Nur ein Wort

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Nur ein Wort

Aber was ist denn das – jetzt sind es ja schon drei Wörter.
Nein, viel mehr, es werden immer mehr. Warte, ich zähle mit, es sind: achtundzwanzig, und nun neunundzwanzig, nein gleich dreiunddreißig. Hilfe, ich komme ja mit dem Zählen gar nicht mehr mit!

Woher kommt bloß diese Zusammenballung, diese geradezu inflationäre Anhäufung, diese Unzahl, dieses erschreckende Übermaß von Wörtern? Dabei habe ich doch noch gar nichts gesagt! Egal was ich tue, egal wie sehr ich dem anschwellenden Wortfluss Einhalt gebieten will, er nimmt seinen Lauf, er erscheint geradezu unaufhaltsam in seiner leeren Penetranz, überflutet alles andere; Töne, Bilder, Gesten, Gedanken, sie verschwimmen hinter den Wörtern wie dunkle Gestalten im Herbstnebel.

Wie nur soll ich das abbremsen, aufhalten oder stoppen, einen Weg finden im wirren Knäuel der Bedeutungen, welche die Wörter verlieren in ihrem eifrigen Gewimmel und Durcheinander, ablagern und weitertragen wie ein Gebirgsbach, der Sand, Kies und Felsbrocken zu Tale schwemmt? Wie orientieren im Summen, Brummen, Dröhnen und Kreischen der unzähligen Stimmen, die ihrer Wörter verlieren, sie abschütteln wie sich ein nasser Hund schüttelt?

Aufhören!

Endlich, ein Wort.
 
Erinnert mich. geschätzter Binsenbrecher, ein wenig an Hofmannsthals Chandos-Brief ("... zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze.") Sprachskepsis bleibt immer aktuell und gerade bei Autoren kann sie eine nützliche Funktion erfüllen.

Beste Abendgrüße
Arno Abendschön
 



 
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