Neugierde VIV

Ich wollte mit der ganzen Drogenszene nichts zu tun haben. Ich fand es widerwärtig, damit Geld zu verdienen andere süchtig zu machen. Als ob es nicht reicht, wenn man sich selbst zerstört. Ich rief Andy, und wir verschwanden aus dem Ganja. Er versuchte mich umzustimmen, aber ich sagte, daß ich auf keinen Fall einsteige. Ich sagte ihm auch, daß er auch einen Abflug machen sollte, denn er würde nicht mehr lange leben, wenn er hier bleiben würde. Er meinte dann, daß er schon längst dran gedacht habe, aber erstens kam er nicht mehr vom Koks los, und zweitens reichten Simons Arme sehr weit. Ich sagte ihm, daß wir heute abend weiter reden würden, ich bräuchte erst mal Zeit zum Nachdenken. Das war das letzte Mal, daß ich ihn lebend sah. Er war ein feiner Kerl. Ich machte einen langen Spaziergang, ging in ein Café, und sagte zu mir, daß ich Andy nicht zurücklassen würde. Dafür bedeutete er mir zuviel. Es war schon abends, als ich zu dem Haus zurückging. Ich hörte aus einem Raum laute Stimmen. Ich stellte mich unter das Fenster und hörte zu. „Es ist aus und vorbei, du alte Koksnase. Ich habe keinen Bock mehr mich um dich zu kümmern. Viel hast du eh nicht gemacht. Eigentlich warst du mehr zu meiner Unterhaltung da. Jetzt reicht es aber. Das war Simon der da sprach. Andy antwortete prompt: „Was bist du doch für ein Scheißkerl. Ich habe dich doch erst mit den Dealern bekannt gemacht. Ohne mich wärst du eine kleine Nummer. Du wirst auch noch deine Rechnung bekommen.“ Das wahr wohl zuviel für Simon. Ich hörte dann nur noch zwei Schüsse. Ich hörte auf zu denken. Ich rannte zum Eingang, nahm Anlauf und sprang gegen die Tür. Paul kam mir entgegen, ich gab ihm einen Kick in die Fresse, und als er runterfiel, zog ich mein Knie voll hoch. Man konnte richtig hören, wie sein Kiefer brach. Simon war wie erstarrt. Er hatte die Knarre noch in der Hand, konnte sich aber nicht richtig bewegen. Ich ging zu ihm, und trat ihm die Knarre aus der Hand. Sie lag dann greifbar auf dem Boden. Ich griff sie, und schoß ihm mitten zwischen die Augen. Er fiel um wie ein nasser Sack, mit einem erstaunten Blick in den Augen. Später fragte ich mich, wie ich so genau treffen konnte. War wohl Glück. Ich ging zu Paul, der immer noch wimmern am Boden lag. Es ging alles so rasend schnell. Ich schoß ihm zweimal in den Kopf. Dann ging ich noch mal zu Simon, und ballerte das Magazin leer. Andy lag auf dem Boden. Er hatte aber ein Lächeln im Gesicht. Er hatte wohl mit dem letzten Atemzug inneren Frieden gefunden. Ich durchsuchte noch das Zimmer nach Geld, denn ich würde erst mal untertauchen müssen. Ich fand mehrere tausend Mark. Ich mußte weinen, als ich Andy sah. Das erste Mal in meinem Leben weinte ich. Ich irrte ziellos durch die Stadt, und steuerte eine Pension an.“ Sven mußte dann auf die Toilette, und ich hatte etwas Zeit um nachzudenken. Jetzt hatte er schon drei Menschen umgebracht, es war unglaublich, ich kannte einen Killer. Er war da, und erzählte alles mit so einer Gelassenheit, als ob er mit einem Nachbarn über das Wetter plaudert. Er muß Andy sehr gemocht haben, um so zu handeln. Sven kam wieder, und erzählte weiter. „Es war eine nette kleine Absteige, wo ich ungestört war. Es kostete 45 Mark pro Nacht, Frühstück inklusive. Die Frau, welcher der Laden gehörte, war Witwe. Ihr Mann hinterließ ihr ein kleines Vermögen, wovon sie sich dann die Pension kaufte. Ich unterhielt mich oft mit ihr, sie war eine nette alte Dame. Die Schießerei stand in allen Zeitungen, und war wochenlang Tagesgespräch Nummer Eins. Sie suchten nach einem Unbe-kannten, gaben aber irgendwann auf. Was hätten sie auch anders tun können. War ja eh nur ein Scheiß Dealer. Sie wußten aber nicht, daß Simon eine ganz schön heiße Nummer war, und Kontakte nach ganz oben hatte. Ich traf dann eines Abends zufällig Virgin auf der Straße, und er sagte mir, daß er und AOB es gut fanden was ich gemacht hatte, und daß sie dichtgehalten hatten. Er sagte mir auch, daß er jetzt eine Freundin hatte, und daß der Sex mit ihr wunderschön war, und er erst dann gemerkt hatte, was ihm all die Jahre entgangen waren. Ich fragte ihn woher er wußte daß ich Simon umgebrachte hatte. ER sagte, es stand ja in den Zeitungen, mit allen Namen, und sie wußten wie ich zu Andy stand, und deshalb kam nur einer in Frage . Ich sagte ihn, daß es ja auch rivalisierende Gangs gewesen sein könnten. Virgin sagte nur, daß sie das auch zuerst dachten, aber als er dann verschwunden war, war die Sache klar. Im nachhinein glaube ich, daß Frau Diedrich, so hieß die Witwe, von Anfang an wußte, daß ich derjenige war, der gesucht wurde, irgendwie war ich ihr wohl sympathisch. Auf jeden Ich war dann auf Jobsuche, obwohl ich ja eigentlich nie arbeiten wollte. Ich las alle Stellenanzeigen, ging zwei Mal die Woche zum Arbeitsamt, war aber nichts zu machen. Wer nahm auch schon gern einen vorbe-straften Mörder ohne Schulabschluß und Ausbildung. Das ich viele Kenntnisse hatte, schien die Leute nicht zu interessieren. Dann erzählte mir meine Vermieterin, daß sie jemanden kenne, der ohne Vor-urteile ist, und schon ein paar Mal Exknackies geholfen hat, in den unterschiedlichsten Berufen. Ich hatte ihr erzählt, daß ich ein paar Sprachen spreche, und sie gab mir die Adresse von dem Typen. Er hieß Frank Sommer, und hatte eine Zeitungsverlag, wo ausschließlich fremdsprachige Zeitungen ge-druckt werden. Er suchte einen, der gut Französisch spricht, und ich hatte in all den Jahren weiter Sprachen geübt, und gerade Französisch lag mir sehr am Herzen. Wohl auch, weil ich da ein paar schöne Monate verbracht hatte, mit Yvette. Er hätte natürlich auch irgendjemanden mit Abschluß nehmen können, aber da Frau Diedrich, so hieß die alte Dame, ein gutes Wort für mich eingelegt hatte, wollte er mich mal kennenlernen. Wir unterhielten uns eine Stunde auf Französisch, und da ich ihm anscheinend sympathisch war, behielt ich den Job. Ich saß den ganzen Tag im Büro, und sprach mit Kunden aus Frankreich. Ab und zu machte ich ein paar Übersetzungen. War zwar nicht schlecht, aber das Richtige auch nicht. Das machte ich zwei Jahre lang, dann war es Zeit zu gehen. Ich hatte viel Geld gespart, denn ich ging abends kaum weg, sondern nach der Arbeit auf direktem Weg nach Hause. Ich bezahlte zum Schluß 1000 Mark im Monat bei Frau Diedrich, mit drei Mahlzeiten am Tag. Den Rest sparte ich. Ich hatte so gut wie keine Ausgaben. Abends unterhielt ich mich entweder mit Frau Diedrich, sie wurde immer vergeßlicher, und ich weiß nicht mehr, wie oft ich mir die selben Ge-schichten angehört habe. Das machte mir aber nichts aus, sie hatte ja keinen anderen. Sie sagte mir mal, wenn man jemanden wirklich mag, dann spielt es keine Rolle, wer oder was er früher oder auch in der Gegenwart macht, solage man sich versteht. Damit hatte sie irgendwie recht. Nehmen wir mal die Rechten, ich hatte immer eine Abneigung gegen sie, weil sie so sinnlose Gewalt verursachen, und wenn man sie fragt warum sie rechts, dann drucksen sie rum, und erzählen, daß die Ausländer ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen, aber wenn sie dann mal die Chance haben einen Job zu bekommen, dann lehnen sie ab, weil er nicht gut genug für sie ist. In der Firma wo ich war, war auch ein Rechter, wir wurden dann ganz gute Freunde, und wir diskutierten oft in der Pause, und ich habe ihn wohl zum Nachdenken gebracht, denn er ließ sich die Haare wachsen, und wurde viel toleranter, und ab und zu gingen wir aus. Von Frau geblieben, und Freunde Diedrich die Ehe war kinderlos hatte sie auch nicht. Es kamen auch immer weniger Gäste. Ich brachte es nicht übers Herz zu gehen. Sie wollte mich um-sonst wohnen lassen, aber das konnte ich nicht annehmen. Geldsorgen hatte sie keine, denn neben der Erbschaft ihres Mannes, bekam sie auch noch eine sehr gute Rente. Das andere was ich Abends machte, war natürlich lesen. Frau Diedrich wollte sich andauernd mit mir Filme angucken, aber ich habe ihr dann stets gesagt, daß wir alles machen können, aber bloß kein Fernsehen gucken. Ich haßte Fernsehen. Die Leute wissen anscheinend gar nicht, wie sehr das Fernsehen abstumpft. Vor allem die Talkshows, da muß man ja verblöden. Sie ist dann eines Tages friedlich eingeschlafen. Sie hat mich in dem Testament als Haupterben eingesetzt. Sie hinterließ mir 250000 Mark, und natürlich noch die Pension. Das einzige, was ich tun mußte, wenn ich die Erbschaft annehmen wollte war, daß ich die Pension weiterführe. Das war ihre Bedingung. Da hatte ich keine Probleme mit. Mit dem Geld reno-vierte ich alles, und es wurde ein richtig schmucker Laden. Ich setzte auch Annoncen in den Zeitun-gen, und es lief alles gut. Ich stellte noch ein paar Leute ein. Überwiegend welche aus dem Knast. Eines Tages kam ein Pärchen an. Sie waren auf der Durchreise, und wollten nur eine Nacht bleiben. Früher dachte ich immer, daß es so was wie Liebe auf dem ersten Blick nicht gibt, daß das nur eine Erfindung derjenigen war, die sowieso keine andere bekommen hätten. Aber nun hatte es mich er-wischt. Sie war eigentlich nicht sonderlich hübsch, aber sie hatte etwas an sich, daß ich gar nicht so genau beschreiben kann. Vielleicht ihr Lächeln oder die Haare, oder alles zusammen. Keine Ahnung. Ich hatte mich jedenfalls schwer verliebt. Sie sich wohl auch in mich, denn sie starrte mich die ganze Zeit an. Sie kam dann Nachts in mein Zimmer, und wir liebten uns. Sie sagte mir, daß sie so was noch nie vorher getan hat, und ob ich jetzt denke, daß sie eine Schlampe ist. Ich sagte ihr, daß ich sie liebe, und ob sie mich heiraten wolle. Das hört sich an wie aus einem schlechten Film, ich weiß, mag sein daß sowas auch nur einem von einer Million passiert, aber es ist wahr.Sie sagte ja, und gab ihren Freund den Laufpass. Wir heirateten ein paar Tage später, und ich war so glücklich wie nie zuvor in meinem Leben. Alles war so schön, so harmonisch, und als sie sagte, daß sie schwanger ist, da weinte ich zum zweiten Mal in meinem Leben. Dann kam der Tag, der alles veränderte. Es war Winter, und Melanie, meine Frau, war kurz vor der Entbindung. Wir hatten unsere Pension zugemacht, und waren allein. Es klingelte dann an der Tür, ich machte auf, und mir schlug jemand mit einem Gegenstand gegen den Kopf. Ich spürte dann noch einen Schmerz im Magen, dann wurde ich ohnmächtig. Ich wachte dann auf und hatte riesige Kopfschmerzen. Ich tastete nach meinem Kopf, und spürte einen Verband. Ich schrie rum, und es kam dann eine Schwester und ein Arzt. Ich rief dann immer wieder den Namen meiner Frau. Der Arzt und die Schwester schauten sich betroffen an. Ich forderte dann die beiden auf, mir zu sagen was los ist. Das taten sie dann. Ich habe nie wieder was härteres gehört. Ich lag drei Monate im Koma, und die Geschichte machte Schlagzeilen. Vielleicht hast du auch davon gehört. In den Zeitungen hieß sie nur „Die Rache der Brüder“. Der an der Tür klingelte, war Ümits jüngerer Bruder. Die anderen Brüder waren auch da. Insgesamt 4 Mann. Sie schlugen mir einen Base-ballschläger in die Fresse, so daß ich vorne alle Zähne verlor.
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
also,

neugierde ist das nicht mehr. diesen teil kannst du "Dann-Geschichte" nennen. zähl mal die danns und prüfe, ob sie wirklich wichtig sind! lg
 

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