Ohne Namen

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chachaturian

Mitglied
Ohne Namen


Der Herbst zieht durch die Lichter
wir selber sind uns nicht gewogen
die Spuren werden grell und schlichter
das Erdenrund bleibt uns entzogen

Spiegel zeigen längst vergangene Zeiten
die Wasser sind nicht unsere mehr
Triumphe verlieren sich in Weiten
Orte verlanden, bleiben nichts als leer

So sind die Tage noch ein Warten
heiter ringen wir um Nebensiege
die neuen Zeiten reißen ihre Scharten
Eden liegt noch immer an der Wiege


1-2/2007

Das ist übrigens keineswegs nur kryptisch. Wer die anderen Gedichte in meinem Band liest, kann das Gedicht weitgehend dekodieren.

Literaturpodium
http://www.literaturpodium.de
 
H

HFleiss

Gast
Mir ist dieses Gedicht durchaus nicht kryptisch, manchmal muss alles raus. Was Eden angeht, schlage ich vor "in" der Wiege.

Liebe Grüße
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Ich habe schon öfter solche Einzelvorschläge übernommen, z.B. bei der zweiten Zeile meines Gedichtes "Belvedere". Aber "in" scheint mir hier von meiner Absicht her nicht zu gehen. Auch klingt es mir nicht so gut. Gemeint ist, daß aller Ursprung der Menschengeschichte immer noch da ist und man sich zum Augenblick noch mal darauf zurückbesinnen könnte. Freilich ist das eine ganz hypothetische Formel, die auch so ein wenige den Philosophen Jean Gebser im Hintergrund hat. Aber so genau habe ich das gar nicht überlegt, sondern mir ist das intuitiv eingefallen.
 
H

HFleiss

Gast
War auch nur ein Vorschlag. Der Dichter hat selbstverständlich das Sagen. Aber wer war (bzw. ist) Jean Gebster?

Liebe Grüße
Hanna
 
H

HFleiss

Gast
Ich habe wikipedia gelesen und versucht, mich mangelhaft in diese Gedankengänge hineinzufinden.
Aber ich bin Materialistin und habe da sehr viel rationalere Vorstellungen und halte es eher mit Einstein. Ich glaube auch nicht, dass irgend etwas auf der Welt Raum und Zeit ungestraft wegnegieren kann, Gebsers Gedankengebäude fällt dann schlicht auf die Nase, auch wenn es Spaß macht, über Raum und Zeit nachzudenken: Was wäre wenn ...

Liebe Grüße
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Ich habe ja sein Hauptwerk gelesen. Worum es ihm geht, ist eine Entwicklungsgeschichte des menschlichen Bewußtseins. Das ist schon eine sehr reale Materialität. Ich fürchte schon, daß er mit seinen Überlegungen nicht ganz verkehrt liegt. Der frühe Mensch hat sehr wahrscheinlich andere Bewußtseinsformen gehabt, als wir die heute im Alltag haben. Da haben zahlreiche Überformungen stattgefunden. Vielleicht kann man das auch besser verständlich noch darlegen wie Gebser. Das mag sein.
 
H

HFleiss

Gast
Das ist wirklich sehr interessant mit dem Gehirn früher Menschen. Sogar die Griechen dachten noch
anders als wir Heutigen, ich habe da mal was drüber gelesen. Wenn einer also Zeus anrief, dann sprach er wirklich mit Zeus und nicht der Vorstellung von Zeus, und er erhielt auch Antwort von ihm - so ähnlich, wie das bei Schizophrenen funktioniert, wenn sie Stimmen hören. Das ist wirklich sehr, sehr interessant. Aber was mir nicht so recht gefällt, ist das Abgleiten in metaphysische Untiefen bei Gebser.
Deshalb mein Behaupten des alleinseligmachenden Materialismus.

Liebe Grüße
Hanna
 

chachaturian

Mitglied
Nun ich habe ja auch nur daruf hingewiesen, daß da vielleicht Aspekte sind, die sich zum weiterdenken eigenen. Erich Fromm ist für die ganze Materie der Sozialpsychologie vielleicht interessanter. Er hat ja Bücher darüber geschrieben wie man Marx und Freud zusammendenken kann. "Haben oder Sein" ist sicher sein bekanntestes Werk. Dazu gab ich ja 2002 auch den Band "Erich Fromm als Vordenker" heraus. Ich denke solche Sachen lohnen schon die Ansicht.

Übersicht
http://www.umweltdebatte.de/gastbeitraege_erichfrommheute.htm
 

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