Pastiche

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HerbertH

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Lieber Walther,

freut mich, dass es Dir gefällt. Du hast wahrscheinlich erkannt, wem die Pastiche gilt?

Liebe Grüße

Herbert
 
Hallo Herbert,

ich versuche mich jetzt schon mehrmals an der Dechiffrierung dieser interessanten Reime.
Der Ausdruck „Pastiche“ hat mich neugierig gemacht.

>wiki: Imitation; auf künstlerischem Gebiet oder in der Architektur.
Es gibt zwei Spielarten: 1 Satire 2 Hochachtung = Hommage.

Zum Gedicht.
Endet die Leier, gottlob,
endlich ermattet,
die uns den Abend zerstob,
niemals gestattet.
Beim Ausdruck „Leier“ denke ich an den Sinnspruch: der Künstler gleicht einer Leier, der die die Schwingungen der gegenwärtigen Zeit widergibt.
Leier, endet, gottlob. Das sagt mit nichts – außer, das eine Leier nicht endet. Die Schwingungen, die der Spieler auf dem Instrument hervorbringt, die enden.
Die Leier ermattet, die Leier zerstob den Abend, die Leier ermattet endlich.
Also, mit dieser Leier kann kein Musikinstrument gemeint sein. Diese Leier ist allegorisch gemeint – nur für was?
Die Leier = das Nervensystem. Der Mensch als Instrument, der die Schwingungen des Universums aufnimmt und widergibt. In Anlehnung an „ Joachim Behrendt: die Welt ist Klang“; könnte hinkommen.

Dann:
Endet Sermon voller Nichts,
sinnfrei verbreitet,
Predigt des Weltengerichts,
Seufzerbegleitet.
Sermon: Wischiwaschi- Gespräch? Wiki: Predigt, theologischer Begriff. Oha, daneben getippt.
Also, eine Predigt voller Nichts, sinnfrei, von Seufzern begleitet.
Das muss nicht sein. Ich kann mir auch vorstellen, dass Predigten dem Zuhörer etwas bringen können; sie könnte ihn zum Beispiel zum Nachdenken bringen.
Weltengericht. Der jüngste Tag. Apokalypse. Da gibt es Haue. Glaube ich nicht. Die Schöpfung ist lieb.
Klaus-Peter Dürr sagt das ansatzweise auch. Die Schöpfung tobt nicht; das hat die gar nicht nötig.

Dritte Strophe:
Dann herrscht fast Ruhe im Raum,
höret genauer:
Stille, die rauscht.
Einsam streicht Wind durch den Baum,
Spürt Ihr die Trauer?
Nichts, abgelauscht.
Dann – wann dann? Aha, nachdem „Endet Leier“ und nachdem „Endet Sermon“, danach herrscht Ruhe im Raum.
Stille, die rauscht: der X hört das innere Rauschen (das eigene Blut rauschen?). Oder das Selbst, die innere Stimme?
Einsamer Wind rauscht durch den Baum. Woher kommt denn nun der Baum? Baum-Allegorie = das Gehirn, das Nervensystem, Verästelungen, baumgleich?
Spürt ihr die Trauer? Im Moment nicht.
Nichts, abgelauscht. Hier kommt wieder die Biegung zum Titel: Pastiche, Imitation.

Mal nachdenken: Imitation. Die Leier endet. Die Predigt endet. Dann herrscht (innere) Ruhe.
1. Das Gedicht könnte etwas mit dem Tod/ Ende zu tun haben. Der Mensch versucht das Werk des Schöpfers zu imitieren, und das klappt nicht.
2. Einkehr:
Ich tippe auf eine Empfehlung zur inneren Einkehr.
Ein guter Tipp.

Und ein interessanter Ausflug.
Danke und liebe Grüße. Rhondaly.
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Rhondaly,

es ging mir bei dieser Pastiche um die Auseinandersetzung mit einer Dichtergröße, zu der ich schon seit der Schulzeit ein gebrochenes Verhältnis habe. Insofern passt Pastiche in der Doppelbedeutung, weil genau in dieser Gespaltenheit die Intention des Gedichtes liegt. Ich werde jetzt nicht "verraten", um welchen Dichter es geht. Das Werk von ihm, auf dass sich mein Gedicht bezieht, ist eines derer, die ich gut nachvollziehen, denen ich etwas abgewinnen kann. Mit anderen geht es mir nicht immer so.

Vor diesem Hintergrund gelesen, mag sich das Gedicht eher erschliessen.


Mit Deinen Überlegungen bist Du häufig sehr dicht an dem, was ich mir beim Schreiben vorstellte. Nur eines: Es gibt noch weitere Bedeutungen von Leier.

Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar, der mir zeigt, dass dieses Gedicht zumindest Neugier wecken kann, was dahintersteckt.

Liebe Grüße

Herbert
 

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