,
den jemand Fremdes
mir, wenn er ihn nennt, zerbricht.

Nur wenn dein Mund mich spricht,
fürcht ich mich nicht.
Noch Dunkel, denn dann wärst du mir gegeben
wie einem Blinden Licht, das tief im Herzen brennt.
Du warst nicht Teil von mir,
du warst mein ganzes Leben:
Gebet und Abgrund, Wunde,
Sakrament.

Text: D
Musik: KI

 

trivial

Mitglied
Was haben Paul Rée, Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud gemeinsam – und doch geht diese faszinierende Verbindung in der Geschichte fast unter oder wird nur zur Muse degradiert. Danke fürs Erinnern:)

Liebe Grüße
Rufus
 



 
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