Neugierde IV

Auch bei uns in der Stadt machte er sich bald einen Namen als Frauenheld. Er konnte wirklich jede haben die er wollte. Jedes Wochenende eine, dazu noch Affären mit verheirateten Frauen. Ich war wirklich neidisch auf ihn. Er führte ein aufregendes Leben, und meines war so langweilig. Ich war auch 17, hatte im Gegensatz zu ihm aber keinen Sex. Ich war einfach zu schüchtern, und sah auch nicht halb so gut wie er aus. Ich büffelte für die Ausbildung. Sven machte sich darüber keine Gedanken. Er lebte von der Sozialhilfe, und arbeite ab und zu nebenbei. Ein paar Frauen steckten ihm auch hin und wieder was zu. Mich hat es schon gewundert, warum er sich mit mir abgab. Wir gingen auch ab und zu gemeinsam in die Disco, aber während er im Mittelpunkt stand, saß ich abseits. Er wollte mich immer wieder in das Geschehen einbinden, aber es war nicht meine Welt. Ich fragte ihn auch mal, wieso wir eigentlich befreundet sind, und er antwortete: „Ich finde dich nett“. Da hat er wohl den Nagel auf den Kopf getroffen. Es stimmte voll und ganz. Während ihm alles Scheiß egal war, und keinen Wert auf Konventionen legte, da war ich immer nett. Ich hatte auch nie Schwierig-keiten mit Menschen, aber er. Er sagte auch immer seine Meinung, aber auf so charmante Weise, daß es ihm keiner übel nahm. Wenn wir uns über Sex unterhielten, und er mir von seinen Erfahrungen berichtete, dann hatte ich immer starke Komplexe. Ich hatte ja noch keinen Sex. Ich erzählte ihm, daß ich Angst vor Frauen hätte, und daß ich befürchteteabzublitzen. Sven antwortete in der für ihn typi-schen Art: „Und woher willst du das wissen, daß du eine Abfuhr bekommst? Das weiß man doch erst, wenn man es versucht. Oder. Man kriegt das immer wieder mit, ein Junge schwärmt von einem Mäd-chen, ein Mädchen schwärmt von einem Jungen. Keiner traut sich den anderen anzusprechen, und das Ende vom Lied ist, daß beide als alte Jungfern enden um es überspitzt auszudrücken. Jeder von beiden wartet darauf, daß der andere den ersten Schritt macht. Der größte Witz von allen ist aber, daß es wahrscheinlich beide wissen, daß man Chancen bei dem anderen hätte. Man bemerkt es doch, wenn man angeschaut wird. Beiden warten und warten und endet, wie es eigentlich nicht enden soll-te."Einmal spannte er einem Typen die Freundin aus. Dieser Mann war ein stadtbekannter Schläger, sein Name war Horst. Vermutlich hätte er Sven auch alleine fertig gemacht. Sie lauerten ihm aber eines Nachts zu dritt auf, und schlugen ihn brutal zusammen. Sie brachen Sven zweimal den Kiefer, ein paar Rippen, die Augen waren so zugeschwollen, daß er zwei Wochen nicht richtig gucken konnte. Dazu brachen sie ihm noch den Arm. Sven verbrachte ein paar Wochen im Krankenhaus. Als er her-auskam, faßte er folgenden Entschluß: „Ich lerne jetzt Kampfsport, so was passiert mir nie wieder!“ Er trat dann einem Kickboxverein bei. Von da an gab es für ihn nur noch eines: Training, Training und noch mal Training. Keine Frauen mehr. Wenn er nicht im Verein trainierte, dann machte er alleine Übungen. Er lief stundenlang durch den Wald, machte morgens 100 Liegestütze, mittags und abends dasselbe.Er fragte mich mal, ob ich nicht auch Lust dazu hätte, er hat sich noch nie so gut und fit ge-fühlt. Ich verneinte, mein Interesse am Sport hielt sich in Grenzen. Ich schaute nur ab und zu Fußball. Er war bald so gut, daß er andere im Verein, wenn sie im Training gegeneinander kämpften, besiegte. Er machte dies jetzt drei Jahre lang. Ab und zu schaute ich beim Training zu. Der Lehrer sagte einmal, daß er selten ein solches Talent gesehen hat, und daß er es zu etwas bringen könnte. Sven lernte aber auch unwahrscheinlich schnell. Was andere in zwei Jahren lernten, schaffte er in einem halben Jahr. Wie er aber nun mal war, hatte er nicht das geringste Interesse an Turnieren. Er machte dies alles nur für sich selber, und nicht für irgendwelche Medaillen. Eines Abends knöpfte er sich die drei Typen vor und machte sie alle drei gemeinsam fertig. Er sagte mir, dafür habe er drei Jahre geackert. Er wollte sie alle drei zu gleich schaffen. Und wie er sie schaffte. Dem ersten gab er einen Kick voll in die Fresse, daß der gleich zusammensackte. Er verlor vier Zähne bei der Aktion. Dem zweiten trat er voll in die Eier, und als der auf die Knie fiel, zog Sven mit voller Wucht sein Knie unter seines Gegners Kinn. Das alles ging schon mal schnell. Dann kam der dritte, der dem er die Freundin ausgespannt hatte. Sven machte eine Drehung in der Luft, und erwischte ihn voll mit dem Fuß. Als der am Boden lag, trat er ihm mehrmals voll in die Rippen. Es stellte sich später heraus, daß fast alle Rippen gebrochen wa-ren. Er ging auch noch zu den beiden anderen und trat immer wieder voll auf sie ein. In dem Moment war er ein ganz anderer Mensch. Er schrie immer wieder: „Ich bring euch um, ihr Schweine!“ So habe ich ihn noch nie erlebt. Die drei Männer machten keine Anzeige. Sie hatten wohl zu viel Angst vor der Blamage, daß ein einziger sie so fertig gemacht hat. Sie sagten der Polizei, daß es dunkel war, und daß es mehrere gewesen sein müssen. Die Bullen glauben ihnen, denn die drei waren alle schon mal wegen Körperverletzung vor Gericht, und sie waren auch ganz schöne Brecher. Die meisten wußten aber, daß es Sven gewesen ist. Von da an hatten sie alle Respekt vor ihm. Er hatte sich aber stark verändert. Er war jetzt deutlich aggressiver als früher. Wenn ihn mal einer ansah, und ihm gefiel die Nase nicht, dann schlug er ihm eine rein. Er trank nun auch mehr, manchmal eine Flasche Wodka am Abend.
 

 
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