pathos

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HerbertH

Mitglied
pathos

in den brüsten der nacht
sammeln sich tautropfen
statt der milch die nährt
harren auf die tröstenden
finger der sonne
um sich verdunstend
zu verabschieden

ungetrunkene nässe
auf dem antlitz dessen
dessen geschwollene zunge
zum lecken nicht
mehr taugt
und keine lust
mehr verteilt

auf den schultern ohne hals
windet sich kein kopf
und kein mund
und kein auge
davon zu rollen
und zu sprechen
und zu sehen

einzig gedanken quillen
durch die adern
in denen nichts fließt
in die häuser
ohne einwohner
in die sarkophage
ohne erinnerung
 

ENachtigall

Mitglied
Sehr beeindruckende Bilder und Sprache.

Beim doppelten "dessen" vielleicht lieber: ... jemandes antlitz dessen ...

Grüße von Elke
 

HerbertH

Mitglied
pathos

in den brüsten der nacht
sammeln sich tautropfen
statt der milch die nährt
harren auf die tröstenden
finger der sonne
um sich verdunstend
zu verabschieden

ungetrunkene nässe
auf jemandes antlitz
dessen geschwollene zunge
zum lecken nicht
mehr taugt
und keine lust
mehr verteilt

auf den schultern ohne hals
windet sich kein kopf
und kein mund
und kein auge
davon zu rollen
und zu sprechen
und zu sehen

einzig gedanken quillen
durch die adern
in denen nichts fließt
in die häuser
ohne einwohner
in die sarkophage
ohne erinnerung
 

stella.m. r.

Mitglied
...ich verstehe den text zwar nicht, weiss nicht was so genau damit gemeint ist, aber er gefaellt mir sehr und empfinde in absolut gut !!!
stella :)
 
Lieber Herbert,
unpathetisch pathos zu bedichten ist nicht einfach. Dir ist es hier gelungen. Allein "ungetrunkene nässe" klingt für meine Ohren nicht ganz stimmig. "ungetrunkenes nass" wäre mir lieber. Aber das ist eine absolute Kleinigkeit.
Gruß und guten Rutsch
Karl
 
A

AchterZwerg

Gast
Von dir ist dieses schöne Teilchen! Da habe ich beim heiteren Autorenraten diesmal aber ganz falsch gelegen. ;)
Glückwunsch, Herbertsche
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

mir scheint, Du hast hier eine Ecke beschrieben, in der zertrümmerte Skulpturen stehen. Vielleicht kann man sie nicht mehr ausstellen, vielleicht warten sie auch auf eine Restaurierung. Jedenfalls stehen sie im Freien. Und obgleich sich hier alles zu verabschieden scheint, weil nur noch Überreste vorhanden sind, ist dieser Ort dennoch erfüllt von dem, was die Figuren dem Betrachter ursprünglich zu sagen hatten.

Da "rinnen noch Gedanken" und teilen sich dem Betrachter mit, um von längst vergangenen Zeiten Kunde zu geben.

Insofern passiert an diesem Ort ganz unpathetisch dennoch für den, der zu schauen weiß, großes Pathos.

Wirklich beeindruckend, wie Du das hingekriegt hast. Wenn ich mich richtig erinnere, hattest Du dieses Thema schon einmal bearbeitet. Damals verstand ich das noch nicht so richtig.

Glückwunsch zu diesem Text!

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Stella,

dieses Gedicht ist sicher nicht einfach zu interpretieren. Ich werde noch nicht allzu viel dazu sagen, ganz einfach, um allen Lesenden "Luft" für die eigene Lesart zu lassen.

Freut mich, dass Dir das Gedicht trotzdem gefällt.

Danke für den Kommentar, liebe Grüße und einen Guten Rutsch

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Karl,

interesant, dass Du von unpathetischem Pathos schreibst.

Ich hatte zunächst einen anderen Titel gewählt und erst nach nochmaligem Lesen "Pathos" als richtig empfunden.

Denn für mich ist das Gedicht schon als Pathos-Stil zu werten.

Allerdings gibt es ja auch die Urbedeutung "Pathos = Leid" und, viele weitere historisch bedingte Bedeutungen des Wortes, siehe z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Pathos
Wer auf Wortspiele aus ist, könnte mit Recht von einem "Schillernden Begriff" reden :).

Allerdings ist "pathetisch" umgangssprachlich negativ besetzt, "pathetic" ist im Englischen sogar sehr abwertend.

Insofern also lieber "Pathos" als "pathetisch".

Über Deinen Vorschlag "ungetrunkenes nass" muss ich noch mal nachdenken. Im Augenblick gefällt mir "ungetrunkene nässe" noch besser. Warum würdest Du "ungetrunkenes nass" vorziehen.

Danke für Deinen anregenden Kommentar und guten Rutsch

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Heidrun, achte Zwergin,

hab ich erfolgreich Mimikry gespielt ? ;) Wen hattest Du denn unter "Verdacht"?

Freut mich sehr, dass das Gedicht bei Dir so gut ankommt, Du hattest ja schon in "Anonymus" eine schöne Wertung vergeben :).

Liebe Grüße und Guten Rutsch

Herbert(schä :D )
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

meinst Du eventuell http://www.leselupe.de/lw/titel-im-dunklen-park-106025.htm oder gar http://www.leselupe.de/lw/titel-Gerettete-Goetter-103483.htm ?

Als ich das Gedicht schrieb, habe ich nicht an diese Gedichte gedacht. Es ging mir um die Darstellung von "Leid". Dies und vor allem der Begriff "Pathos" ist allerdings sehr "schillernd", als "pathetisch" auch negativ besetzt, wie ich schon in meiner Antwort an Karl schrieb.

Die Situation der zerstörten Statuen, von der Du ausgehst, ist eine sehr interessante Deutung, die sich gleich als Bild erschließt. Danke Dir dafür, denn Lyrik lebt in den Vorstellungen der Lesenden.

Um möglichen anderen Interpretationen nicht "das Wasser abzugraben", deute ich jetzt mein Gedicht lieber nicht weiter. ;)

Liebe Grüße und guten Rutsch

Herbert
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

ja es war "Gerette Götter", woran ich erinnert wurde. Danke, dass Du es mir aufgezeigt hast. Es ist immer blöd, wenn man sich an etwas Bestimmtes erinnern möchte und es klappt einfach nicht.;)

Ich freue mich, dass dieser Text hier so gut "ankommt".

Einen guten Rutsch und ein glückliches und kreatives Neues Jahr ! :)

Liebe Grüße
Vera-Lena
 
A

AchterZwerg

Gast
Herbert, lieber,
anfangs verdächtigte ich Serge Gurski - ja nicht wirklich eine "Schande." ;)
Herzlichst, Heidrun
 

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