nur ein paar

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ENachtigall

Mitglied
nur ein paar

zweige brachst du mir
aus dem geäst als du fielst
aus deinem siebten himmel
dem meine krone nicht gewachsen
war unter der last nur die
losigkeit verkommener liebe?

ich weiß meine stecklinge wurzeln
auf festem grundgesunden boden
wieder dem sommerlicht entgegen

denn die ihre trauer weidet
ist eine andere ich
hüte nur zu meinem fuße
diese herde schwarzer schafe
und erbebe das streicheln
der blütenkätzchen

(die biegsame)

© elke nachtigall
mai 2009
 
H

Heidrun D.

Gast
Ein traumhaft schönes Gedicht, ein Gesang in Moll.

Die "Losigkeit, die weidende Trauer und die Kätzchen" ...ach, was soll ich sagen?

Heidrun
 

MarenS

Mitglied
Alles passt, es liest sich trefflich. Die Augen geführt durch die Bilder deiner Zeilen.
Möge der Boden zu deinen Füßen nie verseucht werden! (Das war nun purer Egoismus, denn ich freue mich auf dein nächstes Gedicht)

Grüße von Maren
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo Heidrun und Maren,

schön, dass ich solcherart "Eigemachtes" (mit) euch so wunderbar (mit-)teilen kann.

Herzliche Grüße,

Elke
 

Vera-Lena

Mitglied
Liebe Elke,

großartig, wie Du im Bild geblieben bist und hast doch etwas ganz Anderes ausgesagt, als was man über Bäume und Weidenkätzchen aussagen könnte. Einzig die "schwarzen Schafe" hast Du noch gebraucht, um Deine Aussage zu vervollständigen.

Lyrik, wie sie sein sollte! Dezent in der Wortwahl doppelt aber klar in den Deutungsmöglichkeiten. Hier muss niemand rätseln.

Aus dem Menschenbereich hast du ausschließlich den "siebenten Himmel" eingefügt und " denn die ihre Trauer weidet ist eine andere".

Eine grammatikalische Ungereimtheit hast Du drin, aber das würde ich so stehen lassen. Ich erbebe unter dem Streicheln, müsste es heißen. Nun hast Du das "erbebe" ins Passiv versetzt, was in der deutschen Sprache so nicht vorgesehen ist. Ich würde es, wie gesagt, trotzdem so lassen, weil es ganz nah bei "erlebe" steht, so dass man für sich auch lesen könnte, im Kopf, nicht auf dem Papier, "ich erbebe, erlebend".

Denn hier geht es um Leben und Erleben.
Da kommt jemand mit aller Wucht und beeinträchtigt das Lyri,
dass es sich geradezu zweiteilen muss, um diesen Schlag zu verwinden. Aber es hat einen enormen Lebenswillen und so weiß es sich zu helfen und besinnt sich auf seine Qualitäten, die ausreichen, diesen Schlag zu überwinden. Hier ist nur einiges zerbrochen, aber das Leben ist fühlbar geblieben kaftvoll und empfindungsfähig.

Grandios! Meinen Glückwunsch!

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

ENachtigall

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

ganz herzlichen dank für Deine fundierte Analyse! Besonders überrascht hat mich die Treffsicherheit mittels derer Du den Gebrauch und die dahinterstehende Absicht des Begriffs "erbeben" erkannt hast. Genau das war es nämlich, was mich bewog; beide Bedeutungsinhalte, die von Erleben und erbeben lassen zu verschmelzen.

Auch inhaltlich bringst Du es souverän auf den Punkt: es ist das Ringen darum, durch Enttäuschung und Schmerz nicht hartherzig und fühllos zu werden.

Ganz herliche Grüße,

Elke
 

ENachtigall

Mitglied
Hallo Brumbär,

danke für Deinen Kommentar; nun sag mir noch, worin Du das Mystische gefunden hast?

Liebe Grüße,

Elke
 

brumbaer

Mitglied
Hallo Elke

"denn die ihre trauer weidet
ist eine andere ich
hüte nur zu meinem fuße
diese herde schwarzer schafe"


find ich schon etwas mystisch
oder ich verstehe es falsch.

schöne pfingsten wünsche ich dir elke

lg
brumbär
 

ENachtigall

Mitglied
Lieber brumbaer,

das Schwarze ist nicht Trauer, sondern eine "Herde schwarzer Schafe". Die sonst so vereinzelt auftretenden schwierigen Individuen zu händeln ist nicht ohne, aber eben keine Trauer (diese zu weiden hieße: sie über die Maßen auszuleben). Das steckt in der Umschreibung,

meint und grüßt Dich herzlich,

Elke
 

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