Offene Rechnungen

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molly

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Offene Rechnungen

Neulicher bestellte Annette beim Arzt Medizin und der Apotheker holte das Rezept dort ab.
Normalerweise erledigen alle Einkäufe ihre Kinder, aber wie es nur ganz selten vorkommt, waren alle Drei nicht Zuhause.
Doch auch ihre vier lieben Nachbarn schienen unerreichbar und so kam sie auf die glänzende Idee, bei der Sozialstation anzurufen.
Seit sie vor zwei Jahren die Hand gebrochen hatte, besuchten die Schwestern dieser Station sie morgens und abends,
um ihr bei den Strümpfen an- und ausziehen zu helfen. Annette mag die Schwestern, alle. Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit.
Dem Apotheker hatte sie schon mitgeteilt, dass er die Ware dorthin bringen möge. Schließlich sind das von der Apotheke
bis zur Sozialstation kaum 150m. Annettes Wohnung dagegen liegt 10km weiter, in einem Nebenort.


Annette rief bei der Sozialstation an und hatte auch gleich die Chefin am Rohr. Kurz schilderte sie ihre Lage und die Leiterin erwiderte sofort:

„Dafür muss ich aber was verlangen.“

„Ach“, entgegnete Annette, und fragte nach dem Preis.

„Wir nehmen fünf Euro“

„Dann schicken Sie mir bitte mit der Schwester heute Abend die Rechnung.“

Doch das wollte die Chefin nicht, Annette sollte der Schwester das Geld einfach bar mitgeben. Diesen Vorschlag akzeptierte sie nicht, denn Schwarzarbeit lehne Annette ab.
Die Chefin erkundigte sich, was sie mit der Rechnung vorhätte.
Annette antwortete: „Ich reiche sie bei der Krankenkasse ein, die werden das verstehen, schließlich ist die Sozialstation kein Lieferservice.

Damit beendete Annette das Gespräch, nahm ein Papier und schrieb:

RECHNUNG. NR: 1
An die Sozialstation
15 EU Pieselkosten

Erklärung:
Die Schwestern der Sozialstation müssen, da sie oft im Stress sind, manchmal kurz auf die Toilette. Das dürfen sie bei mir,
bisher ist mir noch nie eingefallen, dass ich sie an den Bach schicken könnte, weil dort die Spülung nichts kostet.
Die Benutzung von Papier und Handtuch sind umsonst, ich habe auch nichts dagegen, wenn sie sich die Hände waschen, mit meiner Seife natürlich.
Gefühlte 30 Mal gebrauchten so die Schwestern mein WC, manche vergasen in der Hektik, das Licht auszuschalten.
Da ich so gut wie nie mein Gäste-WC benutze, musste mich mein Nachbar anrufen, um mir mitzuteilen, dass dort noch Licht brannte.
Außerdem bezahle ich die Reinigungskosten

Ich kenne einen Arzt in Australien. Wenn er mit dem Flugzeug unterwegs ist, nimmt er auch jedes Mal Schulhefte
und andere nicht medizinischen Dinge mit. Aber wir sind ja hier nicht im Busch.

Die Sozialstation erhält von mir 5 Euro, sobald ich die Fünfzehn erhalten habe.
Nach meiner Erklärung wird klar, dass ich diesen Preis verlangen kann, denn schließlich habe ich kein öffentliches Örtchen.

Mit sozialen Grüßen
Annette Schmidt
 

Ji Rina

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Deine Frau Schmidt ist mir symphatisch!
Da soll mal einer behaupten, sie hätte keinen Überblick!
15 EU Pieselkosten ;)
Lieben Guss, Ji
 

molly

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Vielen Dank, JI, fürs Lesen und die Sterne. "Daumen nach oben" kann ich Dir nur schreiben. Mir fehlt er bei den Zeichen-

Ich wünsche Dir gute Ostertage

molly
 

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