Neugierde VI

Ich weiß aus sicherer Quelle, daß sie auch früher schon in Schlägereien verwickelt waren, aber nur wegen einer hier vor Gericht standen. Sie erzählten damals, daß so etwas nie wieder passiert, und daß sie auch mit dem Kampfsport und dem Trinken aufhören. Das waren wohl alles leere Versprechen. Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Sie haben Glück, daß sie noch keine 21 sind, und somit unter das Jugendgesetz fallen. Das hindert mich jedoch nicht, sie zu einer Strafe von 8 Jahren zu verurteilen. Früheste Chance zur Bewährung in ihrem Fall nach 6 Jahren. Sollten wir uns dann noch einmal sehen, dann garantiere ich ihnen, daß sie für den Rest ihres Lebens hinter verbringen!“ Sven nahm das Urteil erstaunlich gelassen zur Kenntnis. Ich wußte natürlich nicht, wie es im Innern bei ihm aussah, aber äußerlich war er ganz ruhig. Wir sollten uns dann lange Zeit nicht mehr sehen. Während ich für meine Abschlußprüfung büffelte, mußte Sven in den Knast. Ich bestand die Prüfung mit gut, was mich sehr freute. Ich hatte ja auch wochenlang dafür geübt. Ich wurde auch in der Firma übernommen, was auch gut war, denn viele von denen die ich kannte, hatten nicht dieses Glück, und mußten zum Arbeitsamt. Da war ich ungemein froh, daß ich da nicht hin mußte. Ich haßte Ämter. Ich verdiente auch nicht schlecht für einen 20-jährigen. Sven hätte vermutlich gesagt, daß das Peanuts seien, aber ich war zufrieden. Ich zog dann auch bald von Zuhause aus, und richtete mir meine eigene kleine Wohnung ein. Sie war zwar nur 29 QM groß, war aber völlig ausreichend für mich. Endlich konnte ich tun und lassen was ich wollte. Meine Eltern sind zwar ganz nett, aber ewig dieses Kontrollieren, und Wissen wollen wo ich war und wo ich hin will. Das ging mir irgendwann so auf die Nerven, daß ich einfach ausziehen mußte. Da lernte ich erstemal kennen, was Freiheit ist. Ich hatte dann auch bald das erste Mal Sex. Im Puff, wie so viele vor mir beim ersten Mal. Ich werde auch nicht der letzte gewesen sein. Das war aber nicht so toll. Es ging auch ganz schön schnell. Kaum war ich drin, da war es auch schon wieder vorbei. Dafür mußte ich 50 DM bezahlen. Ich war bei einer schwarzen Hure. Ich finde die irgendwie aufregend, und außerdem war ich zu dem Zeitpunkt viel zu unsicher, um z.B. zu einer Deutschen zu gehen, weil die Schwarzen meistens nicht so gut Deutsch konnten, und da fühlte ich mich irgendwie sicherer, und sie kosteten meist auch weniger. Ich hatte dann aber auch bald richtigen Sex. Sie hieß Petra, und ich lernte sie in der Disco kennen. Sie sah nicht schlecht aus, und sie hatte schon mehr Erfahrung in Sachen Liebe als ich. Da habe ich erst begriffen, was mir all die Jahre davor gefehlt hat, auch wenn Sven davon erzählt hat. Wir waren knapp einen Monat zusammen. Wir trieben es fast jeden Tag. Es war eine schöne Zeit. Sie zog dann aber des Berufes wegen weg. Wir telefonierten noch ab und zu, aber auf Dauer war die Entfernung doch zu groß. Ich hatte dann noch ein paar One-Night-Stands, so richtig gefallen hat mir das aber nicht, dieser Sex ohne Gefühle. Von der einen wußte ich nicht mal den Namen. Ich lernte dann Susanne kennen, und es war Liebe auf dem ersten Blick. Wir kannten uns gerade mal drei Wochen, da zog sie zu mir. Ich dachte oft an Sven, aber ich wollte ihn nicht besuchen, das war natürlich nicht richtig, aber ich hatte jetzt mein eigenes Leben. Wenn Sven bei mir in der Nähe war, dann hatte ich immer Komplexe, weil er so gut aussah, deshalb war ich vielleicht früher auch so unsicher in bezug auf Frauen. Keine Ahnung. Er tat mir natürlich leid, und er schrieb mir ein paar Mal, ich antwortete nicht. Die Briefe hörten dann auf, und ich war auf eine eigenartige Weise erleichtert. Ich war das erste Mal in meinem Leben richtig glücklich. Susanne wurde dann schwanger, und wir mußten dann natürlich in eine größere Wohnung ziehen. Wir tauften unser erstes Kind Guido. Ein Jahr später bekamen wir unser zweites Kind, ein Mädchen, wir nannten es Nicole. Die Jahre plätscherten dahin. Eigentlich wollten wir keine Kinder mehr, aber Susanne wur-de noch einmal schwanger, ein Unfall. Es wurden Zwillinge, die wir Tim und Marko nannten.
Nun mußten wir natürlich noch einmal umziehen. Ich war jetzt knapp 28, und wollte eigentlich mei-nen Meister machen, aber das konnte warten. Wir bauten dann unser eigens Haus, gut, daß ich Maurer war, und viele Kollegen haben mir geholfen. Wir haben das Haus schnell hochgezogen. Alles war wunderbar. Ich hatte eine schöne Frau, vier hinreißende Kinder, ein Haus am Stadtrand mit einem großen Garten weg von der Stadt und zwei schöne Hunde. Ich begann jetzt doch noch mit der Mei-sterprüfung, nachdem ich nicht mehr damit gerechnet hatte. Ich war gerade 30 geworden, und ich saß auf unserer Veranda mit einem Bier in der Hand, und dachte mir, was ich eigentlich für ein Glückspilz war. Da sprach eine Stimme, die ich schon fast vergessen hatte. „Schön hast du es hier, und ich dachte schon du endest als Jungfrau.“ !0 Jahre hatte ich diese Stimme nicht mehr gehört, mit einem Schlag war alles wieder da. Es war Sven wie er leibt und lebt. Er erzählte mir an diesem Abend, was er die letzten Jahre gemacht hat. Der Tag war eigentlich nicht schlecht gelaufen, es war Sonntag, und ich hatte lange geschlafen. Dann hatten wir ein gemeinsames Frühstück mit der ganzen Familie. Nach-mittags gingen die beiden älteren Kinder raus spielen, die Zwillinge waren erst zwei Jahre alt, und machten ihr Mittagsschläfchen. Dann hatten Susanne und ich das erste Mal nach Monaten wieder Sex. War richtig gut nach der langen Pause. Abends spielten wir dann ein bißchen Karten.
 

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