Naturkino

Ich sitze auf meinem Balkon, gucke auf die riesige Fichte, die ich in den letzten Wochen so liebgewonnen habe und lausche den Geräuschen um mich herum. Dieses Zirpen … sind das Grillen? Am Horizont geht die Sonne unter und taucht alles in warmes orangerotes Licht. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, dass ich der letzte Mensch auf dieser Erde wäre.

Auf der angrenzenden Wiese wird laut gelacht. Dort sitzt ein junges Pärchen mit ihrem Kleinkind beim Picknick auf der Wiese. Ich ziehe meine Stirn kraus und schüttele leicht mit dem Kopf. So klappt das natürlich nicht mit meiner Vorstellung vom letzten Menschen. Ich seufze und wende meine Aufmerksamkeit zwei Ringeltauben zu, von deinen die eine sehr paarungswillig zu sein scheint. Die andere wirkt hingegen genervt und fliegt schließlich davon, als sie sich allzu sehr bedrängt fühlt. Die zurückgebliebene Taube guckt hinterher und gurrt frustriert. Ich schmunzele.

Es knistert weiter hinten im dicht verästelten Baum und ich höre ein Schmatzen, das bis zu mir auf die Terrasse dringt. Ein rötliches Eichhörnchen sitzt hoch oben auf einem Ast und hält eine Nuss in den kleinen Händchen, die es immer wieder zum Maul führt. Ist das niedlich! Weiter unten im Baum kann ich seinen Kumpel ausmachen, der wild von Ast zu Ast springt, ehe er sitzenbleibt und eine Pause macht.

Ich sollte mich bei meinen doofen Schlafstörungen wirklich öfter auf meinen Balkon setzen, denn das ist wirklich ganz großes Naturkino, das mir hier geboten wird.
 

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