Neue Ufer

Walther

Mitglied
Neue Ufer


Lass uns von neuen Zeiten sprechen, denn
Die alten sind so dröge und so tot.
Sie schmecken wie drei Tage altes Brot,
Wie Gesternwein, der Essig ist, wie wenn

Das Sauerkraut von letzter Woche leise
Im alten Topf auf kleiner Flamme köchelt.
Die Gegenwart verreckt: Sie stöhnt und röchelt,
Als gäbe es kein Morgen mehr. Die Meise

Verfliegt sich, kracht auf trübe Fensterscheiben,
Vor denen alte Blätter Unzucht treiben,
Sich tanzend in den Häuserecken drehn.

Der Herbst ist Winter, will und will nicht weichen,
Da Wiedergänger durch die Straßen schleichen.
Lass uns die Koffer packen. Lass uns gehn.
 

Mondnein

Mitglied
fein!

Es ist wunderbar, locker, macht mir viel Freude beim Lesen, wie immer bei Deinen Liedern, Walther.

Drei Tage altes Brot schmeckt gut. So nach zehn Tagen wird es vielleicht etwas hart. Meine linke Hand ist voller Wunden vom Brotschneiden (mehrere an Daumen und Zeigefinger). Aber wenn man das Brot naßmacht und aufbackt, ist es eine Delikatesse.

Was mir Juchzer und Lachen auslöst, sind die Blätter, die Unzucht treiben. Das ist so gut, daß man hofft, es kommt nicht schon bei Kästner oder Ringelnatz vor, wirklich stark.
 

Walther

Mitglied
hi Mondnein,

danke für deine freundliche begleitung. nachdem sich kommentierend und wertend nur noch wenig tut, stellt man sich die frage, warum man noch postet. vielleicht, um einen deiner einträge zu erhalten. :)

in der tat kann drei-tage-brot, eng verwandt mit dem drei-tage-bart, gut schmecken. aber nur, wenn ein veritabler bäcker es reell buk. kommt es aus der backfabrik und hat enzymatische störungen, würde ich keine wetten darauf annehmen.

ob kästner das ringelnatzte oder robert es gernhardte? keine ahnung. brünstige (blatt)skelette sind einfach zu gut, um sie auslassen zu können, wenn man ein solches sonett schreibt.

lg w.
 

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