Friedrichshainerin
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Damit ist Natalia Ginzburg gemeint. Ich möchte hier über eine Novelle von ihr: „So ist es gewesen“, etwas schreiben. Vor ein paar Jahren, als die Radiosender noch Sendung machten, heute haben sie ja alles an die Podcasts abgetreten, habe ich diesen Text als Lesung gehört. Am Anfang langweilig, am Ende ist man geschockt. Worum geht es? Eine Frau, Lehrerin, so Mitte Zwanzig, erhält die Gelegenheit zu heiraten. Spielt alles in Italien. Könnte die Zeit nach dem Sturz des Faschistischen Systems gewesen sein.
Sie ist nicht übermäßig verliebt, sieht aber die Vorteile der Beziehung. Ihren ungeliebten Beruf aufzugeben, fällt ihr nicht schwer. Nach einer Weile bekommt stellt sich raus, das ihr Mann, zirka Anfang Vierzig, seit langem eine andere Frau liebt. Seine Jugendfreundin. Und sie ihn auch. Diese Geliebte ist verheiratet. Bei einer Scheidung würde sie ihren Sohn verlieren. So halten sie ihre Beziehung geheim. Die arme Ehefrau steht zwischen den Fronten. Sie hofft auf den Zeitfaktor und bemüht sich wegzusehen.
In ihr altes Leben – wenig Gehalt als Lehrerin, nur ein möbliertes Zimmer - kann und will sie nicht zurück. Nach ein paar Jahren eskaliert alles. Sie merkt, dass sie ihrem Mann egal ist, und er sie loswerden will. Es endet damit, dass sie ihn über den Haufen schießt. Zum Schluß sitzt sie allein auf einer Bank, zu Hause liegt der erschossene Mann und erinnert sich daran, wie sie sich kennenlernten.
Eine andere Geschichte von N.Ginzburg, die dieser sehr ähnlich ist, fand ich mal in einem Sammelband. Ebenfalls steht am Anfang eine scheinbar glückliche Fügung. Eine junge Frau, so ziemlich am Rand des Heiratsalters für italienische Verhältnisse, geht eine Ehe ein mit einem gutsituierten Herrn. Ebenfalls keine große Liebe. Sie folgt ihm auf das Dorf, wo er seine Praxis hat, und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass er ein Verhältnis mit einem jungen Dorfmädchen hat. Die Beiden lieben sich, aber können nicht heiraten, da die Klassenunterschiede zu groß sind.
Die Ehefrau sitzt in der Zwickmühle, in die ihr Ehemann sie gebracht hat. Zurück zu ihrer Familie will sie nicht. Wäre eine Blamage. So versucht sie alles auszusitzen. Sie verschließt die Augen. Kinder werden geboren. Die Ehe wird immer haltloser. Dann stirbt das Bauernmädchen. Daraufhin erschießt sich ihr Liebhaber, der damit nicht klarkommt.
Es fällt auf das die Schriftstellerin zwei Mal das gleiche Thema aufgreift. Die erstere Novelle gehört übrigens zu ihren bekanntesten Text. Wie kam Natalia Ginzburg auf diese Problematik: Begüterter Mann geht bürgerliche Ehe ein, obwohl er eine andere Frau liebt und mit ihr sexuell verkehrt.
Frau Ginzburgs eigene Beziehung zu ihrem Mann wird immer als sehr harmonisch dargestellt. Soll man das glauben? Vielleicht hat sie noch eine Schwester, der es so ging wie den beiden Frauen in den zwei Texten. Irgendwie ist sie aber extrem nah an dem Thema. Das spürt man. Sonst könnte sie die Problematik nicht so überzeugend rüberbringen.
Große Liebe, echte Leidenschaft, wie sie die beiden Männer für ihre Freundinnen fühlen, ist eigentlich ein positives Gefühl. Wird jedenfalls immer so gehandelt. In Wirklichkeit ist alles ganz anders. Zu Liebe gehört ein starkes Gemüt. Man muss sich zu dem Anderen bekennen, zu Opfern bereit sein. Die beiden Männer, die wirklich echte Gefühle haben, sind schwach.
Sie heiraten beide ein ungeliebte Frau, um dem bürgerlichen Anspruch, der Familiengründung von ihnen fordert, zu entsprechen. Diese Frau spielt mit, da sie von ihrem Mann in eine ausweglose Situation gebracht wurde, die es ihr nur erlaubt wegzusehen, will sie nicht gesellschaftlich untergehen. Meistens werden solche Paare alt und grau, auch ohne Liebe, hier lässt Natalia Ginzburg es knallen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich befinde mich zwar nicht in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts , kurz nach Mussolini, im katholischen Italien, aber ich stehe trotzdem auf dem Standpunkt, dass es auch heute und hier noch angeraten ist für eine Frau, offiziell liiert zu sein. Man ist einfach besser gesellschaftlich integriert. Eigentlich fahren Frauen sogar in schlechten Beziehungen besser als nach der Trennung. Mit einem Mann verbandelt zu sein, wird einfach von dir erwartet. Von Familie, Freunden. Allein in Cafés, auf Konzerten fühlt man sich merkwürdig. Wenn sich dann eine Gelegenheit zu bieten scheint, verfährt man öfter so wie die beiden Frauen, die sich versuchen mit allem zu arrangieren, um den Ehefrauenstatus nicht zu verlieren.
Ich kann die Handlungsweise der beiden ungeliebten Ehefrauen verstehen – eigentlich hätten sie ja ausbrechen müssen - denn sogar in Punkkreisen, wo man eigentlich weibliches Rebellentum vermuten sollte, wo alle alles anders machen wollen, bekommt man oft nur Zugang und Anerkennung, wenn sich ein Mann für einen interessiert und ist raus, wenn er sich in eine Andere verliebt. Fast so, als wenn man gesellschaftlich erledigt ist. Es sei denn, jemand springt für ihn in die Bresche. Ist der Situation einer bürgerlichen Ehefrau nicht unähnlich.
Das haben wir Frauen wohl so vorgelebt gekriegt und handeln, wenn wir selbst damit konfrontiert sind, nicht viel anders als unsere Vorfahrinnen, auch wenn die materiellen Zwänge nicht mehr so hart sind wie bei Mama und Oma.
Sie ist nicht übermäßig verliebt, sieht aber die Vorteile der Beziehung. Ihren ungeliebten Beruf aufzugeben, fällt ihr nicht schwer. Nach einer Weile bekommt stellt sich raus, das ihr Mann, zirka Anfang Vierzig, seit langem eine andere Frau liebt. Seine Jugendfreundin. Und sie ihn auch. Diese Geliebte ist verheiratet. Bei einer Scheidung würde sie ihren Sohn verlieren. So halten sie ihre Beziehung geheim. Die arme Ehefrau steht zwischen den Fronten. Sie hofft auf den Zeitfaktor und bemüht sich wegzusehen.
In ihr altes Leben – wenig Gehalt als Lehrerin, nur ein möbliertes Zimmer - kann und will sie nicht zurück. Nach ein paar Jahren eskaliert alles. Sie merkt, dass sie ihrem Mann egal ist, und er sie loswerden will. Es endet damit, dass sie ihn über den Haufen schießt. Zum Schluß sitzt sie allein auf einer Bank, zu Hause liegt der erschossene Mann und erinnert sich daran, wie sie sich kennenlernten.
Eine andere Geschichte von N.Ginzburg, die dieser sehr ähnlich ist, fand ich mal in einem Sammelband. Ebenfalls steht am Anfang eine scheinbar glückliche Fügung. Eine junge Frau, so ziemlich am Rand des Heiratsalters für italienische Verhältnisse, geht eine Ehe ein mit einem gutsituierten Herrn. Ebenfalls keine große Liebe. Sie folgt ihm auf das Dorf, wo er seine Praxis hat, und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass er ein Verhältnis mit einem jungen Dorfmädchen hat. Die Beiden lieben sich, aber können nicht heiraten, da die Klassenunterschiede zu groß sind.
Die Ehefrau sitzt in der Zwickmühle, in die ihr Ehemann sie gebracht hat. Zurück zu ihrer Familie will sie nicht. Wäre eine Blamage. So versucht sie alles auszusitzen. Sie verschließt die Augen. Kinder werden geboren. Die Ehe wird immer haltloser. Dann stirbt das Bauernmädchen. Daraufhin erschießt sich ihr Liebhaber, der damit nicht klarkommt.
Es fällt auf das die Schriftstellerin zwei Mal das gleiche Thema aufgreift. Die erstere Novelle gehört übrigens zu ihren bekanntesten Text. Wie kam Natalia Ginzburg auf diese Problematik: Begüterter Mann geht bürgerliche Ehe ein, obwohl er eine andere Frau liebt und mit ihr sexuell verkehrt.
Frau Ginzburgs eigene Beziehung zu ihrem Mann wird immer als sehr harmonisch dargestellt. Soll man das glauben? Vielleicht hat sie noch eine Schwester, der es so ging wie den beiden Frauen in den zwei Texten. Irgendwie ist sie aber extrem nah an dem Thema. Das spürt man. Sonst könnte sie die Problematik nicht so überzeugend rüberbringen.
Große Liebe, echte Leidenschaft, wie sie die beiden Männer für ihre Freundinnen fühlen, ist eigentlich ein positives Gefühl. Wird jedenfalls immer so gehandelt. In Wirklichkeit ist alles ganz anders. Zu Liebe gehört ein starkes Gemüt. Man muss sich zu dem Anderen bekennen, zu Opfern bereit sein. Die beiden Männer, die wirklich echte Gefühle haben, sind schwach.
Sie heiraten beide ein ungeliebte Frau, um dem bürgerlichen Anspruch, der Familiengründung von ihnen fordert, zu entsprechen. Diese Frau spielt mit, da sie von ihrem Mann in eine ausweglose Situation gebracht wurde, die es ihr nur erlaubt wegzusehen, will sie nicht gesellschaftlich untergehen. Meistens werden solche Paare alt und grau, auch ohne Liebe, hier lässt Natalia Ginzburg es knallen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Ich befinde mich zwar nicht in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts , kurz nach Mussolini, im katholischen Italien, aber ich stehe trotzdem auf dem Standpunkt, dass es auch heute und hier noch angeraten ist für eine Frau, offiziell liiert zu sein. Man ist einfach besser gesellschaftlich integriert. Eigentlich fahren Frauen sogar in schlechten Beziehungen besser als nach der Trennung. Mit einem Mann verbandelt zu sein, wird einfach von dir erwartet. Von Familie, Freunden. Allein in Cafés, auf Konzerten fühlt man sich merkwürdig. Wenn sich dann eine Gelegenheit zu bieten scheint, verfährt man öfter so wie die beiden Frauen, die sich versuchen mit allem zu arrangieren, um den Ehefrauenstatus nicht zu verlieren.
Ich kann die Handlungsweise der beiden ungeliebten Ehefrauen verstehen – eigentlich hätten sie ja ausbrechen müssen - denn sogar in Punkkreisen, wo man eigentlich weibliches Rebellentum vermuten sollte, wo alle alles anders machen wollen, bekommt man oft nur Zugang und Anerkennung, wenn sich ein Mann für einen interessiert und ist raus, wenn er sich in eine Andere verliebt. Fast so, als wenn man gesellschaftlich erledigt ist. Es sei denn, jemand springt für ihn in die Bresche. Ist der Situation einer bürgerlichen Ehefrau nicht unähnlich.
Das haben wir Frauen wohl so vorgelebt gekriegt und handeln, wenn wir selbst damit konfrontiert sind, nicht viel anders als unsere Vorfahrinnen, auch wenn die materiellen Zwänge nicht mehr so hart sind wie bei Mama und Oma.
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