Pfeffermännchen-Geschichten Teil 2

molly

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Pfeffermännchen-Geschichten Teil zwei

Als Azuro einmal nicht einschlafen konnte*
Das neue Haarnetz*
Kuniberts letzter Einbruch*
Kunibert und Richter Klagewetter*
Die Strafarbeit*
Nächtlicher Besuch*

Als Azuro einmal nicht einschlafen konnte
Der Inspektor hatte den Pfeffermännchen versprochen, die Räuber zu suchen. So setzte er sich früh am Morgen auf seinen Motorroller und fuhr los. Kunibert rieb sich in seinem Baumhaus die Hände. Er beobachtete den Polizeiinspektor, der langsam den Wald durchstreifte, öfters mal vom Roller stieg und unter ein Gebüsch kroch.
„Der findet uns nie", sagte Kunibert leise zu seiner Kunigunde.
Langsam wurde es dämmerig und ganz in der Nähe von Kuniberts Baumhaus hob der Inspektor zornig seine Faust in die Höhe. „Eines Tages erwischen wir dich, Kunibert", schrie er. Der Räuber grinste nur und schob sich ein Gummibärchen in den Mund. Während der Inspektor viele Tage den Wald durchkämmte, planten die beiden Räuber flüsternd ihre nächste Untat. Sie mussten nur warten bis der Inspektor wieder abzog.

Längst schon war die Sonne untergegangen. Die Pfeffermännchen lagen in ihren Betten und beinahe alle schliefen, nur Azuro nicht. Ruhelos wälzte er sich von der einen auf die andere Seite. Er seufzte leise und fing an zu zählen, vielleicht wurde er davon müde. Azuro begann mit der Eins. Dabei fiel ihm ein, dass er zum ersten Mal nicht einschlafen konnte. Dann zählte er weiter. „Zwei!“ Das war eine gute Zahl, denn zwei Jahre lebte er nun bei Roto. Doch bei der Drei dachte er daran, dass er in letzter Zeit drei Menschen kennen gelernt hat: Riese Willibald, Kunibert und Kunigunde. Azuro flüsterte die Vier in sein Kopfkissen. Vier Pfeffermännchen lagen hier im Zimmer. Danach überlegte er, wo wohl das fünfte Pfeffermännchen steckte. Als Azuro merkte, dass er beim Zählen gewiss nicht einschlafen konnte, beschloss er, in der Küche ein Tasse Milch zu trinken. Bauer Merten tat das jeden Abend und schlief stets gut ein. Er schlug die Bettdecke zurück und schwang die Beine über den Bettrand. Er schlüpfte in seine Hausschuhe und stieg leise die Wendeltreppe hinunter. Zuerst öffnete er das Fenster und schaute in die Nacht hinaus. Azuro sah nichts, nicht einmal ein Stern leuchtete am Himmel.

Gerade wollte er das Fenster wieder schließen, als er in Bauer Mertens Wohnstube ein kleines Licht entdeckte. Ein seltsames, geheimnisvolles Licht war das, es tanzte auf und ab, huschte hin und her und Azuro wurde immer neugieriger. Er vergaß sich anzuziehen und in seinem blauen Nachthemd verließ er das Häuschen. Auf Zehenspitzen schlich Azuro zum Bauernhaus. Er versteckte sich hinter einem Strauch und spähte zum Wohnzimmerfenster. Und da entdeckte er den Räuber Kunibert, der mit einer Taschenlampe in der Hand, an das offene Fenster trat und ein Kästchen hinaus warf. Azuro rieb sich vergnügt die Hände. "Na, warte, du Schurke, das Kästchen hole ich mir", murmelte er leise. Er trat hinter dem Strauch hervor und blieb wie angewurzelt stehen. Kunigunde kauerte unter dem Fenster und alles, was der Räuber hinaus warf, verstaute sie in einem Korb.

„Hilfe, Hilfe, da sind Räuber“, schrie Azuro in die stille Nacht hinein. Davon erwachten die Bauersleute und die anderen Pfeffermännchen. Bauer Merten knipste das Licht in der Schlafkammer an und eilte barfuß die Treppe hinunter. Inzwischen war Kunibert vor Schreck über einen Stuhl gestolpert und klettert hastig aus dem Fenster. Er packte Kunigunde am Arm und lief mit ihr davon. Azuro jagte hinterher, nicht, um die beiden zu fangen, sondern um zu sehen, wohin sie flüchteten.

Als Bauer Merten in die Stube kam, sah er gerade noch, wie die Räuber in der Dunkelheit verschwanden. Er griff zum Telefon, rief den Polizeiinspektor Stutzhuber an und meldete den Überfall.
Der Inspektor brummte: „Bin sofort da", und warf den Hörer auf die Gabel. Er setzte seine Baskenmütze auf, holte den Motorroller aus der Garage und brauste zum Bauernhof. Auch Roto, Gelbert und Grünter hatten den Schrei gehört und standen auf. Sie zogen sich an, gingen zu den Bauersleuten und warteten mit ihnen auf den Inspektor. Es dauerte nicht lange, bis der in den Hof fuhr. Die Pfeffermännchen und die Bauersleute standen unter der Haustür und winkten ihm aufgeregt zu. Der Inspektor drehte eine Runde um den Bauernhof. Dann schloss er sein Vehikel sorgfältig ab und ging mit den Pfeffermännchen, dem Bauer und der Bäuerin in die gute Stube. Er setzte seine Brille auf, holte das Notizbuch aus der Hosentasche und schrieb alles auf, was Bauer Merten ihm über den Einbruch erzählte.
Dann räusperte er sich und fragte: "Wie sind die Diebe ins Haus gekommen?"
„Sie haben kein Fenster eingeschlagen, also müssen sie durch die Hintertür ins Haus geschlichen sein, wir vergessen manchmal, diese Türe zu verriegeln“, antwortete die Bäuerin kleinlaut.
„Das ist aber sehr leichtsinnig", sagte der Inspektor und schüttelte den Kopf. „Was wurde gestohlen?“
„Nichts, die Banditen haben die Beute zurück gelassen, als sie sich aus dem Staub machten", berichtete Bauer Merten.
"Sehr vernünftig", brummelte Stutzhuber und fragte weiter. "Habt ihr keinen Hofhund, der euch vor Räubern warnt und beschützt?"
„Doch, aber die Diebe gaben unserem Bello eine dicke Bockwurst, an der frisst er immer noch und so hat er das Bellen vergessen", antwortete der Bauer. "Interessant, interessant", bemerkte Inspektor Stutzhuber, „Wer hat denn die Einbrecher entdeckt?" wollte er nun wissen.
"Azuro natürlich“, sagte die Bäuerin.
"Aha, aha", machte der Inspektor, "und wo steckt der?" „
„Das wissen wir leider auch nicht“, antwortete Roto.
"Hoffentlich ist ihm nichts passiert“! sagte Grünter und Gelbert knabberte an seinen Fingernägeln.
Inspektor Stutzhuber klappte sein Notizbuch zu. "So, so sagte er und setzte sich auf einmal kerzengerade hin. Er legte den Zeigefinger auf den Mund und flüsterte: "Seid ganz still, ich höre Schritte, vielleicht sind die Räuber zurückgekommen, um die Beute zu holen!“ Er winkte den Bauer zu sich und gemeinsam schlichen sie zur Haustür. Mit einem Ruck riss der Inspektor die Tür auf und vor ihm stand Azuro.
Der wich erschrocken zurück. "Oh, Herr Inspektor, mir klottern die Schnie, ich meine, mir schlottern die Knie“, stammelte Azuro. "Du hast doch keine Angst vor mir, deine Knie schlottern, weil du mitten in der kühlen Nacht in einem dünnen Hemd durch die Gegend läufst. Komm herein und sag uns, was du von dem Überfall weißt.“
Azuro setzte sich auf einen Stuhl. Nun erzählte er, dass er nicht einschlafen konnte und das geheimnisvolle Licht gesehen hatte. Er berichtete, wie er Kunibert und Kunigunde entdeckt und erschreckt hatte und ihnen heimlich gefolgt war.
"Bist du ganz sicher, dass die beiden Räuber Kunibert und Kunigunde waren?“, fragte der Inspektor.
"Oh, ja", strahlte Azuro. „Die Räuberin blieb auf der Flucht an einem Strauch hängen und hat dabei dieses Teil verloren", lachte er. Er öffnete seine Faust und ein Haarnetz mit feinen Perlen fiel auf den Tisch.
„Das gehört Kunigunde! Ich habe es vom Strauch gepflückt!“
„Meisterhaft, ganz meisterhaft! Weiß Kunigunde, dass du ihr Haarnetz hast?" fragte er.
Azuro schüttelte den Kopf. "Nein, nein", sagte er, „Kunigunde wollte zurücklaufen, um das Netz zu holen, aber Kunibert hat sie weiter in den Wald gezerrt."
Polizeiinspektor Stutzhuber wiegte den Kopf nachdenklich hin und her. "Höchste Zeit, dass ich die Banditen fasse. Mit Kunigundes Haarnetz stellen wir dem Räuberpaar eine Falle, helft ihr mir dabei?" fragte er.
"Ja“, riefen alle begeistert. Sie rückten mit ihren Stühlen nahe an den Tisch und steckten die Köpfe zusammen. Polizeiinspektor Stutzhuber erklärte ihnen flüsternd, wie er Kunibert und Kunigunde in die Falle locken wollte. Sie tuschelten, wisperten und besprachen den Plan noch eine Weile. Dann begleiteten sie den Inspektor hinaus. Beim Abschied sagte er: „ Der Plan ist unser Geheimnis, nichts verraten!“ Er setzte sich auf seinen Motorroller und fuhr zufrieden nach Hause. Der Bauer und die Bäuerin schlossen ihr Haus sorgfältig zu und legten sich ins Bett. Die Pfeffermännchen machten sich auf den Heimweg. Azuro gähnte laut und vergaß, dass er noch Milch trinken wollte. Er kroch unter seine Decke und schlief schon, als die anderen erst wieder ihre Nachthemden anzogen.
Roto sagte“ Was für eine Nacht. Schlaft gut!“ „Ja, du auch“, flüsterte Grünter und Gelbert brummelte leise.
*
Welches Licht hat Azuro entdeckt?
Ich habe so eines schon in die Tasche gesteckt.
┴ɐsɔɥǝulɐɯdǝ
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Das neue Haarnetz
Während die Pfeffermännchen, die Bauersleute und Inspektor Stutzhuber einen Plan ausheckten, wie sie endlich Kunibert und Kunigunde fangen konnten, gelangten die beiden Räuber keuchend zu ihrem Baumhaus und kletterten hastig hinein. Die Räuberfrau warf sich auf den Boden und heulte zornig. "Mein wunderschönes Haarnetz hängt am Busch“, schluchzte sie.
"Sei still, ich bin müde und will schlafen. Wie gut, dass uns niemand erwischt hat", knurrte Kunibert. Er warf sich in seine Hängematte und Kunigunde schluchzte noch mehr. Sie stand auf und stellte sich neben Kunibert.
„Ich brauche aber mein Haarnetz“, weinte sie.
„Schneide deine Haare kurz, dann brauchst du kein Netz, das sie zusammenhält", murmelte er schläfrig. Kunigunde stampfte einmal laut auf, packte Kuniberts Hängematte und stieß sie weit von sich. Der Räuber schaukelte wild hin und her.
"Aufhören, sofort aufhören, mir wird übel“, jammerte Kunibert.
"Erst wenn du mir versprichst, mein Haarnetz zu suchen", antwortete Kunigunde und versetzte ihm einen neuen Stoß.
„Ja, ja, ich verspreche dir alles, aber bitte hör auf, mich zu schaukeln, ich bitte dich, hör auf“, flehte Kunibert. Kunigunde hielt die Hängematte fest und beugte sich über ihren Räuber. "Vergiss dein Versprechen nicht, denn ohne Haarnetz kann ich dir bei deiner Räuberei nicht helfen, ohne Haarnetz bin ich keine Räuberfrau, verstanden?"
„Klar, morgen kümmere ich mich um dein Haarnetz, großes Räuberehrenwort", murmelte er und drehte sich auf die Seite. Als Kunigunde in ihre Hängematte kletterte, schlief der Räuber bereits. Zum Glück schnarchte er nicht, sonst hätte der Inspektor ihn entdeckt. Auf seinem Heimweg drehte Inspektor Stutzhuber noch eine Runde durch den Wald. Dann ging auch er nach Hause, legte sich ins Bett und schlief ein.
*
Kunibert besorgt ein neues Netz
Sehr früh am Morgen stand Kunigunde auf. Sie hatte schlecht geschlafen, Haarsträhnen fielen ihr ins Gesicht und das fand Kunigunde schlimmer, als Haare in der Suppe. Sie brauchte dringend ihr Netz, ihr wunderschönes Netz mit den Perlen. Sie versetzte Kunibert einen Nasenstüber. Er nieste heftig, drehte Kunigunde den Rücken zu und schlief weiter.
Da zupfte sie ihn am Schnurrbart und sagte: „Entweder du stehst sofort auf oder ich schaukle dich."
„Nein nur das nicht", rief der Räuber und sprang mit einem Satz aus der Hängematte.
Beim Frühstück sagte Kunibert: "Die Blätter färben sich schon bunt. Bald fallen sie ab und wir müssen unser schönes Baumhaus bis zum nächsten Sommer verlassen."
"Ja", nickte Kunigunde, "der Herbst kommt. Hast du dich nach einem Winterquartier umgesehen?" fragte sie.
„Wir könnten in die alte Mühle einziehen", schlug Kunibert vor.
Kunigunde schüttelte den Kopf. „Da wohnen zu viele Mäuse und Ratten. Wir waren in letzter Zeit sehr fleißig und haben viel Geld gestohlen. Damit mieten wir uns über den Winter einen gemütlichen Wohnwagen."
„Kunigunde, du bist ein Schatz", rief der Räuber erfreut aus. Doch dann nagte er an den Lippen und fragte: „Ist das nicht zu teuer?" Kunigunde schlug den Deckel der Schatzkiste zurück, holte einen Strumpf voller Geldstücke heraus und zeigte ihn Kunibert.
"Vier solche Geldsocken haben wir, das reicht", sagte sie.
Kunibert klopfte zufrieden auf den Geldstrumpf. "Ich hole dein Netz, pack du unsere Sachen für das Winterquartier“, sagte er und kletterte aus dem Baumhaus.
Während Kunigunde das Geschirr, die Töpfe, die Hängematten und alle geraubten Schätze in Rucksäcke verstaute, suchte Kunibert im Wald das Haarnetz. Er fand den Busch, an dem Kunigunde das Netz verloren hatte, doch das war verschwunden. Er kniete sich auf den Boden und suchte weiter. Da hörte er ein leises Motorengeräusch. Vorsichtig zog er sich in den Wald zurück und kletterte auf die hohe Eiche. Kunibert entdeckte den Polizeiinspektor Stutzhuber. Er stellte seinen Motorroller hinter einen Baum und legte sich neben der Brombeerhecke auf die Lauer. Der Räuber lächelte grimmig.
"Du kannst warten, bis du schwarz wirst, mich erwischt du nicht", murmelte er leise. Er beschloss in die andere Richtung, nach Schneckenberg, zu laufen, um dort für seine Kunigunde ein Haarnetz zu besorgen.
Kunibert konnte nicht nur gut auf Bäume klettern, er war auch ein schneller Läufer. Bald kam er in Schneckenberg an. Doch in welchem Geschäft gab es Haarnetze? Kunibert braucht nicht lange zu suchen. Beim ersten Geschäft stand draußen vor dem Schaufenster ein Tisch und darauf lagen Netze in allen Farben und Größen. „Ein guter Räuber wird niemals etwas kaufen, das er leicht klauen kann", sagte sich Kunibert. Er schaute sich verstohlen um, niemand beobachtete ihn. Blitzschnell langte er sich ein grünes Netz und rannte zurück in den Räuberwald. Flink kraxelte er ins Baumhaus und überreichte freudestrahlend Kunigunde seine Beute.
„Bei dir piept es wohl, ich will ein Haarnetz und keine grünen Paprika", fauchte sie ihn an. Kunibert nahm ihr das Netz wieder ab und legte es auf den Boden. Dann schnitt er mit seinem Messer ein Loch hinein und holte die Früchte raus. Das leere Netz warf er Kunigunde in die Arme.
"Bist du nun zufrieden?" brummte er.
„Eigentlich finde ich dieses Netz sehr hübsch", sagte sie und legte es um ihre Haare. "Aber mein altes, schwarzes wäre mir lieber, das fällt nicht so auf. Und ich weiß auch, wer mein Netz hat.“
"Erzähl doch mal“, sagte Kunibert. Sie setzten sich nebeneinander auf den Boden und lehnten sich an der Baumhauswand an. Dann sagte Kunigunde: „Als ich alle unsere Sachen gepackt hatte, knurrte mir der Magen. Ich ging zu Bäcker Hinz, um 2 Stück Streuselkuchen zu kaufen. An der Tür der Bäckerei hing dieser große Zettel!"
Sie holte ein Blatt aus ihrer Tasche und drückte es Kunibert in die Hand. Kunibert riss erstaunt die Augen auf und las:

WUNDERSCHÖNES H A A R N E T Z GEFUNDEN kann nachmittags bei Bauer Merten abgeholt werden!

"Wir holen dein Netz, natürlich nicht am Nachmittag, sondern heute Nacht“, versprach Kunibert.
Aber damit war Kunigunde nicht einverstanden. „Heute Nacht passt Bauer Merten sicher auf, dass niemand in sein Haus einbricht. Also ziehen wir zuerst in unser Winterquartier und in zwei Nächten schleichen wir ins Bauernhaus und klauen mein Haarnetz.“
Kunibert und Kunigunde freuten sie sich auf ihre neue Wohnung. Frohgemut schnallten sie sich den Rucksack auf den Rücken und marschierten schweigend zum Campingplatz. Sie mieteten den schönsten Wohnwagen, mit weichen Betten, Kühlschrank, Herd und einer kuscheligen Sitzecke. So ein gemütliches Winterquartier hatten sie noch nie. Sie packten ihre Sachen aus und aßen den Streuselkuchen. Dann legten sie sich in ihre warmen Betten. Während sie miteinander redeten, strich der Wind um den Wohnwagen und sang für sie ein wundervolles Abendlied.
*
Rate:

Das Haus hat Räder und ist klein,
da ziehen nun die Räuber ein.

Moɥuʍɐƃǝu
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Kuniberts letzter Einbruch

Die Pfeffermännchen, Bauer Merten und Polizeiinspektor Stutzhuber saßen im Bauernhaus am Tisch. Sie hatten zuvor an alle Geschäftstüren der Gegend Zettel gehängt. Auf denen stand mit großen Buchstaben, dass man bei Bauer Merten ein Haarnetz abholen kann. Nun besprachen sie noch einmal den Plan, mit dem sie Kunibert fangen wollten.

„Sicher haben die beiden Räuber schon einen Zettel gelesen und wissen jetzt, wo Kunigundes Haarnetz liegt", sagte Roto.
"Der Räuber wird noch einmal bei Bauer Merten einsteigen, um das Netz zu holen und dabei erwischen wir ihn", bemerkte Azuro und lächelte.
"Von nun an müssen wir jede Nacht das Bauernhaus bewachen. Helft ihr mir dabei?“ fragte der Polizeiinspektor Stutzhuber.
"Klar", riefen die Pfeffermännchen und klatschten begeistert in die Hände. Bauer Merten nickte nur.

Seit zwei Abenden gingen die Pfeffermännchen gleich nach Sonnenuntergang zum Bauernhof. Sie versteckten sich mit Bauer Merten und Inspektor Stutzhuber im Stall, in der Scheune und im Haus und warteten auf Kunibert. Zwei Nächte lang blieb alles ruhig.
"Vielleicht hat Kunibert seiner Kunigunde schon längst ein neues Haarnetz gekauft", flüsterte Gelbert.
Der Polizeiinspektor brummte: „Was ein Räuber klauen kann, das kauft er nicht.“
In der dritten Nacht saß Azuro wieder in der Scheune und bewachte die Haustür. Er beobachtete vom Kuhstall aus die Hintertür. Es war eine dunkle Nacht. Kein Stern leuchtete am Himmel, der Mond schien nicht und auch im Bauernhaus war alles finster. Da bellte der Hund, einmal nur, und war gleich wieder still. Azuro spähte aus dem kleinen Stallfenster. Ein Mann schlich gebückt zur Hintertür. Azuro wartete, bis der Kerl im Haus verschwunden war. Dann verließ er den Stall und krächzte einmal wie ein Rabe. Jetzt wusste der Inspektor, dass ein Fremder im Haus war. Azuro folgte dem Eindringling durch die Hintertür und schloss sie von innen ab. Wenn Kunigunde in der Nähe war, konnte sie nicht ins Haus kommen. Den Schlüssel steckte er in seine Hosentasche. Auf Zehenspitzen schlich er zur Flurgarderobe und versteckte sich hinter einem Mantel.
Der Einbrecher betrat die Wohnstube. Kurz nur strahlte er mit seiner Taschenlampe die Möbel an und hätte am liebsten laut gejubelt. Das Haarnetz, das er suchte, lag in der Mitte des Tisches auf einem Stückchen Holz. Vorsichtig tastete er sich zum Tisch, griff nach dem Netz und schrie laut auf. Das Stückchen Holz klammerte sich an seine Hand. Er riss es ab und schleuderte es in die Ecke. Seine Finger taten weh, er tanzte jammernd auf einem Bein und schlenkerte seine schmerzende Hand hin und her. Das Stückchen Holz war eine Mausefalle! Bauer Merten hatte inzwischen schon das Licht angeknipst, die Pfeffermännchen eilten herbei und Polizeiinspektor Stutzhuber befahl: „Hände hoch, Kunibert, du bist verhaftet!“
Kunibert schimpfte: „Wie könnt ihr es wagen, mich, den großen Räuber Kunibert, mit einer Mausefalle zu fangen? Meine Finger schmerzen entsetzlich!“ Der Bauer meinte: „ Du wirst einen großen Bluterguss bekommen, aber der vergeht wieder.“
„Und wer bringt meiner Kunigunde das Haarnetz? Das gehört ihr doch“, wollte er wissen. Der Inspektor steckte Kunigundes Netz in die Jackentasche: „Sie kann es auf der Polizeistation abholen!“ Kunigunde lag ganz in der Nähe unter einem Busch. Sie hatte gehört, dass sie ihr Haarnetz beim Inspektor Stutzhuber abholen konnte und beobachtete nun, wie der ihren Kunibert abführte.
Sie streckte ihre Faust in die Luft und flüsterte: „Kunibert, ich lasse dich nicht im Stich!“ Dann wischte sie sich die Tränen aus den Augen und ging mit schweren Schritten zurück in ihren Wohnwagen.
Auf der Polizeiwache sperrte der Inspektor den Räuber in die Besenkammer. „Morgen kommt der Richter Klagewetter, der wird dir für deine Gaunereien eine Strafe aufbrummen“, sagte Stutzhuber zum Abschied und löschte das Licht.

Die Pfeffermännchen verabschiedeten sich von Bauer Merten und eilten in ihr Häuschen. Nachdem sie sich gewaschen und die Zähne geputzt hatten, stiegen sie die Wendeltreppe hinauf und legten sich beruhigt schlafen.
*
Rate:
Hurra, hurra, es hat geklappt!
Wo mit wird der Räuber geschnappt?
Wɐnsǝɟɐllǝ
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Kunibert und Richter Klagewetter
Mitten in der dunklen Nacht machte sich Kunigunde noch einmal auf, um Kunibert zu suchen. Sie wusste, dass der Inspektor ihn auf die Polizeistation gebracht hatte. Mit einer kleinen Taschenlampe suchte sie sich den Weg. Aber nicht nur die Nacht war sehr dunkel, auch im Polizeihaus brannte bloß schwach ein Licht in einem Zimmer. Kunigunde klopfte an die Tür und der Polizist kam aus dem Zimmer. Er öffnete das kleine Fenster in der Tür und fragte: „Was ist?“
Kunigunde antwortete: „ ich habe gehört, dass der Inspektor jemand eingesperrt hat, wer ist der Kerl?“
„Das geht dich nichts an, wenn du ihn sehen willst, kannst du morgen, nach dem Mittagesseen, in den Gerichtssaal kommen.“
„Und wo ist der Gerichtssaal“, fragte Kunigunde.
„Hier im Keller natürlich“ antwortete der Polizist. Er schloss das Fenster und eilte in sein Zimmer. Kunigunde ging zufrieden in den Wohnwagen zurück. Morgen würde sie Kunibert helfen, wie, das wusste sie jedoch noch nicht.

Am nächsten Mittag eilten viele Menschen in den Gerichtssaal, um zu erleben, wie Kunibert für seine Missetaten bestraft wurde. Auch Bauer Merten saß im Saal. Nur die Pfeffermännchen blieben Zuhause. Sie fühlten sich nicht wohl, wenn so viele große Menschen zusammen kamen. Als Richter Klagewetter den Raum betrat, standen alle auf, um ihn zu begrüßen. Er setzte sich hinter den Schreibtisch, davor stand eine harte Holzbank. Polizeiinspektor Stutzhuber führte Kunibert herein und setzte sich mit ihm auf diese Bank.
Richter Klagewetter hob ein dickes Heft hoch und sagte: „Da sind alle deine Untaten aufgeschrieben, doch ich will erst einmal hören, was die Leute hier zu sagen haben."
Ein Mann erhob sich und rief: "Uns stahl er den goldenen Zahn vom Urgroßvater."
„Hammer, Axt und Säge hat er mitgehen lassen", beschwerte sich der Waldarbeiter.
„Aus unserem Garten raubte er zwei Hängematten", schimpfte ein anderer Mann.
„Bei uns ist er nachts ins Haus eingestiegen und hat Marmelade und Speck weggenommen“, rief eine Frau.
Und eine andere sagte: „Mir hat er die Eier aus dem Hühnerstall gestohlen.“
„Mich hat er arm gemacht, er nahm mein Sparschwein mit", jammerte ein Mann.
„Unseren Weinkeller hat er geplündert", empörte sich der Gastwirt.
„Uns hat er die Wolldecken aus den Betten geklaut“, rief eine Bauersfrau.

Richter Klagewetter hob die Hand. „Genug jetzt, hat jemand auch etwas Gutes über ihn zu sagen?“
„Ich“, rief Kunigunde und rauschte mit Tempo zum Richtertisch.
Der Richter hob wieder die Hand: „Langsam, langsam, wir veranstalten hier kein Wettrennen. Wer bist du?“
„Ich bin Kunigunde. Einmal bin ich sein Quartier eingedrungen und er hat mich dort wohnen lassen.“
Der Inspektor sprang auf, packte Kunigunde am Arm und setzte sie zu Kunibert auf die harte Holzbank.
Der Richter sagte: „Es reicht, Kunibert und auch du Kunigunde, ihr seid Schurken, warum habt ihr das alles getan?" Kunibert erhob sich. „Das ist Räuberart“, sagte er und setzte sich wieder hin.
„Ja, so ist das“, sagte Kunigunde
"Richterart ist es, euch für die Übeltaten zu bestrafen. Du wirst alle geraubten Schätze zurückgeben." Kunibert nickte und lächelte. Er dachte an seine kluge Kunigunde, sie hatte die Wohnwagenmiete für den ganzen Winter schon bezahlt und den Kühlschrank mit vielerlei leckeren Sachen bestückt. Der Richter konnte ihm nur Geld wegnehmen, das er noch besaß, höchstens einen Strumpf, der nur halb voll war. Der Richter sagte: „Dir wird das Lachen schon vergehen, denn du bekommst eine Strafarbeit."
„Nein, lieber geh ich ins Gefängnis", rief Kunibert erschrocken.
„Meinetwegen", sagte der Richter. "Du wirst aber solange im Gefängnis sitzen, bis du die Strafarbeit machst."
Kunigunde mischte sich ein: „Ich mache die Strafarbeit“, rief sie.
Der Richter blickte sie über den Brillenrand an und sagte: „Du bist still und redest nur, wenn ich dich etwas frage!“
"Und was ist das für eine Strafarbeit?" brummte Kunibert.
Richter Klagewetter stützte seine Ellenbogen auf den Tisch und faltete die Hände. „Sag mir, was du am besten kannst", forderte er den Räuber auf. „Stehlen, rauben, einbrechen und so weiter, und so weiter", antwortete Kunibert.
Der Richter sagte: „Mich interessiert, was bei dir „und so weiter und so weiter“ bedeutet, erklär mir das."
Kunibert räusperte sich und meinte: „das heißt, dass ich auf Bäume klettern und schnell rennen kann.“
Richter Klagewetter legte seinen Kopf auf die gestützten Hände und dachte eine Weile nach. Gerade, als Kunibert glaubte, der Richter sei eingeschlafen, erhob der sich von seinem Platz und alle Leute im Saal standen auf.
„Ich verkünde hiermit Kuniberts und Kunigundes Strafe:

1. Alle geraubten Schätze müssen zurückgeben werden. Fensterscheiben, die ihr zerbrochen habt, müsst ihr bezahlen; den Garten, den ihr verwüstet habt, sollt ihr wieder neu herrichten.
2. Kunibert, als Strafarbeit musst du eine Woche lang als Zapfenpflücker auf die höchsten Tannen klettern und die schönsten Zapfen ernten. Kunigunde muss Dir dabei helfen.
3. Kunibert, du muss uns dein Räuberversteck nennen.

Nimmst du deine Strafe an, Kunibert?" fragte der Richter.
"Ja, ja, ja“, murrte Kunibert.
„Und du auch, Kunigunde?
„Ja, ja, sagte sie.
„Nun, Kunibert, sage uns, wo ihr beide lebt", verlangte Richter Klagewetter.
Kunibert stellte sich kerzengerade hin: „Nichts lieber als das, ich wohne mit Kunigunde in einem wunderschönen Wohnwagen auf dem Campingplatz", sagte er.
„Darum haben wir dich nie im Wald gefunden", meinte der Inspektor Stutzhuber. Der Richter verließ den Raum, der Polizeiinspektor begleitete Kunibert und Kunigunde zum Wohnwagen. Er nahm die geraubten Schätze mit und befahl den beiden, am nächsten Morgen pünktlich um 7 Uhr beim Forsthaus zu sein. Da begann für Kunibert und Kunigunde die Strafarbeit als Zapfenpflücker.
Kunigunde sagte: „Wie gut, dass wir schon im Winterquartier wohnen, sonst hätten wir unser schönes Baumhaus verraten müssen! Jetzt ab ins Bett, morgen müssen wir früh aufstehen." Kaum lagen sie ihren weichen Betten, schliefen sie schon ein. Das war für die beiden ein harter Tag gewesen.
Die Pfeffermännchen saßen noch lange in ihrem Stübchen. Bauer Merten hatte ihnen von der Strafarbeit erzählt. Um Mitternacht stiegen sie in ihre Schlafkammer. Aber an diesem Abend legten sie sich nicht einfach in ihre Betten, nein, sie hopsten hinein und lachten dabei schallend. Vorläufig waren sie vor den Räubern sicher.
*

Wisst ihr das noch?
Was müssen die Räuber von den Bäumen holen?
Zur Strafe, denn sie haben viel gestohlen.
┴ɐuuǝuzɐdɟǝu
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Die Strafarbeit

Im Baumhaus wurden Kunibert und Kunigunde jeden Morgen vom Gezwitscher der Vögel wach, aber auf dem Campingplatz blieb alles still. So schliefen sie bis spät in den Mittag und wachten erst auf, als jemand heftig an die Tür klopfte. Kunigunde schaute durch das kleine Fenster. Draußen stand Polizeiinspektor Stutzhuber.
„Aufmachen, sofort aufmachen“, befahl er.
Kunigunde zog sich die Decke bis unters Kinn, Kunibert schlurfte zur Tür, öffnete sie und der Inspektor trat ein.
„Warum seid ihr heute nicht zur Strafarbeit angetreten?" fragte er mit strengem Ton.
„Wir haben verschlafen, wir besitzen keinen Wecker", sagte Kunigunde.
Der Polizeiinspektor schüttelte den Kopf: „So geht das aber nicht, kauft euch einen Wecker!“ Kunibert brummte: „Du hast alles mitgenommen, ich habe keinen Cent mehr. Oder soll ich den Wecker rauben?“
Der Inspektor zog die Stirn in Falten, holte aus seinem Geldbeutel einen Zehn Euro Schein und reichte ihn Kunibert. „Dafür kaufst du einen Wecker, und das Geld bezahlst du mir wieder zurück.“
Kunibert sagte: „ Du weißt doch, dass ich kein Geld habe, ich kann nichts zurückgeben.“
„Das wird sich ändern. Wenn du fleißig bist, kannst du als Zapfenpflücker viel Geld verdienen", erwiderte der Inspektor. „Stimmt das auch? Ist das wirklich wahr?" fragte Kunibert.
"Natürlich musst du von dem Geld den angerichteten Schaden bezahlen, aber was übrig bleibt, gehört dir."

Kunibert kaufte einen großen Wecker und am nächsten Morgen kamen die beiden pünktlich an ihre neue Arbeitsstelle. Der Förster führte sie tief in den Wald zu den höchsten Tannen. Kunibert und Kunigunde mussten einen Schutzhelm aufsetzen, Kunibert bekam Steigeisen an die Schuhe, einen Sicherheitsgurt um den Bauch und einen Leinensack um den Hals. „Ich sehe aus wie ein Bergsteiger", stöhnte er. Kunibert spuckte in die Hände und kraxelte Meter für Meter den Baumstamm hoch. Das strengte sogar ihn an und er wischte sich manchmal den Schweiß von der Stirn. Endlich gelangte er zum Wipfel. Er pflückte die dicksten Zapfen und als sein Sack voll war, band er ihn an sein langes Seil und ließ den Sack daran vorsichtig zur Erde gleiten. Kunigunde band den vollen Sack los, hängte einen leeren ans Seil und Kunibert zog ihn hoch. So schufteten sie den ganzen Tag. Am Abend hatte Kunibert drei Bäume abgeerntet und der Förster war sehr zufrieden. „Was macht ihr mit diesen vielen Zapfen?" wollte Kunigunde wissen. "Die Zapfen werden in einer Trommel getrocknet bis sie aufplatzen und der Samen heraus fällt. Diese Samen werden gepflanzt und neue Tannenbäume wachsen", erklärte der Förster.
„Arbeiten die Zapfenpflücker das ganze Jahr?" fragte Kunibert.
"Nein", antwortete der Förster, "die Zapfen sind die Früchte vom Tannenbaum, sie werden zwischen Oktober und März geerntet."
Ein Waldarbeiter kam mit Traktor und Anhänger. Kunibert und Kunigunde luden die Säcke auf, setzten sich dazu und fuhren zum Forsthaus zurück. Dort wartete schon der Polizeiinspektor Stutzhuber.
„Die beiden waren recht fleißig", lobte der Förster und übergab dem Inspektor einen Umschlag. Zwei große Scheine waren drin, zweihundert Euro. Einen Schein reichte er Kunibert.
"Der andere ist, für die zerbrochenen Fensterscheiben“, sagte der Inspektor und steckte ihn ein. So ging das nun eine Woche lang. Am letzten Tag sagte der Inspektor: "Heute endet die Strafarbeit, alle zerbrochenen Fenster sind bezahlt, ebenso der geraubte Speck, auch der Wecker. Was ihr jetzt verdient, gehört euch ganz allein."
„Wir müssen doch jetzt nicht mehr arbeiten", sagte Kunibert.
"Nein, natürlich nicht", versicherte der Inspektor. Der Förster meinte: „Wenn ihr wollt, dürft ihr gerne unsere Zapfenernte zu Ende führen. Sie dauert noch 2 Wochen, dann haben wir genug Zapfen für neuen Samen“. Kunibert mochte nicht, Kunigunde jedoch stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Seite. „Wir ernten weiter", bestimmte sie energisch. Dem Kunibert flüsterte sie ins Ohr: „Mit dieser Arbeit verdienen wir so viel Geld, dass wir den ganzen Winter sorglos im Wohnwagen verbringen können."
"Einverstanden", sagte nun auch Kunibert. Er hängte sich bei Kunigunde ein und gemeinsam gingen sie nach Hause in ihren gemütlichen Wohnwagen.

Während sich Kunibert und Kunigunde in ihre weichen Betten legten, standen die Pfeffermännchen am Schlafzimmerfenster. Sie beobachteten den Sonnenuntergang. Draußen wehte ein kühler Wind ums Haus. Als der Halbmond in ihr Schlafkämmerchen schien und nur noch die dunkle Nacht am Himmel stand, kuschelten sie sich zufrieden in ihre Bettdecken.
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Rätsel:
Ist die Schlafenszeit vorbei,
weckt er mit lautem Geschrei.
Mǝɔʞǝɹ
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Nächtlicher Besuch
Eines Abends saßen die Pfeffermännchen in ihrem Haus am runden Tisch und plauderten. Holzscheite knisterten im Ofen, Regen prasselte aufs Dach und im Schornstein heulte der Wind. Da krachte ein Ast auf die Treppe. Die Pfeffermännchen hoben lauschend den Kopf.
Azuro flüsterte: "Draußen schleicht einer ums Haus!" Gelbert meinte, das sei nur der Herbststurm. Grünter aber hatte Schritte gehört. Plötzlich rief eine fremde Stimme: „Potz Blitz.“ Dann schlug ein Holz gegen die Tür.
Roto lief zum Eingang und rief: "Fremder, wer bist du und was willst du von uns?"
Der Fremde antwortete: "Ich bin Noris Pfeffermännchen und will euch besuchen." Roto öffnete die Tür. Vor ihm stand ein kleiner Mann mit schwarzen Locken und einem großen, schwarzen Regenschirm. Noris fragte: "Sauwetter heute, darf ich eintreten?"
Azuro rief: "Du hast uns gerade noch gefehlt", und zog Noris ins Stübchen. Dieser streifte seine schwarzen Stiefel von den Füßen. Gelbert nahm ihm den Schirm ab, Noris zog seine Jacke aus und Grünter brachte ihm eine Tasse heiße Milch. Sie setzten sich alle um den runden Tisch und Roto fragte: "Warum hast du dein Haus verlassen?"
Noris schüttelte den Kopf. „Ich besaß nie ein Haus!" Azuro legte noch ein Scheit Holz ins Feuer und Noris erzählte seine Geschichte. Eine Stunde später wussten die Anderen Bescheid.
Lange Zeit wohnte Noris bei einem Bauer in der Scheune. Im Frühling pflanzte er Blumen, im Sommer pflückte er Beeren, im Herbst sammelte er Pilze. Im Winter räumte er den Schnee vom Gehweg und streute Körner für die Vögel aus. Die Bauersleute redeten kaum mit ihm und bedankten sich nie für seine Hilfe. An einem heißen Sommertag rollte ein Zirkus mit vielen bunten Wagen durch das Dorf. Auf dem Marktplatz wurde das große Zelt aufgeschlagen. Am liebsten wäre Noris gleich hingelaufen. Doch der Bauer befahl ihm Johannisbeeren zu pflücken. Er sagte: „Ich will keine einzige Beere mehr an den 6 Sträuchern entdecken!" Seufzend machte sich Noris an die Arbeit. Als er zwei Kannen Beeren gepflückt hatte, wehten ihm vom Marktplatz Musikklänge zu. Kurz entschlossen holte Noris sechs große Kartoffelsäcke aus der Scheune und hängte sie über die Sträucher. Nun konnte der Bauer keine Beeren mehr sehen. Er wusch sich am Brunnen und zog seine besten Kleider an. Dann lief er zum Marktplatz. Unterwegs traf Noris den Clown Pino. Der teilte Zettel aus, auf denen stand, dass alle Leute den Zirkus besuchen sollten. Noris half Clown Pino beim aus teilen. Danach zeigte Pino ihm alle Zirkustiere und das große Zelt. Von Nun an verbrachte Noris jede freie Minute bei Pino, der ihm viele Zirkusgeschichten erzählte. Doch nach ein paar Tagen zog der Zirkus weiter. Noris pflückte wieder Johannisbeeren und dachte dabei nur an Pino und den Zirkus. Er fühlte sich so einsam, wie noch nie. An einem sonnigen Frühlingstag gab es zum ersten Mal einen Jahrmarkt im kleinen Ort. Kaufleute legten ihre Waren auf Ständen und Tischen aus. Als Noris der Duft von Gewürzen, gebrannten Mandeln und gebratenen Würstchen um die Nase strich, verließ er den Bauernhof. Er wanderte von Stand zu Stand und entdeckte die Schießbude und den Los-stand. Noris staunte, was man alles gewinnen konnte: große Teddybären, Seifenblasen, Taschenlampen, Papierblumen und noch vieles mehr. Auch die Schiffschaukel und das Kettenkarussell gefielen ihm sehr. Wie gern hätte er sich einmal mit dem Kettenkarussell durch die Luft tragen lassen. Doch er hatte kein Geld, um diese Fahrt zu bezahlen. Die längste Zeit aber verbrachte Noris bei Beppo am Zuckerwatten Stand. Beppo hatte schlohweiße Haare und war schon sehr alt. Er freute sich, wenn Noris bei ihm stand und dankte ihm, wenn er half, die Zuckerwatte in dem großen Kessel zu rühren. Als der Jahrmarkt vorbei war und alle Händler ihre Buden abgebaut hatten, verließ Noris den Bauernhof und reiste mit Beppo zum nächsten Jahrmarkt.
Eines Tages wurde Beppo sehr krank. Er schenkte Noris den Zuckerwatten Kessel und der musste nun alleine Zuckerwatte drehen. Ohne Beppo aber gelang ihm die Zuckerwatte nicht. Einmal geriet sie zu weich und tropfte den Kindern auf die Jacken. Beim nächsten Mal war sie so fest und musste abgebissen werden. Da kam Leo, der Losverkäufer, zu ihm. Er fragte: „Warum plagst du dich mit der Zuckerwatte? Verkauf mir den Zuckerwatten Kessel. Noris überlegte nicht lange und nahm Leos Vorschlag an. Er wusste, dass Beppo nie mehr auf Jahrmärkte reisen konnte. Von Tag zu Tag wurde Beppo schwächer. Eine Weile arbeitet Noris mit Leo zusammen. Sie drehten herrliche Zuckerwatten und die Kinder waren begeistert. Nicht so Noris. Beppo hatte beim Zuckerwatten rühren stets noch Zeit für ein kleines Schwätzchen, Leo aber schuftete nur, eine Zuckerwatte nach der anderen. Er verabschiedete sich von Leo, ging noch einmal zu Beppo ins Krankenhaus. Beppo frage leise: „Gehst du auf deinen Bauernhof zurück?“
"Niemals", murmelte Noris und hätte beinah mit dem Fuß gestampft. Sein Blick blieb am schwarzen Schuh hängen. Irgendwo gab es noch andere Pfeffermännchen mit roten gelben, blauen oder grünen Sachen. Zwei Tage blieb er noch bei Beppo, dann starb der gute alte Freund und Noris machte sich auf die Suche nach den anderen Pfeffermännchen.
Die Pfeffermännchen hatten aufmerksam zugehört. Azuro sagte: "Bleib bei uns." Grünter meinte: „Du kannst uns vom Zirkus und vom Jahrmarkt erzählen." Gelbert brummelte: „Er wollte uns doch nur besuchen. Wenn er bleibt, wird das aber sehr eng hier!" Doch Roto sagte: "Dann rücken wir alle ein wenig zusammen." Und damit war Noris sehr, sehr einverstanden. Er rief: „Potz Blitz! Jetzt habe ich wieder Freunde und eine neue Heimat gefunden. Ich danke euch.“
Seither leben die fünf Pfeffermännchen in dem kleinen Haus hinter der Tanne. Sie arbeiten fleißig auf dem Bauernhof und abends erzählen sie sich wunderschöne Geschichten von ihren Abenteuern. Um Kunibert und Kunigunde sorgten sie sich nicht, die lebten noch immer im Wohnwagen.
So vergingen Winter und Frühling sehr schnell. Als die Bäume wieder Blätter hatten, besuchte Inspektor Stutzhuber eines Tages die kleinen Männer. Er hatte die Stirn in Falten gelegt und berichtete: „Der Wohnwagen ist ausgeräumt. Die Räuber sind verschwunden!“ Roto sagte: „ Vielleicht sind sie in eine andere Gegend gezogen!“ Das fanden die anderen Pfeffermännchen auch.

Ihr aber wisst bestimmt, wo sie nun wieder leben.

In dem Wald ganz tief versteckt,
und von niemand je entdeckt,
steht ein Haus hoch in den Bäumen,
darin die beiden Räuber träumen.
qɐnɯɥɐns
ENDE
 
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