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Null - Sonett

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Walther

Mitglied
Null


Die Werte lagen deutlich über Null.
Die Frage, die sich stellte, war, wo lag
Die Null, um die sich’s drehte. Ich erschrak.
Es könnte sein, auf einer Butterstull‘

Als Ei verkleidet, Salz und Peterling dazu,
Und drunter schönen fetten Topfenquark.
War sie eventuell in einem Quark,
Da, wo Bosonen ohne Rast und Ruh

Durch eine Endlosschleife kreisend schwirren?
Man könnte sie vielleicht kelvinisieren,
Den absoluten Nullpunkt so kreieren.

Es wurde Zeit, die Rätsel zu entwirren:
Der Sommer war entschlossen, heiß zu wüten,
Und Eis gab‘s nur in Beuteln oder Tüten.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Das Sonett hat mehrere Ebenen. Die erste, offensichtliche, ist mathematisch-technisch, diese Ebene bildet insgesamt eine Metapher.
In dieser Metapher sind weitere Metaphern, Quark, Bosonen, endloses Kreisen.

Unser Weltall bricht die Symmetrie, es gibt viel mehr Materie als Antimaterie. Zumindest sichtbar.
Es bilden sich Gleichgewichte, die am Ende wieder im Gelichgewicht stehen, aber dynamisch sind.

In der Physik werden immer mehr Küchenbegriffe verwendet, auch Farben.

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Doch das ist nicht der wesentliche Punkt. Als Wesen des Gedichtes sehe ich die Frage nach dem eigenen Sein, dem eigenen Gleichgewicht und die Frage nach dem "Warum?"

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Das Sonett verwendet fast durchgängig gehobene Sprache, auch für Alltagssachen, außer bei

"Butterstull'" --

dieses Wort fällt stilistisch heraus und gibt dem Ganzen eine komische Note.

Es dient der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes im Gedicht, zeigt zugleich die Unvollkommenheit an, indem die Endsilbe entfernt wird, um den Rhythmus des Gedichtes zu sichern, wie bei den Atomen Valenzen sich ändern können, um eine Verbindung zu sichern.

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Eine allererste Metapher aber fehlt noch, es ist und war mein erster Gedanke. Es ist der Strich auf dem Oszillographen, der das Leben zeigt.
Wenn die Linie auf Null steht, ist es zu Ende.
 

Walther

Mitglied
Lieber Bernd,

vielen dank für interpretation und wertung. :)

das Null-Sonett ist ein sehr ernst gemeinter spaß, der mit gegensätzen offen und versteckt spielt. die 0 hat als zahl ihre eigene magie, und um diese dreht sich das sonett, das sie in einigen aspekten diskutiert und am ende sommernd erdet.

du erwähntest die "Butterstull", die ein wenig aus dem text zu fallen scheint. ihr antipode ist der topfen, das ist der bayerische oder auch österreichische quark. der gegensatz bayern-preußen - Butterstulle ist etwas typisch berlinisches - ist ja legende.

in der tat ist die "null" existentiell; unsere welt wäre sicher ohne die aggregatzustände des wassers und den absoluten nullpunkt nicht so, wie sie ist. ohne wasser gäbe es sicherlich kein leben - so viel scheint inzwischen sicher zu sein.

lieber gruß w.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Walther,
"Butterstulle" kenne ich natürlich. Die Besonderheit liegt in der Verkürzung zu "Butterstull", die dem Reim geschuldet scheint.
 

Walther

Mitglied
Hi Bernd,

ist sie auch, da stehe ich dazu. das spannende ist, daß damit der hintersinn und die ironie m.e. verstärkt werden. und dann ist der einsatz der elision auf jeden fall gerettet!

natürlich kennst du "Butterstulle". der trick ist der gegensatz mit "Topfen". und den kennt nicht jeder. ;)

lg w.
 

HerbertH

Mitglied
Die Null - das Vakuum - ist leer, dachte man früher, als die Null teuflisch war, fast so schlimm wie negative Zahlen ...

Aber heute ist das Vakuum nicht mehr leer, es fluktuiert, es ist Raum in Bewegung, im Werden und Vergehen.

Topfen und die Butterstull
die moken diese Sach gaanz vull.

Liebe Grüße

Herbert
 

Walther

Mitglied
Hi Herbert,

danke für deine freundliche wertung und kommentierung, die gleich wieder konterkariert wurde. man kann es nicht allen rechtmachen, das soll man auch nicht. :)

lg w.
 

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