Pfeffermännchen /Teil 1

molly

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Peffermännchen-Geschichten /Teil 1 (aktuelle Version 2020)

15 Geschichten zum Vorlesen als „Gute Nachtgeschichten“
für Kinder ab 3 Jahren.
Motto: Zusammen leben, Abenteuer bestehen, zusammenhalten, streiten und Kompromisse finden.

Roto, Azuro, Gelbert, Grünter und Noris Pfeffermännchen sind Zwerge und in ihrer Art so verschieden, wie ihre Lieblingsfarben; sie arbeiten zusammen und streiten manchmal.
Aber wenn es um ihren Widersacher, den Räuber geht, sind sie sich stets einig und halten zusammen.

Der Räuber wird geschnappt und bestraft und zum Schluss kommt Noris Pfeffermännchen dazu.

Ab"Der Räuber Kunibert" gibt es am Ende der Geschichte ein Rätsel.
Einige Geschichten hat der Bayerische Rundfunk als "Betthupferl" gesendet

Monika Rieger (c)
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Gute Nacht*
Gelbert kommt*
Der Räuber Kunibert*
Der vierte Mann*
Der Schreck am Nachmittag*
Der Fremde im Garten*
Willibald im Wald*
Großer Freund*
Ein schlimmer Tag*
*
Vorwort:

Wie alles begann

An einem Wintertag arbeitete ich im Badezimmer, all das, was eben in einem Badezimmer zu tun ist: Waschbecken putzen, Kacheln abwaschen und noch vieles mehr. Mein kleiner Sohn Stefan spielte im Zimmer neben an und eben hörte ich noch, wie er mit seinem Lastwagen brummend durch die Gegend fuhr. Doch jetzt war es still, gefährlich still! Hastig warf ich den Putzlappen in den Eimer und rannte ins Wohnzimmer. Stefan war nicht zu sehen. Im Esszimmer? Wieder nichts! Ich eilte in die Küche und wirklich, dort stand er auf der Arbeitsplatte vor dem Gewürzschrank. Er hielt ein Glas mit Pfefferkörnern in der Hand und erschrak sehr, als ich herein stürmte. Stefan ließ das Glas fallen und rote, grüne, schwarze und weiße Pfefferkörner rollten auf der Platte umher. Nun weinte mein kleiner Junge. Dass er die Pfefferkörner aus dem Schrank geholt hatte, fand ich natürlich nicht gut, aber so schlimm war das nun auch wieder nicht. Das Glas war nicht zersprungen und gemeinsam sammelten wir die Pfefferkörner ein. So leicht ging das nicht, viele kleine Körner waren in die hintersten Ecken gerollt. Plötzlich bat Stefan: „Erzähl mir eine Geschichte, Mami.“ „Was willst du denn hören?“ fragte ich ihn. „Erzähl mir was vom Pfeffer“, sagte er. Nahe bei der Brotschneidemaschine lagen noch 1,2,3,4,5 Pfefferkörner. Ich sagte zu ihm: Weißt du was, aus den Pfefferkörner machen wir 5 Pfeffermännchen. Begeistert klatschte er in die Hände. Ich erzählte ihm eine Geschichte und von da an wünschte er sich jeden Tag eine neue Pfeffermännchen-Geschichte. So rollten die fünf Pfeffermännchen, Roto, Azuro, Gelbert, Grünter und Noris, in unser Leben.

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Gute Nacht

Roto Pfeffermännchen


Am Rand des Dorfes stand ein großer Bauernhof. Hier wohnten Bauer Merten und seine Frau. Wenn Leute an dem Haus vorbei spazierten, bewunderten sie den farbenprächtigen Blumengarten und die Gemüsebeete. Das kleine Haus hinter dem Hof sahen sie nicht. Ein hoher Tannenbaum stand davor und nur wenige Menschen wussten, dass in diesem kleinen Haus der Zwerg Roto Pfeffermännchen lebte.
Tagsüber arbeitete Roto beim Bauern. Zuerst fütterte er die Hühner, die Enten und die Schweine. Danach streichelte er Bello, den Hund, und brachte ihm Futter. Er schrubbte die Milchkannen sauber und goss die Blumen vor den Fenstern. Wenn er den Hof gefegt und den Katzen frisches Wasser hingestellt hatte, schaute er nach, ob sich die Kühe auf den Weiden wohl fühlten.
Abends ging Roto Pfeffermännchen müde nach Hause. Er hängte seine rote Jacke an den Haken, zog die rote Mütze aus und streifte seine roten Stiefel von den Füßen. Wenn er gegessen hatte, setzte er sich in den Schaukelstuhl und las die Zeitung.
Zum Abschluss seines Tages trank er eine Tasse heiße Milch und schlürfte dabei geräuschvoll. Eine Weile lauschte er noch, wie der Wind in den Zweigen des Tannenbaums rauschte. Danach putzte Roto sich die Zähne, stieg die Wendeltreppe hinauf in sein Schlafzimmer und legte sich ins Bett.
Zu gerne hätte er jemandem von seiner Arbeit auf dem Bauernhof erzählt, aber Roto wohnte allein und so seufzte er nur leise.
Eines Abends heulte der Herbststurm um das kleine Haus. Roto Pfeffermännchen saß im Schaukelstuhl und freute sich, dass sein Stübchen so kuschelig warm war. Da klopfte jemand an die Haustür. Roto dachte, der Wind hätte Zweige an sein Haus geweht und schaukelte ruhig weiter. Auf einmal glaubte er, draußen hätte jemand „Hilfe“ gerufen. Auf Zehenspitzen schlich er zur Tür. Niemals würde er die Türe öffnen ohne zu wissen, wer draußen stand. Deshalb schaute er zuerst durch das Schlüsselloch. Auf der Treppe stand ein zitterndes Männchen. Es war ebenso klein wie er. Doch trug es statt roter blaue Kleider. Azuro Pfeffermännchen! Schnell öffnete Roto die Tür, und ein heftiger Windstoß fegte eine Handvoll Laub ins Zimmer. Roto packte den Besucher an seinem blauen Mantel und zog ihn rasch herein.
Azuro hängte seinen feuchten Mantel auf. Dann setzte er sich in den Schaukelstuhl, streifte seine blauen, völlig durchnässten Schuhe und Strümpfe ab und wärmte sich die eiskalten Füße am Ofen. Nachdem er eine Tasse heiße Milch getrunken hatte, klapperte Azuro nicht mehr mit seinen Zähnen und erzählte Roto seine Geschichte. Bald wusste Roto, was passiert war.
Azuros kleines Haus stand an einem Bach. Vor ein paar Tagen begann es in Strömen zu regnen und hörte gar nicht mehr auf. Der Bach wurde breiter und floss schnell und schäumend am Häuschen vorbei. In der Nacht donnerte und rauschte das Wasser sehr stark, und von dem Lärm wachte Azuro auf. Er stieg aus seinem Bett und schon hatte er nasse Füße. Hastig streifte er seine Kleider über, setzte sich auf den Stuhl und zog die Beine hoch. Als er gerade die Mütze aufsetzte, krachte ein dicker Baumstamm gegen die Wand und das Haus stürzte ein. Das Wasser riss alles mit sich fort, das Bett, den Tisch, den Schrank und den Stuhl, auf dem Azuro saß. Zum Glück hielt er sich daran fest und schwamm damit im eiskalten Wasser. Nach einer Weile trieb er, nahe beim Ufer, an einem Strauch vorbei. Azuro klammerte sich daran fest. Während der Stuhl alleine weiter sauste, zog er sich am Strauch hoch. Er war gerettet, doch wo sollte er hin? Alles hatte er verloren und er fing an zu weinen. Nicht einmal ein Taschentuch hatte er. So putzte sich Azuro die Nase am Ärmel seiner blauen Jacke ab und vergaß sogleich seine Not. Irgendwo lebten noch andere Zwerge mit roten, gelben, grünen oder schwarzen Kleidern. Er sprang vom Strauch, weit weg vom Wasser und landete auf einer nassen Wiese. Nun machte er sich auf die Suche nach einem anderen Pfeffermännchen.
Roto hatte aufmerksam zugehört. Er sagte: „Bleibe bei mir, dann hast du wieder ein Haus und ich bin nicht mehr allein!“ Und damit war Azuro Pfeffermännchen sehr, sehr einverstanden.

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Gelbert Pfeffermännchen kommt

Roto und Azuro Pfeffermännchen wohnten schon eine Weile zusammen. Tagsüber arbeiteten sie bei Bauer Merten. Roto fütterte die Schweine, brachte Hund Bello das Fressen und streichelte ihn. Er kümmerte sich um die Blumen und schaute nach den Kühen. Azuro streute für die Enten und Hühner Körner aus, sammelte die Eier ein und streichelte die Katze. Anschließend fegte er den Hof. Abends saßen sie in ihrem Häuschen, erzählten sich Geschichten oder spielten „Mensch ärgere dich nicht“.
An einem Frühlingsabend würfelten sie wieder einmal eifrig. Gerade, als Roto eine „6“ hatte, pochte jemand an die Haustür. Azuro flüsterte: „Vielleicht ist das ein Räuber!“ Roto schlich zur Tür und schaute durchs Schlüsselloch. Auf der Treppe stand ein Männchen in einem gelben Regenmantel. Rote öffnete die Tür. Der Zwerg im gelben Regenmantel schob Roto zur Seite und spazierte herein. Grollend sagte er: „Na, endlich, ich dachte schon, ihr wollt mich nicht herein lassen.“
Roto fragte: „Wie heißt du denn?“
Gelbert zog seinen Regenmantel aus, ließ ihn auf den Boden fallen und sagte: „Natürlich Gelbert Pfeffermännchen, siehst du das nicht?“ Er winkte Azuro kurz zu, setzte sich in den Schaukelstuhl und legte die Füße auf den Tisch.
„Beine vom Tisch“, befahl Roto.
Gelbert gehorchte, sprang wieder auf und fragte: „Gibt es nichts zu essen hier?“ Roto drückte Gelbert in den Schaukelstuhl zurück und Azuro stellte ihm eine Tasse heiße Milch auf den runden Tisch. Gelbert schlürfte geräuschvoll seine Milch und erzählte danach seine Geschichte.

Gelbert Pfeffermännchen besaß ein kleines Holzhaus. Es stand hinter einem Bauernhof unter dem alten Nussbaum. Alles war dort alt, sogar die Bäuerin und der Bauer. Eines Tages starb der Bauer. Die Bäuerin verließ das alte Haus und ging zu ihrer Tochter in die Stadt. Eine neue Familie zog ein. Der Hausherr war kein Bauer, er hieß Herr Fink und hatte einen langen, spitzen Bart. Gelbert nannte ihn „Spitzfink“, aber nur, wenn Herr Fink das nicht hören konnte.
Bald verkaufte Herr Fink alle Tiere. Danach besuchte er Gelbert in seinem Häuschen. Er befahl ihm, sobald wie möglich zu verschwinden. Aber Gelbert wehrte sich und sagte: „Du kannst mich nicht aus meinem Haus jagen!“
Der Mann erwidert mit lauter Stimme: „Doch, ich habe das Haus gekauft, alles gehört jetzt mir. Und du ziehst aus!“ Traurig packte Gelbert seinen Schaukelstuhl auf den Holzleiterwagen. Er legte den gelben Trinkbecher und ein Bündel Wäsche dazu. Dann nahm er Abschied von seinem kleinen Holzhaus. Ein letztes Mal ging er durch sein Stübchen. Er löschte das Feuer im Herd, goss alle Pflanzen und verriegelte Fenster und Türen. Nun wollte er mit dem Leiterwagen losziehen, doch der war verschwunden. Gelbert ging zu Herrn Fink und klagte ihm sein Leid. Er aber warf ihm den gelben Becher und das Wäschebündel vor die Füße und sagte: „Das kannst du mitnehmen, Leiterwagen und Schaukelstuhl gehören mir. Und jetzt zieh endlich los! Verschwinde!“
Gelbert setzte sich an den Wegrand und überlegte, wo er wohnen sollte. Nun fing es auch noch an zu regnen, und Gelbert zog seinen gelben Regenmantel an. Dabei fiel ihm ein, dass irgendwo noch andere Pfeffermännchen lebten, die lieber rote oder blaue Sachen trugen. Gelbert Pfeffermännchen wanderte viele Tage durch Städte und Dörfer. Er schlief in Scheunen und weinte jede Nacht um sein verlorenes Häuschen und den Schaukelstuhl.
Roto und Azuro hatten aufmerksam zugehört. Roto sagte: „Du musst nicht mehr weinen. Heb deine Regenjacke auf und bleibe bei uns!“
Azuro meinte: „Leg deine Füße nicht mehr auf unseren Tisch! Morgen früh werde ich Tee kochen und Roto wird Brot abschneiden. Du, Gelbert, deckst für uns den Tisch."
"Muss das sein?" fragte Gelbert brummend.
"Ja, jeder hilft hier mit", antwortete Roto.
"Und wir besorgen dir morgen noch einen Stuhl und ein Bett", versprach Azuro.
Damit war Gelbert Pfeffermännchen sehr, sehr einverstanden.
"Ich bin so müde", sagte er, drehte den Kopf zu Seite und schlief ein.
Roto flüsterte: " Was meinst du, Azuro, kann er heute Nacht im Schaukelstuhl schlafen?"
"Bestimmt," antwortete Azuro leise. Sie breiteten eine Decke über ihn und als sie die Zähne geputzt hatten, stiegen sie auf Zehenspitzen hinauf ins Schlafzimmer.
*
Der Räuber Kunibert

Polizeiinspektor Stutzhuber radelte durch den Wald. Er suchte Räuber Kuniberts Höhle, denn er wusste, dass der Räuber hier wohnte. Die Höhlen, die er entdeckt hatte, waren leer. Wo steckte der Kerl nur? Gerade eben fuhr der Inspektor unter Kuniberts Haus durch. Der Räuber blieb mucks-mäuschen still auf dem Baum in seinem Versteck sitzen.

Sobald im Frühsommer die Bäume wieder Blätter hatten, zog Räuber Kunibert aus seinem Winterquartier in den Wald, nicht in eine Höhle, sondern in sein luftiges Baumhaus, hoch oben in einer alten Buche. Er besaß eine Räuberschatzkiste, einen Trinkbecher, ein Kuschelkissen, eine Decke und eine Hängematte, in der er sehr gut schlafen konnte. Bisher hatte niemand sein Versteck im Baum entdeckt, denn Wachtmeister Stutzhuber schaute bei seiner Suche stets auf den Boden, niemals nach oben zu den Bäumen. Vielleicht hätte er den Räuber sonst schon aufgespürt.
Eines Tages, als Kunibert durch den Wald schlich, spazierten in seiner Nähe drei Kerle bis zum kleinen Waldsee. Sie waren zwar nicht sehr groß, aber Kunibert beobachtete sie voller Sorge. Bisher hatte er ungefährdet sein Wasser aus diesem See holen können. An heißen Tagen schwamm er sehr gern darin, aber wenn die kleinen Kerle kamen, war das gefährlich.
Nachdenklich strich er sich über seinen roten Schnauzbart. Er wollte sich in seine Hängematte legen und nachdenken, wie er die Burschen von dem See fernhalten könnte. Geschickt kletterte er in sein luftiges Haus und blieb vor Schreck stehen. Seine Hängematte war besetzt! Kunibert rieb sich die Augen. Träumte er? Mit einem Schritt stand er vor seiner Hängematte. Eine Frau lag darin und schlief. Sie schmiegte ihren Kopf in sein Kuschelkissen und lächelte. Die Fremde hatte wunderschöne rote Haare, auf denen ein Netz mit feinen Perlen lag. Kunibert pustete ihr ins Gesicht und davon erwachte sie. Mit einem Ruck setzte sie sich auf und rief: „Verschwinde, dieses Haus habe ich für mich geraubt, ich bleibe hier!“ Kunibert schüttelte den Kopf und sagte mit zitternder Stimme: „Das ist mein Haus und meine Hängematte! Wer bist du? Du darfst meine Sachen nicht stehlen!“
Mit heller Stimme erwiderte sie: „Ich bin Kunigunde, die Räuberin. Hau ab, lass mich in Ruhe!“ Kunibert knurrte: „Ich denke nicht daran!“ und dabei stieß er die Hängematte an. Kunigunde klammerte sich an Kuniberts Kuschelkissen und rief: „Halt die Matte an, ich kann das wilde Schaukeln nicht vertragen, mir wird’s schlecht!“ Kunibert aber zischte: „Nein, erst wenn du mir mein Haus zurück gibst!“ Als Kunigunde einen Schrei ausstieß, sprang Kunibert zu ihr. Er hielt die Hängematte an und legte ihr seine Hand auf den Mund.
„Pst! Still“, flüsterte er in ihr Ohr, „wenn uns der Inspektor entdeckt, müssen wir das schöne Baumhaus verlassen. Und ich überlege jetzt, ob du hier bleiben kannst.“ Kunigunde nickte und schob Kuniberts Hand aus ihrem Gesicht.
Kunibert setzte sich auf den Boden, zog die Knie an und legte seinen Kopf darauf. Da Kunibert alle Räuber mochte, meinte er nach einer Weile: „Wo eine Hängematte Platz hat, kann auch noch eine zweite aufgehängt werden. Du kannst hier bleiben und für mich kochen.“ Schreckensbleich kletterte Kunigunde aus Kuniberts Hängematte. Ihr Haarnetz war von Kopf gerutscht und sie steckte zuerst wieder ihre lockigen roten Haare darunter. Dann sagte sie: „Nein, ich koche nicht allein, das machen wir gemeinsam. Ich will mit dir nach Räuberart durch den Wald streifen." Damit war Kunibert einverstanden. Sie beschlossen gleich am nächsten Tag eine Hängematte, ein Kuschelkissen und einen Becher zu besorgen. Danach erzählte ihr Kunibert von den kleinen Kerlen.
Kunigunde flüsterte: „Die will ich kennen lernen." Vorsichtig kletterten sie aus dem Haus und schlichen nahe zu dem See. Sie beobachteten, wie die kleinen Kerle die Füße aus dem Wasser nahmen, Socken und Schuhe anzogen und weiter wanderten. Da waren die Räuber zufrieden und Kunigunde murmelte: „Vor diesen drei kleinen Burschen brauchen wir uns nicht zu fürchten.“ Zufrieden kletterten sie in ihr Baumhaus zurück.
Die kleinen Kerle, das waren Roto, Azuro und Gelbert Pfeffermännchen. Sie hatten einen Spaziergang gemacht und marschierten wieder nach Hause. Und was sahen sie da? Auf der Treppe saß ein kleiner Mann.
Er trug einen grünen Sonnenhut. „Willkommen, Pfeffermännchen“, rief Roto.“
Gelbert murmelte: „Allmählich wird es eng bei uns."
Azurro stieß Gelbert leicht an und rief: „Jetzt sind wir zu viert, ich freue mich! Wie heißt du denn?“
„Grünter“, antwortete der Neue. Roto stellte eine Flasche Saft auf den Tisch. Azuro holte Gläser und Gelbert rückte die Stühle zurecht, dann setzten sie sich zu Grünter. Dieser aber legte die Arme auf den Tisch, bettete den Kopf darauf und gähnte laut. „Morgen“ flüsterte er, morgen erzähle ich euch meine Geschichte und damit schlief er ein. Die Pfeffermännchen trugen ihn vorsichtig zum Schaukelstuhl. Roto zog ihm noch die Schuhe aus und Gelbert kicherte leise: „ Schaut mal, seine grüne Socken haben ein Loch!“
Azuro breitete eine Decke über Grünter. Sehr leise putzten sich die Pfeffermännchen die Zähne und legten sich in ihre Betten.
Als der Himmel ganz dunkel war und die Sterne blinkten, schliefen in dem kleinen Haus hinter dem Bauernhof vier Pfeffermännchen. Kunigunde und Kunibert schnarchten leise hoch oben in ihrem Baumhaus und träumten von vielen Abenteuern.
©Monika Rieger
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Die Frau hat es in ihrem Haar.
Wisst ihr noch, was das war?

uǝlɹǝԀ ʇᴉɯ zʇǝN uᴉƎ
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Der vierte Mann
Grünters Geschichte

In dem kleinen Haus hinter dem Bauernhof lebten nun drei Zwerge: Roto, Azuro und Gelberg Pfeffermännchen. Sie arbeiten tagsüber auf dem Bauernhof und abends erzählten sie sich Geschichten. Am Samstag und Sonntag hatten sie frei. Sie putzten ihr Häuschen und gingen spazieren, am liebsten durch den Wald bis zum kleinen Badesee.
Eines Tages saß Grünter Pfeffermännchen auf ihrer Treppe. Er war so müde und traurig, dass er zuerst schlafen wollte. Als Grünter ausgeschlafen hatte, setzten sich alle um den runden Tisch und er erzählte seine Geschichte.
Grünters Häuschen stand am Waldrand. Vor dem Haus gab es den großen Blumengarten mit einer Bank und den kleiner Parkplatz. Da stellten alle ihre Fahrzeuge ab und gingen zu Fuß weiter. Grünter bewachte die Autos und Fahrräder und nebenbei zimmerte er Vogelhäuschen und Blumenkästen. Am Abend fegte er den Platz sauber und leerte den Müllkorb aus. Dann spazierte er durch den Garten und goss die Blumen. Wenn Grünter gegessen hatte, setzte er sich auf die Bank vor dem Haus und wartete, bis die Sonne unterging.
An einem Sonntagmorgen stand der Parkplatz im Nu voller Autos. Das hatte Grünter noch nie erlebt. Am Abend brauchte er lange, um den vielen Müll wegzuräumen. Hurtig fegte er den Platz, goss die Blumen, warf sich auf die Bank und schon ging die Sonne unter. Erschöpft sank Grünter in sein Bett. Bald darauf besuchte ihn der Bürgermeister.
Er sagte: „Der Parkplatz ist zu klein, wir müssen einen großen bauen."
Grünter dachte an den vielen Müll, den die Leute zurück ließen und sagte: "Ich komme kaum noch dazu, den Sonnenuntergang zu sehen."
Der Bürgermeister brummte: "Na, ist denn das so wichtig? Du bekommst eine schöne Stange Geld, wenn du viele Autos bewachst." Aber Grünter erklärte dem Bürgermeister, dass er noch andere Aufgaben zu erledigen hätte, zum Beispiel Platz fegen, Haus putzen, Müll fort tragen und die vielen Blumen gießen.
Der Bürgermeister rieb sich die Hände rief: „Da kann ich dir helfen. Wir machen aus dem Blumengarten einen Parkplatz." Grünter schüttelte traurig den Kopf. Was würde aus den Vögeln und Schmetterlingen, aus den Käfern, Spinnen und Bienen, die in diesem Garten lebten? Und wenn noch mehr Menschen kämen, hätten die Tiere im Wald überhaupt keine Ruhe mehr! Der Bürgermeister verstand nicht, dass für das Pfeffermännchen die Pflanzen, Tiere und Sonnenuntergänge wichtiger waren, als die Autos. Schimpfend stapfte er davon. Grünter rief ihm nach, er möge den Garten in Ruhe lassen. Aber der Bürgermeister hörte nicht zu. Bald schon wurde aus dem großen Blumengarten ein kleiner und aus dem kleinen Parkplatz ein großer gebaut. Grünter musste morgens, mittags und am Abend die Müllkörbe ausleeren. Meistens war es schon dunkel, bis er die Blumen gießen konnte. Er wusste schon gar nicht mehr, wie herrlich ein Sonnenuntergang aussah und vermisste ihn.
Eines Tages wurde Grünter sehr krank. Da stürmte der Bürgermeister ins Zimmer und rief: "Die Leute beschweren sich, weil niemand die Autos bewacht. Überall liegen Flaschen, Dosen, Papier und Kaugummis herum! Sogar einen Teppich habe ich unterm Gebüsch gesehen.“
Grünter betrachtete das vor Zorn rote Gesicht des Bürgermeisters. Irgendwo lebte ein Pfeffermännchen, das rote Sachen trug. Zu diesem wollte er gehen. Er wusste nun genau, dass er nicht länger bei den Autos und den Müllsäcken bleiben wollte. Am nächsten Morgen holte er den Rucksackaus dem Schrank, packte Kleider, den grünen Becher und Teller und seine Werkzeuge hinein. Danach türmte Grünter den Müll auf den Schubkarren, schob ihn vor das Rathaus und besuchte den Bürgermeister. Ohne anzuklopfen öffnete er die Tür und legte dem Bürgermeister den Schlüssel des kleinen Waldhauses auf den Tisch. Er sagte: „Den brauch ich nicht mehr.“ Noch ehe der Bürgermeister etwas erwidern konnte, verließ Grünter das Rathaus und verschwand.
Roto, Azuro und Gelbert hatten aufmerksam zugehört. Roto sagte: "Bleibe bei uns, du kannst jeden Abend den Sonnenuntergang betrachten und am Tag arbeiten wir alle vier beim Bauer." Die anderen nickten zustimmend. Doch Grünter schüttelte den Kopf. „Nein“, sagte er, „ diese Arbeit will ich nicht verrichten.“ Roto und Azuro sahen sich zunächst ratlos an. Gelbert fuchtelte mit seinem Zeigefinger in die Luft und rief: „Das geht aber gar nicht! Ich muss auch helfen und würde lieber zu Hause bleiben.“ Azuro meinte: „Ja, jeder arbeitet hier mit!" Roto fragte: „Was schlägst du vor?“
Grünter holte aus seinen Rucksack die Werkzeuge und legte sie auf den Tisch. „Ich fertige mein Bett und einen Stuhl selber an, baue Vogelhäuschen für den Garten und eine Bank vor unser Haus. Bestimmt gibt es jede Menge zu tun bei euch. Wenn ich nichts zu schreinern habe, helfe ich der Bauersfrau im Blumengarten.
Roto klatsche in die Hände. „Wunderbar“, rief er und auch Azuro und Gelbert waren damit sehr, sehr einverstanden.
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Wenn du das Rätsel gelöst hast, weißt du, was Grünter nach seinem Bett gebaut hat.

Wer kann ohne Murren und Klagen dich jederzeit auf seinem Rücken tragen?
1ɥnʇs
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Der Schreck am Nachmittag

An einem Samstagmorgen standen die Pfeffermännchen früh auf. Während die anderen das Frühstück richteten und den Tisch deckten, lief Roto zum Bäcker, um, wie immer, Streußelkuchen und Brötchen zu kaufen. Dort begegnete er einer Frau. Sie hatte wunderschöne rote Haare, die mit einem Netz zusammengehalten wurden. Als die Frau merkte, dass Roto sie beobachtete, beugte sie sich zu ihm und fauchte ihn an: „Verzieh dich, du Wicht.“
„Na, na, hier ist mein Laden, niemand muss sich verziehen“, sagte der Bäcker. Er gab ihr eine Tüte und sie rauschte aus der Bäckerei. Roto fragte: „Wer ist diese Frau?“
„Eine Fremde“, sagte der Bäcker und packte die Sachen in Rotos Korb.
„Sie ist bestimmt auf der Durchreise und wir sehen sie nicht wieder“, meinte Roto. Aber da irrte er sich gewaltig.
Samstags, wenn die Pfeffermännchen nicht bei Bauer Merten arbeiteten, putzten sie ihr Häuschen. Gleich nach dem Frühstück begannen sie damit. Zuerst machte jedes Pfeffermännchen sein Bett. Danach wischte Roto den Boden in der Schlafkammer und im Stübchen. Azuro und Gelbert wuschen die Wäsche und putzten das Bad. Grünter goss die Blumen und fegte die Treppe vor dem Haus. Nachdem sie die Wäsche auf die Leine gehängt hatten, schnappte sich jeder einen Liegestuhl, klappte ihn im Garten auf und legte sich darauf. Der Wind rauschte sanft durch die Zweige der Tanne und die Pfeffermännchen hielten Mittagsschlaf. Grünter wachte als erster auf. Er betrachtete seine schlafenden Freunde und dachte, wie gut es war, bei ihnen zu leben. Leise stand er auf, deckte den Tisch in der Küche und kochte Kaffee. Zum Schluss stellte er den Kuchen auf den Tisch, den Roto aus der Bäckerei mitgebracht hatte. Frischer Kaffeeduft zog an den schlafenden Pfeffermännchen vorbei und sie wachten auf.
"Danke, dass du uns auf so liebe Art geweckt hast", sagte Roto und setzte sich mit Azuro gleich an den Tisch. Gelbert wollte noch eine Weile im Liegestuhl bleiben.
"Hier draußen bekommst du keinen Kuchen", sagte Azuro. Im Nu saß nun auch Gelbert bei den anderen am Tisch. "Streuselkuchen ist doch mein Leibgericht“, sagte er.
Grünter fragte: „Wir sind jetzt vier Pfeffermännchen, gibt es denn noch mehr?" Roto holte aus dem Schrank ein dickes Buch und schlug die erste Seite auf.
Laut las er: „Fünf Pfeffermännchen leben in einem Dorf, einer mag rote Sache, ein anderer gelbe, einer trägt blau, einer grün und einer besitzt schwarze Kleider.“
„Was steht da noch, es ist doch ein dickes Buch?" fragte Gelberrt.
Roto antwortete: „Die anderen Seiten sind leer, da müssen wir unsere Geschichten hineinschreiben."
Azuro stellte fest: " Nur der schwarze Zwerg fehlt jetzt noch.“
Doch Roto bat: „Lasst uns endlich Kuchen essen.“
Gerade, als er ein Stück abschnitten hatte, klopfte jemand heftig an die Haustüre.
„Das ist sicher das Schwarze Pfeffermännchen“, lachte Azuro,. Schnell lief er zur Haustüre und öffnete sie weit. Vor ihm stand ein großer Mann mit einem leuchtend roten Schnurrbart. Der sah nicht wie ein Pfeffermännchen aus.
Der Räuber Kunibert stand auf der Treppe. Der schob Azuro zur Seite, streckte seinen langen Arm zum Tisch aus und nahm den leckeren Kuchen weg. Die Pfeffermännchen rissen die Augen auf und starrten auf den fremden Mann. Kunibert blickte sie böse an und sagte mit seiner tiefen Räuberstimme: „Ich bin der große und starke Räuber Kunibert und erlaube nicht, dass jemand in meinem See badet. Wenn ihr noch einmal kommt, geht es euch schlecht!" Er schmetterte die Türe zu und verschwand im Garten.
Azuro schloss zitternd die Haustür ab, die anderen stürzten ans Fenster und blickten dem Räuber nach. Kunibert aber ging nicht weit, er marschierte zu den Liegestühlen, schob den roten und blauen zusammen und ließ sich hineinplumpsen. Dann rief er: "Kunigunde, wir können essen!“ Sie hatte vor dem Haus aufgepasst, damit der Räuber in Ruhe den Kuchen stehlen konnte. Nun schlenderte sie gemütlich in den Garten, schob die beiden anderen Liegestühle zusammen und setzte sich neben Kunibert.
Roto schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rief: „Diese Frau habe ich heute Morgen beim Bäcker gesehen!“
Grünter meinte:„Eine Räuberin!“

Kunigunde sagte: "Hier sind wir sicher, weit und breit ist kein Mensch zu sehen!“ Sie teilten den Kuchen und begannen voll Wonne zu schmatzen. Traurig sahen die Pfeffermännchen, wie ihr feiner Streuselkuchen Stück für Stück im Mund der Räuber verschwand.
"Schlimm genug, dass sie unseren Kuchen essen", schimpfte Gelbert, „aber müssen wir auch noch zusehen, wie sie in unseren Liegestühlen hocken?"
„Ja, wir jagen sie fort“, sagte Roto. Er öffnete das Fenste und rief: „Verschwindet, aber sofort, sonst holen wir die Polizei!“
Der Räuber klatschte sich vergnügt auf die Schenkel. "Ihr habt ja gar kein Telefon.“
„Woher willst du das wissen?" fragte Azuro. Kunigunde antwortete: „Das hat mir am Morgen der Bäcker verraten und er hat mir auch erzählt, wo jeden Samstag am Nachmittag ein leckerer Streuselkuchen auf dem Tisch steht.“

Sie lachten und kicherten und dabei verschluckte sich der Räuber ein wenig. Kunigunde klopfte ihm kräftig auf den Rücken. Die Pfeffermännchen schlossen das Fenster. Sie setzten sich an Tisch und überlegten, wie sie den Räuber und seine Frau loswurden.
Azuro schlug vor, dass alle zusammen laut aus dem Fenster schreien sollten, vielleicht hörte der Bauer den Hilferuf. Aber kaum hatten die Pfeffermännchen das Fenster geöffnet, stand schon Kunibert davor und zischte: „Keinen Laut, sonst schleppe ich euch in unsere Höhle.“ Sofort schlossen sie das Fenster. Gelbert meinte: „Ich könnte ihn einmal mit der Taschenlampe blenden, vielleicht mag er das Licht nicht und verzieht sich wieder". Die anderen nickten zustimmend. Aber als Gelbert den Räuber anleuchtete,. lachte dieser laut auf und schloss nur die Augen.
Nun holte Roto aus der Schrankschublade einen roten, einen gelben, einen grünen und einen blauen Luftballon. "Die füllen wir mit Wasser und werfen sie den beiden vor die Füße.“ Das taten die vier und sie verknoteten die gefüllten Luftballons sorgfältig. Das Blaue Pfeffermännchen warf zuerst. Der Ballon platzte mit einem Knall, das Wasser spritzte die beiden Räuber voll, aber sie freuten sich darüber.
"Nur weiter so", grinste Kunibert. „Es ist heiß und wir sind dankbar für jede Erfrischung!"
Die Pfeffermännchen zogen sich zurück. Grünter sagte: „Ich steige aus dem Kellerfenster und hole Bauer Merten zu Hilfe!" Doch leider klappte das auch nicht. Kunigunde hatte Holz und Bretter vor das Fenster gelegt. Ratlos saßen sie auf ihren Stühlen. Jedes überlegte still, wie sie den Räuber und seine Frau vertreiben könnten.
Da hörten sie ganz leise: "SSSS".
"Was war das?" fragte Azuro.
„Ich war das!" fipste ein feines Stimmchen aus der Zimmerecke.
"Hilfe, eine Maus! Wie kommst du denn hier her", rief Gelbert und sprang auf den Tisch.
Die kleine weiße Maus tänzelte auf zwei Beinen hin und her und verbeugte sich leicht: „ Das war nicht schwer. Die Haustür stand heute Morgen offen. Ich bin Waldemar, der Mäuserich. Vielleicht kann ich euch helfen!"
Roto sagte: „Das wäre wunderbar. Wir haben schon allerlei probiert. Aber Kunibert und Kunigunde sitzen noch immer in unseren Liegestühlen und lachen uns aus." Grünter hielt Waldemar die Hand hin.
Er sprang hinein und sagte: "So, wie der Wicht auf dem Tisch, fürchten sich viele Menschen vor uns Mäusen. Vielleicht gehören die beiden Räuber auch dazu!" Grünter schüttelte den Kopf und sagte: „Wie sollen wir sie denn erschrecken? Wir können dich doch nicht vor ihre Füße werfen! Kunibert zerquetscht dich ja mit seinen großen Turnschuhen!"
Waldemar piepste vergnügt: "Keine Sorge, mir wird nichts geschehen. Ihr müsst mir nur die Haustür öffnen!"

Roto schlug vor, erst einmal nachzuschauen, was die beiden trieben. Kunibert und. Kunigunde hatten die Augen geschlossen und der Räuber schnarchte leise. Grünter öffnete lautlos die Tür und. Waldemar huschte hinaus. Flink kletterte er den Liegestuhl hinauf und setzte sich auf die Lehne. Aazuro öffneten das Fenster und Roto rief: "Kunigunde, rate doch einmal, wer neben dir sitzt!"
"Lass mich in Ruhe“, schimpfte sie. "Meinst du, ich weiß nicht, dass neben mir der Kunibert ist?"
"Ich sehe aber eine Maus“, antwortete Azuro. Kunigunde öffnete die Augen und Waldemar hopste auf ihren Schoß. Die Räuberfrau schrie entsetzt und sprang auf. Sie packte ihren Räubermann am Ärmel, riss ihn hoch und stürmte mit ihm aus dem Garten. Die Pfeffermännchen jubelten laut und klatschten in die Hände. Sie bedankten sich bei Waldemar und er fragte: "Darf ich bei euch im Garten wohnen?" Damit waren alle einverstanden und Grünter warnte noch: "Hüte dich vor Bauer Mertens Katzen. Die fangen den halben Tag und die ganze Nacht Mäuse"
"Wenn ich mich fürchte, komme ich zu euch ins Häuschen“, wisperte Waldemar und huschte davon.
Die Pfeffermännchen legten sich in ihre Liegestühle und aßen die letzten Brötchen. Sie blieben draußen, bis die Sonne unterging und am dunklen Nachthimmel die Sterne aufblitzten.
Als sie zu Bett gingen sagte Roto: „Was für ein Tag!“ Azuro murmelte: „ ja, ein Räubertag. Gelbert flüsterte: „Seid bitte leise, Grünter schläft schon!“ Sie knuddelten sich ihre Kissen zurecht, streckten sich aus und bald war es still im Schlafstübchen.
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Raten:
Wer half den Zwergen die Räuber zu vertreiben
und durfte im Zwergengarten bleiben?
Lösung:
Mɐlpǝɯɐɹ' pǝɹ Wänsǝɹᴉɔɥ
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Der Fremde im Garten

Eines Morgen wachten die Pfeffermännchen frühzeitig auf. Eilig deckten sie den Tisch, kochten Kaffee, holten Milch, Butter, Marmelade und Honig aus dem Schrank, schnitten Brot und setzten sich an den runden Tisch. Roto gähnte laut und sagte dann: "Heute gibt es viel Arbeit auf dem Bauernhof.“ Gelbert hielt den Kopf in die linke Hand gestützt. Mit dem Löffel in der rechten Hand rührte er in seiner Tasse. Er sagte: "Ich habe heute Nacht sehr schlecht geschlafen und kaum ein Auge zugetan, Grünter hat fürchterlich geschnarcht.“ Grüntert lachte laut.
„Was ist denn da so lustig?" fragte Gelbert und verzog sein Gesicht.
Grünter antwortete: „Ich bin heute Nacht aufgewacht und dachte, du würdest schnarchen! Aber jetzt lauft los, ich habe auch zu tun.“ Roto und Azuro wanderten fröhlich pfeifend zur Arbeit auf den Bauernhof. Gelbert trottete müde hinterher.
Grünter räumte den Tisch ab, er freute sich schon auf das Wochenende, wenn alle frei hatten und zusammen etwas unternehmen konnten. Aber heute, wenn er im Häuschen aufgeräumt hatte, wollte er ein Regal für die Schuhe schreinern.

Grünter nahm die Gießkanne und goss die Blumen am Fenster. Kurz schaute er in den Garten und da fiel ihm vor Schreck beinahe die Gießkanne aus der Hand. Im Salatbeet kniete ein fremder Mann. Er hatte pechschwarze und lockige Haare. Dieser fremde Kerl trampelte ihren schönen Garten nieder. Kurz entschlossen öffnete er die Haustüre, stürmte auf den Fremden los und rief: „Was suchst du in unserem Garten?"
Der Fremde antwortete: „Etwas zu essen“, und kroch auf allen vieren weiter.
Grünter stellte sich vor den Eindringling und versperrte ihm den Weg. "Du ruinierst unser schönes Gemüsebeet", schrie er.
Nun erhob sich der Fremde endlich. Er klopfte den Schmutz von den Hosen und Händen und fragte verwundert: „Erlaubst du mir nicht, dass ich hier ein paar Möhren suche?" Grünter blickte den Fremden erschrocken an. So einen langen Kerl hatte er noch nie gesehen. Alles an ihm war riesig, die Augen und die Ohren, die Schultern, die Hände, die Beine und die Füße.
„Weißt du überhaupt, wer ich bin“? fragte der Fremde und Grünter schüttelte nur den Kopf. Sein Herz klopfte wild und er wollte in das Häuschen zurück. Langsam, Schritt für Schritt und rückwärts, entfernte er sich von dem baumlangen Kerl. „Noch zwei Meter, dann bin ich gerettet", murmelte es. Doch da schnellte der lange Arm des Fremden vor und hielt Grünter fest. "Halt, hier geblieben", donnerte er mit tiefer Stimme. „Ich bin Willibald und wer bist du?“ fragte er.
"Ich bin Grünter Pfeffermännchen und wohne hier mit Roto, Azoro und Gelbert zusammen.“
"Kennst du dich in dieser Gegend aus?" wollte Willibald wissen.
„Ja, ja", stammelte Grünter.
"Das trifft sich gut“, meinte Willibald, „ich suche nämlich einen, der mich durch den Wald führt."
„Ich dachte, du suchst etwas zum Essen“, sagte Grünter.
„Stimmt genau, ich bin hungrig, weil ein böser Räuber meinen Salat, die Möhren und alle Beeren gestohlen hat. Hörst du, wie mein Magen knurrt?" Er presste Grünters Kopf an seinen Bauch. Wie das schmerzte! Tränen stiegen ihm in die Augen.
„Lass mich los", schrie er und Willibald gab den Kopf frei. Aber er hielt den Zwerg noch immer an den Armen fest.
Er sagte: "Ich suche jemand, der mich zu diesem frechen Räuber bringt. Ich glaube, er heißt Kinobart oder so ähnlich."
„Du meinst den Räuber Kunibert", antwortete Grünter. "Keiner weiß, wo der haust."
Willibald knurrte: „Du hast gesagt, du kennst dich hier aus, also bringst du mich in den Räuberwald. Wenn du nicht gehorchst, reiße ich dir ein Haar nach dem anderen von deinem hübschen, kleinen Kopf“, und drohend wickelte er ein Haar von Grünter um seinen Zeigefinger. Grünter jammerte laut. Willibald fragte: "Na, führst du mich nun in den Räuberwald?"
Nie und nimmer würde Grünter mit diesem Grobian in den Wald gehen, aber Haare verlieren wollte er auch nicht. Vielleicht konnte er den Riesen überlisten.
Er sagte: "Wenn ich mit dir gehe, muss ich meine Schuhe anziehen, in Hausschuhen kann ich dich nicht begleiten." Das sah Willibald ein und er ließ Grünter los. Der rannte wie der Blitz in das Häuschen, schlug die Türe zu und schob den Riegel davor. Einen Augenblick lehnte er sich gegen die Tür und schloss erleichtert die Augen. Dann stieg er mit zitternden Knien die Wendeltreppe hinauf in die Schlafkammer. Er öffnete das Fenster und blickte auf den Riesen, der geduldig im Hof wartete. Grünter rief: „Willibald, du Riesenschreck! Ich begleite dich nicht in den Räuberwald, du musst dir einen anderen Helfer suchen.“
„Das kannst du dir noch einmal überlegen, inzwischen will ich mich stärken", antwortete der Riese. Er ging zum Gemüsebeet zurück, kniete sich hinein und zog eine Mohrrübe heraus. Grünter schimpfte: „Mit deinen langen Beinen mähst du unseren Salat nieder, du machst alles kaputt.“
„Ich habe einen Riesenhunger und der Räuber hat mir alles gestohlen", sagte Willibald.
"Und du raubst unser Gemüse und zerstörst unseren Garten, das ist genau so schlimm wie stehlen“ sagte Grünter.
„Was soll ich denn tun? Wenn du eine gute Idee hast, wie ich satt werden kann, verlasse ich sofort den Garten", versprach Willibald.

Grünter schlug dem Riesen vor, ihm eine Bratwurst zu schenken. Willibald schmatzte genüsslich und verdrehte dabei seine Augen. „Die würde mir sehr schmecken", sagte er und stellte sich auf den Gartenweg. Grünter eilte in die Küche, holte eine Wurst aus dem Kühlschrank und stieg damit die Wendeltreppe hinauf. Er öffnete das Fenster, schwenkte die Wurst hin und her und rief: „Komm her, dann lasse ich die Wurst zu dir hinunterfallen." Willibald antwortete: „ich bin doch kein Hund, der nach der Wurst schnappt. Ich möchte in deiner Küche essen!“
Grünter grollte: „Bei dir piept es wohl. Ich lasse dich nicht herein, eben wolltest du mir noch die Haare ausreißen, hast du das schon vergessen?" „Ich werde dir kein einziges Haar mehr krümmen und ich gebe mein Riesenehrenwort, dass dir von mir kein Leid geschieht. Darauf kannst du dich verlassen", versprach Willibald, und legte seine große Hand auf sein Herz.
„Du zwingst mich auch nicht mit dir den Räuber Kunibert zu suchen?" erkundigte sich Grünter. "Ich zwinge dich nicht ", versicherte der Riese mit tiefen Stimme. „Du bist schlau und klug, Grünter, vielleicht kannst du mir einen Rat geben, wie ich den Räuber Kunibert alleine finden kann. Oder willst du auch nicht über ihn sprechen?"
Grünter überlegte einen Augenblick. Dann sagte er: „Ich werde dir alles erzählen, was ich über den Räuber Kunibert weiß, aber ich lasse dich nicht ins Haus."
„Warum muss ich draußen bleiben? Hast du etwa noch immer Angst vor mir?" wollte der Riese wissen. Grünter schüttelte den Kopf. „Nein, nein, unsere Stühle sind zu klein für dich und außerdem habe ich gestern mein Häuschen frisch geputzt. Du hast schmutzige Schuhe.“
„Ich ziehe sie aus und setze mich auf den Boden", schlug Willibald vor.
Damit war Grünter einverstanden. „Stell deine Schuhe unter die Gartenbank", befahl er.

Willibald schnürte seine Riesenschuhe auf, streifte sie von den Füssen und stellte sie unter die Bank. „Grünter, bist du nun zufrieden“? fragte er und zog seine Zehen ein, die durch große Löcher aus den Socken herausschauten. Grünter lief die Wendeltreppe hinunter und öffnete die Haustür. Um nicht den Kopf am Türrahmen anzustoßen, bückte sich der Riese, trat ein und setzte sich auf den Boden. Grünter rief: „Ich hole für dein Essen einen Salat aus dem Garten", und stürmte hinaus. Willibald schaute sich in der Wohnküche um und was er sah, gefiel ihm. Er fand, dass die Zwerge ein gemütliches Stübchen hatten. Bald kam Grünter mit einem großen Salatkopf unterm Arm zurück. Zuerst schenkte er Willibald eine Tasse Milch ein. Dann stellte er die Pfanne auf den Herd, legte zwei Würste hinein und richtete den Salat. Der hungrige Riese schloss zufrieden die Augen. Der Duft der Bratwürste strich um seine Nase. Er schnupperte und lächelte dabei, so wohl hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Grünter stellte die Schüssel mit dem Salat und einen Laib Brot auf den Boden. Er legte dem Riesen die Würste auf den Teller und holte das große Messer, um Willibald einige Scheiben Brot abzuschneiden. Doch der Riese hielt den ganzen Brotlaib in der Hand und biss herzhaft hinein. Grünter schüttelte verwundert den Kopf. Zwei Tage brauchten die Zwerge, um so ein großes Brot zu essen. Er setzte sich zu Willibald und während der aß, erzählte Grünter, was sie mit dem Räuber Kunibert und seiner Frau Kunigunde erlebten hatten.

Endlich war der Riese satt. Er bedankte sich für das leckere Mittagessen. Dann sagte er: "Der Kunibert ist ja ein schlimmer Tunichtgut. Oh, wenn ich diesen Lümmel erwische, kann er was erleben. Am liebsten würde ich dich jetzt packen und mit dir auf Räubersuche gehen. Was meinst du dazu?" "Du hättest keine Freude daran", antwortete Grünter lächelnd.
"Ich halte mein Versprechen“, sagte der Riese. „Ich bin viel stärker als du und hätte dich leicht zwingen können. Was hättest du dann gemacht?" fragte er. "Sicher bist du sehr stark und sehr groß. Doch vergiss nicht, dass du keine Schuhe an hast. Oder willst du Barfuß auf Räuberjagd in den Wald gehen?" fragte Grünter.
"Natürlich nicht", sagte Willibald gekränkt. "Ich hole nur meine Schuhe unter der Gartenbank hervor und ziehe sie an."
"Meinst du, das wäre so einfach?" wollte Grünter wissen.
„Klar“, antwortete der Riese, "pass auf, ich zeige dir, wie schnell meine Füße wieder in den Schuhen stecken". Willibald stand auf, ging hinaus und blieb erschrocken vor der Gartenbank stehen. „Wo sind meine Schuhe", rief er.
Grünter stand neben Willibald und grinste ihn an. " Ich habe sie versteckt, als ich den Salat holte! Da wusste ich noch nicht, dass du ein ehrenwerter Riese bist.
„Donnerwetter", entfuhr es dem Riesen, "du denkst aber an alles." Er lachte schallend und wackelte dabei mit seinen Zehen. "Ich bin ein Riesendummkopf und du hast mich überlistet" sagte er und klatschte sich mit den Händen auf die Schenkel. „ Wollen wir Freunde sein?" Er streckte Grünter seine Pranke entgegen und der legte seine kleine Hand hinein. "Gut, ich will dein Freund sein. Erzähle mir doch, wo du wohnst und wie du lebst." Der Riese schüttelte den Kopf. "Sei mir nicht böse, ich möchte jetzt in den Wald gehen, vielleicht stöbere ich den Räuber Kunibert dort auf. Am Nachmittag komme ich zurück und erzähle dir alles."
Grünter meinte: „Wie du willst, mein Freund. Um fünf Uhr wird heute Nachmittag gegessen und ich lade dich herzlich dazu ein. Dann lernst du auch Roto, Azuro und Gelbert kennen.“
„Gib mir bitte meine Schuhe wieder", verlangte Willibald. "Deine Schuhe sind sehr schwer, komm folge mir und hole deine Schuhe selbst", sagte Grünter und führte den Riesen zur großen Tanne. Willibald holte seine Schuhe unter den Zweigen hervor, schlüpfte hinein und verabschiedete sich von Grünter. Schon stand er auf der Straße, drehte sich noch einmal um und winkte.
Grünter schrie ihm nach: „Sei vorsichtig und pass gut auf dich auf." Willibald nickte und lief mit Riesenschritten auf den Waldweg zu. „Wenn das nur gut geht", murmelte Grünter und ging in sein Stübchen. "So wie ich Willibald nun kenne, wird er heute Abend einen Riesenhunger haben. Ich muss zwei frische Brote backen und viele, sehr viele Kartoffeln für die Suppe schälen", dachte er und machte sich an die Arbeit. Danach setzte er sich in den Schaukelstuhl und schlief beim Zeitungslesen ein. Er hatte vergessen, dass er eigentlich etwas schreinern wollte.
*
Wisst ihr noch, was Grünter vergessen hat?
Wenn ihr das Rätsel gelöst habt, erfahrt ihr nochmal, was Grünter schreinern wollte.

Rätsel
Ob hoch, ob niedrig, ob breit oder schmal,
es ist das? ɹǝƃɐl
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Willibald im Wald

Willibald schritt langsam durch den Wald. Er schaute sich dabei gründlich um, blickte hinter jedes Gebüsch, ob da nicht eine Räuberhöhle versteckt lag. Doch er entdeckte keine Höhle und fand keine Spur, die zum Räuber Kunibert führte. Willibald seufzte laut, bückte sich von Zeit zu Zeit nach Kieselsteinchen und steckte sie in seine Hosentasche. Er war schon eine Weile gewandert, als zwischen hohen Farnkräutern eine Holzhütte auftauchte. Gebückt bahnte er sich einen Weg durchs Gestrüpp. Kurz vor der Hütte versteckte er sich hinter einem Baum. War das vielleicht die Räuberhöhle? Er nahm eine Handvoll Kieselsteine und warf sie gegen die Tür. Alles blieb ruhig und still, niemand öffnete. Willibald schlich auf Zehenspitzen zur Hütte und schaute durch das kleine Fenster. Doch so sehr er auch seine Nase an die Scheibe drückte, er sah nicht in die Hütte hinein. Das Fenster war voller Schmutz und Staub. Kurz entschlossen riss er die Hüttentür auf. Willibald merkte sofort, dass hier niemals der Räuber mit seiner Frau lebte. In einer Ecke lagen Säcke mit Mais. Den streute der Förster das ganze Jahr über für die Wildschweine aus. Dann blieben die Borstentiere im Wald und kamen nicht heraus, um in den Feldern und Gärten der Bauern nach den süßen Maiskörnern zu wühlen. Neben dem Mais lagerte der Förster Salzlecksteine, die legte er für die Rehe und Hirsche im Wald aus. Sie schleckten gerne Salz und brauchten es auch für ihre Gesundheit. Willibald entdeckte noch große Heckenscheren, Äxte, Handsägen und eine Motorsäge, das Handwerkzeug für die Waldarbeiter. Dafür interessierte sich Willibald nun wirklich nicht. Er wollte den Räuber Kunibert erwischen.
Kunibert saß in der Nähe auf dem Wipfel einer alten Eiche Er hatte den Riesen schon lange erspäht und beobachtete misstrauisch jeden seiner Schritte. Er fragte sich, warum der lange Kerl hinter alle Büsche schaute, wozu er wohl die Kieselsteine brauchte und was er in der Hütte suchte. Nachdenklich zwirbelte sich Kunibert seinen Schnurbart und beschloss, Kunigunde eine Botschaft zu senden. Sie sollte herausfinden, wer dieser Fremde war. Der Räuber kritzelte die Nachricht auf einen Zettel und faltete ihn zusammen. Nun hielt er die Hand vor den Mund und schrie dreimal wie eine Eule. Danach legte er den Zettel auf seine Waffe, die Tannenzapfenschleuder, und schoss. Der kleine Brief flog durch die Luft und die Nachricht landete vier Bäume weiter bei Kunigunde im Baumhaus. Sie schrie dreimal wie eine Eule und Kunibert wusste, dass seine Nachricht angekommen war. Kunigunde faltete den Brief auseinander und las:
„Vorsicht! Eindringling! Kennzeichen: Langer Lulatsch! Was will der hier?"
Kunigunde murmelte grimmig: „ das werden wir bald wissen.“ Sie bemalte ihr Gesicht, zog eine dicke schwarze Jacke an und band ein Tuch um den Kopf. Sie holte ihre Waffe, das Pusterohr, aus der Schatzkiste und steckte es in die Innentasche ihrer Jacke. Dann nahm sie die Milchkanne, kletterte vorsichtig aus dem Baumhaus und machte sich auf die Suche nach dem Fremden.
Willibald kehrte zum Waldweg zurück. Er kauerte auf dem Boden und pflückte Heidelbeeren. Bisher hatte er keinen Menschen getroffen, nicht einmal einen Waldarbeiter. Doch nun kam eine alte Frau auf ihn zu. Sie sammelte eifrig Heidelbeeren in ihre Milchkanne und achtete nicht auf Willibald. Nur noch wenige Schritte war sie von ihm entfernt. Willibald sprang auf und die Frau schrie erschrocken. Willibald ahnte nicht, wer vor ihm stand. Er sagte sanft:
"Hab keine Angst, Mütterchen, ich tu dir nichts.“
Die Frau starrte Willibald an und fragte: „Suchst du auch Heidelbeeren oder weshalb treibst du dich hier herum?"
Willibald antwortete: „Eigentlich kam ich nicht zum Beeren suchen in den Wald."
„So, so, dir ist es kalt. Warum gehst du dann nicht nach Hause?" fragte die Frau.
Willibald rief nun sehr laut: „Mir ist nicht kalt, ich suche den Kunibert!“
Kunigunde tat, als würde sie ihn wieder nicht richtig verstehen und erwiderte: „Da kannst du lange suchen, hier gibt es keinen Kuniberg. Es gibt hier gar keine Berge.“
Willibald schüttelte den Kopf. „Ich glaube, du bist ein wenig taub", sagte er.
"Ja, ja, hier liegt viel Staub. Suchst du etwa Staub?" fragte sie neugierig.
"Ich suche keinen Staub, ich suche den Kunibert", schrie Willibald laut.
"Brüll mich nicht an, das kann ich gar nicht leiden", sagte sie und drohte Willibald mit dem Finger. Weshalb suchst du ihn denn? Ist der Kunibert dein Bruder oder dein Freund?" fragte sie.
„Kunibert ist ein schlimmer Räuber und ich will ihn fangen", sagte Willibald laut und grimmig.
Die Frau sprang auf Willibald zu und klammerte sich an ihm fest. "Oh Schreck und Graus, ein Räuber ist im Wald? Ich fürchte mich entsetzlich", jammerte sie.
Willibald löste ihre Arme von seinem Hals und sagte: „ Hier habe ich keine Spur vom Räuber entdeckt, du kannst unbesorgt Heidelbeeren sammeln.“ Er bückte sich und pflückte Heidelbeeren, die er der Frau in die Milchkanne legte.
"Suchst du noch weiter nach dem Räuber oder gehst du nun nach Hause?" wollte sie wissen. „Ich wandere bis zum kleinen See, vielleicht hat er dort seine Räuberhöhle“, sagte Willibald. Er legte noch ein paar Beeren in die Kanne, dann verabschiedete er sich von der Frau. „Hüte dich vor dem Räuber", sagte sie zum Abschied, Willibald nickte und eilte mit Riesenschritten davon.

Nun wusste der Räuber, was der Fremde im Wald suchte, Kunibert hatte alles mit angehört. Flink kletterte er vom Baum und lief zu Kunigunde, die noch immer bei den Heidelbeerbüschen stand. Er klopfte ihr kräftig auf den Rücken „Das hast du prima gemacht, Kunigunde“, lobte er. „Jetzt werden wir den langen Lulatsch vertreiben.
"Hast du genügend Tannenzapfen?" fragte sie ihren Räuber.
"Ja, aber hast du auch genug Heidelbeeren?" erkundigte sich Kunibert.
Kunigunde kicherte und sagte: „Der lange Kerl hat mir sogar noch welche gepflückt." Nun lachte auch der Räuber, leise natürlich, damit ihn niemand hörte. Flugs schlichen sie auf ihrem Geheimpfad hinunter zum See.
Willibald saß müde am Ufer und warf Kieselsteinchen ins Wasser. In dieser friedlichen Gegend hauste kein Räuber, sicher war Kunibert schon längst über alle Berge geflohen. Nicht weit von ihm kletterte Kunibert geräuschlos auf einen Baum, Kunigunde versteckte sich hinter einem Haselnussstrauch. Sie holte ihr Pusterohr aus der Jackentasche und legte drei Heidelbeeren hinein. Nun rief sie einmal wie eine Eule. Das war das Zeichen für den Räuber, die Schlacht konnte beginnen. Er legte einen Tannenzapfen auf die Schleuder und schoss ihn auf Willibalds Rücken. Als sich der Riese verwundert umdrehte, blies ihm Kunigunde die drei Heidelbeeren auf den Arm. Willibald stand auf und schaute in die Richtung, aus der die Heidelbeeren herangeflogen waren. Da traf ihn ein dicker Tannenzapfen am Hintern.
"Aua", brüllte Willibald, doch gleich pustete ihm Kunigunde einige Heidelbeeren in den Mund und er hörte sofort auf zuschreien, bis ihm ein Tannenzapfen ans Schienbein klatschte. Es hagelte Heidelbeeren und Tannenzapfen auf den armen Willibald herab. Der Saft von den Heidelbeeren lief ihm über das Gesicht. Ihm blieb nichts anderes übrig, als sich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen. Er lief in den Wald zurück, rannte ohne Rast, bis er entkräftet das Haus der Pfeffermännchen erreichte.
Kunibert und Kunigunde rieben sich zufrieden die Hände. „Den wären wir los“, brummte der Räuber. Das wollen wir feiern", sagte Kunigunde. Sie hängte sich bei ihrem Räuber ein und gemeinsam gingen sie in ihr Baumhaus zurück. Sie legten sich in ihre Hängematten. Der Wind strich sacht durch die Blätter. Sie aßen die letzten Heidelbeeren und erzählten sich Geschichten, bis sie allmählich sanft einschlummerten.
*
Rätsel
Wisst ihr das noch?

Welch leckeren Schmaus,
streuen Förster für Wildschweine aus?
Wɐᴉs
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Großer Freund

Azuro, Roto und Gelbert kehrten müde von der Arbeit heim. Sie wuschen sich die Hände und setzten sich an den runden Tisch.
„Es duftet herrlich nach frischen Brot und Kartoffelsuppe", sagte Azuro.
„Du hast einen Teller zuviel gedeckt", bemerkte Gelbert und runzelte die Stirn.
„Nein, wir erwarten Besucht“, antwortete Grünter und stellte die große Suppenschüssel auf den Tisch.
„Erzähl, wer kommt“? fragte Roto.
Doch Grünter lächelte geheimnisvoll und verriet nichts. "Das ist eine Überraschung", versprach er.
„Vielleicht ist das schwarze Pfeffermännchen angekommen", meinte Roto.
Grünter schüttelte nur den Kopf.
„Dürfen wir erst essen, wenn der Besuch da ist?" erkundigte sich d Gelbert besorgt.
„Nein, ihr seid sicher sehr hungrig und ich weiß nicht, wann unser Gast eintrifft. Fangen wir schon einmal an", antwortete Grünter und verteilte die Suppe. Auf einmal krachte es vor der Haustür. Den Pfeffermännchen fiel vor Schreck der Löffel aus der Hand. Gelbert kroch unter den Tisch. Azuro und Roto rückten dicht zusammen. Grünter schaute rasch durchs Schlüsselloch, dann öffnete er die Haustür. Auf der Treppe saß Willibald und keuchte noch vom Rennen.
„Komm herein", forderte ihn Grünter auf. Willibald zog zuerst seine Schuhe aus. Mit schweren Schritten stolperte er ins Häuschen und setzte sich auf den Boden. Er schloss die Augen. Wortlos drückte ihm Grünter ein Glas Milch in die Hand. "Danke", murmelte er und trank die Milch in einem Zug aus.
„Warum lässt du diesen Riesen in unser Häuschen, ich fürchte mich vor ihm, er hat Blut im Gesicht", klagte Gelbert unter dem Tisch.
„Irrtum, das ist Heidelbeersaft", brummte Willibald, nahm sein Taschentuch und fuhr sich über das Gesicht. „Gelbert, du kannst vorkommen, er ist harmlos“, sagte Grünter und du, Willibald musst dich erst waschen.“ Während sich Willibald in die kleine Dusche setzte, erzählte Grünter, wie er den Riesen kennen gelernt hatte.
„Wird er nun immer bei uns bleiben?" fragte Azuro.
„Das ist doch unmöglich, für einen Riesen ist in unserer Schlafkammer kein Platz mehr“, sagte Gelbert. Willibald hatte sich gewaschen und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden.
Er schüttelte den Kopf: „Wenn ich mich gestärkt habe, laufe ich nach Hause.“ Er schob sich zum Tisch, nahm einen frischen Laib Brot in die Hand und aß ihn auf. Danach hob er mit beiden Händen den Teller hoch und trank die Suppe aus. Roto füllte seinen Teller wieder. Der Riese trank sieben Teller Suppe leer. Die Pfeffermännchen beobachteten ihn genau.
Gelbert flüsterte: „ Azuro, so einen gefräßigen Kerl habe ich noch nie gesehen, was der alles in sich hinein stopfen kann.“

Willibald rieb sich zufrieden den Bauch und bedankte sich für das feine Essen.
Da fragte Grünter: „Hast du den Räuber Kunibert und seine Kunigunde gefunden?" Betrübt schüttelte Willibald den Kopf und dann erzählte den aufmerksamen Pfeffermännchen, was er im Wald erlebte hatte.
„Die Frau mit den Heidelbeeren war sicher Kunigunde“, rief Roto empört.
„Und die Tannenzapfen hat dir der Räuber angeschmissen", meinte Azuro.
„Eines Tages fangen wir den Räuber und seine Räuberfrau", versprach Grünter.
„Dann geht es ihnen schlecht, sehr schlecht“, brummte Gelbert.

„Schade, dass du den Räuber nicht erwischt hast, doch nun erzähle uns einmal von deinem Zuhause", bat Roto. Die anderen Pfeffermännchen nickten zustimmend.
Von mir gibt es nicht viel zu berichten“, lachte Willibald , doch bald kannten sie, Willibalds Leben.
In Schneckenberg, am Waldrand stand sein Haus. Es war aus Holz gebaut und daneben befand sich der große Stall für seinen Esel Felix und die Ziege Felicitas. Wenn Leute in Urlaub fuhren und ihre Tiere nicht mitnehmen konnten, brachten sie diese zu Willibald. Vögel, Hamster, Meerschweinchen, Fische, Hasen, Mäuse, Katzen, Hunde und einmal sogar ein Pferd und ein Schaf waren bei ihm als Gäste. Er versorgte diese Tiere, brachte ihnen Futter und Wasser, redete mit ihnen und streichelte sie, solange die Besitzer verreist waren.
Jeden Frühling ritt er mit Felix in den Schneckenberger Wald. Er holte alle Vogelhäuser und Nistkästen von den Bäumen und säuberte sie. Vom Frühling bis in den späten Herbst arbeitete er in seinem großen Garten, pflanzt Gemüse und Salat. Im Herbst ritt er auf seinem Esel nach Schneckenberg. Dort reinigt er alle Dachrinnen an den Häusern und nur beim Rathaus, bei der Kirche und bei der Schule braucht er dazu eine Leiter. Im Winter aber, wenn es draußen stürmte und schneite, wenn ein kalter Wind um das Haus heulte, saß er an der Töpferscheibe. Er stellt Krüge, Vasen, Teller, Tassen, Eierbecher und Blumenschalen her, die er vor Ostern auf dem Markt verkaufte. Willibald war sehr zufrieden mit seinem ruhigen Leben. Eines Nachts, als er schon im Bett lag, begann die Ziege laut zu meckern, der Esel brüllte und die Tiergäste schrien mit. Willibald stand auf und lief im Nachthemd in den Stall. Die Tiere waren sofort still, als sie seine Stimme erkannten. Er streichelte dem Esel den Rücken und sah dabei aus dem Stallfenster. Da verließ ein Kerl mit einem Schnurbart seinen Garten und trug einen Sack auf dem Rücken. Bald stellte Willibald fest, dass der Räuber alles Gemüse aus seinem Garten genommen und dazu noch einen Trinkbecher gestohlen hatte. Er beschloss, diesen Räuber zu suchen.
Nachdem Willibald seine Geschichte erzählt hatte, sagte er: „Nun muss ich schnell nach Hause, meine Tiere brauchen frisches Wasser und Futter." Willibald erhob sich. „Eigentlich bin ich froh, dass Kunibert bei mir geräubert hat“, sagte er lächelnd.
"Warum das denn?" wollte Gelbert wissen.
"Sonst hätte ich wohl nie meinen Freund Grünter kennen gelernt", antwortete Willibald.
Azuro, Roto und Gelbert schauten sich betroffen an.
„Dürfen wir nicht deine Freunde sein?“ fragte Azuro traurig.
„Wenn ihr wollt, gerne", sagte Willibald und streckte ihnen seine große Hand entgegen. Nun legten alle vier Pfeffermännchen ihre Hand in die riesengroße Pranke von Willibald und der drückte sie sanft. Er riss die Türe auf, zog seine Schuhe an und stürmte mit großen Schritten davon.
"Komm bald wieder", rief ihm Grünter nach.
"Ich bin froh, dass wir einen Riesen als Freund haben, auch wenn er den Räuber Kunibert nicht gefangen hat“, fand Roto. Sie setzten sich auf die Bank vor ihrem Häuschen und während sie den Sonnenuntergang beobachteten, erzählte Grünter noch einmal, wie er den Riesen kennen gelernt hatte.
Als sich der Himmel dunkel zeigte und der leichte Nachtwind wehte, gingen sie zurück ins Haus. Azuro verriegelte sorgfältig die Haustür. Sie putzten ihre Zähne und bald lagen sie in ihren Betten und träumten vom freundlichen Riesen Willibald.

Rate:
Welche Beeren
mochte Willibald nicht
in seinem Riesengesicht.

Hǝᴉpǝlqǝǝɹǝu
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Ein schlimmer Tag

Wie an jedem Werktag richteten sich die Pfeffermännchen für die Arbeit auf dem Bauernhof. Diesmal ging sogar Grünter mit, er wollte im Blumengarten der Bäuerin beim Unkraut jäten helfen.
Sorgfältig schloss Roto die Haustür ab. Azuro sagte: "Niemand passt heute auf unser Häuschen auf. Hoffentlich bekommen wir keinen Besuch.“
Grünter meinet: „Wenn Willibald, der Riese, uns besuchen will und nicht antrifft, geht er zum Bauern. Er weiß, dass wir dort arbeiten.“
Gelbert fragte: „Und wenn der Räuber kommt?“
Aazuro meinte: „Ich habe schon eine Weile nichts mehr von Kunibert und seiner Kunigunde gehört, vielleicht sind sie fortgezogen.“
„Das wäre wunderbar", seufzte Roto.

Aber Kunibert und seine Räuberfrau dachten nicht ans fortziehen. Hätten sich die Pfeffermännchen ein bisschen aufmerksamer umgeschaut, so wäre ihnen sicher ein Haarnetz unter ihrem Tannenbaum aufgefallen und dieses Haarnetz gehörte Kunigunde. Die beiden Räuber lagen still auf dem Boden und beobachteten die Pfeffermännchen.
Kunibert wartete, bis alle Pfeffermännchen auf dem Bauernhof verschwunden waren, dann flüsterte er: „Die kleine Kerle überlassen uns freiwillig ihr Häuschen. Los, Kunigunde, machen wir uns an die Arbeit.“
Der Räuber nahm seine Schleuder und schoss damit einen Stein ins Stubenfenster. Die Scheibe klirrte und zersprang. Kunibert warf sich wieder auf den Boden. Wenn Bauer Merten den Schuss gehört hatte, würde er nachsehen. Die beiden Räuber zählten langsam und leise bis zwanzig, doch der Bauer kam nicht.
„Jetzt sind wir sicher", sagte Kunigunde, "komm, wir klettern ins Haus." Vorsichtig entfernten sie die restlichen Splitter im Fensterrahmen. Kunigunde stieg durch das offene Fenster ins Stübchen hinein und öffnete dem Räuber die Haustür.
"Der Kuchen steht noch auf dem Tisch“, bemerkte Kunibert.
„Koch du Kaffee, ich decke den Tisch“, sagte Kunigunde. Sie holte Eier, Milch, Käse, Brot, Schinken, Zucker, Honig und Marmelade aus dem Schrank. Kunibert stellte dampfenden Kaffee auf den Tisch. Dann aßen sie beinahe alles auf. Sie schmatzten, schlürften und schleckten sich zum Schluss alle zehn Finger ab. So ein leckeres Frühstück hatten sie schon lange nicht mehr gegessen. Nur die leeren Eierschalen, zwei Käserinden, ein Klecks Honig und das schmutzige Geschirr blieben auf dem Tisch zurück. Der Räuber rekelte sich zufrieden und klatschte sich auf den vollen Bauch. Dabei rülpste er so laut, dass Kunigunde ihm erschrocken den Mund zuhielt. "Sei still, Mann, sonst erwischen sie uns noch“, zischte sie. "Steh endlich auf, wir sind nicht hier, um einen Schläfchen zu halten“, schimpfte sie weiter. Kunibert erhob sich seufzend. Er holte zwei Tüten aus seiner Jackentasche und da hinein legten sie, was sie den Pfeffermännchen raubten: das Mau- Mau- Spiel, die Tüten mit den Gummibärchen, Schokolade, 2 Gläser Erdbeermarmelade, zwei Handtücher, den Honigtopf und das Einkaufsnetz. Vorsichtig schlichen sie aus dem Haus und verschwanden mit ihrer Beute im Wald.

Am späten Nachmittag kehrten die Pfeffermännchen müde von der Arbeit zurück.
Roto öffnete die Haustür. Starr vor Schreck blieb er im Eingang stehen. Die Schrankschubladen lagen auf dem Boden, Essensreste und schmutziges Geschirr türmten sich auf dem Tisch, und die Stühle waren umgefallen. Die anderen Pfeffermännchen schoben Roto vorwärts.
Azuro rief: „Was ist denn da passiert“?
Wer hat unser schönes, gemütliches Stübchen verwüstet?" klagte Grünter.
"Wie in einem Schweinestall sieht es hier aus", schimpfte Gelbert.
Roto entdeckte, dass im Fenster die Glasscheibe fehlte. „Räuber waren da, sagte er grimmig und stürmte mit den anderen zum Bauernhof zurück. Bauer Merten wunderte sich sehr, als er die Pfeffermännchen wieder sah. „Habt ihr was vergessen?" fragte er. Die Pfeffermännchen schüttelten betrübt den Kopf und berichteten von dem Einbruch.
Bauer Merten eilte mit großen Schritten zum Telefon, rief Polizeiinspektor Stutzhuber an und erzählte ihm alles. Als er den Hörer auflegte, sagte er: „Geht in euer Häuschen, der Inspektor besucht euch gleich und er klopft drei Mal an die Tür."
Nachdem der Inspektor von dem Einbruch erfahren hatte, setzte er seine Baskenmütze auf und band sich einen Schal um den Hals. Dann schwang er sich auf seinen Motorroller und fuhr zu den Pfeffermännchen. Diese saßen, eins hinter dem anderen, auf der Wendeltreppe und warteten auf den Polizeiinspektor. Er klopfte dreimal, Roto sah durchs Schlüsselloch und öffnete ihm.
"Ich bin Polizeiinspektor Stutzhuber", sagte er und setzte sich auf den Boden. "Schrecklich, einfach schrecklich, wie das hier aussieht!“ Er deutete auf den runden Tisch. "Da stehen zwei schmutzige Teller und Tassen, also waren zwei Räuber hier, stellte er fest.
„Das sieht nach Kunibert und Kunigunde aus", meinte Azuro.
Inspektor Stutzhuber trommelte mit seinen Fingern auf die Tischplatte. „Höchste Zeit, dass wir die beiden erwischen", sagte er.
Er zog sein Notizbuch aus der Tasche und fragte: „Wisst ihr schon, was sie geraubt haben?“
Roto antwortete: „Das Mau- Mau- Spiel fehlt und der Honigtopf, bestimmt noch mehr Sachen, aber wir haben nicht nachgeschaut.“
Inspektor Stutzhuber versprach, gleich am nächsten Tag im Wald nach den Räubern zu suchen und verabschiedete sich von den Pfeffermännchen.
Sie räumten ihr Stübchen auf. Grünter versprach, am nächsten Morgen eine neue Fensterscheibe einzusetzen und Fensterläden zu bauen, die nicht so leicht vom Fenster entfernt werden konnten. Er sagte: Wenn ich auch nicht Zuhause bin, schließen wir die Fensterläden zu.“

An diesem Abend versäumten sie sogar den Sonnenuntergang. Dunkel und kalt stand die Nacht am Himmel. Der Wind drang ungehindert in das Stübchen. Roto und Grünter hängten ein Stück Stoff vor die Fensteröffnung. Als sie die Wendeltreppe ins Schlafstübchen hinauf stiegen, murmelte Roto: „Ich bin so froh, dass ich nicht mehr allein im Häuschen lebe.“ Sie sanken erschöpft in ihre Betten, drehten sich auf die Seite und schliefen ein.
*
Raten:

Hoffentlich werden die Räuber bald gefasst!
Was haben die Pfeffermännchen am Abend verpasst?

Souuǝunuʇǝɹƃɐuƃ
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Ende erster Teil
 

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