Norbert Söhl
Mitglied
Walter Spunkmeyer fuhr die Rolltreppe des Krankenhauses hinab in die Eingangshalle. Er war aufgeregt und hätte vor überschwänglicher Freude laut lachen können, wollte aber keine befremdlichen Blicke auf sich ziehen. So beließ er es bei einem breiten Grinsen und einem permanenten, aber leisen Kichern. Dreihundert Jahre Lebenserwartung lagen vor ihm, plus minus fünfzig Jahre, wie ein grauhaariger, nuschelnder Arzt ihm versicherte. Der Mediziner schob immer wieder den Kiefer vor, so dass sich seine untere Lippe über die obere stülpte. Walter las darin einen brennenden Neid, den der Arzt nicht unterdrücken konnte. In seinem herablassenden Tonfall lag eine Spur von Verachtung für die Güte des Schicksals, die Walter zuteilgeworden war. Ein solches Geschenk der Götter lag weit außerhalb der finanziellen Möglichkeiten des Weißkittels und das schien er Walter übelzunehmen. Dreihundert Jahre Jugend und Gesundheit. Ein Kilogramm an Nanobots machte es möglich.
Die Behandlung dauerte knapp drei Stunden, die Walter dösend auf einer Liege verbrachte, während durch zwei Infusionsschläuche eine Flüssigkeit mit mikroskopisch kleinen Roboter in seine Blutbahn verabreicht wurde. Sie reparierten die DNA in den Zellen, töteten jeden bekannten Erreger ab, beschleunigten Heilungsprozesse und vernichteten alle Arten von Krebs. Vor wenigen Wochen erreichte Walter sein fünfzigstes Lebensjahr, doch schon bald würde er wieder aussehen und fit sein wie ein Fünfundzwanzigjähriger.
Sein Grinsen wurde noch breiter. Im Anschluss an die Infusion gab es eine Belehrung. Nanobots wären ein beträchtlicher Vermögenswert, wurde ihm mitgeteilt. Das war ihm nicht neu. Nur die wirklich Reichen konnten sich einen derartigen medizinischen Eingriff leisten und sie lebten ihren Traum von ewiger Jugend unter Ihresgleichen in abgeschotteten Bereichen aus, beschützt von den besten Bodyguards, die man für Geld kaufen konnte. Kleine Leute wie er waren auf die Lotterie angewiesen, um in den Genuss eines langen Lebens zu kommen. Walter war einer der wenigen Auserkorenen, die Woche für Woche den Jackpot gewannen. Es gab auch noch eindringliche Warnungen in der Unterweisung. Er solle niemandem von dieser Fügung des Schicksals auch nur ein Sterbenswörtchen erzählen. Das könnte Neid, Abneigung und aggressive Reaktionen nach sich ziehen. Auch kriminelle Organisationen könnten ein Interesse an seinen Bots zeigen, um sie aus seinem Körper herauszufiltern und sie einer anderweitigen Nutzung zuzuführen. Wer nicht die finanziellen Mittel für ein derart begehrtes Objekt aufbringen konnte, musste sich nun mal auf eine andere Weise bedienen. Er solle deshalb nicht auffallen, regelmäßig seinen Wohnort wechseln und sich durch die angegliederten Weiterbildungen einen Platz in einer Kolonie für Menschen in seiner Position sichern. Dies würde bei seinen augenblicklichen Qualifikationen jedoch ein wenig Zeit und Einsatzbereitschaft erfordern.
Walter durchquerte die Halle und verließ das Krankenhaus, als ihm das Blut heiß in den Kopf schoss. Auf der Straße vor dem Gebäude hielten sich viele Menschen auf. Zu viele, wie er es empfand. Manche standen in Gruppen herum, andere saßen auf Bänken und alle schienen heimlich zu ihm herüber zu schielen. Er blickte in ihre Gesichter und es rieselte ihm kalt den Rücken hinunter. Keiner von ihnen lächelte ihn freundlich an und es erschien ihm wie die pure Verachtung, die ihm entgegenschlug. Walter schüttelte den Kopf. Nein, niemand konnte auch nur ansatzweise etwas ahnen von den Nanobots in seinem Körper. Oder doch? Vielleicht verkaufte der behandelnde Arzt Walters persönlichen Daten an irgendwelche Totschläger? Für einen Anteil an den Bots? Für einen ansehnlichen finanziellen Betrag? Mit einem beklemmenden Gefühl in seiner Brust passierte Walter eine Ansammlung dunkelhaariger Männer. Sie waren salopp gekleidet, trugen kurze, schwarze Bärte und wirkten fremdartig auf ihn. In ihren Blicken konnte er Geringschätzung und die Fähigkeit zur Gewalt spüren. Eine der Personen, ein schlaksiger Mann mittleren Alters mit zerfurchtem Gesicht, kam schwankend auf ihn zu, um Walter lallend anzusprechen.
„Du, ein Dollar für Brot?“, fragte er.
Die anderen Gestalten schienen ebenfalls näherzukommen. Aus dem Augenwinkel bemerkte Walter, dass nicht weit entfernt von ihm ein Kastenwagen am Straßenrand zum Stehen kam. Das Herz schlug ihm urplötzlich eisenhart bis in den Hals und lies seinen Kopf pulsieren. Er konnte seine Gedanken nicht mehr ordnen. Das Gefühl einer Bedrohung hämmerte auf ihn ein wie eine geisterhafte Spukgestalt. Ungestüm rannte er los. Die Umgebung schien in bunten Streifen an ihm vorbeizuziehen. Er rempelte eine kleine Frau an, die zu Boden fiel. Einige Leute schrien aufgebracht hinter ihm her. Walter blickte hektisch nach hinten, um zu sehen, ob ihn jemand verfolgte. Er stolperte und torkelte auf die angrenzende Straße. Die Front eines Busses erwischte ihn mit voller Wucht. Für einen Moment sah Walter das Gesicht des erschrockenen Busfahrers. Er hörte das Brechen seiner eigenen Knochen und verlor das Bewußtsein. Sein Körper wurde durch die Luft geschleudert und stürzte auf die Straße. Walters Kopf schlug auf den Asphalt und platzte auf wie die Schale von einem rohen Ei.
Die Behandlung dauerte knapp drei Stunden, die Walter dösend auf einer Liege verbrachte, während durch zwei Infusionsschläuche eine Flüssigkeit mit mikroskopisch kleinen Roboter in seine Blutbahn verabreicht wurde. Sie reparierten die DNA in den Zellen, töteten jeden bekannten Erreger ab, beschleunigten Heilungsprozesse und vernichteten alle Arten von Krebs. Vor wenigen Wochen erreichte Walter sein fünfzigstes Lebensjahr, doch schon bald würde er wieder aussehen und fit sein wie ein Fünfundzwanzigjähriger.
Sein Grinsen wurde noch breiter. Im Anschluss an die Infusion gab es eine Belehrung. Nanobots wären ein beträchtlicher Vermögenswert, wurde ihm mitgeteilt. Das war ihm nicht neu. Nur die wirklich Reichen konnten sich einen derartigen medizinischen Eingriff leisten und sie lebten ihren Traum von ewiger Jugend unter Ihresgleichen in abgeschotteten Bereichen aus, beschützt von den besten Bodyguards, die man für Geld kaufen konnte. Kleine Leute wie er waren auf die Lotterie angewiesen, um in den Genuss eines langen Lebens zu kommen. Walter war einer der wenigen Auserkorenen, die Woche für Woche den Jackpot gewannen. Es gab auch noch eindringliche Warnungen in der Unterweisung. Er solle niemandem von dieser Fügung des Schicksals auch nur ein Sterbenswörtchen erzählen. Das könnte Neid, Abneigung und aggressive Reaktionen nach sich ziehen. Auch kriminelle Organisationen könnten ein Interesse an seinen Bots zeigen, um sie aus seinem Körper herauszufiltern und sie einer anderweitigen Nutzung zuzuführen. Wer nicht die finanziellen Mittel für ein derart begehrtes Objekt aufbringen konnte, musste sich nun mal auf eine andere Weise bedienen. Er solle deshalb nicht auffallen, regelmäßig seinen Wohnort wechseln und sich durch die angegliederten Weiterbildungen einen Platz in einer Kolonie für Menschen in seiner Position sichern. Dies würde bei seinen augenblicklichen Qualifikationen jedoch ein wenig Zeit und Einsatzbereitschaft erfordern.
Walter durchquerte die Halle und verließ das Krankenhaus, als ihm das Blut heiß in den Kopf schoss. Auf der Straße vor dem Gebäude hielten sich viele Menschen auf. Zu viele, wie er es empfand. Manche standen in Gruppen herum, andere saßen auf Bänken und alle schienen heimlich zu ihm herüber zu schielen. Er blickte in ihre Gesichter und es rieselte ihm kalt den Rücken hinunter. Keiner von ihnen lächelte ihn freundlich an und es erschien ihm wie die pure Verachtung, die ihm entgegenschlug. Walter schüttelte den Kopf. Nein, niemand konnte auch nur ansatzweise etwas ahnen von den Nanobots in seinem Körper. Oder doch? Vielleicht verkaufte der behandelnde Arzt Walters persönlichen Daten an irgendwelche Totschläger? Für einen Anteil an den Bots? Für einen ansehnlichen finanziellen Betrag? Mit einem beklemmenden Gefühl in seiner Brust passierte Walter eine Ansammlung dunkelhaariger Männer. Sie waren salopp gekleidet, trugen kurze, schwarze Bärte und wirkten fremdartig auf ihn. In ihren Blicken konnte er Geringschätzung und die Fähigkeit zur Gewalt spüren. Eine der Personen, ein schlaksiger Mann mittleren Alters mit zerfurchtem Gesicht, kam schwankend auf ihn zu, um Walter lallend anzusprechen.
„Du, ein Dollar für Brot?“, fragte er.
Die anderen Gestalten schienen ebenfalls näherzukommen. Aus dem Augenwinkel bemerkte Walter, dass nicht weit entfernt von ihm ein Kastenwagen am Straßenrand zum Stehen kam. Das Herz schlug ihm urplötzlich eisenhart bis in den Hals und lies seinen Kopf pulsieren. Er konnte seine Gedanken nicht mehr ordnen. Das Gefühl einer Bedrohung hämmerte auf ihn ein wie eine geisterhafte Spukgestalt. Ungestüm rannte er los. Die Umgebung schien in bunten Streifen an ihm vorbeizuziehen. Er rempelte eine kleine Frau an, die zu Boden fiel. Einige Leute schrien aufgebracht hinter ihm her. Walter blickte hektisch nach hinten, um zu sehen, ob ihn jemand verfolgte. Er stolperte und torkelte auf die angrenzende Straße. Die Front eines Busses erwischte ihn mit voller Wucht. Für einen Moment sah Walter das Gesicht des erschrockenen Busfahrers. Er hörte das Brechen seiner eigenen Knochen und verlor das Bewußtsein. Sein Körper wurde durch die Luft geschleudert und stürzte auf die Straße. Walters Kopf schlug auf den Asphalt und platzte auf wie die Schale von einem rohen Ei.
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