On the Sound of Time

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
On the Sound of Time

In ancient Greece it was the length that mattered;
a syllable was short or it was long.
No sound was loud or soft by force of chatter —
duration shaped the metre and the song.

Latin held lengths in place with chiselled measure:
the dactyl — long, then short and short again —
the iamb rised up with all its timed displeasure,
as rhythm went through ancient tongue and pen.

But German took these feet and made them native:
from length to stress — the ear became the guide.
We count our beats, and pauses grow creative,
when spoken cadence shifts the time inside.

For people know their language by its flow:
the stress keeps dancing — not the length we show.

О звуке времени

В древней Греции слог имел лишь дленье —
короткий, долгий — так звучал их стих.
Не громкость правит, а его теченье,
и метр струился в ритмах вековых.

Латинь хранила долготу упрямо:
дактиль — длиннáя, за ней две кратких в ряд;
ямб поднимался, мерно и неустанно —
и ритм дышал в словах, что времена хранят.

Но немцы взяли стопы по‑другому:
длину сменил удар — ухо судья.
Мы счёт ведём подъёмам, по‑живому,
и пауза порой сильней, чем речь, звеня.

Народ же знает ритм родного слова́:
живёт удар — не долгота́ жива́.
 
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Anders Tell

Mitglied
Hallo Bernd,

Du lockst meine Gedanken auf Pfade, auf denen ich bisher nicht gewandelt bin. Mit griechischer und lateinischer Lyrik habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Prosodie war nicht meine Lieblingsdisziplin in der Phonetik. Soviel habe ich in der Kommunikationswissenschaft verstanden, dass Betonung den Sinn einer Botschaft erheblich änder kann.
Auf die Musik übertragen drückt ein Walzer schon in sich und mit seinem Takt und Rhythmus etwas anderes aus als ein Flamenco. Auch die Interpretation eines Liedes wird stark beeinflusst durch die Art der Betonung.
Wenn Du das alles mit Beispielen veranschaulichen könntest, würde ich wahrscheinlich mehr verstehen. Aber ich verstehe kein Altgriechisch.
Angeregte Grüße
Anders
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Anders Tell,
ich verstehe auch kein Altgriechisch.
Aber ich habe mich mit der Lautentwicklung beschäftigt.

Und da gibt es einen wesentlichen Unterschied zu Deutsch, speziell in Lyrik.
In Altgriechisch und Latein zählten im wesentlichen Silbenlängen.
Deutsc und Englisch sind dagegen eher taktgesteuert.
Deshalb richten sich viele Bezeichnungen noch nach der lateinischen Theorie, die früher gehobene Sprache war.
Jambus und Trochäus was kurz lang vs. lang kurz. In Deutsch und Englisch eher unbetont-betont.

Aber: total ist die Unterscheidung nicht.Das zeigt sich bei "Alle meine Entchen" - beim Singen sind es vier Takte. Und "chen" wird als extra Takt und betont gesungen.

Vom Klang der Zeit

Im alten Griechenland, da zählte noch die Länge,
der Silbe Klang war strikt, mal kurz und manchmal lang –
kein Laut war laut statt leis, doch Dauer galt als Klang,
das Metrum floss umher und durch das Wortgedränge.

Latein hielt Längen fest mit ziseliertem Drang,
Daktylus – lang, kurz, kurz – im Marsch zum Lorbeerkranze,
ein Jambus stieg empor – die Zeit war seine Lanze.
So tanzte Rhythmus einst und war antiker Sang.

Doch Deutschland nahm den Fuß, und machte ihn sich eigen,
aus Länge wurde Druck – das Ohr bestimmt das Maß.
Hebungen zählt man nun, auch mal der Pausen schweigen ...

Das Volk spricht wie es will, weiß alles ganz genau,
Betonung tanzt im Takt, ganz ohne Pathosmaß.
Denn Rhythmus lebt allhier – vom Mund, nicht nur vom Bau.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Beispiel. (Hier hat mich aber KI geholfen, ChatGPT. Das erleichterte es mir, es in Form zu brngen. Ich habe sehr viel auch weggelassen und nur das verwendet, was ich so kannte. Es kann trotzdem zu sehr vereinfacht sein.)



1) Altgriechisch: Takt als lebendige Zeitstruktur
Im Altgriechischen (z. B. bei ἴαμβος / iambos) ist entscheidend:
  • Rhythmus ist zeitlich-metrisch, nicht nur akzentuell
  • Grundlage sind Silbenlängen (lang / kurz)
  • der Jambus ist ein Wechsel von kurz–lang
Inhaltlich heißt das:
Der Vers ist eine Zeitform, kein Zählmuster.
Der „Takt“ ist also realer Rhythmus, ähnlich Musik.
2) Latein: Systematisierter Takt
Im Lateinischen wird das übernommen, aber stabilisiert:
  • weiterhin quantitativ (Silbenlänge)
  • aber stärker regelhaft und schulisch fixiert
  • der Jambus wird Teil eines metrischen Systems
Inhaltlich:
Der Takt wird zu einer regelbaren Struktur
Die lebendige Zeit wird zur Normform.
3) Deutsch: Übergang zu Betonung statt Länge
Im Deutschen verschiebt sich das Grundprinzip:
  • nicht mehr Silbenlänge (wie im Griechischen/Lateinischen)
  • sondern Betonung (Akzent)
Der Jambus wird:
  • unbetont – betont: ˘ —
  • also ein Akzenttakt
Inhaltlich:
Der Vers wird zu einem Stress-/Längenrhythmus der Sprache
Der entscheidende Strukturbruch
StufePrinzipInhalt des „Takts“
AltgriechischLänge (Zeit)echte zeitliche Silbenstruktur
LateinLänge (Regel)normiertes System der Länge
DeutschBetonungsprachlicher Akzentrhythmus
 



 
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