Pinselschwung

entweht der schwung der an der lügen mühle dreht
den lungen böen aus äolus türe

hindurch gitter hindurch sieb hinauf der äols harfe springt
ein wind ein wort ein dieb

der gibt dem stein gesicht den schlüpf schuh löffel hüpf
davon ich schenke nur ich stehle nie

er taucht das nadel pinsel haar in ihre iris sag
was sog aus ihr der pinsel mit der spitze schrieen

sie
 

L'étranger

Mitglied
Hallo,

obwohl es interessant klingt, ist es (für mich) ein bisschen unbefriedigend, das es hermetisch scheint, bzw. dass ich den Eindruck habe, es will doch etwas sagen, behält es aber unter Verschluss.

Speziell der Abschluss, in dem plötzlich ein "ihre iris" wohlkingt, aber aus der Luft erscheint, gefolgt von ominösen "Schreiern" (sie) ...

Deswegen frage ich einfach mal: Ist hier im Entstehungsprozess der Klang die führende Kraft, oder will es entschlüsselt werden?

Gruß Lé.
 
L'étranger,
die Frage habe ich mir auch gestellt, gleich nachdem es fertig war. Mein ursprünglicher Gedanke ist eskaliert.
Vielleicht ist einzig die Lüge als Dieb das, was man hier verfolgen könnte - als Dieb, welcher nimmt, indem er gibt.
Die erste Strophe lese ich wie eine Frage, ob das Lügen schlicht eine Laune ist, von irgendwo her, vielleicht mehr aus Gewohnheit, denn aus Absicht?
Vielleicht macht die zweite Strophe das konkreter, das eben dieser Wind, dies zugeblasene Lügen, grobe und feine Filter durchdringt, bis zur Entscheidung zum Lügen vorstößt, dass sie gefällt und harmoniert, wie es die Harfe muss.
Tja, die dritte ist dann völlig ausgeartet. Ich mag den Gedanken der Lüge als Chance, sich und was man von sich dachte zu sein, loszulassen. Dass wir ein starres Gesicht, ein schon zu Stein gewordenes, langweiliges Gesicht somit ablegen können, hinfort gelogen.
Und die vierte als Antwort, als verlöre die eigene Palette durch das Lügen an Farbe, so wie man ein anderer wird, mit dem eigenen Melanin dafür zu zahlen. Vielleicht darum der Dieb? Na, ich weiß nicht. Viel zu kryptisch, das kann ich besser. Vielleicht lasse ich das ganz löschen.
Tut mir leid!
 

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