SilberneDelfine
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Dienstag hatte Hermann mich angerufen und mir erzählt, dass er den Auftrag bekommen habe, für eine Soap-Opera ein Drehbuch zu schreiben.
„Kannst du mir dabei helfen, Melanie?“, flötete er ins Telefon.
„Klar“, sagte ich. „Was für eine Soap-Opera soll es denn sein?“
„Das Übliche eben. Komm am Donnerstagabend vorbei, dann gehen wir alles zusammen durch. Sagen wir um acht?“
Ich sagte zu. Als ich aufgelegt hatte, fiel mir ein, dass er mir keine Beteiligung an seinem Honorar angeboten hatte. Danach würde ich am Donnerstag als erstes fragen.
Pünktlich um 19.00 Uhr am Donnerstag klingelte das Telefon.
„Hi, Melanie“, meldete sich Hermann. „Kannst du mir einen Riesengefallen tun?“
„Bin schon unterwegs“, antwortete ich. „Ich kann früher kommen.“
„Nein, das meine ich nicht. Es ist mir etwas unangenehm“ – er räusperte sich – „aber mein Laptop rührt sich irgendwie nicht mehr. Ich kann damit nicht arbeiten. Könntest du vielleicht deinen mitbringen?“
Ich zögerte nur eine Sekunde lang. „Aber natürlich, Hermann. Kein Problem.“
„Okay, dann bis gleich. Danke, Melanie!“ Damit legte er auf.
Ich schnappte mir meinen Laptop, schlüpfte in meinen Schuhe und nahm nach einem Blick aus dem Fenster meinen Regenschirm mit.
Hermann öffnete eine Minute nach dem ersten Klingeln. „Schön, dass du da bist“, begrüßte er mich nach einem Blick auf meinen Laptop.
„Einen Abend mit dir lasse ich mir doch nicht entgehen“, entgegnete ich, aber Sarkasmus hatte bei Hermann noch nie verfangen. Er lächelte geschmeichelt und wies mit der Hand Richtung Wohnzimmer. „Komm rein.“
Ich ging ins Wohnzimmer und sah mich um. Weit und breit war kein Laptop zu sehen. „Wo ist er denn?“, fragte ich.
„Wer?“, fragte Hermann verständnislos zurück.
„Dein Laptop. Ich wollte ihn mir mal anschauen. Vielleicht bekomme ich ihn wieder in Gang.“
„Das wird nicht gehen. Ich muss dir etwas gestehen“ – er zögerte kurz – „er ist gar nicht kaputt. Ich musste ihn ins Pfandhaus bringen. Du weißt ja, wie das ist mit der brotlosen Kunst. Ich hoffe, ich kann ihn nächsten Monat wieder auslösen.“
„Okay,“ ich seufzte. Unter diesen Umständen konnte ich ihn unmöglich auf eine Beteiligung am Honorar ansprechen. „Dann fangen wir mal an.“ Ich stellte meinen Laptop auf den Tisch und schaltete ihn ein.
„Was hast du dir denn für Themen vorgestellt für deine Soap-Opera?“
„Wie gesagt, das Übliche. Ein paar Pärchen mit Beziehungsproblemen. Ein Paar, das unbedingt ein Kind haben will, aber kein eigenes haben kann und um eine Adoption kämpft. Ein Homosexueller, der mit einer Frau verheiratet will, aber nicht weiß, wie er sich ihr gegenüber outen soll. Ein 16-jähriger, der Balletttänzer werden will, aber sein strenger Vater erlaubt ihm das nicht. Jemand mit Drogenproblemen, der schon einige Male zur Entziehungskur war …“
„Da sind dir ja ganz neue Sachen eingefallen“, unterbrach ich ihn.
„Nicht wahr?“ Er strahlte.
„Hermann, das war ein Witz“, sagte ich. „Solche Plots kamen doch schon tausendmal in tausend Serien vor. Das ist gar nichts Neues.“
Er war nicht beleidigt. „Aber es kommt darauf an, wie man etwas erzählt. Es wurde alles schon einmal erzählt, hört man immer. Das hast du mir selbst gesagt.“
„Stimmt“, räumte ich ein. „Trotzdem ist das bisschen dünn, meinst du nicht?“
Er überlegte. „Gut, dann gehen wir es ganz anders an. Hast du eine Idee?“
„Ich glaube, deine Einfälle sind gar nicht so schlecht“, sagte ich. „Man muss sie nur anders verpacken.“
Hermann nickte zustimmend.
Drei Stunden später verließ ich seine Wohnung. Wir hatten eine Rohfassung erstellt und wollten sie in den nächsten Tagen ausarbeiten. Es ging um ein paar Pärchen mit Beziehungsproblemen, ein Paar, das ein Kind adoptieren wollte, einen Homosexuellen, der sich vor seiner Frau nicht outen wollte, einen Balletttänzer mit einem strengen Vater und jemand mit Drogenproblemen. Alle lebten irgendwie in einem Haus. Oder arbeiteten in einer Firma. So genau wussten wir das noch nicht.
Erst später fiel mir auf, dass ich meinen Laptop bei Hermann vergessen hatte.
„Kannst du mir dabei helfen, Melanie?“, flötete er ins Telefon.
„Klar“, sagte ich. „Was für eine Soap-Opera soll es denn sein?“
„Das Übliche eben. Komm am Donnerstagabend vorbei, dann gehen wir alles zusammen durch. Sagen wir um acht?“
Ich sagte zu. Als ich aufgelegt hatte, fiel mir ein, dass er mir keine Beteiligung an seinem Honorar angeboten hatte. Danach würde ich am Donnerstag als erstes fragen.
Pünktlich um 19.00 Uhr am Donnerstag klingelte das Telefon.
„Hi, Melanie“, meldete sich Hermann. „Kannst du mir einen Riesengefallen tun?“
„Bin schon unterwegs“, antwortete ich. „Ich kann früher kommen.“
„Nein, das meine ich nicht. Es ist mir etwas unangenehm“ – er räusperte sich – „aber mein Laptop rührt sich irgendwie nicht mehr. Ich kann damit nicht arbeiten. Könntest du vielleicht deinen mitbringen?“
Ich zögerte nur eine Sekunde lang. „Aber natürlich, Hermann. Kein Problem.“
„Okay, dann bis gleich. Danke, Melanie!“ Damit legte er auf.
Ich schnappte mir meinen Laptop, schlüpfte in meinen Schuhe und nahm nach einem Blick aus dem Fenster meinen Regenschirm mit.
Hermann öffnete eine Minute nach dem ersten Klingeln. „Schön, dass du da bist“, begrüßte er mich nach einem Blick auf meinen Laptop.
„Einen Abend mit dir lasse ich mir doch nicht entgehen“, entgegnete ich, aber Sarkasmus hatte bei Hermann noch nie verfangen. Er lächelte geschmeichelt und wies mit der Hand Richtung Wohnzimmer. „Komm rein.“
Ich ging ins Wohnzimmer und sah mich um. Weit und breit war kein Laptop zu sehen. „Wo ist er denn?“, fragte ich.
„Wer?“, fragte Hermann verständnislos zurück.
„Dein Laptop. Ich wollte ihn mir mal anschauen. Vielleicht bekomme ich ihn wieder in Gang.“
„Das wird nicht gehen. Ich muss dir etwas gestehen“ – er zögerte kurz – „er ist gar nicht kaputt. Ich musste ihn ins Pfandhaus bringen. Du weißt ja, wie das ist mit der brotlosen Kunst. Ich hoffe, ich kann ihn nächsten Monat wieder auslösen.“
„Okay,“ ich seufzte. Unter diesen Umständen konnte ich ihn unmöglich auf eine Beteiligung am Honorar ansprechen. „Dann fangen wir mal an.“ Ich stellte meinen Laptop auf den Tisch und schaltete ihn ein.
„Was hast du dir denn für Themen vorgestellt für deine Soap-Opera?“
„Wie gesagt, das Übliche. Ein paar Pärchen mit Beziehungsproblemen. Ein Paar, das unbedingt ein Kind haben will, aber kein eigenes haben kann und um eine Adoption kämpft. Ein Homosexueller, der mit einer Frau verheiratet will, aber nicht weiß, wie er sich ihr gegenüber outen soll. Ein 16-jähriger, der Balletttänzer werden will, aber sein strenger Vater erlaubt ihm das nicht. Jemand mit Drogenproblemen, der schon einige Male zur Entziehungskur war …“
„Da sind dir ja ganz neue Sachen eingefallen“, unterbrach ich ihn.
„Nicht wahr?“ Er strahlte.
„Hermann, das war ein Witz“, sagte ich. „Solche Plots kamen doch schon tausendmal in tausend Serien vor. Das ist gar nichts Neues.“
Er war nicht beleidigt. „Aber es kommt darauf an, wie man etwas erzählt. Es wurde alles schon einmal erzählt, hört man immer. Das hast du mir selbst gesagt.“
„Stimmt“, räumte ich ein. „Trotzdem ist das bisschen dünn, meinst du nicht?“
Er überlegte. „Gut, dann gehen wir es ganz anders an. Hast du eine Idee?“
„Ich glaube, deine Einfälle sind gar nicht so schlecht“, sagte ich. „Man muss sie nur anders verpacken.“
Hermann nickte zustimmend.
Drei Stunden später verließ ich seine Wohnung. Wir hatten eine Rohfassung erstellt und wollten sie in den nächsten Tagen ausarbeiten. Es ging um ein paar Pärchen mit Beziehungsproblemen, ein Paar, das ein Kind adoptieren wollte, einen Homosexuellen, der sich vor seiner Frau nicht outen wollte, einen Balletttänzer mit einem strengen Vater und jemand mit Drogenproblemen. Alle lebten irgendwie in einem Haus. Oder arbeiteten in einer Firma. So genau wussten wir das noch nicht.
Erst später fiel mir auf, dass ich meinen Laptop bei Hermann vergessen hatte.
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